
von einstein90
Hallo Leute. Tut mir echt leid, dass ihr so lange warten musstet, aber momentan geht es in meinem Studium drunter und drüber und verlangt daher meine volle Aufmerksamkeit. Aber mein schlechtes Gewissen hat mich die Zeit finden lassen, wieder ein Kapitel fertig zu stellen (Es werden wohl doch mehr als erwartet ;) ).
Ich hoffe ihr seit mir nicht böse, und wenn doch, dann kann ich das auch verstehen.
Vielen herzlichen Dank für eure Kommentare. Ich freue mich jedesmal wieder. Bitte macht weiter so.
Okay. Genug von mir.
Jetzt seid ihr an der Reihe. Viel Vergnügen.
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Eine Wärme.
Durchdrang sie von Kopf bis Fuß. War es seine Nähe? Doch der Druck seines Körpers auf dem ihren war nicht mehr. Sie schlug die Augen auf. Wollte sich vergewissern, dass er noch da sei. Doch war er nicht. Stattdessen war sie fest in die Decke eingewickelt.
Die Sonne blendete. Ließ Tränen vor Schmerz ausbrechen. Heftig blinzelnd wand sie sich ab. Von dem strahlenden Morgen. Keine schwarze Wolke am Himmel. Stattdessen eine sanfte, lauwarme Brise, die Hermine's müden Körper umsorgte. Die Knochen schmerzten von der Nacht.
Den letzten Schlaf aus den Gelenken verbannend stand sie auf. Sie sah sich um. Wo war Harry? Grob stopfte sie die Decke in ihr kleines Handtäschchen. Warum hat er sie nicht geweckt? Ungeduldig ordnete sie ihre zerzausten Haare. Nein, er ließ sie hier alleine zurück! Hermine zog ihre knittrige Kleidung zurecht. Es hätte ein schöner Morgen werden können.
Ihre Lungen füllten sich mit frischer Luft. Der Geruch von feuchtem, in der Sonne glitzerndem Gras erfüllte sie mit Leben. Der Boden unter ihren Füßen war weich. Einzelne Tropfen, die das junge Sonnenlicht in alle nur erdenklichen Farben zerlegte, fielen von den Spitzen geschundener Blätter. Einen letzten Blick widmete sie dem weißen Marmor, der das Grab von Harry's Eltern markiert. Dann verließ sie leicht verärgert den Friedhof und ging ihren Gedanken nachhängend die Straße entlang. Doch konnte sie sich nicht lange genug in ihnen verlieren. Ein lauter Schlag von Holz auf Stein, gefolgt von einem lauten Scheppern ließ sie aufschrecken. Aus einer Ruine nahe der Straße schwappte eine Welle von Staub aus dem vermoderten Türrahmen und brandete an der Gartenmauer, die das Grundstück abschloss.
Da war er also. Harry war in das zerstörte Haus seiner Eltern zurück gekehrt. Die Wut, die sich in ihr angestaut hatte, ebbte ab. Sie trat näher und spähte hinein, doch er war nicht zu sehen. Nur sein Husten war zu hören. Die Staubwolke musste wohl ihren Ursprung in seiner unmittelbaren Nähe gehabt haben.
Vorsichtig trat sie ein. Bewegte sich filigran an von der Decke hängenden Holzbalken und anderen Trümmern vorbei.
Früher musste dieses Haus wunderschön gewesen sein. Reste von kunstvoll verziertem Putz. Ein Kamin, kunstvoll gemauert wie ein Drachenkopf. Welche Schönheiten wohl noch unter den Trümmern zu finden sind? Ein riesiger Teppich, in schillerndem Rot und Gold. An den meisten Stellen angesengt und verkohlt.
Sie träumte von diesem Haus. Wie schön musste es gewesen sein. Wie wohnlich es war. Harry's Eltern hatten Geschmack. Hermine hätte sich sicherlich noch ein paar Tipps von Lily holen können, wenn...Hermine hielt inne. Traurigkeit überkam sie. ...wenn Lily und James noch leben würden. Eine einzelne Träne konnte sich der Schwerkraft nicht entziehen und kullerte ihre Wange hinab. Dann ließ sie ein letztes Mal den Blick durch den großen Raum schweifen, der wohl früher das Wohnzimmer gewesen war.
Sie kam zu dem Schluss, dass sie sich hier vermutlich wohl gefühlt hätte. Hier hätte sie sich wie zu Hause gefühlt.
