Auf ein Ende folgt immer ein Anfang - Es ist nicht immer leicht.
von Federica
Hallo!
Ich weiß, ich habe länger gebraucht, als versprochen, aber ich war einfach die ganze Zeit unterwegs und habe keine Zeit gefunden weiterzuschreiben. Ab jetzt will ich aber wieder viel regelmäßiger posten :)
²Lily_Luna_Lovegood: Hey, leider hat es viel länger gedauert, aber ich hoffe du liest noch weiter :) Heute gibt es erst mal viel mehr James und Lily, aber muss ja auch mal sein ;) Ich hoffe es gefällt dir :)
²Mrs. Black: Danke für dein Kommi :) Macht doch nichts, schön, dass du mir immerhin eins hinterlassen hast :) LG!
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Es ist nicht immer leicht.
~*~
I don't like to be alone in the night,
and I don't like to hear I'm wrong when I'm right.
And I don't like to have the rain on my shoes,
but I do love you.
[LeAnn Rimes – But I Do Love You]
~*~
Lily
Die Sonne schien leicht in das Schlafzimmer hinein und ich kuschelte mich enger an den warmen Körper neben mir, der auch sofort bereitwillig die Arme fester um mich schlang. James strich mir sanft über die Haare und drückte mir einen Kuss auf die Stirn, ich wollte aber noch nicht aufwachen. Heute war Samstag, heute war der 30. Januar und damit hatte ich an diesem Tag Geburtstag. Leider war das aber noch nicht alles, es stand auch endlich das erste Quidditchspiel von Gryffindor an. Naja, mir persönlich ist das ja nicht so wichtig, aber da mein Freund Kapitän ist und meine beste Freundin Sucherin, sollte ich wohl aufgeregt auf der Tribüne sitzen.
Natürlich wollte ich das mein Haus gewinnt, aber diesen Wirbel verstand ich trotzdem nicht. Es war ja nur ein Spiel.
James‘ Lippen wanderten nun an meiner Wange entlang und suchten den Weg zu meinem Mund.
Ich konnte es immer noch nicht ganz begreifen, dass ich, Lily Evans, wirklich mit James Potter zusammen war.
Nun gut, wir waren erst etwas über einen Monat zusammen, aber ich hatte seit den Weihnachtsferien nahezu jede Nacht gemeinsam mit James in einem der Schlafzimmer unseres Schulsprecherbereiches verbracht. Seine Nähe tat mir einfach so unglaublich gut, in seinen Armen konnte ich schlafen, ohne Angst vor Albträumen haben zu müssen. Vor unserer Beziehung hatte mich jede Nacht erneut der Tod meiner Eltern eingeholt, nachts, wenn ich alleine in meinem Bett lag, konnte ich meinen Tränen nachgeben. In der schützenden Dunkelheit konnte ich meine Fassade, der starken und taffen Lily Evans, die den Tod ihrer Eltern verkraftet hatte, einfach fallen lassen.
Tagsüber lenkte ich mich einfach ab, die Schule bat mir nun wirklich genügend Arbeit, mit der ich mich beschäftigen konnte.
Tja, und jetzt hatte ich auch noch James, der mir alle meine Sorgen nehmen konnte.
Trotzdem nervte mich manchmal noch seine unbekümmerte Art, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sich alles nach der Schule ändern wird.
Wir müssen erwachsen werden und haben nur noch ein halbes Jahr Hogwarts vor uns.
James bemerkte wohl, dass ich in meinem Kopf ganz wo anders war, denn er blickte mich einfach unverwandt mit seinen haselnussbraunen Augen an. Sein Blick war so warm und glücklich, ich bekam eine Gänsehaut.
Es war unglaublich, was dieser Zauberer in mir auslöste. Er gab mir all das, was ich jahrelang unbewusst gesucht hatte.
Smaragdgrün traf nun auf ein warmes Haselnussbraun. Ich hatte meine Augen endlich geöffnet.
James‘ Haare standen wie immer in alle Richtungen ab und ich änderte auch nichts daran, als ich meine Hände in seinen Haaren vergrub, als er mich küsste.
