the kisses - Die verspäteten Folgen einer Schnapsidee Teil 1
von serotina
Am nächsten morgen erwachten alle Schlossbewohner aus ihrem semi-erholsamen Schlaf. Einzig Blaise tanzte aus der Reihe, indem er einfach friedlich weiter schlummerte. Denn durch seine Überdosierung an Schlafpharmazeutikern, war er mitten in der Nacht in einen halbkomatösen hinübergeglitten.
* * *
Severus brachte währenddessen die Erfahrung hinter sich, wie es sich anfühlte aus einem Alptraum aufwachen zu wollen, der sich ungünstigerweise als Realität herausstellte.
Denn als er seine Tür öffnete, um seine Gemächer zu verlassen, starrte er nicht wie sonst auf eine kahle Steinwand, sondern in sein morgenmuffliges Antlitz.
Vorsichtig schritt er seinen immer finster werdenden Blick entgegen, bis er beinahe mit seiner Nase die kalte, spiegelnde Oberfläche berührte.
Wer zum Henker hatte in der Nacht einen Spiegel vor seiner Tür gehängt? Unwirsch versuchte er das nervende Objekt seiner Aufmerksamkeit abzuhängen, doch was er auch versuchte, es endete immer wieder damit, dass der kitschig verzierte Spiegel unbeeindruckt vor ihm hängen blieb, ohne sich auch den Hauch eines Millimeters bewegt zu haben.
Noch nicht einmal ein schwarzmagischer Spruch konnte den Spiegel in seine Schranken weisen. Dieses wiederum ließ nur einen möglichen Schluss auf den Übeltäter zu.
„Minerva.“ zischte Severus durch seine vor wutzusammengebissenen Zähne.
Nur sie war dazu in der Lage ihn so aufs äußerste zu reizen und die entsprechenden Fähigkeiten hatte sie Merlin sei Dank auch.
Mit schnellen Schritten lief er zurück in seine Gemächer, um sich den nächst besten Stoff zu greifen, damit er dieses alberne Ding wenigstens verhüllen konnte. In seiner Aufregung vergass er sogar, dass er solche Dinge sonst eigentlich immer mit einem simplen Aufrufzauber erledigte.
Als ein paar Minuten später, das Stück Stoff zu seinen Füßen hinab segelte, erinnerte er sich wieder seiner magischen Fähigkeiten und sprach einen Diagnosespruch über seinen neu ernannten Nagel zum Sarg.
„Ein Spionagespiegel?“, murmelte Severus etwas entrückt in seinen nicht vorhandenen Bart.
Er hatte diese Frau in ihrer Dreistigkeit wahrlich unterschätzt. Doch nun konnte er noch nicht einmal zu ihr gehen und sich über ihr Verhalten beschweren, da es sie in ihren Verschwörungstheorien nur bestätigen würde.
Doch was sollte er noch tun? So langsam gingen ihm die Alternativen aus, er konnte ja schlecht seinen Eingang um vier Meter nach vorne verlegen. Moment. Mitten in seinem Gedankengang hielt Severus inne und sprach den nächsten Gedanken, der ihm verzweifelt durchs Hirn geisterte, diesmal laut aus: „Dobby!“
„Sir, sie haben gerufen, Sir?“ quiekte es ihm auch sogleich aus Kniehöhe entgegen, wobei Dobby ihn mit großen erwartungsvollenanschaute.
„In der Tat. Wie lange würde es dauern meinen Eingang um etwas vier Meter zu versetzen?“
Mit jedem Wort das Severus sprach, schaute Dobby immer ungläubiger aus seiner geschenkten Wäsche.
„Sir, die Mauern sind magisch beschützt, ich müsste jeden Stein einzeln ...“.
„Ich habe nicht gefragt, wie du es machen würdest, sondern wie lange es dauern würde!“
„Sir, vier Tage, Sir.“, quiekte Dobby, „soll ich gleich anfangen?“
Severus schüttelte nur den Kopf, als er sich umdrehte und in den dunklen Gänge des Kerkers verschwand, einen ziemlich verwirrten Hauself zurücklassend.
* * *
Auf dem Weg in die große Halle, beobachtete Hermione ihren beiden besten Freunde mit einer Sorgfalt, als würde sie sich bei Dumbledore nach dem Frühstück als neue Meisterspione bewerben wollen.
Doch beide übten sich darin, so unauffällig wie möglich durch ihr Leben zu schreiten.
Harry indem er versuchte, so zu tun, als würde er nicht gleich an der nächst besten Wand im Stehen einschlafen, da er die ganze Nacht über Hermiones Desensibilisierungsplan boykottiert hatte und Ron indem er einfach mal keine blöden Kommentare von sich gab.
Da der Kater, der sie über zwei Tage terrorisiert hatte, an diesem morgen endlich erbarmen mit ihr gezeigt hatte, musste sie sich nun mit einem ordentlichen Appetit herumschlagen. So ließ sich Hermione hungrig und nichts ahnend auf ihren Platz nieder, nur um sich sogleich alle möglichen Arten von Nahrungsmitteln bunt gemischt auf ihren Teller zu schaufeln.
