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Fanfiction

Horcruxe, Abenteuer und GefĂĽhle... - Grimmauld Place II

von Dracodormiens

Das hier ist eins meiner längsten Kapitel... Viel Spaß!

34. Grimmauld Place II

Hastig zogen Draco und Hermine sich wieder einige Schritte zurück. Pettigrew klopfte an die Tür zum Arbeitszimmer. Als diese sich öffnete, verbeugte er sich tief. „Mein Lord, Ihr wolltet mich sprechen?”

„Ich habe eine ehrenvolle Aufgabe für dich, Wurmschwanz!” sagte Voldemort mit spöttischer Stimme. „Bellatrix hatte ihren Spaß, jetzt töte das Schlammblut!” Hermine zuckte zusammen. Pettigrew war blass geworden. „Aber sie ist doch der Köder, damit dieser Junge Harry Potter herbringt...” Voldemort lachte mit seiner hohen Stimme. „Aber Wurmschwanz... Du hast doch nicht erwartet, dass wir den Jungen und das Schlammblut danach gehen lassen?!” „Nein... nein, mein Lord, natürlich nicht.” Pettigrew schüttelte heftig den Kopf. „Natürlich werde ich... selbstverständlich...” Er verbeugte sich erneut und machte sich langsam auf den Weg zur Kellertreppe. Lautlos zogen Draco und Hermine sich noch weiter zurück.

„Den schnappen wir uns! Wir müssen nur aufpassen, dass er sich nicht verwandelt!” zischte Draco leise. Hermine nickte kurz, dann verschwanden die beiden in dem Raum, in dem vor kurzem noch Sinead gefangen gewesen war. Sie stellten sich zu beiden Seiten der Tür auf, und Hermine legte einen Muffliato auf die Tür.

Zögernd kamen Pettigrews Schritte näher. „Er scheint keine große Lust dazu zu haben...”, murmelte Draco. „Er ist ein erbärmlicher Feigling, der sich nicht selbst die Finger schmutzig machen will!” sagte Hermine hart und hob ihren Zauberstab höher, als die Schritte vor der Tür verstummten.

„Alohomora!” Pettigrew trat langsam in den Raum und sah sich suchend nach Sinead um, und Draco gab der Tür einen energischen Stoß. „Petrificus totalus!” Steif fiel Pettigrew vornüber aufs Gesicht. Hermine rührte keinen Finger, um zu verhindern, dass er sich bei dem Sturz die Nase brach. Erstaunt sah Draco sie an. „Warum hasst du ihn so?” fragte er leise, während er Pettigrew fesselte und das Blut aus dessen Nase stillte, damit sie keine Spuren hinterlassen würden. „Er hat zwar einen großen Teil dazu beigetragen, dass der Dunkle Lord wieder zurückgekehrt ist, aber eigentlich fand ich ihn immer eher bemitleidenswert...”

„Er hat Harrys Eltern verraten.” Draco hielt inne und sah zu ihr hoch. „Das wusste ich gar nicht...” Er richtete sich auf und sagte: „Mobilcorpus!” Pettigrew begann zu schweben. Hermine richtete ihren Zauberstab auf Pettigrews Gesicht. „Verbinden wir ihm lieber auch die Augen.” Draco nickte. „Jetzt müssen wir nur noch heil hier herauskommen...” Hermine schlich die Treppe hinauf und Draco folgte dicht hinter ihr mit dem schwebenden Todesser. Die Halle war menschenleer, und sie eilten rasch zur Küche. Doch als sie Pettigrew in den Geheimgang hatten schweben lassen, hörten sie plötzlich eine Stimme auf dem Korridor. „Lucius, deine Hauselfen sind absolut unfähig! Denen muss man mal Manieren beibringen! Uns so lange auf den Feuerwhiskey warten zu lassen...” Schon stieß Bellatrix die Tür zur Küche auf. „Lucius!” brüllte sie dann nach dem ersten Überraschungsmoment.