In meinem Magen tanzten die Schmetterlinge einen Freudentanz, er war alles was ich brauchte, da war ich mir sicher.
Als wir uns langsam voneinander lösten, murmelte mir James einen Glückwunsch zum Geburtstag zu. Dann hielt ich auch schon eine längliche, schmale Schachtel in der Hand. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich eine Kette oder ein Armband in der Hand hielt. Natürlich ist Schmuck jetzt nicht gerade das originellste Geschenk, aber wir waren noch nicht lange zusammen und Bücher wollte er mir sicher nicht schenken.
Schnell packte ich das Geschenk aus und klappte die Schmuckschatulle auf, drinnen lag, auf rotem Samt gebettet, ein schmales, goldenes Armband. Es bestand aus drei feinen Strängen, die ineinander verschlungen waren. Am Verschluss baumelte noch ein kleines Tier, ein Hirsch, wie ich beim näheren Hinsehen erkennen konnte. Kurzum, es war wunderschön und überhaupt nicht einfallslos.
„Gefällt es dir? Das Armband ist ein Erbstück, aber den Hirsch habe ich extra für dich anfertigen lassen“, er sah mich gespannt an und ich konnte nicht anders, als ihn anzustrahlen. Er war meine Sonne, mein Licht, das machte er mir jeden Tag wieder klar.
„Natürlich gefällt es mir“, ich gab ihm einen zärtlichen Kuss und hielt ihm mein rechtes Handgelenk hin, damit er es mir anlegen konnte.
James wirkte erleichtert und kam meiner unaufgeforderten Bitte sofort nach. Es passte wie angegossen und ich bemerkte erst jetzt, dass der Hirsch sogar haselnussbraune Steine als Augen hatte.
James zog mich noch einmal eng an sich und drückte mir einen liebevollen Kuss auf den Mund, dann musste er jedoch aufstehen und sich für das Spiel fertig machen.
Außerdem musste er noch Sirius wecken gehen, pflichtbewusst, wie ich war, machte ich mich auch auf den Weg um Emma aus dem Land der Träume zu holen.
Merlin sei Dank, lagen die Schulsprecherräume auf der gleichen Etage wie der Gryffindorgemeinschaftsraum, sodass ich keinen langen Weg zurücklegen musste. Im Gemeinschaftsraum sah ich noch niemanden, aber niemand stand auch an einem Samstagmorgen vor neun Uhr auf. Das Spiel würde um halb elf beginnen, nur die Spieler waren schon ab halb zehn auf dem Quidditchfeld anzutreffen und mussten dementsprechend spätestens um neun Uhr beim Frühstück sitzen. Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass Emma noch eine halbe Stunde Zeit blieb um sich fertig zu machen.
Leise ging ich die Treppen zu den Mädchenschlafsälen hinauf, öffnete unsere Tür und ging geradewegs auf das Bett von meiner besten Freundin zu.
Doch das Bett war leer und sah auch unberührt aus.
Wo hatte sich Emma nun schon wieder die ganze Nacht herumgetrieben? Seufzend ließ ich mich auf ihr Bett fallen und bemerkte nicht, dass sich die Badezimmertür geöffnet hatte.
„Na, hat dich unser Kapitän schon aus dem Bett geschmissen?“, eine leise lachende Emma hatte sich neben mir auf ihr Bett gesetzt und zog mich nun in eine feste Umarmung, „Alles Gute zum Geburtstag, Lils, nun bist du auch in der Muggelwelt erwachsen!“
Ich erwiderte ihr Lächeln, aber als sie die Muggelwelt erwähnt hatte, musste ich wieder schmerzhaft an meine Eltern denken, die diesen Tag nicht erleben konnten, die keinen meiner Geburtstage nicht mehr erleben konnten.
Emma bemerkte zum Glück nichts von meiner inneren Stimmung. Sie legte mir einfach nur ein flaches Paket auf den Schoß, ich sah sie verwundert an, denn ich hatte keine Ahnung, was sich da drinnen befinden konnte.
