
von Dracodormiens
36. Angriff
Als sie wieder am Grimmauld Place ankamen, war Neville schon aus dem St. Mungo´s zurückgefloht. Er hatte dort erfahren, was geschehen war. Bedrückt gratulierten ihm alle zum Geburtstag. Seamus und Dean waren noch nicht wieder da, kamen aber wenig später. Da der Orden in der Küche eine Besprechung abhalten wollte, zogen die Freunde sich in Sineads Zimmer zurück. Auch Fred humpelte über den Flur. Er hatte zwar schon am Vorabend das St. Mungo´s wieder verlassen dürfen, aber nur, weil das Krankenhaus gerade ziemlich überfüllt war.
Blaise fiel jedoch noch etwas ein, und er machte auf halber Treppe wieder kehrt. Bevor Lupin die Küchentür schließen konnte, rief er leise: „Profes- äh, Mr. Lupin...” Lupin drehte sich um und lächelte ein bisschen. „Ihr könnt Remus sagen. Was ist denn, Blaise?” „Ich hatte überlegt - also, Sinead hat ja keinen Zauberstab mehr, und ich wollte fragen, ob sie nicht vielleicht den von Pettigrew leihen könnte, bis sie dazu kommt, sich wieder einen zu besorgen?” fragte Blaise ein wenig unsicher. Doch Remus nickte nur. „Natürlich, warte einen Moment.” Er ging in die Küche und kam kurz darauf mit dem Zauberstab zurück. „Danke!” strahlte Blaise und rannte dann den anderen hinterher die Treppe hinauf.
Sinead sah blass und mitgenommen aus, aber sie hatte sich im Bett aufgesetzt. An die Wand gelehnt und in die Decke gewickelt, schlang sie die Arme um die Knie. Blaise setzte sich neben sie und reichte ihr den Zauberstab. „Was ist das denn?” fragte sie erstaunt. „Pettigrews Zauberstab. Deiner liegt doch irgendwo im Wald von Muncaster...” „Oh, danke! Ich habe mich ohne Zauberstab schon völlig nackt gefühlt!” Erfreut griff sie danach und schwang ihn prüfend durch die Luft. Funken sprühten aus der Spitze hervor, und sie nickte zufrieden. „Fühlt sich nicht ganz so gut an wie meiner, aber von einem Todesserzauberstab hätte ich Schlimmeres erwartet. Prima!” Sie legte ihn neben sich aufs Bett und lehnte sich an Blaises Schulter.
Ginny stand am Fenster und ließ einen Moment lang den Kopf an die Scheibe sinken. Dann straffte sie den Rücken und wandte sich zu ihren Freunden um. Obwohl sie nach Luna die Zweitjüngste war, war sie als Harrys Freundin widerspruchslos als Wortführerin anerkannt worden, sogar von ihren Brüdern. „Also, wir haben zwei Aufgaben: Harry finden und die Schlange erledigen. Irgendwelche Vorschläge?”
Hermine hatte sich in einen Sessel gesetzt und ein Bein über die Armlehne gehängt, während Draco auf der anderen Armlehne hockte. Sie lehnte den Kopf an seine Hüfte, und er spielte gedankenverloren mit ihren Haaren. Fred lag mit ausgestrecktem Bein lässig im zweiten Sessel. George hockte im Schneidersitz zu seinen Füßen und schien sehr mit einem Pergament beschäftigt, das vor ihm auf dem Boden lag.
Ginny räusperte sich dezent, und George sah unschuldig lächelnd hoch. „Meinst du mich, Gin?” Sie nickte nachdrücklich. „Allerdings. Was machst du da?!” „Oh, ich muss unseren Kunden doch mitteilen, dass der Laden morgen zu bleibt...” Er hielt das Pergament hoch. In giftgrüner Schrift auf violettem Hintergrund stand da: „Der Laden bleibt heute leider geschlossen, sind Todesser jagen, weil wir noch zerkleinerte Spatzenhirne für einige Tränke benötigen. F. und G. Weasley.” Wider Willen musste Ginny schmunzeln, aber dann sagte sie: „Euch ist schon klar, dass euer Laden in Trümmern liegen wird, wenn ihr zurückkommt, oder?”
