
von einstein90
Nun ist es wieder soweit, es gibt ein neues Chap. Danke für eure Kommentare, und ich hoffe, dass euch auch dieses Kapitel gefallen wird.
Liebste Grüße an alle meine Leser.
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Wie ein übergroßer Schnatz neigte sich die goldene Sonne dem Horizont entgegen. Die Wärme, die sein Gesicht in Feuer tauchte, war so durchdringend, dass das kalte, trockene Klima im Flugzeug dem nichts entgegen zusetzen hatte. Seine Konturen, die wie ein großes Gemälde auf der anderen Seite der Passierkabine ihre Schatten warfen – als wenn von einem der großen Künstler längst vergangener Tage gemalt – waren unscharf. Sie verschmolzen mit dem cremigen Weiß des Plastiks, aus dem die Verkleidung des Rumpfes gefertigt war, als wenn jemand beim zeichnen diese mit einem Schwamm verwischt hätte. Der Schatten, umgeben von intensivem Orange, folgte jeder Bewegung seines Besitzers. Und um ihnen herum. Überall leuchteten die Wolken wie frische Glut, die das sie nährende Holz gierig verschlungen hatten.
Auch wenn sie es nicht sehen konnten, unter ihnen war bereits australisches Festland. Zumindest hatte das der Pilot in einer seiner vielen Durchsagen erwähnt, die – gepaart mit dem metallischen Kratzen der Lautsprecher – von Zeit zu Zeit über ihren Köpfen ertönten und damit die Stille der Passagiere verdrängte. Selbst das kleine Mädchen war verstummt. Harry vermutete, sie würde auf einer freien Sitzbank liegen und von einer Wolldecke behütet werden. Im Arm mit ihrem Lieblingskuscheltier schmusend, tobte sie nun irgendwo in ihrer eigenen phantastischen Traumwelt.
Harry und Hermine hingegen waren hellwach. Beide beendeten sie gerade ihr Mahl. Lammbraten mit Kartoffeln und grünen Bohnen. Sicherlich war es nicht das, was sie aus der Zaubererwelt gewohnt waren, aber man konnte es zumindest essen. Einziger Nachteil: die Portionen ließen zu wünschen übrig. Der knurrende Magen war zwar vorerst besänftigt, aber – wie Ronald zu sagen pflegte – eine Vorspeise ersetze den Hauptgang nicht. Da Harry jedoch nicht im Training – im Gegensatz zu Ron - für ein spontanes Wettessen stand, legte er sein Besteck mit einen zufriedenen Gesichtsausdruck zur Seite. Hermine stibitzte ihm noch ein kleine Bohne, die er einsam auf seinem Tablett zurück gelassen hatte, bevor auch sie Messer und Gabel zur Seite legte. Harry, der sich wieder einmal gespielt empörte, liebte es sie dabei zu beobachten. So wie die anderen Male auch. Er glaubte sogar, dass wenn er sich die Bohnen lange genug aufgehoben hätte, keine mehr da gewesen wären. Immer wieder verlief sich Hermine's Gabel auf seine Seite und pikste sich eine Bohne aus einem ohnehin schon kleinen Haufen. Harry entrüstete sich jedes Mal aufs neue, doch Hermine grinste nur zurück, bevor sie mit einem Happen die Bohnen verschwinden ließ und genüsslich seufzte. Zeitweise entbrannte ein wilder Kampf. Sie kreuzten die Gabeln und kämpften um die Vorherrschaft über ihre Tabletts. Rostfreier Stahl auf rostfreier Stahl. Harry wehrte sich sichtlich amüsiert, ließ aber Hermine immer wieder genug Raum um an sein Gemüse zu gelangen. Sie lachte herzhaft, wie er es schon lange nicht mehr erlebt hatte. Einfach nur weil sie Spaß hatte. Etwas, was im letzten Jahr viel zu selten geschehen war. Und jedes Grinsen, jede glückliche Regung in ihrem Gesicht war der Verzicht auf eine weitere Bohne allemal wert. Sogar Tonnen von Bohnen, mehr als auf der Erde zu finden wären. Denn diese Freude ließ ihr Wesen erstrahlen. Stärker als die Sonne es vermochte. Intensiver als die Wellen der Wärme, die der Feuerball aussendete. Unbeschwert von tieferen Gefühlen. Eben einfach nur Freunde.