Pettigrew stürzte auf den Boden des Geheimganges, als Draco herumwirbelte und seinen Zauberstab auf seine Tante richtete. Hinter Bellatrix tauchte jetzt Lucius Malfoy auf. Als er seinen Sohn erblickte, verzerrte sich sein Gesicht vor Wut. Die Hauselfen disapparierten ängstlich aus der Küche, als die vier begannen, Flüche aufeinander abzufeuern. „Hermine! Verschwinde!” brüllte Draco und versuchte, sie vor einem Fluch seines Vaters abzuschirmen. Ein abgelenkter Spruch traf den altmodischen Herd, und glühende Kohlen flogen in alle Richtungen durch die Küche. Hermine schrie auf, als eine davon sie im Gesicht traf und ihr die Wange versengte. Draco beschwor einen festen Schutzschild herauf und versuchte, ihn lange genug aufrechtzuerhalten, dass Hermine sicher in den Geheimgang klettern konnte. Dann setzte er alles auf eine Karte, löste den Schutzschild auf und hechtete im selben Moment ebenfalls in den Gang. Sofort drehte er sich um und richtete seinen Zauberstab auf die Tür. „Bombarda!” Krachend stürzte der Eingang in sich zusammen. Hermine saß auf dem Boden und presste leise wimmernd eine Hand ans Gesicht, doch Draco riss sie hoch. Rasch sprach er den Schmerzlinderungszauber. Dann zog er sie, so schnell es in dem engen dunklen Gang möglich war, mit sich. Pettigrew ließ er vor sich herschweben und kümmerte sich nicht darum, dass dieser bei dem Tempo ständig an die Wände stieß.
Kaum hatten sie die Wildhüterhütte erreicht, griff Draco nach Hermines Hand und packte Pettigrews Ärmel. Dann disapparierten sie zurück nach Godric´s Hollow.

Ginny erwartete sie in der Tür. „Wo bleibt ihr denn? Was ist mit Hermines Gesicht passiert? Und wer ist das?” Draco ließ Pettigrew achtlos in eine Ecke plumpsen und rannte zu seinem Rucksack, um den Lacrimosa-Trank zu holen. Erst nachdem er Hermines Brandwunde damit versorgt hatte, wandte er sich zu Ginny und den anderen um, um ihre Fragen zu beantworten. In diesem Moment griff Harry sich jedoch mit einem Aufschrei an die Stirn. Gleichzeitig fassten Draco und Blaise nach ihren Unterarmen. Erschrocken sahen sie alle an, doch als sich ihr schmerzverzerrter Gesichtsausdruck wieder zu entspannen begann, konnte Hermine sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Sie sah in die Ecke des Raumes, in der Sinead mit dem Kopf in Blaises Schoß auf dem Boden lag. „Scheint so, als ob das alte Schlangengesicht gerade gemerkt hat, dass ihm seine Geisel abhandengekommen ist...” Leise begann Ginny zu kichern. Dann fielen auch die anderen ein.

Als alle sich ein wenig beruhigt hatten, berichteten Hermine und Draco abwechselnd, was in der kurzen Zeit, nachdem Seamus, Sinead und Blaise verschwunden waren, noch geschehen war. In stillem Einverständnis verschwiegen sie jedoch, wie knapp Sinead dem Tod entkommen war. Dann wanderten Harrys Blicke zu Pettigrew. „Wurmschwanz!” murmelte er. Es wurde still im Raum, als er langsam zu dem Mann hinüberging, der den Tod seiner Eltern zu verantworten hatte. Harry kniete neben ihm nieder und zog die Binde von seinen Augen. „Weißt du, wo du bist, Wurmschwanz? Du kennst das Haus, oder?! Wahrscheinlich war es allerdings noch heil, als du es das letzte Mal gesehen hast. Hier sind sie gestorben, Wurmschwanz. Lily und James, die dir vertraut haben... Wie fühlt sich das an? Bist du stolz darauf? Bist du stolz auf deine lächerliche Silberhand? Oder hast du noch so viel Menschlichkeit in dir, dass du dich wenigstens schämst, so ein Feigling zu sein?” Pettigrews wässrigblaue Augen sahen zu Harrys grünen auf, doch Harry konnte nicht darin lesen. Er wollte es auch gar nicht mehr. Harry richtete sich auf und wandte sich ab. Draco stand auf. „Ich bringe ihn zum Orden...” Harry nickte dankbar. „Ja, schaff ihn mir aus den Augen...”