„Aufmachen, Süße, dann weißt du es!“, jetzt hatte Emma meine Gedanken wohl lesen können.
Grinsend hob ich den Deckel des Paketes hoch und blickte auf einen zauberhaften Schal. Er war in den Gryffindorfarben gehalten, aber nicht so grob gestrickt, sondern aus feiner Wolle gewebt. Als ich den Schal in den Händen hielt erblickte ich das kleine Fotoalbum, das am Boden des Paketes gelegen hatte. Es beinhaltete unsere siebenjährige Freundschaft und hatte am Ende noch leere Seiten, denn auch nach Hogwarts würden wir natürlich weiterhin die besten Freundinnen bleiben.
„Danke, danke, danke!“, ich drückte Emma fest an mich und legte mir dann gleich den Schal um, dabei bemerkte meine aufmerksame Freundin mein neues Armband.
„Wow, ist das das Geschenk von James?“, ich nickte bloß und bürstete mir noch einmal meine lange, dunkelrote Mähne und band diese zu einem Zopf zusammen.
„Da hat er sich ja richtig Mühe gegeben, der Hirsch sieht einfach klasse aus und wird dich immer an James erinnern!“, sie grinste mich an und gemeinsam gingen wir in die Große Halle zum Frühstück, Emma trug natürlich schon ihre Quidditchausrüstung.
Ihre fast schulterlangen Haare hatte sie sich zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden, den Pony hatte sie sich seitlich geflochten, damit er ihr nicht die Sicht versperrte. Ihre eisblauen Augen funkelten vor lauter Vorfreude auf das Quidditchspiel. Sie würden gegen Hufflepuff spielen und das sollten sie gewinnen, trotzdem war mein Freund wahnsinnig angespannt. Manchmal denke ich er hatte sich nur drei Sachen für dieses letzte Jahr vorgenommen. Erstens, Lily erobern. Hinter diesen Punkt konnte er schon mal einen Haken setzen. Zweitens, den Quidditchpokal holen. Für dieses Ziel würde er wohl heute einige Pluspunkte sammeln. Und schließlich drittens, die UTZ’s mit möglichst wenig Aufwand besonders gut bestehen. Bei diesem Punkt würde er sich wirklich keine Sorgen machen würden, denn nur in Zaubertränke schwächelte James ein wenig, aber da konnte ich ihm ja helfen. Ich hoffte, dass er mir dafür in Zauberkunst helfen würde, seine Paradedisziplin, noch vor Verteidigung gegen die dunklen Künste, da war Emma nämlich ein bisschen besser.
James hob vielsagend seine Augenbrauen als wir uns am Gryffindortisch nieder ließen.
„Guck nicht so vorwurfsvoll, Jamie, du weißt doch, ich frühstücke nicht lange!“, Emma grinste ihren besten Freund an und wuschelte ihm durch seine Haare, währenddessen griff sie nach der Tasse Kaffee, die ihr Sirius gereicht hatte. Sie war echt multitaskingfähig.
Hastig schlangen nun alle Teammitglieder ihr Frühstück hinunter und beeilten sich um rechtzeitig auf dem Spielfeld zu sein. Ich würde noch auf Alice und Frank warten und mit ihnen zum Spiel gehen.
„Du siehst dir das Spiel aber auch wirklich an, oder?“, James setzte seinen Hirschblick auf, ich weiß, das heißt eigentlich Hundeblick, aber bei ihm passt das ja nun nicht ganz. Der Hundeblick gehörte jemand anderem. Ich grinste meinen Freund verschmitzt an und drückte ihm dann einen zärtlichen Kuss auf die Lippen.
„Natürlich sehe ich es mir an, viel Glück!“, er bekam noch einen Kuss und verschwand dann strahlend mit seinem Team.