„MAAAAN...“ ein wutentbrannter Schrei kam aus dem Nebenzimmer. Holz ächzte unter Harry's Gewalt. Glas splitterte. Trümmer krachten an die Wand. Es schepperte. Hermine erschrak. Schnell stürzte sie in den angrenzenden Raum. Ihr bester Freund bemerkte sie nicht. Er räumte Schund von links nach rechts, hielt inne und suchte den Boden ab, als wenn er auf einer archäologischen Expedition wäre. Er durchwühlte einige alte Dokumente, auf denen die Tinte über all die Jahre verblasst sein musste. Und aus Frust, weil er nicht das gefunden hatte, was er suchte, warf er einen halb demolierten Tisch gegen ein altes, halb zerfallenes Bücherregal, wo der Tisch endgültig unbrauchbar gemacht wurde. Dann trampelte er ungestüm in eine andere Ecke des Raumes, wo sich die Szene wiederholte.
„Harry?“ fragte Hermine zögerlich. Keine Reaktion. Er suchte stur unter den Trümmern nach irgend etwas.
„Harry, was suchst du?“ begann Hermine erneut. Diesmal etwas bestimmter. Mit Erfolg. Er erstarrte. Den Blick starr auf sie gerichtet. Sie hatte ihn offensichtlich mit ihrer Anwesenheit überrascht. Es hatte ihm glatt die Sprache verschlagen.
„Guten Morgen.“ lächelte sie leicht. Einige Momente vergingen. Harry's Gesichtsausdruck war verwirrt. Ihre letzten Worte schienen in seinem Kopf zu hallen. Nach einer gefühlten Minute gab er ihr ein beschäftigtes „Morgen“ zurück und begann dann wieder in den Trümmern zu suchen.
Hermine stach es leicht in der Brust. Eine solch unliebsame Begrüßung war sie von ihm nicht gewohnt. Allerdings, dass musste sie sich eingestehen, war Harry hier in seinem eigentlichen Zuhause. Und irgendwas wurmte ihn mächtig, sonst würde er nicht so verbissen und konzentriert in den Trümmern suchen.
„Kann ich dir helfen? Was suchst du?“ Keine Antwort.
„Okay dann werde ich mal hier drüben wühlen.“
„Da war ich schon. Da ist nichts.“ sagte er etwas gereizt. Hermine wusste, dass es nichts mit ihr zu tun hatte. Er suchte etwas, wer weiß wie lange schon, und gefunden hatte er es noch immer nicht.
Hermine fühlte sich hilflos. Im Moment war sie nicht in der Lage zu ihm Zugang zu bekommen. Sie suchte sich eine kleine Ecke, und fing ebenfalls an zu stöbern. Wonach? Diese Frage wird wohl ungeklärt bleiben, bis Harry es gefunden hat oder er keine Lust mehr hat danach zu suchen. Wobei letzteres wohl nicht eintreten würde, da es irgendwas mit seinen Eltern zu tun hatte. Und da legt Harry einen Ehrgeiz zu tage, den Hermine sich manchmal von ihm in der Schule wünschte.
So verbrachten sie mehrere Minuten. Hermine in ihrer kleinen Ecke und Harry, der von einem Ende des Raumes zum anderen tigerte. Hier und da mal ein paar Holzteile durch den Raum wirft. Wie ein Schatzsucher. Ohne Schatzkarte. Und wieder dort weiter suchte, wo er kurz zuvor schon einmal war.
Beim durchschauen der vielen vergilbten und ausgeblichenen Pergamente stellte Hermine fest, dass dieser Raum so etwas wie ein Arbeitszimmer gewesen sein muss. Hier mussten James und Lily immer gewesen sein, wenn sie für den Orden Pläne schmiedeten.
Ein schwerer Brocken, der aus der Decke über ihr stammen musste, machte ihr vorübergehend einige Probleme, bis sie sich wieder darauf besann, dass sie eine Hexe war und den Brocken mit einem Wink ihres Zauberstabes aus dem Weg schaffte. Etwas glitzerndes erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie schob ein wenig Gerümpel beiseite und fischte inmitten von verstaubtem Müll und morschem Holz eine kleine Truhe heraus. Nicht größer als ihre beiden Hände zusammen. Kurz musterte sie das kleine Kästchen. Mit blauer Seide umhüllt. Feine silberne Streifen darauf gestickt und magisch so verzaubert, dass es so aussah als würden sie um die Schatulle fließen. Wie ein kleiner Bach, der sich durch die Landschaft schlängelt. Rein Äußerlich waren keine Abnutzungsspuren zu erkennen. Lediglich das Schloss war leicht verbrannt. Irgendjemand musste versucht haben, es gewaltsam zu öffnen. Ein Todesser vermutlich. Und das er gescheitert war zeigte Hermine, dass darauf ein starker Zauber liegen musste.