Fred schob seinen Stuhl zurück. „Soll ich das lieber machen? Du bist heute doch schon so oft appariert.” „Hm, na gut...” stimmte er zögernd zu.

„Vielleicht sollten wir lieber alle von hier verschwinden”, schlug Sinead leise vor. „Sie wissen nämlich, wo wir sind...” Sie schluckte und sah schuldbewusst in die Runde. Blaise strich ihr über die Wange. „Niemand macht dir einen Vorwurf!”

Harry sah in die Runde. „Also, wisst ihr... Die Horcruxe sind ja nun alle zerstört, bis auf Nagini. Und was Sinead passiert ist... Ich finde, ich bringe euch bei weitem zu sehr in Gefahr. Ihr solltet verschwinden, so lange ihr noch könnt. Den Rest muss ich wohl alleine erledigen...”

Ginny verdrehte die Augen. „Harry, wie oft müssen wir diese Diskussion noch führen?! Wir sind alle freiwillig hier, wir werden das mit dir durchstehen.” Die anderen stimmten ihr lautstark zu.

„Also, nachdem das geklärt ist, bringe ich jetzt erstmal dieses Stück Dreck hier weg.” Fred griff widerwillig nach Pettigrew, doch Hermine hielt ihn zurück. „Wollen wir nicht wirklich alle nach London?” Harry wollte protestieren, doch sie sprach schon weiter. „Harry, wir bleiben bei dir, das steht außer Frage. Aber wir sollten wirklich langsam den Phönixorden einweihen. Warum sträubst du dich so dagegen, Hilfe anzunehmen?” „Du weißt doch genau, was passieren wird. Sie werden uns den Kopf tätscheln und sagen ´Fein gemacht, aber jetzt lasst mal die Erwachsenen ran`!” „Das würde Tonks nie tun. Und Lupin auch nicht.” „Aber meine Eltern ganz sicher”, warf Fred ein, „da hat Harry recht.”

Er hatte Pettigrew wieder losgelassen und sah abwartend zu Harry hinüber. Plötzlich schloss sich die Silberhand um seinen Knöchel und drückte zu. Erschrocken schrie Fred auf und bückte sich, um die Hand von seinem Bein zu lösen, doch die Finger ließen sich nicht bewegen. „Verdammt, warum ist die Hand denn nicht auch versteinert?!” schrie er und versuchte einen Finger zurückzubiegen. „Liberare!” rief Hermine, die sich an den Kraken erinnerte, doch nichts geschah. Auf Freds Hosenbein erschienen die ersten Blutstropfen, als sich die Finger tief ins Fleisch gruben.

Ginny und Ron eilten ihrem Bruder zur Hilfe, und auch die anderen sprangen auf. „Pettigrew!” brüllte Harry wütend. „Lass ihn los, verdammt!” Er zog seinen Zauberstab und löste rasch den Petrificus totalus. Pettigrew krümmte sich ängstlich zusammen, angesichts der vielen Zauberstäbe, die auf ihn deuteten, doch seine Hand lockerte ihren Griff nicht. „Ich weiß nicht, warum sie das tut”, quiekte er. „Sie hat einen eigenen Willen...” „So ein Quatsch!” brüllte Harry. Mit Ron zusammen griff er nach der Silberhand und versuchte mit aller Kraft, die Finger auseinanderzubiegen, während Ginny besorgt in Freds schmerzverzerrtes Gesicht mit den zusammengepressten Lippen sah und seine Hand nahm. Beinahe hätte sie selbst vor Schmerz aufgeschrien, so fest drückte er dann ihre.