Das Quidditchspiel ging dank Emma ziemlich schnell vorbei, denn sie hatte schon nach zwanzig Minuten den Schnatz gefangen. Ich vermute, dass dies ebenfalls ein kleines Geburtstagsgeschenk gewesen war. Ich jedenfalls war zufrieden und glücklich. Heute war mein Geburtstag, ich war glücklich, dass ich James hatte und meine Freunde und Gryffindor hatte das Spiel gewonnen. Diese Tatsache garantierte allerdings eher die gute Laune meiner Freunde, aber davon bekam ich selbst ja auch welche. Doch eine Sache gab es, die mir immer wieder einen Stich versetzte. Meine Eltern, es war der erste Geburtstag ohne einen Glückwunschbrief mit Päckchen und es würde nicht der letzte sein. Sie würden nie wieder mit mir feiern, ganz egal was es zu feiern gab. Meine herzallerliebste Schwester hatte allerdings nicht an meinen Geburtstag gedacht, vermutlich verachtete sie den Tag meiner Geburt auch einfach nur noch.
So lehnte ich nachdenklich an einen Baum nahe am Quidditchstadion und wartete auf James, der noch am Duschen war.
„Na, Evans, worüber grübelst du die ganze Zeit nach?“, spöttische Augen blickten mich an, doch ich erkannte auch das liebevolle Glitzern in ihnen. Ich zwinkerte ihm zu: „Weißt du, Potter, manche Gedanken sind einfach nicht für dich bestimmt…“, ich verschränkte meine Finger mit seinen und wir machten uns auf den Weg zum Schloss, alle anderen waren schon lange zurückgekehrt, nur mein Freund duschte stundenlang.
„Lily! Warte doch mal!“, mein Magen verkrampfte sich unangenehm, seit Anfang des Schuljahres hatte er mich in Ruhe gelassen. Genauer gesagt seit dem Tag, an dem ich ihn in eine Schlange verwandelt hatte. Ich hatte auch diesen Schmerz einfach ganz tief in mir eingeschlossen. Der Verrat eines Freundes schmerzte immer am meisten.
„Was willst du, Snape?“, James hatte neben mir schon seinen Zauberstab gezogen und es hatte sich eine steile Falte auf seiner Stirn gebildet. Er war schon wieder sauer, nur weil Severus mit mir reden wollte. Wobei, ich hatte eigentlich auch keine Lust mehr zu reden. Nicht mehr.
„Das geht dich gar nichts an, Potter, ich will bloß mit Lily reden“, er blickte James mit seinen fast schwarzen Augen kalt und abschätzig an. Wieso mussten sich auch ausgerechnet diese beiden Personen so abgrundtief hassen? Aber ich wusste ja den Grund, ich kannte ihn einfach viel zu gut. James war durch und durch ein Gryffindor – mutig und tapfer und vor allem kämpfte er auf der guten Seite, auf der Seite, die gegen Voldemort kämpfte. Ja, und Snape, er war ein Slytherin, auf der bösen Seite, obwohl ich immer noch der Meinung bin, dass er einfach zu feige war oder ist, um sich gegen seine sogenannten Freunde zu stellen. Er will nicht noch mehr ausgestoßen werden, trotzdem hatte er meine Hoffnung an jenem Tag verändert, als ich ihn nach den ZAG’s verteidigt habe und er mich ein ‚Schlammblut‘ nannte. Seit diesem Tag wollte ich nicht mehr mit ihm reden, ihn nicht mehr verstehen.
Und jetzt, an meinem 18. Geburtstag stand er wieder vor mir und ich hatte das ungute Gefühl, dass gleich etwas Furchtbares passieren würde.
„Was willst du, Snape?“, wiederholte ich die Frage meines Freundes nicht weniger unwirsch.
„Ist es wirklich dein Ernst mit Potter?“, jetzt sprach er so, als würde James nicht vor ihm stehen, jederzeit bereit ihn zu verhexen.
„Was soll das denn jetzt? Das geht dich überhaupt nichts an!“, mein Ton war ein wenig schärfer als beabsichtig, aber es ging ihn nun mal wirklich nichts an. Nicht mehr.