Mit gespielt beleidigter Miene sahen die Zwillinge ihre kleine Schwester an. „Was denkst du von uns, Gin?! Natürlich haben wir den Laden mit allen Schikanen gesichert!”
„Gestaffelt nach Stärke des Angriffs”, setzte Fred hinzu, „schließlich soll kein harmloser Erstklässler, der einen Minimuff klauen will, in die Luft fliegen.”
„Bei Alohomora oder ähnlich billigen Versuchen gibt es nur Puff-Peng, Rauch und Stinkbomben”, erklärte George.
„Wer es ein bisschen raffinierter versucht, hat hinterher eine grüne Nase und ein Schild um den Hals: Ich bin es nicht wert, den Meistern der Streiche die Stiefel zu putzen”, fuhr Fred fort.
„Erst wollten wir `Stiefel lecken`schreiben, aber Fred meinte, das könnte irritierende Fragen über unsere sexuellen Vorlieben nach sich ziehen...”, grinste George.
„Und zu guter Letzt - der Schutzschild gegen Schwarze Magie, der jeden Fluch einfach auf den Angreifer zurückschleudert!” erklärte Fred stolz. „Leider noch nicht auf Menschen anwendbar, aber wir arbeiten dran.”
„Ich verschwinde dann schnell mal in die Winkelgasse”, sagte George und hob das fertige Plakat auf. „Bin bald wieder da.”
Ginny schüttelte ganz wirr geredet den Kopf. Dann setzte sie sich auf die Fensterbank und sagte: „Ich wette, Harry ist erstmal wieder zurück nach Godric´s Hollow gegangen. Das Haus seiner Eltern bedeutet ihm wahnsinnig viel, auch wenn es halb zerstört ist.”
„Meinst du nicht, er ist in Malfoy Manor?” fragte Draco. „Er wollte den Dunklen Lord doch unbedingt vor seinem Geburtstag stellen, und der ist morgen. Ob er wirklich Zeit in Godric´s Hollow verschwendet?”
„Meinst du wirklich, du-weißt-schon-wer ist in Malfoy Manor geblieben, nachdem ihr Sinead befreit habt?” hielt Ginny dagegen. „Außerdem haben sie heute nacht das Ministerium erobert, die sind doch bestimmt in London. Nein, ich denke, Harry geht davon aus, dass V-Voldemort ihn in Godric´s Hollow suchen wird, und er will ihn dort erwarten.”
„Wo alles angefangen hat, wird es auch enden...”, sagte Hermine leise. „Ja, Godric´s Hollow macht Sinn.”
„Also, hetzen wir jetzt Hals über Kopf nach Godric´s Hollow, oder hat jemand einen vernünftigen Plan?” fragte Draco. Ginny warf ihm einen finsteren Blick zu.
„Weasley, ich kann ja verstehen, dass du zu Harry willst, aber ich finde, es hat nicht viel Sinn, ihm jetzt einfach hinterher zu rennen”, erklärte Draco. „Dann ist er zwar nicht mehr alleine in Godric´s Hollow - schön, und dann? Wir wissen immer noch nicht, wie wir die Schlange erledigen sollen. Vielleicht sollten wir lieber die Bibliothek der Blacks nutzen, wenn wir schon mal hier sind.”
Widerwillig musste Ginny ihm recht geben. Bis auf Sinead machten sich also alle auf den Weg in die Bibliothek. Auch George kam wenig später zurück.
„Hier steht erschreckend wenig über Schlangen”, seufzte Hermine und zog das nächste Buch aus dem Regal. Der Stapel neben ihr auf dem Fußboden, den sie schon durchgesehen hatte, reichte ihr bereits bis zur Hüfte. Dann stutzte sie. „Draco, schau mal. Ich glaube, ich hab eine Idee.” Sie streckte ihrem Freund das Buch hin. Die beiden zogen sich in eine Ecke der Bibliothek zurück und flüsterten miteinander.