„Silber hilft gegen Werwölfe und Vampire, aber was zum Teufel hilft gegen magisches Silber?!” fragte Hermine verzweifelt. „Eisen”, rief Draco. Er sah sich suchend um, dann sprang er zum Kamin und griff nach einer Kohlenzange. Harry riss sie ihm aus der Hand, doch bevor er sie zwischen die Silberfinger zwängen konnte, brüllte Fred doch endlich auf. Sein Schienbein war gebrochen, und immer noch ließ die Hand nicht locker. „Sorry, Fred, wahrscheinlich müssen wir dir noch mehr wehtun”, stieß Harry zwischen den Zähnen hervor. Fred nickte nur kurz. „Los, macht schon”, stieß er hervor. Harry zögerte kurz, dann schob er mit Rons Hilfe die Zange zwischen Zeige- und Mittelfinger und wollte die Hebelwirkung ausnutzen.

Doch sie mussten gar nicht viel Kraft aufwenden. In dem Moment, als das Eisen das Silber berührte, verfärbte es sich schwarz, und die Finger lockerten sich. Ron versetzte der Hand einen wütenden Tritt, dann kniete er sich neben seinen Bruder. Seamus versteinerte Pettigrew wieder, und alle achteten darauf, nicht mehr in Reichweite seiner Silberhand zu kommen. Fred umklammerte mit beiden Händen sein gebrochenes Bein. Draco war schon an seinem Rucksack und kramte darin. Dann eilte er mit dem Lacrimosa-Trank zu Fred hinüber. Hermine half ihm, das Bein zu schienen, nachdem er den Schmerzlinderungszauber angewendet hatte. Dann tropfte er die künstlichen Phönixtränen auf die Wunden. „Den Knochen heilt das aber nicht”, sagte er kurz. „Zu Snape, oder noch besser, ins St. Mungo`s!” Ron griff nach dem Arm seines Bruders. „Dann los, ins St. Mungo`s.” „Ich komme auch mit!” Ginny nahm Rons anderen Arm. „Und wir bleiben im Grimmauld Place, bis es Fred besser geht.” Bevor Harry Ginny widersprechen konnte, waren die drei schon verschwunden.

Dann sah Draco zu Harry hinüber. „Dann bringe ich Pettigrew wohl doch weg. Oder hast du es dir inzwischen anders überlegt, wollen wir doch alle nach London?” Harry schüttelte den Kopf, doch Neville kam zu Hermine hinüber und flüsterte ihr zu: „Kann ich dich kurz mal sprechen?” Erstaunt nickte sie, und die beiden gingen in den Hausflur. Neville setzte sich auf die Treppe und sah sie an. „Also, du weißt ja, dass meine Eltern... im St. Mungo`s sind. Und ich habe doch morgen Geburtstag, und ich würde so gern...” Hermine setzte sich neben ihn und legte ihm freundschaftlich den Arm um die Schultern. „Das kann ich verstehen.” „Aber ich möchte nicht, dass die anderen davon erfahren... Nicht, weil es mir peinlich ist! Aber ich möchte einfach nicht darüber reden... oder mitleidige Blicke bekommen.” Neville schluckte. „Draco weiß es wahrscheinlich, oder?” Hermine zuckte die Schultern. „Nicht von mir. Aber immerhin war es seine Tante, also denke ich schon, dass er es weiß.” „Er hat mich, vor allem in Zaubertränke, früher ganz schön fertiggemacht”, sagte Neville zögernd. Hermine nickte seufzend. „Aber ich wollte dir mal sagen, dass ich ihn dafür bewundere, dass er die Seiten gewechselt hat”, fuhr Neville fort. „Und ohne ihn wären wir schon manchmal ganz schön aufgeschmissen gewesen. Also, ich bin auf jeden Fall nicht mehr sauer auf ihn, und erst recht nicht wegen dem, was seine Tante getan hat, dafür kann er schließlich nichts. Meinst du, er nimmt mich mit nach London?” „Sicher”, nickte Hermine. „Aber ich denke, wir werden alle gleich nach London apparieren.” Sie grinste ein wenig. „Die Hälfte von uns ist ja sowieso schon dort, du möchtest hin, und Sinead könnte ein bisschen professionelle Pflege auch nicht schaden. Und ganz ehrlich, es wäre eine nette Abwechslung, mal wieder eine Nacht in einem wirklich sicheren Haus zu schlafen...” Sie sprang auf und reichte Neville die Hand, um ihn hochzuziehen.

