
von Sev
Es ging auf Mitternacht zu, als ein grauer, unscheinbarer Vogel an eines der unzähligen Fenster der Villa kratzte.
Das Tier war nicht viel größer als eine Taube, das Gefieder wirkte, als wäre es großen Belastungen
ausgesetzt worden- kein Wunder bei dem Unwetter, das draußen tobte. Der Regen prasselte gegen das Fenster und drohte den Vogel zu ertränken.
Alice Prince war es, die den kleinen Vogel bemerkte. Sie erhob sich aus dem braunen Ledersessel, auf dem sonst immer ihr Mann saß und die Zeitung las, und ließ den Vogel hinein. Schnell schloss sie das Fenster wieder, um nicht den Regen in ihr Haus zu lassen.
Mitleidig strich Alice über das Gefieder des kleinen Vogels der seine Flügel ausstreckte und sich wie ein Hund schüttelte, um das Wasser loszuwerden.
Er hüpfte auf den Fenstersims und streckte Alice den Brief entgegen, der an seinem kleinen Beinchen hing.
Selbst dieser war vom Regen durchnässt. Der Name, der mit Tinte geschrieben war, war vollkommen verschmiert und unleserlich.
Entnervt seufzte Alice auf und strich ihre schwarzen Haare hinter das Ohr. Trotz ihres fortgeschrittenen Alters war sie keine hässliche Frau. Sie hatte schwarze Haare, die mit grauen Strähnen, die im Kerzenlicht wie Spinnenweben wirkten, durchzogen war.
Unter ihren Augen waren dunkle Schatten, trotzdem wirkte sie noch jung und ja, auch freundlich.
Sie nahm den nassen Brief und betrachtete ihn genauer. Wieso hatte die Hexe, oder der Zauberer, der diesen Brief geschrieben hatte, ihn nicht mit den „Anti-Wasser-Zauber“ ausgestattet, der Regen einfach vom Papier abprallen ließ, wie die Blätter einer Lotusblume.
Mit spitzen Fingern öffnete sie den Umschlag und zog das Stück Pergament heraus, das, Merlin sein Dank, trocken geblieben und somit gut lesbar war.
Liebe Mutter, lieber Vater,
Ich weiß, das ihr beide nicht wirklich gut auf mich zu sprechen seid.
Ich habe einen großen Fehler begangen und einen Muggel geheiratet, und mit ihm sogar einen Sohn gezeugt.
Natürlich bin ich mir über eure Einstellung bewusst, doch ich bitte euch, meines Sohnes halber, mich an diesem Samstag zu empfangen.
Severus ist vor zwei Wochen drei Jahre alt geworden, und mir fällt immer wieder auf, was für magische Kräfte er in diesen jungen Jahren schon besitzt!
Erst gestern wurde er sauer. Sein Vater verbot ihm, ein Stück Schokolade zu essen, und ehe sich Tobias versah, verbrannte er auf „magischer weise“ seine rechte Hand und die Schokolade fiel zu Boden.
Er würde euch sicher gefallen, er hat so viele Ähnlichkeiten mit dir, Vater!
Severus fragt oft nach „Oma und Opa“. Vor allem, seit dem er den Kindergarten besucht.
Er will euch kennen lernen! Stundenlang redet er von euch und erzählt, dass ihr mit ihm im Zoo wart. Severus versteht nicht, dass es alles nur Phantasie ist, und ich würde ihm diese Phantasie gerne zur Realität machen.
Meine lieben Eltern, lasst Severus einmal seine Großeltern kennen lernen. Er würde sich so unendlich freuen.
In der Hoffnung auf eine positive Antwort,
Eure Tochter
Eileen Alice Snape
Alice schnaubte.
Das war ja mal wieder typisch Eileen. Sie hätte es schon erahnen können,als sie den durchnässten Briefumschlag gesehen hatte. Schon als sie Schülerin in Hogwarts war, hatte sie immer vergessen, einen Zauber über den Brief zu legen.
Und nun? Nun hatte sie einen Muggel als Mann und eine Blutschande als Sohn.
„Julius?“, Alice' Stimme was höher als sonst, es war eine Mischung aus Wut und Trauer. Genau wie ihr Mann war Alice reinblütig, in der einundzwanzigsten Generation, somit galt sie als vollwertiges Mitglied der Reinblütergesellschaft. Julius war sogar 23 Folge Reinblütig und weil man immer die Folge des Mannes vervollständigt war Eileen die 24 Generation.