Es sollte die letzte Mahlzeit sein, bevor sie in Sydney landen würden.
Endlich. Lange hätte Harry es nicht mehr ausgehalten. Hermines Gesellschaft war ihm zwar mehr als angenehm, doch sein Körper war an solch langen Kapriolen der begrenzten Bewegungsfreiheit nicht gewohnt. Sein Hintern war vom vielen Sitzen taub. Die Füße eingeschlafen und der Rücken schmerzte. Er brauchte Bewegung. Er überlegte sich, wie er sich ein wenig Bewegung verschaffen konnte, und der Gang zur Toilette zählte nicht dazu. Außerdem musste er gar nicht, also warum sollte er sich in einer kleinen, engen Kabine einschließen, die schnell in einem klaustrophobische Panik hervorrufen konnte. Vor allem dann, wenn man gerade sein Geschäft verrichtete und das Flugzeug in Turbulenzen geriet.
Harry stapelte die silbrigen Aluminiumschalen, aus denen sie gegessen hatten. Er schaute sich um, aber die Stewardessen waren gerade mit anderen Passagieren beschäftigt. So entschied er sich, den Müll selbst zu entsorgen. Es musste hier schließlich irgendwo ein Mülleimer zu finden sein. Den kleinen Klapptisch ließ er in der Rücklehne des Sitzes vor ihm verschwinden. Hermine regte sich nicht, außer einem kurzen Blick und einem schnellen Lächeln, bevor sie wieder in die Tiefen handgeschriebener Pergamentseiten vordrang, die zu einem Wälzer von nicht weniger als 1000 Seiten gebunden waren. Die Menge war nur eine Schätzung, denn Harry hütete sich stets davor ein solches Nachschlagewerk über „Zauberei in Europa und darüber hinaus“ auch nur zu berühren. In einer Bibliothek wären seine Augen nicht einmal am Einband hängen geblieben. Wobei 'Nachschlagewerk' durchaus doppeldeutig verstanden werden kann. Es wäre ein Leichtes einen Bullen von Mann damit die Leviten zu lesen. Und während Harry sich in Gedanken die skurrilsten Methoden überlegte, wie man jemandem das geschriebene Wort nahe bringen könnte – vielleicht sogar Ron – klappte auch Hermine ihren Tisch hoch. Ihre Beine verschwanden im Schneidersitz unter dem aufgeschlagenen Buch und die eine Strähne verschwand wieder hinter dem Ohr.
Doch irgendwie übten diese Werke, egal ob geschrieben oder gedruckt, eine ungeheure Anziehungskraft auf seine Freundin aus. Vielleicht, aber nur vielleicht würde Harry mal ein paar mehr Seiten eines solchen Buches lesen. Und wenn es ihm nur die Bestätigung lieferte, dass lesen eine langweilige Sache sei. Aber es war nun mal Hermines Hobby, so wie das seine Quidditch war. Hermine würde niemals freiwillig auf einen Besen steigen. Harry schmunzelte bei dem Gedanken, wie Hermine sich sträubte, einen Besen zu benutzen. Oder ihr kreidebleiches Gesicht beim fliegen. Wobei Harry revidierte: 'Sag niemals nie'. Er schob sich an Hermine vorbei und ging nach vorne in Richtung Bordküche.
Nicht ganz ohne Hintergedanken. Die ganze Zeit über nagte die Neugier an ihm wie ein Biber am Baum. Er wollte unbedingt heraus finden, mit wem Hermine gesprochen hatte. In Gedanken zählte er dabei die Sitzreihen, bis er die Richtige erreicht hatte. Dann begann er wieder bei null und zählte die übrigen bis zur Küche.
Eine Stewardess, sichtlich gestresst und unorganisiert, sortierte gerade den Müll. Nebenbei kontrollierte sie die Öfen, in denen zuvor die Essen aufgewärmt wurden.
Harry trat näher und lächelte leicht. Sie, im ersten Augenblick etwas erschrocken, erwiderte das Lächeln.