Snape sah mich flehend aus seinen Augen an: „Ich will doch nur verhindern, dass er dir dein Herz bricht, er wird es doch eh tun. Ich weiß es und du weißt es doch auch! Mal ganz im Ernst, was willst du mit diesem Volltrottel?“
James neben mir wurde immer ungehaltener und ich wusste, dass er sich nur mir gegenüber zurückhielt, wäre ich nicht hier, hinge Snape vermutlich schon kopfüber am Kronleuchter. Ich drückte kurz James‘ Hand und blickte zu Snape: „Er hat sich verändert, Severus, eine Sache, die du nicht geschafft hast.“
Ich drehte mich um und wollte jetzt endlich zu unserem Gemeinschaftsraum gehen, doch ich hatte mich natürlich zu früh gefreut.
„Ich frage mich manchmal echt, warum ich dich überhaupt warne! Schlammblüter verdienen keine Hilfe…“, er hatte wohl noch mehr sagen wollen, doch jetzt hing er tatsächlich kopfüber am Kronleuchter. James war unglaublich schnell gewesen und er blickte wutentbrannt zu Snape, doch auch in mir kochte nun die Wut hoch. Er musste ihn doch nicht immer gleich verzaubern. Er hatte kein Recht dazu, aber vor Snape würde ich mich nicht mit ihm streiten. Ich zog James ein paar Korridore weit und dann platzte ich: „James Theodor Potter, WAS, bei Merlins Unterhose, ist da bitte eben in dich gefahren? Wie OFT habe ich dir schon gesagt, dass du ihn in Ruhe lassen sollst?“
„Jetzt verteidigst du ihn auch noch? Er hatte das alles verdient!“, James fuchtelte mit seinen Händen durch die Luft und anschließend durch seine Haare. Diese Geste, die ich eigentlich mochte, brachte mich in diesem Moment erst Recht zur Weißglut.
„Achso, und du glaubst wirklich, DAS macht es besser? Das macht dein Verhalten besser? James, du bist doch nicht besser als er, wenn du so etwas machst! Du lässt dich auf sein Niveau herab. Er wollte dich provozieren und mich verletzen, ersteres hat er erfolgreich geschafft und dadurch auch letzteres, denn ich dachte wirklich du hast dich verändert“, ich blickte ihn ziemlich enttäuscht an und es war wirklich nur noch Enttäuschung, die ich empfand. Ich hatte gedacht, er wäre reifer geworden, er hätte es endlich verstanden. Aber dem war nicht so und ich brauchte genau in diesem Moment Zeit für mich, „Ich verstehe dich einfach nicht, James, du musst endlich ein bisschen erwachsener werden und vor allem darfst du nicht immer gleich ausrasten. Und ich will nicht, dass du immer meine Probleme lösen willst, du bist nicht mein Retter in der Not. Ich bekomme durchaus alles in den Griff und mit Severus wäre ich zurecht gekommen. Aber nein, der große James Potter musste ja wieder sein unglaubliches Können zeigen. Dumbledore wäre sicher begeistert von dem Spruch gewesen. Ich brauche echt keinen Freund, der die ganze Zeit nur am Streiche spielen und Leute verhexen ist. James, du musst auch mal ein wenig erwachsen werden, da draußen erwartet uns keine Zuckerwattewelt“, mein Ton wurde verächtlich und James blickte mich merkwürdig an, er wirkte fast ein wenig verletzt.
„So siehst du das also? Dann hat diese Diskussion für mich keinen Sinn mehr“, mit diesen Worten drehte er sich um und lief zum Porträt, wir standen doch tatsächlich schon davor.
„Ach ja, eine Sache noch, nenn mich nicht FLOR, ich heiße ganz einfach LILY!“, ich hatte beide Hände in die Hüfte gestemmt und warf ihm einen flammenden Blick zu, doch der zeugte nicht von Leidenschaft.
James verschwand bloß im Gemeinschaftsraum und durchquerte gleich die jubelnde Menge, er lief zum Schlafsaal. Ich für meinen Teil beschloss mich ebenfalls in meinem Schlafsaal zu verkriechen. Denn gerade stellte sich mir die Frage, ob wir gerade eben Schluss gemacht hatten. Falls dies tatsächlich der Fall sein sollte, würde alles zusammenbrechen, aber so einfach verzeihen konnte ich ihm auch nicht, er verstand einfach mein Problem nicht.