Es hatte an Eileen gelegen, das Blut der Princes und der Johns weiterzuführen. Weder Julius, noch sie selbst hatten Geschwister, und so lag die ganze Hoffnung auf Eileens Schultern.
Eileen, die sie alle bitter enttäuscht hatte. Sie hatte es gewagt, einen Muggel zu heiraten. Was hatten sie in ihrer Erziehung nur falsch gemacht, dass aus diesem kleinen Mädchen, das nur Bestnoten schrieb, eine Blutsverräterin wurde.
„Eileen hat uns geschrieben.“
„Eileen?“, in Julius Stimme war deutlich die Verwunderung zu hören. Er war es gewesen, der seine Tochter, schwanger und verzweifelt, aus den Haus geschmissen hatte und in die Arme des Muggels trieb.
„Hat sie sich von diesem Muggel getrennt?“
„Ich glaube nicht, jedenfalls lebt er noch bei ihr. Nein, sie möchte uns besuchen mit ihrem... mit ihrem Sohn.“
„Das Balg kommt mir nicht lebendig ins Haus! Ich lasse kein Abschaum mein Teppich berühren!“, sofort erhob sich Julius von der großen Ledercouch und knallte das Weinglas auf den kleinen runden Glastisch.
„Julius, jetzt überleg doch mal! Wenn Eileen zu uns kommen will, wird sie schon etwas Wichtiges zu sagen haben. Vielleicht hat sie sich von diesem Mann getrennt. Und ihr Sohn... um den kann man sich ja später noch kümmern...“
„Ihrem Mann? Er ist ein Monster. Wie kann er es wagen, das Blut meiner kleinen Prinzessin zu besudeln?“
Es war Samstagmorgen, als Eileen sich die Müdigkeit aus den Augen rieb. Wieder hatte sie die Nacht alleine in dem kleinen Ehebett verbracht. Sie hatte keine Ahnung mehr, wann Tobias das letzte Mal bei ihr geschlafen hatte, geschweige den mit ihr. Sie verweigerte jegliche Art von Körperkontakt. Sie wollte ihren Körper nicht mit einem Mann teilen, der immer häufiger ausrastete, immer häufiger trank.
Mit immer noch schweren Lidern blickte sie auf den Wecker. Es war kurz nach acht und obwohl Severus heute nicht in den Kindergarten gebracht werden musste, erhob sie sich aus dem warmen Bett und ließ die kalte Luft ihren dürren Körper umschließen.
Severus war schon auf, als sie das kleine Kinderzimmer betrat. Leise schnatternd saß er in seinem Bettchen und bewegte den Kopf seines Teddys.
„Severus. Wir gehen heute zu Oma und Opa.“ Es war ein ungewöhnlicher Anblick, den Severus ihr bot. Seine fettigen Haare und seine dutzenden blauen Flecke, die am ganzen Körper verteilt waren, zeugten von seinem schlechten Leben, doch seine Augen glänzten, als er die Worte Oma und Opa hörte.
„Zu Oma und Opa nach Hause? Jaaaa!“ Sofort sprang er auf seinem Bett herum, streckte die Arme nach seiner Mutter aus und lächelte.
Alle Omas und alle Opas auf der Welt waren lieb! Das wusste Severus von seinen Freunden. Er freute sich, seine Großeltern kennen zu lernen. Er hatte Hoffnungen, und eine unbekannte Wärme machte sich in seinem Körper breit.
Vorsichtig hob Eileen ihren Sohn auf ihre Arme und trug ihn in das kleine Badezimmer. Es roch nach Urin, und Kalk lagerte sich in dem Waschbecken ab.
Sie nahm schon lange nicht mehr den Geruch wahr und auch nicht die quitschende Tür.
Selbst abschließen konnte man nicht, und so musste man die Türklinke auf einer Seite abziehen und mit ins Bad nehmen.
Eileen zog sich ihren Schlafanzug, der an ihrem dürren Körper viel zu groß wirkte, über ihren Kopf und entblößte ihrem Leib. Sie wusch sich und ihrem Sohn die Haare, der immer wieder versuchte das Wasser mit dem Mund zu fangen.
Severus hatte panische Angst vor dem Föhn. Er war laut und pustete heiße Luft auf seine Haare. „Jetzt halt doch einmal still, Severus. Wenn du weiter so rumalberst, machst du Papa wach!“, doch schien es Severus nicht wirklich zu interessieren, ob sein Vater wach werde könnte, er weichte weiter dem lauten Föhn aus.
Sie konnte Severus nicht mit nassen Haaren auf die Straße lassen. Trotz dem Sonnenschein war es bitterkalt draußen, kein Wunder, es war Ende Januar. Sie hatte keine Lust, ein krankes Kind zu pflegen.