„Wo soll ich die hin tun?“ er deutete auf die Schalen.
„Oh, äh...“ sie wirbelte herum und schaute kurz nach links und rechts, „hier rein.“ Sie griff nach einem blauen Müllsack, der sich aber als widerspenstig erwies. Sie fluchte leise.
„Darf ich?“ fragte Harry vorsichtig. Sie nickte dankbar. Harry, der mit mehr Ruhe an den Müllsack trat, hatte keine Probleme damit den Müll darin verschwinden zu lassen. Er ließ die Schalen hinein fallen und schob die blaue Tüte wieder in das Fach, aus dem sie zuvor von der jungen Frau geholt wurde. Harry schenkte der Schwarzhaarigen noch ein Lächeln, bevor er wieder durch den Vorhang trat und nach hinten ging. Auf halber Strecke jedoch blieb er stehen und schlug sich vor die Stirn. Dann drehte er sich um und ging wieder nach vorne. Er trat vorsichtig durch den dünnen Stoff, diesmal aber mit Ankündigung, damit sie sich diesmal nicht erschrak.
„Kann ich noch etwas für sie tun?“ fragte sie freundlich.
Harry setzte ein charmantes Lächeln auf. „Das nicht, aber vielleicht kann ich ihnen helfen.“ Anscheinend hatte sie das noch nicht allzu oft gehört, denn durchaus überrascht war ihre Reaktion.
„Das ist zwar lieb gemeint, aber...“ doch Harry fuhr ihr ins Wort. Nicht gebieterisch oder arrogant. „Ich möchte.“ Dabei schaut er ihr in ihre Schokoladen-braunen Augen. Sie ließ sich von seinem Blick überzeugen. Sie lächelte.
„Wie wäre es mit dem Geschirr?“ fragte sie und warf ihm ein Handtuch zu. „Aber gern.“ Harry trat an ein Spülbecken, dass etwas kleiner war, als das, was man von normalen Küchen gewohnt war. Dieses hier war zu gut zwei Drittel mit Wasser gefüllt, dass unruhig hin und her schwappte, und auf dem eine dünne Schicht Schaumblasen schwamm. Um das Becken herum waren einige Behälter mit dreckigem Besteck und ein paar leere, die wohl für die sauberen Messer und Gabeln gedacht waren. Also fing er an. Dreckige Messer ins Wasser, säubern, raus aus dem Wasser, abtrocknen und in ein leeren Behälter damit. Das gleiche mit den Gabeln. Anfangs noch etwas langsam, bekam er schnell den Bogen raus und beschleunigte seine Arbeit. Immer wieder spürte er den kurzen Blick der Stewardess.
Unzweifelhaft hatte er ihr Interesse geweckt.
„Sie erleben es wohl nicht oft, dass Passagiere ihnen bei ihrer Arbeit zur Hand gehen, nicht wahr?“ fragte er beiläufig, während er eine weitere, trocken polierte Gabel aus der Hand legte.
„Nein. Es ist wirklich sehr selten. Wenn ich so recht darüber nach denke, dann ist es mir noch nie passiert.“ Ihre Stimme klang nicht dumpf, wie von einer Schrankwand reflektiert. Sie hatte sich zu ihm umgedreht und sah ihn direkt an. Harry spürte ihren Blick in seinem Nacken. Er unterbrach seine Tätigkeit und drehte ihr den Kopf zu. Eine kurze beklemmende Stille trat ein. Ihre Augen musterten ihn. Seine ganze Gestalt. Bis sie ihm in die grünen Augen blickte. Sofort schien sie peinlich berührt, was sie mit einem sympathischen Lächeln zu verbergen versuchte. Ihre Wangen jedoch erröteten. Verlegen schob sie sich eine eigenwillige Strähne hinter ihr Ohr, bevor sie die Flucht aus dieser Situation suchte und ihm schnell wieder den Rücken zu wandte. Hastig wischte sie mit einem feuchten Lappen über die Amaturen. Doch ihre Augen blickten immer wieder nach rechts, als wenn dort ein Spiegel hängen würde, der Harry zeigte. Wenn sie könnte, würde sie sie so sehr verdrehen, dass sie durch ihren eigenen Kopf gucken würden. Nur um Harry anzusehen. Und dennoch bewegte sich ihr Kopf nicht mehr, als es unter den Putzbewegungen nötig war. Harry drehte derweil den Spieß um und musterte nun sie, was sie noch mehr erröten ließ. Die Distanz, die sie normalerweise zu den Passagieren bewahrte, verschwand in der Bedeutungslosigkeit. Mit der richtigen Mischung aus Neugier und Überraschung war er einfach durch ihre professionelle Fassade gebrochen. Wie eine Dampfwalze durch einen Holzzaun, der einfach keinen Widerstand leisten konnte, selbst wenn er wollte. Harry kam leise und unerwartet. Sie rang um Fassung. Rief sich selber immer wieder die Doktrin der Fluggesellschaft ins Gedächtnis. Doch die Anweisung, keine Beziehung zu Passagieren zu unterhalten, versank immer wieder in zwei grünen Objekten, die auf ihr ruhten und jede ihrer Bewegungen verfolgten.