Ich ließ mich auf mein altes Bett fallen und vergrub mein Gesicht, über das mittlerweile heiße Tränen liefen, in meinem Kissen.
Dieser Geburtstag gehörte auf jeden Fall nicht zu meinen Schönsten.
Emma
Gerade sah ich James wieder die Treppe herunterkommen, also würde er wohl doch mit uns feiern. Ich bahnte mir den Weg zu ihm durch, doch ich bemerkte gleich, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Außerdem hatte ich Lily noch gar nicht im Gemeinschaftsraum gesehen und James hielt seinen Besen in der Hand.
Argwöhnisch sah ich ihn an: „Was ist passiert, Jamie?“
Seine haselnussbraunen Augen, die sonst immer Wärme ausstrahlten, blitzten mich kalt und verletzt an. Oh man, was hatte Lily bloß angestellt?
Ich streckte meine Hand aus und berührte James am Oberarm, doch er schüttelte sie verärgert ab.
„Ich will einfach meine Ruhe, okay? Feiert ihr doch euer blödes Fest“, schon war er mir entwischt und durch das Porträtloch verschwunden.
„Mist“, murmelte ich und knibbelte weiter an meinem Butterbieretikett herum.
„Was ist denn mit Krone los?“, Sirius hatte einen Arm um meine Schultern gelegt. Bis eben hatte er noch mit dem gesamten weiblichen Gryffindoranteil der 6. Klasse eng getanzt.
„Ich tippe ganz stark auf einen Streit mit Lily. Ich werde mal nach oben gehen und sehen, ob sie da ist“, ich entwand mich seiner halben Umarmung und ging zu unserem Schlafsaal.
Mein Blick fiel zuerst auf ihr Bett und da lag sie auch und weinte in ihr Kissen.
Leise seufzend ging ich zu ihr und legte mich neben sie, nahm sie in den Arm.
„Schhh, Süße, was ist denn passiert?“, ich fuhr ihr beruhigend mit meiner Hand über ihren Rücken und so langsam wurde ihr Schluchzen immer leiser und sie fing ruhig an zu sprechen.
„James und ich, wir haben uns gestritten“, ja, soweit war mir das alles schon klar gewesen, „Er konnte es einfach mal wieder nicht lassen.“
„Ähm, was denn genau?“, ich blickte sie fragend an. James hatte sich doch nun wirklich gebessert.
„Snape hat auf uns gewartet und wollte mal wieder mit mir reden. Er hat dann angefangen James runterzumachen und mich dann zum Ende auch wieder Schlammblut genannt. Dann ist James endgültig wütend geworden und hat Snape kopfüber an den Kronleuchter gezaubert…“, sie wischte sich mit ihrer Hand über die Augen, „Tja, und dann bin ich wieder in meine alte Rolle verfallen und habe ihn angeschrien. Ich habe ziemlich gemeine Sachen gesagt, Sachen wie, dass ich keinen kindischen Freund brauche und so weiter. Naja, daraufhin ist er dann abgehauen und jetzt“, sie holte tief Luft, „ jetzt habe ich keine Ahnung, ob wir noch zusammen sind oder was auch immer.“
Smaragdgrüne Augen blickten mich verzweifelt an und ich drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
„James verlässt dich nicht einfach so, Lily. Er ist natürlich verletzt, schließlich wollte er dich nur verteidigen und du rastest halt immer gleich aus. Er hat halt gedacht, dass jetzt alles viel einfacher wird, aber du hast dein Temperament halt nicht verloren, er braucht bloß etwas Zeit um sich daran zu gewöhnen.“
Lily hatte sich aufgesetzt und putzte sich die Nase, auch ich hatte es mir im Schneidersitz auf ihrem Bett gemütlich gemacht.
„Ich denke, es ist mal wieder Zeit für ein Gespräch nur unter Mädchen“, sagte ich lächelnd und zauberte uns einen Tee und Kekse herbei. So etwas gehörte halt in einen guten Mädchenschlafsaal.