Beherzt griff sie nach einer Weile nach ihrem Kürbissaft und führte das Glas fast gierig an ihre Lippen, als sie plötzlich aus ihren Augenwinkel heraus, Rons neugierigen Blick auffing und sofort wieder an ihr Gespräch mit Ginny, bezüglich des Flachmannes denken musste.
Gerade noch so bekam sie die Kurve und setzte das Glas wieder neben sich, bevor auch nur ein Tropfen ihre Lippen benetzen konnte. Sicher ist sicher, nach dieser Theorie stellte sie diesmal ihr Glas auch auf die rechte Seite, neben Dean, anstatt es noch einmal in die Nähe ihres sich sehr verdächtig aufführenden Freundes zu stellen.
Dean wiederum, hatte sein eigenes Glas gerade in einem Zug gelehrt, weil er eine scharfe Bohne von seinen Nasch und Schwänzleckereien erwischt hatte und seine Zunge forderte sofortige Kühlung, weswegen er ohne darauf zu warten, dass sich sein Glas wieder von selbst fühlte, einfach nach Hermiones Glas griff und zu ihr murmelte, „Ich darf doch, oder?“
Ohne jedoch eine Antwort abzuwarten fing er auch schon an zu trinken. Genau in dem Moment als die ersten Tropfen seine Kehle hinunterrannen, drehte Hermione sich zu ihm um und konnte noch beobachten, wie Deans Augen mit jedem weiteren Schluck immer größer und größer wurden.
Ginny die als einzige in seiner Reichweite, noch so etwas wie Reaktionsvermögen besaß, schlug Dean schwungvoll den Becher aus der Hand.
Doch anscheinend war es schon viel zu spät gewesen, denn nachdem Dean aufgehört hatte, den Trank aus seiner brennenden Kehle zu würgen, hatte er nur noch Augen und ein debil wirkendes Grinsen für Hermione übrig, währenddessen er den Rest der Menschheit einfach ausblendete.
Durch Hermiones Handlungsunfähigkeit, die ihre komplette Konzentration darauf verwendete sich Dean vom Hals zu halten, stürzte sich Ginny auf Ron und stellte dabei sogar die berüchtigten Heuler von Molly Weasley in den Schatten.
* * *
Kurz vor dem morgendlichen Spektakel hatte sich Severus endlich dazu durchgerungen die große Halle zu betreten. Seine Wut auf Minerva, war zu einem Level heruntergekühlt, sodass die Gefahr eines Blutbades mehr als unwahrscheinlich war.
Schweigend setzte er sich neben seinem personifizierten Nemesis auf der einen Seite und dem mittlerweile größten Nagel zu seinem Sarg auf der anderen Seite. Dumbledore lächelte ihn an, als wäre er der Weihnachtsmann und Minerva setzte eines ihrer süffisantesten Grinsen auf, so als ob, sie heute schon Besuch vom Weihnachtsmann bekommen hätte.
Am liebsten wäre er sofort wieder aufgestanden, aber er gehörte noch nie zu den Menschen, die vor Konfrontationen weglaufen würden. Obwohl er sich langsam schon fragte, ob er damit nicht einfach mal anfangen sollte. Sein Leben war auch ohne die-Welt-ist-so-schön-wenn-ich-auf-Drops-bin-Dumbledore und Neu-Spion-McGonagall schon kompliziert genug.
Spionin in Spe meldete sich dann auch sogleich zu Wort:
„Ich hoffe du hast dich über mein kleines Präsent gefreut.“
„Im äußersten Maße, Minerva.“, sagte Severus in seinem trockensten Tonfall den er gerade auftreiben konnte.
Wenn er sich schon mit ihr auseinandersetzen musste, so würde er ihr wenigstens ihre Genugtuung darüber verweigern.
Leicht angefressen knabberte er an seinem Buttertoast und überlegte sich dabei, wo er sich nun ungestört mit Hermione treffen könnte. Am besten noch vor dem Unterricht um wenigstens ein eher unsichtbares, aber dennoch vorhandenes, Exempel zu statuieren. Denn noch nicht einmal eine zu Höchstleistungen auflaufende Minerva, könnte ihn von seiner Hermione fernhalten.
Mitten in seinen Überlegungen, beobachtete er, wie ein Kelch mit Kürbissaft gefüllt, von Ginerva Weasley durch die halbe Halle geschleudert wurde.
Kurz darauf musste er auch noch mitansehen wie dieser Mr. Thomas seiner Hermione auf die Pelle rückte, währenddessen sich Ms. Weasley auf ihren Bruder stürzte, als würde sie planen, in den nächsten Minuten ein Familienmitglied weniger zu haben.
Der Mann Severus begrüßte ihr Vorgehen, während der Lehrer Severus Snape, sogar noch genug Verantwortungsgefühl für die Gryffindors übrig hatte um der ganzen Sache Einhalt zu gebieten. Nebenbei konnte er somit gleich Nützliches mit seinen Verpflichtungen verbinden.
Schnell schritt er zum Gryffindortisch, versuchend die hinterherrennende Minerva irgendwie noch abzuschütteln.