Eileen tastete nach ihrem Zauberstab, der auf der Waschmaschine lag, richtete ihn auf ihren Sohn und sagte mit fester Stimme: „Petrificus totalus!“
Endlich hatte sie es geschafft. Severus Haare waren trocken, er duftete nach Seife und er war angezogen wie ein kleiner Prinz.
Sie hatte die Sachen extra neu gekauft. Zugegeben - sie waren nicht teuer gewesen, und doch freute sie sich, ihn so zu sehen. Er sah aus wie ein kleines Kind auszusehen hatte.
Severus zupfte hingegen an dem grünen Pulli. „Der kratzt“, maulte er.
„Mäuschen. Grün ist die Lieblingsfarbe von Opa und du willst doch Opa gefallen, oder?“
„Aber der kratzt.“
Es war kein besonders anstrengender Weg zu ihrem Elternhaus, doch um so näher sie der prächtigen Villa kamen umso mehr Angst und Unsicherheit machte sich in ihrem Herzen breit. Alles sah noch so aus wie damals. Damals, als sie unbeschwert spielte, als sie auf den Schultern ihres Vaters saß und ihn anfeuerte, schneller zu rennen.
Es waren schöne Jahre gewesen, als sie noch die kleine Prinzessin gewesen war. Eine Entwicklung von der Prinzessin zum Aschenputtel.
Kurz schaute sie zu ihrem kleinen Sohn, der vor rannte und begeistert die neue Umgebung erkundete. Er würde wohl nie über das Image des Aschenputtels hinwegkommen.
Sie liefen langsam den kleinen Hügel hinauf, auf dessen Spitze das Haus stand.
Es war ein Wunder, wie schnell Severus sich entwickelte, seit er in den Kindergarten ging. Das leise Stottern war verschwunden. Seine Stimme war nun fest und laut. Er war ein normales kleines Kind geworden!
Tobias hingegen hatte diese Entwicklung zuerst genervt.
Er fand es schrecklich, dass ihm plötzlich immer wieder ein kleines Kind zwischen den Beinen lief und ihn andauernd mit Fragen bombadierte. 'Warum haben Giraffen so ein lange Hals?“ „Warum haben die Mädchen keinen Schniepel in der Hose?“ „Wieso ist Schokolade braun?“.
'Warum' war in diesen Haus seitdem verboten und immer wenn Severus 'Warum' oder 'Wieso' fragte,schlug sein Vater ihn auf den Hinterkopf.
Er hatte sich an die Regeln seines Vaters gewöhnt, Severus fragte nicht mehr, und doch... er wusste so erstaunlich viel.
Und auch seine magischen Kräfte waren besonders, das wusste Eileen. Gut – sie hatte kein Vergleich. Sie schickte ihr Kind in ein Muggelkindergarten!
Sie war sich bewusst, dass aus Severus etwas werden konnte. Man musste ihn nur fördern. Schon lange spielte sie mit dem Gedanken, ihm einen Zauberstab zu kaufen.
Natürlich war er noch jung, zu jung, doch Severus sollte lernen, sich und irgendwann auch mal sie, zu schützen.
Auch wenn Eileen es nicht gerne zugab, mit jedem Tag, an dem sie in dieser Hölle festsaß, wurden ihre Zauberkräfte schwächer.
Es kostete sie große Anstrengungen, zu apparieren, und mit ein Kind war es ihr unmöglich gewesen. Sie hatte einen Portschlüssel beantragt und war so mit ihrem Sohn hier her gelangt.
„Severus. Du bist jetzt ganz lieb!“ Um sicher zu gehen, dass ihr Sohn auch ja das tat, was sie von ihm verlangte, hob sie ihn auf ihren Arm und klopfte an der Tür.
Leise quietschend öffnete sie sich und eine kleine Kreatur mit großen Ohren und gelben Augen öffnete die Tür. Der Hauself war nicht viel größer als Severus, obwohl er schon viele Jahre älter war. Wenn gleich er ein Hauself war, trug er nicht wie üblich ein weißes Laken, sondern eine einfache Kinderjeans und eine lange Schürze, die ihm bis zu den Füßen reichte.
Entsetzt schrie Severus auf und klammerte sich fester an seiner Mutter.
„Hallo?“, fragte der Elf mit einer lauten, hohen Stimme.
„Hallo, Dulas, ich habe mich angekündigt!“
„Folgen Sie mit bitte.“
Der Elf ließ die Besucher herein treten, schloss die Tür mit einem Fingerschnips und führte die Besucher durch die nobel aussehende Eingangshalle.