Als die beiden wieder ins Wohnzimmer kamen, stand Draco immer noch abwartend mit Pettigrew neben der Tür, sorgfältig Abstand von der etwas ramponierten Silberhand haltend. „Nimmst du Neville mit?” fragte Hermine ihn. Erstaunt nickte er und sah sie fragend an, doch sie winkte ab. „Erkläre ich dir später.”

Plötzlich schlug Blaise sich mit der Hand vor die Stirn und sah Sinead bestürzt an. „Deine Eltern!” rief er. „Wir müssen ihnen unbedingt sagen, dass du in Sicherheit bist!” Sinead versuchte sich ein wenig aufzurichten. „Sind sie noch in Muncaster?” Blaise schüttelte den Kopf. „Sie wollten zu deinem anderen Bruder nach Edinburgh. Wir müssen ihnen eine Eule schicken, und wenn es dir besser geht, bringe ich dich sofort hin.” „Und wo kriegen wir jetzt eine Eule her?”

Harry kapitulierte. „Hedwig ist im Grimmauld Place”, seufzte er. „Na gut, dann lasst uns eben nach London!” Blaise zog Sinead auf die Füße und hielt sie fest, während Luna sich an Deans Arm klammerte und Hermine Nevilles Hand nahm. Alle drehten sich auf der Stelle und tauchten wenig später mitten auf dem Grimmauld Place wieder auf. Erschrocken sah Hermine sich um, doch es waren zum Glück keine Muggel in der Nähe. Harry teilte denen, die noch nie hiergewesen waren, das Geheimnis mit. Die Häuser schienen sich auseinanderzuschieben, und Draco mit Pettigrew stieg als erster die Stufen hinauf.

Nachdem Draco diesmal mit einem gefangenen Todesser auftauchte, war es auch für Mrs. Black deutlich, dass er nicht mehr zu ihnen gehörte, und sie stimmte ihr altbekanntes Gezeter an. Die Freunde ignorierten es einfach und folgten Draco, Harry und Hermine in die Küche. Erschrocken blieben sie dann stehen. Um den Küchentisch saßen nicht nur Tonks und Lupin, sondern beinahe der komplette Phönixorden. Die Weasleys waren da, Moody, Snape, Shacklebolt, und noch einige andere, die Hermine nicht so gut kannte. „Mist, wir haben vergessen, dass Wochenende ist”, flüsterte Harry hinter ihr.

„Äh, hallo?” sagte Draco unsicher und ließ Pettigrew auf den Fußboden fallen. Erstaunt starrten ihn mindestens zehn Augenpaare an. „Was zum Merlin...” begann Molly Weasley verdutzt, doch Lupin war aufgesprungen. „Wurmschwanz!” Er eilte zu seinem ehemaligen Freund hinüber und beugte sich über ihn. „Vorsicht, die Hand ist nicht versteinert”, warnte Draco rasch, und Lupin wich wieder ein wenig zurück. Dann blickte er von Draco zu Harry. „Erklärungen dringend erbeten!” forderte er nachdrücklich.

Molly kam um den Tisch herum und schloss Harry in die Arme, während sie Draco misstrauisch musterte. „Wo sind Ginny, Ron und Fred?” fragte sie dann besorgt. „Äh, das ist so...” begann Hermine zögernd. „Pettigrews Silberhand...” Hilfesuchend sah sie zu Harry hinüber. „Die Hand hat... Naja, sie hat Fred das Bein gebrochen, und Ginny und Ron sind mit ihm im St. Mungo`s”, erklärte Harry und sah Molly schuldbewusst an. Wieder einmal hatte er ihre Kinder in Gefahr gebracht. Doch Molly schien ihm keine Vorwürfe zu machen. Sie streichelte ihm über die Wange, nachdem sie sich zunächst mit einem erschrockenen Ausruf die Hand vor den Mund geschlagen hatte. „Und euch anderen ist auch wirklich nichts passiert?” Sie wirbelte herum. „Arthur! Wir müssen sofort ins St. Mungo`s!” Ihr Mann war schon aufgestanden und neben sie getreten. „Ganz ruhig, Molly, ein gebrochenes Bein ist nicht lebensgefährlich!” Er griff nach einem Beutel an seinem Gürtel und schaute hinein. „Nicht mehr viel drin... Harry, hast du Flohpulver im Haus?” „Ja, im Wohnzimmer, neben dem Kamin...”
Die beiden Weasleys eilten aus der KĂĽche.