Immerhin hatte sie nie einen Sinn in dieser Order gesehen. Außerdem war es dieser junge Mann, der an sie herantrat. Es war seine Schuld. Nicht ihre. Er war dafür verantwortlich. Er, der durch diesen Vorhang in ihr Leben trat und es durcheinander wirbelte. Dabei kannte sie ihn nicht einmal. Und dennoch. Ihre Fühler haben sich auf ihn eingestellt. Harry lachte leicht, nachdem er sie dabei beobachtete, wie sie ein und dieselbe Stelle zum wiederholten Male säuberte. Und dieses Kichern riss sie aus ihren Gedanken. Sie hielt inne. Über die Schulter warf sie ihm einen schnellen Blick zu, wobei sein Augen unentwegt auf ihr lagen. Es war nur eine Millisekunde, aber sofort wich sie wieder aus. Harry spürte, wie ihr Gesicht vor Hitze prickelte.
„Ist es ihnen unangenehm, dass ich hier bin?“ fragte Harry sanft. Er bot ihr einen Ausweg aus der Situation. Sie sollte durch seine Anwesenheit nicht in Verlegenheit gebracht werden. Aber so ungewohnt sie diese Situation auch empfinden mochte, sie ergriff den Strohhalm nicht, den er ihr reichte. Zweifelsohne war es die Neugier über den Fremden, der aus dem nichts heraus auftauchte und ihr half.
Sie war dankbar dafür. Das Besteck. Die Bordküche, das alles musste vor der Landung in einwandfreiem Zustand sein. Das verlangte die Chefstewardess. Sicherlich steckte dahinter irgend eine Art Aufnahmeritual. Die Bordküche auf Vordermann zu bringen war selbst für zwei Personen ein Ding der Unmöglichkeit, aber alleine, und in nur einer halben Stunde. Dieser Bereich war groß genug, dass zwei Fußballmannschaften hier locker Platz gehabt hätten. Vielleicht dicht gedrängt, revidierte sie ihre Ansicht der Größe der Bordküche, aber sie hätten Platz gehabt. Und sie hätten es locker geschafft, die gesamte Küche in Ordnung zu bringen.
Alleine brauchte es ein Wunder. Sie wuselte. Unermüdlich, aber ihr war von vornherein klar, dass sie es bis zur Landung nicht schaffen würde. Unverhofft trat jedoch Harry durch den Vorhang. Er wollte eigentlich nur seinen Müll weg schmeißen und ging wieder. Aber er kam zurück. Was hatte ihn veranlasst, zurück zu kommen? Hatte er etwas vergessen? Kam er wegen ihr?