„Der Herr wird Sieim Wohnzimmer empfangen. Er ist nicht gerade erfreut über Ihren Besuch. Er sagt, dass Blutsverräter nicht in seinem Haus willkommen sind.“
Eileen schluckte hart. Natürlich war ihr Vater nicht sonderlich begeistert von ihrem spontanen Entschluss, doch konnte er Severus nichts vorlügen und sie sehnte sich auch nach ihren Eltern.
Unsicher klopfte Eileen an der großen hölzernen Tür. Alles war wie früher...
Langsam öffnete sie die Tür und trat in das große Wohnzimmer ein. Ihr Vater saß in seinem gemütlichen Sessel, in der Hand die Zeitung, auf demTisch die Pralinen, genau wie damals. Alice, Eileens Mutter, stand hinter ihrem Mann und blickte mit gläsernen Augen zu ihrer Tochter.
Langsam legte Julius die Zeitung beiseite und betrachtete einen Moment sein eigenes Fleisch und Blut.
Langsam wanderten seine kalten Augen auf das Halbblut. Ein sanftes Grinsen zog sich über seine Lippen. Er war genau so hässlich, wie Julius es sich immer erhofft hatte. Denn Schlammblutkinder konnten nicht schön sein.
„Was verschafft uns die zweifelhafte Ehre?“
„Vater, ich – das ist mein Sohn, Severus. Komm, Severus, begrüß deinen Opa.“ Immer noch unsicher ließ sie ihren Sohn auf den Boden.
Oh – auch er war so schüchtern. Er hatte Angst vor dem Mann, den er so sehr vermisst hatte.
Trotz aller Furcht ging Severus mit ausgestreckter Hand auf seinen Großvater zu und lächelte ihn brav an. „Hallo! Ich bin Severus.“
Es brach Eileen das Herz, zu sehen, wie Severus um Zuneigung flehte. Er war so ein tapferer Junge. Fast eine ganze Minute stand er mit ausgestreckter Hand vor seinem Opa und lächelte.
Eileen aber spürte die Enttäuschung, roch fast die Tränen, die sich in seinen Augenwinkeln bildeten.
Nun versuchte er das Glück bei seiner Oma. Er streckte die Hand zu ihr nach oben, lächelte und sagte: „Hallo! Ich bin Severus.“ Und wieder wartete er, und wieder kam keine Reaktion.
„Severus, komm her.“ Die Enttäuschung und die Zweifel an sich selbst, waren in Severus' Augen deutlich zu erkennen. Er weinte nicht, Severus war stark, doch kalt war er nicht.
„Mama, Papa- bitte! Schaut ihn euch doch nur an. Er ist so talentiert. Er kann zaubern wie kein zweiter in seinem Alter. Er hat großes Potential!
Ich glaube, wenn er nur mit den richtigen Leuten verkehrt, wird er einmal ein großer Zauberer werden.“
„Ein großer Zauberer mit einer Hure als Mutter?!“, Julius, der da saß wie ein alter, mächtiger König, erhob sich von seinem Thron und starrte in die blauen Augen seines Kindes.
„Denkst du tatsächlich, andere Eltern legen Wert darauf, ein Halbblut als Freund ihrer Kinder zu haben?
Er wird später einmal ein Nichts, genau wie die anderen, die sich mit Muggel einlassen. Genau wie du.“
„Liebling. Komm zu uns zurück. Trenn dich von diesem Mann! Schau doch, was er dir angetan hat!“
„Und was ist mit Severus?“
„Er ist kein großer Verlust für die Zaubererwelt, Eileen. Niemand wird um ihn eine Tränen weinen!“
„Vater!“, fauchte Eileen entsetzt „Bitte gebt uns eine Chance!“ Doch all ihr Flehen und Bitten half nichts. Ihr Vater blieb hart. Sie hatte es gewusst, sie hatte versucht sich darauf vorzubereiten, nur hatte sie nicht erwartet, wie heftiges sie dass doch treffen würde.
„Ich gebe dir noch eine Chance! Du kannst neu anfangen. Du bist noch jung, es gibt sicher einige Reinblüter, die Interesse an dir zeigen werden. Nur dein Sohn - “
„Lasst uns erst einmal essen. Den Rest besprechen wir dann.“ Erleichtert über Alice' Angebot nickte Eileen. Vielleicht war noch nicht alles verloren.
Zwanzig Minuten später saßen sie an dem großen Esstisch und schwiegen sich an.