Moody hatte währenddessen Draco von oben bis unten mit seinem magischen Auge gemustert. Dieser fühlte sich äußerst unbehaglich bei der Erinnerung an sein viertes Schuljahr, bis ihm einfiel, dass es ja gar nicht der echte Moody gewesen war, der ihn in ein Frettchen verwandelt hatte. „Was macht ihr hier alle?” fragte Tonks neugierig. „Ausnahmsweise keiner zusammenzuflicken?” Snape schnaubte unwillkürlich. „Und es ist auch gar nicht mitten in der Nacht...” meinte er sarkastisch. Tonks` Blick fiel auf Sinead, die hinter Dean und Luna stand und von Blaise und Seamus gestützt wurde. „Oh, anscheinend doch...”, meinte sie leise und lief zu dem Mädchen hinüber. „Du musst Sinead sein. Oh...”
Ihr geübtes Aurorenauge erkannte sofort, dass sie wieder einmal die Folgen eines Cruciatus vor sich hatte. Resolut schob sie die drei aus der Küche und zur Treppe. „Du musst dich erstmal hinlegen. Kommt mal mit. Ich bin übrigens Tonks.”

Blaise und Seamus halfen Sinead die Treppe hinauf, und mit einem Seufzer der Erleichterung ließ sie sich vorsichtig auf das weiche Bett sinken, das Tonks mit einem Zauberstabschlenker schnell frisch bezogen hatte. „Ich weiß zwar nicht, was ihr angestellt habt und warum ihr hier seid, aber du wirst dich die nächsten Tage nicht aus dem Bett bewegen!” ordnete sie an. Sinead richtete sich ein wenig auf und wollte widersprechen, doch Tonks hatte den Raum schon verlassen. Einen Augenblick später tauchte sie wieder auf und hielt Sinead eine Phiole hin. „Trink das, das macht es ein bisschen besser...” Seamus ging leise zur Tür. „Ich hole euch schnell Harrys Eule...” Blaise nickte ihm dankbar zu und setzte sich zu Sinead aufs Bett. Er stützte ihren Kopf, während sie die Phiole leerte. Tonks musterte sie streng, doch als sie ausgetrunken hatte, lächelte sie. „Du kannst ruhig hierbleiben, bis sie eingeschlafen ist”, sagte sie zu Blaise. In diesem Moment kam Seamus mit Hedwig zurück.

Sinead streichelte Hedwigs weiches Gefieder. „Du bist aber eine Hübsche!” Hedwig knabberte sanft an ihrem Finger. Rasch kritzelte sie einige Zeilen für ihre Eltern auf ein Pergament. Dann griff Blaise nach dem Brief und band die Pergamentrolle an Hedwigs Bein. „Bring das nach Schottland, Hedwig, nach Edinburgh, zu den O´Brians.” „Erschreck sie aber nicht so, es sind Muggel”, setzte Sinead hinzu und grinste ein bisschen, bevor sie sich wieder an Blaise lehnte und die Augen schloss. Tonks und Seamus verließen leise das Zimmer.

Sinead gähnte. „Du kannst ruhig zu den anderen gehen...”, murmelte sie müde, „ich schlafe bestimmt gleich ein.” Blaise streichelte ihre Haare. „Ich bleibe hier, bis du schläfst.” Dankbar kuschelte sie sich an ihn und schloss die Augen.