Lily wärmte ihre Hände an der Tasse und nippte am Tee.
„Du hast Recht, so kann das ja nicht weitergehen. Ich muss lernen nicht mehr sofort aus der Haut zu fahren, wenn James und Severus sich duellieren oder provozieren. Die beiden hassen sich schon seit der ersten Klasse, daran werde ich nichts ändern können“, seufzend griff sie nach einem Keks und tauchte ihn kurz in ihren Tee.
„Eben, Süße, das wird sich nie ändern. Da gebe ich dir Brief und Siegel drauf. Lass James einfach ein paar Tage zum Beruhigen und dann rede richtig mit ihm, Reden und nicht Schreien“, mein Mund verzog sich zu einem Grinsen und auch Lily lächelte wieder ein bisschen. Manchmal war sie wirklich wie eine Dramaqueen, aber ich hatte sie ja trotzdem lieb.
„Wie steht’s bei dir und Sirius?“, mir fiel der Keks aus der Hand, sie wollte also das Thema wechseln.
„Tja, wie soll’s da stehen? Ab und zu treffen wir uns und ab und zu treffen wir uns mit anderen Personen. So läuft das eben und es läuft ganz gut, denke ich…“, ich dachte an die grauen Augen, die mich jedes Mal um den Verstand brachten.
„Du meinst, er trifft sich mit anderen Mädchen. Dich habe ich noch mit keinem anderen Jungen gesehen.“
Mensch, sie konnte echt gemein sein.
„Naja, es ist halt so, dass mir nicht viele hier in Hogwarts gefallen, aber falls mich mal jemand Nettes anspricht sage ich sicher nicht nein“, ich würde mich zwar selbst nicht sonderlich glücklich dabei fühlen, aber was Sirius konnte, konnte ich schon lange.
Lily war mittlerweile aufgestanden und lief zum Fenster, es war dunkel und sie blickte zu den Sternen hinauf.
„Weißt du, Ems, ich hab es immer noch nicht richtig verarbeitet und ich habe keine Ahnung, wie ich das ohne James schaffen soll…“, ich wusste genau, wovon sie redete. Ich hatte es doch auch noch lange nicht überwunden, doch ich spielte allen die witzige, hübsche Emma vor, niemand sollte wissen, wie es wirklich in mir aussah.
Ich schlang ihr die Arme von hinten um ihre Hüften und hielt sie fest.
„Mir geht es nicht anders, Lil, ich habe keine Ahnung, wann der Schmerz vorbeigeht. Vermutlich wird er es nie, denn sie werden nie wieder bei uns sein können. Aber James wird dich nicht verlassen, das weiß ich.“
„Sirius wird es auch noch erkennen“, sagte sie leise und drückte meine Hände, dann ließen wir uns beide gegenüber auf der Fensterbank nieder.
„Was wird er noch merken?“, ich spielte einfach mal ein wenig auf ahnungslos, das ging immer super. Ich war mir doch selbst nicht sicher, was sich in meinem Kopf und Herzen abspielte, wenn ich mit ihm zusammen war.
„Er wird noch erkennen, dass du die Richtige für ihn bist. Seine große Liebe, aber er braucht einfach viel zu viel Zeit. Er lebt zu sehr in der Rolle, die er vor langer Zeit für sich ausgesucht hat. Er lässt sich doch auch nie anmerken, wie ihn das mit seiner Familie und Regulus mitnimmt. Für niemanden ist es leicht, die Familie zu verlieren. Unsere Eltern sind gestorben, aber er hat seine verlassen, weil sie ihn nicht so akzeptierten, wie er ist. Ich habe oft das Gefühl, dass es ihm viel schlechter gehen muss als uns.“
Wie Recht sie doch mit ihrer Vermutung hatte, denn ich war mir ziemlich sicher, dass es Sirius genauso ging. Deswegen gab es diesen Casanova, der nur auf Spaß aus war.