Severus fand es, trotz dem schlechten Start, toll. Noch nie hatte er mit so vielen Erwachsenen an einen Tisch gesessen. Er versuchte sich gut zu benehmen und achtete darauf, ja mit geschlossenem Mund zu essen.
So wie seine Mutter es ihm befohlen hatte.
„Wie alt ist dein Sohn?“, fragte Alice. Sie wollte diese Situation etwas auflockern. Natürlich war Severus ein Halbblut, doch er war auch ein Kind. Ein Kind mit Wünschen und Bedürfnissen.
Sie bemerkte zwar den bösen Blick ihres Mannes, ignorierte ihn jedoch.
„Severus ist drei geworden.“
Der Nachmittag verging schnell, stundenlang saßen sie am Tisch und diskutierten und so bemerkten sie auch nicht, wie Severus leise von Stuhl glitt.
Es war alles ganz neu für ihn. Oma und Opa waren komisch, sie lächelten nicht, aber sein Papa lächelte auch nicht, nein. Der trank immer!
Severus hatte seinen Bären nicht mit nehmen dürfen, seine Mama hatte ihm sogar verboten über ihn zu reden.
Er hatte es nicht verstanden, immerhin war sein Bär sein bester Freund. Nachts, wenn er schlief, passte er auf ihn auf, damit der Mann mit dem Haarigen Herz nicht wieder kam.
Nur manchmal, da schlief er ein und dann kam er doch. Aber dann tröstete Schlampe ihn immer wieder.
Dann sagte er ihm, dass er nicht weinen bräuchte und das er doch ein starker Junge war!
Es gefiel ihm, im Haus seiner Großeltern herum zu laufen. Doch hatte er ein Ziel. Das kleine Männchen mit den großen Ohren welches ihnen die Tür geöffnet hatte.
Er lief ein paar Treppen herauf und fand sich in einem langen Flur wieder. „Oma und Opa wohnen in einem Schloss“, sagte er zu sich und lief weiter. Ein schöne Vase erregte seine Aufmerksamkeit.
Ein lauter Knall, ein Schrei und ein Heulen drang an die Ohren der drei Erwachsenen. Julius war es, der als Erster aufsprang. Er folgte dem lauten Geheule des Bastards. Wut durchzuckte seinen Körper. Er hatte es gewusst! Erst vor einer Stunde hatte er es Eileen gesagt!
Severus war ein Hurensohn, ein kleiner dreckiger Bastard, gezeugt in einem Moment der Schwäche.
Wütend griff er nach seinem Zauberstab und ohne den Fluch laut auszusprechen, ließ er Severus die größten Schmerzen seines jungen Lebens spüren.
Oh – er genoss diesen Anblick. Wie Severus sich ängstlich und unter Höllenqualen auf dem Boden krümmte. Dies waren keine körperlichen Schmerzen! Es waren Seelische.
Lautes Lachen drang aus seiner Kehle, als er den Fluch langsam von seinem Ekel nahm. Er beobachtete ihn, wie er sein kleines Köpfchen hob, in der Hoffnung, diese Schmerzen würden aufhören, für immer weg sein.
Doch er war kein Mann der Gnade! Nicht, wenn es sich um so etwas Wertloses wie ein Halbblut handelte.
„Papa! Hör auf.“ Eileen kam die Treppen hochgestürzt. Tränen standen ihr in den Augen- sie liebte diesen Bengel doch tatsächlich...
„Er hat die Vase zerbrochen. Er bekommt das, was er verdient hat.“ Es hatte keinen Sinn mehr. Wie in Zeitlupe ließ er seinen Zauberstab in die Tasche gleiten und beobachtete das Spektakel um ihn herum.
Sie hätte Severus nicht mit in ihr Elternhaus nehmen dürfen. Seit einer Woche nässte er sein Bett ein. Jede Nacht.
Severus fürchtete sich plötzlich vor Männern. Nun, plötzlich war es nicht. Schon lange hatte er Angst vor seinem Vater gehabt, doch nun zuckte er bei jeder tiefen und rauen Stimme zusammen. Er ließ sich nicht mehr von Männern auf den Arm nehmen und verweigerte jede Nahrung, sollte sein Vater anwesend sein.
Schuldgefühle und eine gewaltige Wut auf ihren Vater wuchsen in Eileen heran. Sie wollte keinen Psychopathen als Sohn, sie wollte nur ein normales, fröhliches Kind...
Severus saß da, presste sich an seinen Teddybären und schwieg. Schwieg den ganzen Tag und schrie sich in der Nacht fast die Seele aus dem Leib.
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