Ihr Äußeres veranlasste viele Männer dazu, sich noch einmal nach ihr umzudrehen oder sie mit billigen Anmachsprüchen in ein Gespräch zu verwickeln. Was ihr einige Männerbekanntschaften einbrachte. Freunde, Vertraute und wie sie sich alle nannten und am Ende doch nur das Eine wollten. Alle wurden von ihrer Erscheinung so sehr geblendet, dass sie blind wurden für ihren Charakter. Keinen interessierte es, was sie dachte. Oder was sie fühlte. Sie war einfach nur diese Schönheit, die vom anderen Geschlecht begehrt wurde. Ein Objekt, das man besitzen wollte. Wie ein Auto, dass man in einer Garage abstellte und irgendwann gegen ein neues, jüngeres Modell austauschte. Doch keiner wäre jemals auf die Idee gekommen, ihr bei irgendwas zu helfen. Geschweige denn sogar freiwillig. Doch dieser junge Mann war anders. Höflich. Zuvorkommend. Und Hilfsbereit. Er war der Typ Mann, der sich nur ein Auto kaufen würde und dieses sein Leben lang pflegen, restaurieren, und mit viel Liebe behandeln würde. Vermutlich.
„Nein, es ist einfach nur unerwartet.“
„Was? Das jemand sie anschaut? Selbst wenn er nur ihren Rücken sieht.“
Sie war attraktiv. Das schwarze glänzende Haar, welches zu einem kurzen Zopf gebunden war. Die Figur eines Models. Evolutionsforscher würden vermutlich sagen, dass sie die perfekten Proportionen besaß, die gesunde Nachkommen versprach. Ein voluminöser Busen, wobei dieser Eindruck durch die enge Uniform sicherlich verstärkt wurde. Ein runder Hintern, der jeden Mann phantasieren ließ. Wenn nicht sogar verrückt machte. Aber irgendwie schien ihr Körper nicht diese Wirkung auf ihn zu haben. Seine Gedanken zogen Vergleiche zu einer anderen Person, die nicht allzu weit entfernt war und vermutlich noch immer in ihrer Lektüre vertieft war.
„Nein. Das nicht.“ Harry hörte in ihrer Stimme eine Art Bedauern, die er im Moment nicht so recht einordnen konnte. Vielleicht hatte er es sich auch nur eingebildet, weil das Summen der Triebwerke inzwischen sein Gehör stärker in Mitleidenschaft gezogen hatte, als erwartet. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass mir jemand helfen könnte.“
Sie drehte sich ihm nun wieder komplett zu und lehnte sich an die Theke. Sie hatte gerade noch einmal Luft geholt um etwas zu sagen, als ein Ruck durch das Flugzeug ging und es mit einem Satz um ein paar Meter hinab sackte, bevor es sich wieder fangen konnte. Alles fing zu Zittern an. Hier und da klapperte es verdächtig. Das Besteck begann sein expressionistisches Klangspiel von Metall. Für einen kurzen Augenblick verloren sie den Bodenkontakt. Sein Herz machte einen Satz und drohte stehen zu bleiben. Er hätte jede einzelne Hundertstel Sekunde einer Stoppuhr sehen können. Alles war angespannt. Nur sein Gehör war für einen kurzen Augenblick verstummt. Er spürte, wie die Zacken eine Gabel am Rücken kratzten. Die Stewardess war gestürzt. Haltlos direkt auf Harry zu. Im letzten Moment stützte sie sich an ihm ab. Harry konnte sie gerade noch rechtzeitig an der Taille packen und abbremsen. Ihre Hände, die mit hoher Wucht gegen seine Brust drückten, pressten die Luft aus seinen Lungenflügeln. Harry war überrascht. Ebenso die Frau, die ihm mit ihrem Gesicht bedrohlich nah gekommen war. Sie hielt den Atem an. Der angenehme Duft von Jasmin kroch ihm in die Nase. Ihre Augen ruhten aufeinander und verschmolzen unter der Nähe. Sie machte keine Anstalten zurück zu weichen. Und Harry konnte nicht zurückweichen, es sei denn er ignorierte den Schmerz, den die Gabel verursachen würde, wenn sie sich in sein Fleisch bohrte. Keiner bewegte sich. Keiner sagte etwas. Für gefühlte Minuten. Harry zwang sich zu einem sanftmütigen Lächeln, da ihm die Situation zunehmend unangenehm wurde.
„Ich bin Jasmin.“ hauchte sie überrascht. Die Distanz zwischen ihnen schrumpfte. Und Harry sah keinen Ausweg aus der Situation.
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