Währenddessen mussten Harry und die anderen sich in der Küche den Fragen der Auroren stellen. Noch nicht alle Ordensmitglieder wussten von Dracos Seitenwechsel. Schließlich berichtete Harry widerwillig auch von den Horcruxen. Ärgerlich schlug Moody mit der Faust auf den Tisch. Aber er war nicht auf die DA wütend. „Und das hat Dumbledore die ganze Zeit gewusst? Dass wir völlig umsonst gegen ihn kämpfen, so lange diese Dinger nicht zerstört sind?!” Hestia Jones legte Moody beruhigend die Hand auf den Arm. „Nichts war völlig umsonst, Alastor, wir haben schließlich nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen seine Anhänger gekämpft, und dabei haben wir mehr als ein Leben gerettet...” Mad-Eye verschränkte die Arme. Sein echtes Auge starrte wütend vor sich hin, während das magische wie immer in alle Richtungen rotierte. „Gut, dass Dumbledore gerade verschwunden ist, sonst würde er jetzt gewaltigen Ärger bekommen!” knurrte er leise.

„Dumbledore verschwunden?” fragte Harry erschrocken. Lupin beruhigte ihn. „Keine Sorge, wir wissen zwar nicht genau, wo er ist, aber er ist mit Sicherheit nicht gefangen, das würden die Todesser aus lauter Stolz nicht verschweigen. Vermutlich hat er nur wieder irgendwelche Pläne, sie er uns nicht mitgeteilt hat...” Die Freunde waren nicht völlig beruhigt, aber sie sagten nichts mehr.

Als die Weasleys - mit Fred - aus dem St. Mungo`s zurückkamen, gab Lupin ihnen eine Kurzfassung der Erzählungen der DA. Wie erwartet versuchte Molly, ihren Kindern zu verbieten, sich weiterhin in Gefahr zu begeben. Doch Ron, Fred und George, der natürlich sofort zu seinem verletzten Zwilling geeilt war, beriefen sich nachdrücklich auf ihre Volljährigkeit. Ginny bekam keinen Wutanfall, als ihre Mutter ihr weitere Nachforschungen und Kämpfe mit der DA untersagte. Sie stellte sich neben Harry, nahm seine Hand und sagte nur entschlossen: „Ich bleibe bei Harry.” Dabei sah sie Molly offen in die Augen. Molly öffnete schon den Mund zu einer Erwiderung, da legte Arthur ihr die Hand auf den Arm. „Es ist spät geworden, lasst uns doch morgen in Ruhe darüber reden, wie wir nun weiter vorgehen wollen. Ihr habt sicher alle wieder einmal einen ruhigen Schlaf in einem sicheren Bett nötig...” Molly nickte zögernd. Als sie sich zum Herd umwandte, um für alle noch eine heiße Schokolade zu kochen, sah Draco, wie Arthur seiner Tochter hinter dem Rücken seiner Frau zuzwinkerte. Erstaunt sah Ginny ihn an, doch dann grinste sie.

Nachdem sie ihre Schokolade getrunken hatten, machten sich langsam alle auf den Weg ins Obergeschoss, wo Kreacher inzwischen mehrere Gästezimmer vorbereitet hatte.

Hermine zog die Tür hinter sich ins Schloss. Draco setzte sich aufs Bett. Sie stellte sich vor den Spiegel und strich sich über die Wange. „Meinst du, da bleibt eine Narbe?” fragte sie nachdenklich. Draco sprang auf und schlang ihr von hinten die Arme um die Hüften. Ihre Augen trafen sich im Spiegel. „Und selbst wenn... du bist immer noch wunderhübsch!” sagte er nachdrücklich. Sie lächelte flüchtig und betrachtete dann wieder besorgt ihr Spiegelbild. „Ich weiß, es ist lächerlich, sich über sowas Gedanken zu machen, wenn wir jeden Augenblick getötet werden könnten...” Draco drehte sie in seinen Armen zu sich um. Er küsste ihre Nasenspitze. „Nein, es ist nicht lächerlich. Aber es gibt gerade trotzdem wichtigere Dinge. Mich zu küssen zum Beispiel...” Hermine grinste und kam seinem Wunsch nach.


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