Ich seufzte: „Lily, ich habe doch selbst keine Ahnung, was ich genau für ihn empfinde, jetzt mach hier nicht so einen Rummel davon. Irgendwie kommt schon alles so, wie es kommen soll“, mein Blick wanderte zum Quidditchfeld, ich musste auch dringend nochmal mit James reden, damit er nichts Unüberlegtes anstellte.
„Ich bin total fertig, ich werde mich ins Bett legen. Du kannst ja wieder feiern gehen“, sie lächelte mich warm an und verschwand im Badezimmer.
Ich schnappte mir meine Winterjacke und wollte zum Quidditchfeld. Im Gemeinschaftsraum waren alle mit Feiern beschäftigt, meine Augen scannten automatisch den Raum nach Sirius ab, doch dieser fehlte, genau wie eine Sechstklässlerin. Seufzend verließ ich ebenfalls den Raum, Remus‘ wissender Blick entging mir zum Glück.
Draußen war es wieder eiskalt geworden, man konnte seinen Atem beobachten. Der verbliebene Schnee knirschte unter meinen Füßen und als ich beim Spielfeld ankam, konnte ich James am Boden und in der Luft nicht entdecken.
Ich blickte zu den Tribünen und da sah ich ihn. Schnell lief ich die Treppen hinaus und setzte mich zu ihm.
„Hey“, sagte er tonlos.
„Hey“, erwiderte ich mit warmer Stimme und drückte seine eiskalte Hand.
„Du hast mit ihr geredet?“
„Klar, James, es wird wieder in Ordnung kommen, sie war total fertig, wegen den Sachen, die sie dir an den Kopf geworfen hat. Sie hat Angst, dass es jetzt vorbei ist. Nutz ein paar Tage zum Beruhigen und Nachdenken, aber stell bloß keinen Unsinn an. Halt dir vor allem andere Weiber vom Hals, dann bist du bald wieder mit Lily vereint und zwar glücklich.“
„Danke, ich will sie wirklich nicht verlieren.“
Ich lächelte ihn an und zerwuschelte sein Haar: „Ich weiß, Jamie, ich weiß. Sie will dich auch nicht verlieren, ihr zwei braucht nur ein wenig Geduld.“
„Lässt du mich noch ein wenig alleine?“, seine Augen blickten mich nicht mehr ganz so kalt an und ich erhob mich von meinem Sitzplatz.
„Bleib nicht mehr so lange draußen, du wirst noch krank“, dann rannte ich schnell zum Schloss zurück, denn mir war schon nach der kurzen Zeit total kalt geworden.
Eilig lief ich durch die Gänge und übersah dabei Damon Gilbert, in den ich hineinlief.
„Oh, Entschuldigung, Damon, ich hab dich nicht gesehen“, ich lächelte ihn zaghaft an. Er sah gut aus und war in meinem Jahrgang, allerdings in Ravenclaw. Damon hatte graublaue Augen und blonde, etwas zerwuschelte Haare. Zum Glück war er auch nicht ganz so groß wie Sirius und James.
„Das macht doch nichts, ich wollte dich eh schon die ganze Zeit mal was fragen“, jetzt blickte ich ihn neugierig an.
„Was denn?“
„Gehst du mal mit mir aus?“, seine Augen blickten mich bittend an und ich verspürte nicht mal ansatzweise das Bedürfnis ‚nein‘ zu sagen.
„Klar, sehr gerne sogar!“, ich schenkte ihm ein breites Lächeln, welches er erwiderte, und dann ging ich zurück zum Gemeinschaftsraum.
Erstaunlicherweise war ich richtig froh, dass ich ein Date mit Damon hatte, ich freute mich schon richtig darauf. Vielleicht würde sich dann auch meine Gefühle gegenüber Sirius ändern, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
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So, ich hoffe es liest noch jemand und ich bekomme einige Kommentare :)
Liebste Grüße,
Federica
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Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Schon als mir zum ersten Mal klar wurde, dass Bücher von Menschen geschrieben werden und nicht einfach so auf Bäumen wachsen, stand für mich fest, dass ich genau das machen wollte.
Joanne K. Rowling