„Harry. Hier. Sieh mal.“ unterbrach sie sein planloses Treiben und hielt ihm die Truhe entgegen.
Er schaute auf und starrte das Kästchen an. Harry schritt zügig auf sie zu. Den Blick nicht davon nehmend, riss er es ihr schließlich etwas unsanft aus der Hand. Hermine, vollkommen verschreckt, rieb sich die geschundene Hand. Doch schnell fiel die Angst, die er ihr eingeflößt hatte von ihr ab. Sie machte ihm keinen Vorwurf. Immerhin hatte er schon Stunden gesucht und nichts gefunden und sie erst ein paar Minuten. Kurz beobachtete sie ihn, wie er die Truhe anstarrte. So als wenn er sie allein mit Blicken öffnen wollte. Dann ließ sie ihn allein. Seine beste Freundin ging zu einem zerstörten Fenster und setzte sich auf die Fensterbank. An den Rahmen lehnend sah sie hinaus in den Hinterhof. Die fortwährende Morgenbrise trieb ihr kurz eine Gänsehaut über den Rücken. Sie zog ihre Beine zu sich heran und verharrte so. Und schließlich gab sie sich wieder ihren Träumen hin. Dieses Haus, so zerstört es auch sei, übte eine überwältigende Faszination auf sie aus.
Harry starrte auf die Schatulle in seinen Fingern. Auf das Schloss. Ein geschwungenes „J“, das sich um ein elegant geformtes „L“ legt. James und Lily. Verwoben, so wie sie es einst im Leben waren. Er schloss die Augen. Seine Augen wurden feucht, doch bevor eine Träne ihren Weg aus seinen Lidern bahnen konnte, wischte er sie schnell weg.
Er wusste nicht, was in dem Kästchen war. Dennoch hatte er etwas gefunden, was seinen Eltern gehörte. In der Hoffnung, dass er mehr über sie in Erfahrung bringen konnte.
Stille kehrte ein.
Stille, die die letzten Jahre über Harry's Elternhaus beherrschte.
„Hab ich dir weh getan?“ Hermine schreckte aus ihren Gedanken hoch. Sie hatte nicht mitbekommen, dass sich Harry ihr genähert hatte. Sie blickte in zwei schuldbewusste Augen. Seine Stimmung hellte sich ein wenig auf, als sie ihm ein Lächeln schenkte und mit dem Kopf schüttelte.
„Ist schon gut. Ich weiß, dass du momentan viel durchmachst. Aber du bist nicht allein. Wir stehen das zusammen durch, okay?“
Harry blickt ihr in die Augen und lässt sich das Gesagte noch einmal durch den Kopf gehen. Ein Lächeln schlich sich auf seine Lippen.
„Danke, Mine. Ich weiß nicht, was ich ohne dich machen würde.“ gestand er.
„Vermutlich im Kreis rennen, wie ein Huhn.“ scherzte Hermine. Harry musste lachen.
Fast gleichzeitig fiel ihr beider Blick auf die Truhe. Und in beiden Gesichtern spiegelte sich die gleiche Frage: Was ist da drin? Was ist so wertvoll, das es mit so einem mächtigen, über den Tod hinaus gehenden Zauber geschützt werden muss?
Doch ihre Gedanken wurden jäh unterbrochen, als ein lautes Grollen ertönte.
Harry musste schmunzeln. Hermine hielt sich den Bauch. Sie hatte heute noch nichts gegessen. Und das machte sich jetzt bemerkbar. Wieder knurrte ihr Magen lautstark.
Ihr bester Freund deutete ihr, hier zu warten. Und ohne ein Wort zu sagen verschwand er im Nebenraum, um kurz darauf mit einer kleinen Tüte wieder zu kommen.
„Ich war so frei...“, er reicht ihr die Tüte, „...uns ein kleines Frühstück zu besorgen. Ich habe meines allerdings schon gegessen. Ich hoffe du magst es.“
Hermine öffnete die Folie. Ihr präsentierten sich drei belegte Brötchenhälften. Mit Wurst und Käse.
„Es ist perfekt.“ grinste sie in voller Vorfreude. Und dann nahm sie den ersten Bissen des Tages zu sich.
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