„Was haben wir denn hier?“, säuselte Severus in seiner besten Blut in den Adern gefriert Tonlage. „Mr. Thomas ich würde ihnen raten ihre Finger von Mrs. Granger zu nehmen und Sie Ms. Weasley wollte ich nur daran erinnern, dass auf Mord eines Schülers ein Schulverweis zu erwarten wäre und so wie ich ihre Mutter kenne, wäre sie darüber alles andere als erfreut.“ Im sprechen drehte sich Severus zu Hermione um, die ihn schon seit einigen Sekunden mit einer hochgezogenen Augenbraue beobachtete, er musste sich beeilen, wenn sein Plan erfolg haben sollte, da Minerva nur noch wenige Sekunden brauchen würden um seinen Vorsprung aufzuholen. „ Und Sie Ms. Granger scheinen für diesen ganzen Unfug verantwortlich zu sein. Bitte melden Sie sich umgehend bei Mr. Filch an der Besenkammer im dritten Stock, vielleicht können Sie noch vor Unterrichtsbeginn einen Teil ihrer Strafarbeit erledigen.“ Gerade noch so den Rekord im Schnellsprechen gebrochen, sah er nur noch wie Hermione, unter den verzweifelten Rufen von Mr. Thomas, nickend die Halle verließ, als im gleichen Moment auch schon Minvera schnaufend neben ihm zum stehen kam.
Mit wütendem Blick widmete sie sich ihrem Schüler, sodass Severus nun die Gelegenheit bekam, der ganzen Szenerie den Rücken zu kehren um sich auf den Weg in den dritten Stock zu machen.
Minvera dagegen überlegte sich gerade, ob sie nicht ein Minuspunktesystem in Hogwarts einführen sollte.
* * *
Eine halbe Stunde später standen ein zerknirschter Ron und ein traumatisierter Harry – Cho war vor fünf Minuten an ihm vorbeigelaufen und hatten ihn angelächelt – im dritten Stock vor dem Verwandlungsklassenzimmer und warteten auf den Unterrichtsbeginn.
Nicht unweit von einer bestimmten Besenkammer entfernt, in der sich Hermione mit zittrigen Fingern ihre Bluse wieder zuknöpfte.
„Langsam entwickel ich eine gewisse Vorliebe für diesen Raum.“ , lächelte Hermione Severus an. Dieser schnaubte nur, als er das Wort Raum im Zusammenhang mit dieser schäbigen Kammer vernahm. Er müsste schleunigst eine Lösung für sein Spiegelproblem finden, sonst würde er über kurz oder lang noch eine Stauballergie entwickeln.
Mit einem leidenschaftlichen Kuss verabschiedete sich Hermione von Severus und verschwand um pünktlich zu ihrem Verwandlungsunterricht zu erscheinen.
Mit geröteten Wangen stieß sie zu ihren Freunden hinzu, wobei sie versuchte Ron so gut es ging zu ignorieren. Harry der mittlerweile sich wieder etwas gefangen hatte, starrte geistesabwesend auf Hermiones Uniform und fing an zu stottern, als er mit einem Finger auf ihre falsch geknöpfte Bluse zeigte, die während des Frühstücks definitiv noch nicht so ausgesehen hatte.
Auch Ron verfolgte seinen Blick und konnte seinen Augen nicht trauen, als dann auch noch ein selbstzufriedenen Draco in den Gang trat und sich die Krawatte band, da er sich eben noch mit Ginny im Raum der Wünsche getroffen hatte, brachte für Ron das Fass endgültig zum Überlaufen. In Gedanken zählte er eins und eins zusammen und kam komischerweise doch auf ein falsches Ergebnis.
„Du dreckiges Schwein!“ wutschnaubend stürzte sich Ron auf Draco.
Der im ersten Moment gar nicht wusste wie ihm geschah, als er ihm auch schon entgegnete, „Es ist Ginnys Wahl nicht deine!“
Mit im in der Bewegung hielt Ron inne und sah merkwürdig bleich aus der Wäsche als er, „Ginny?“, fiepste.
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Vielen vielen Dank an meine Beta füreinegerechtereWelt, du bist so schnell!!! *schokokekse über dich ausschütt*^^
Und vielen Dank für die Kommentare *mich über jedes einzelne immer wahnsinnig freu* *leicht verrückt grins*
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NicoleSnape: Jaaa ... Ron hat es nicht geschafft ... puh ... Schwein gehabt ... zum Glück ...^^armer Dean, der darf das jetzt ausbaden ...
Fanfanfan!!!: hmm ja irgendwie geht jetzt alles noch ein bisschen absurder zu, hätte auch nicht gedacht, dass man das irgendwie noch steigern könnte aber Minerva und Ron sei Dank, dreht sich das Rad immer weiter und weiter^^
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Samstag, 01.07.
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Mittwoch, 24.05.
Wenn man wie ich über Böses schreibt und wenn einer der beschriebenen Figuren im Grunde ein Psychopath ist, hat man die Pflicht, das wirklich Böse zu zeigen, nämlich, dass Menschen getötet werden.
Joanne K. Rowling