Plötzlich hörten sie klappende Türen und laute Schritte. Jemand polterte die Treppe hinauf und riss die Tür zur Bibliothek auf. „Ach, hier seid ihr alle!Wir müssen weg, es hat einen Todesserüberfall gegeben.” keuchte Molly außer Atem. Misstrauisch sah sie dann von einem zum anderen. „Ihr heckt doch etwas aus! Kinder, bleibt bitte hier, macht keine Dummheiten!” „Und Harry?” fragte Ginny leise. Ihre Mutter nahm sie kurz in den Arm. „Ginny, wir reden darüber, wenn wir zurück sind. Macht keine Dummheiten!” wiederholte sie. Dann war sie auch schon wieder verschwunden.
Als der Orden durch die Eingangshalle eilte, hörte man Mrs. Blacks Keifen, das langsam verebbte, als die Haustür sich hinter den letzten geschlossen hatte.
Die Freunde sahen sich an. „Macht keine Dummheiten”, äffte Ginny ihre Mutter nach. „Los, suchen wir weiter!”
„Verflucht!” flüsterte George und sah aus dem Fenster der Bibliothek. Es war etwa anderthalb Stunden später. „Da ist Dad, er hat Hestia dabei, sie scheint bewusstlos zu sein. Und an seinem Umhang hängt ein Todesser...” Alle stürmten ans Fenster. Mr. Weasley versuchte, sich und Hestia zu verteidigen, doch der Todesser holte bereits über sein Mal Verstärkung herbei. Die anderen Ordensmitglieder tauchten nun ebenfalls aus dem Nichts auf der Straße auf, doch die Todesser waren in der Überzahl, und sie konnten sich eben noch in die Tür retten und sie hinter sich verbarrikadieren. Doch nun war den Todessern das Hauptquartier bekannt.
Daco drängte sich am Fenster nach vorne. Die Todesser versammelten sich auf dem Grimmauld Place, und er murmelte leise Namen vor sich hin. „Lucius, Bellatrix, Rodolphus, Rabastan, Goyle, Crabbe, Nott, Parkinson, Avery, Yaxley, Dolohov... Nur Macnair fehlt, der Minister will sich wohl nicht mehr die Finger schmutzig machen. Und der Dunkle Lord ist auch nicht selbst dabei...”
„Liefert uns Harry Potter aus, dann geschieht euch nichts”, tönte es nun magisch verstärkt von draußen.
Molly und Remus kamen in die Bibliothek gestürmt. „Kinder, geht bitte zu Sinead nach oben, da seid ihr sicherer. Wir werden die Treppe verteidigen”, sagte Remus hastig.
„Wir sind volljährig”, widersprachen Fred und George im Chor, und die anderen nickten. „Ginny und Luna nicht!” sagte Molly energisch, während sie nervös aus dem Fenster starrte. „Keine Widerrede, ab nach oben!”
„Das hier ist kein DA-Treffen”, sagte Remus eindringlich. „Auch wenn ihr volljährig seid, möchte ich euch dringend raten, das hier uns zu überlassen.” Molly packte die protestierende Ginny am Arm und zerrte sie aus dem Zimmer, die Treppe hinauf zu Sinead. Doch bevor sie das Zimmer erreicht hatten, öffnete sich die Tür, und Sinead stand auf der Schwelle, zwar sehr blass, aber vollständig angezogen und mit Pettigrews Zauberstab in der Hand.
„Sie greifen an!” gellte eine Stimme durchs Treppenhaus, bevor Molly etwas sagen konnte. Sie schob Ginny energisch auf Sinead zu. „Los, hinein, Ginny!” Dann rannte sie hinter Remus her ins Erdgeschoss hinunter. Sinead und Ginny liefen in die Bibliothek zurück.
„Also, DA, erinnert euch, was Harry uns beigebracht hat!” sagte Ginny. „Jetzt wird es ernst. Der Orden ist in der Unterzahl, Snape ist nicht einsatzfähig, und Hestia scheint auch verletzt zu sein. Und Merlin weiß, wo Dumbledore steckt. Wir müssen kämpfen!”
„Gut gesprochen, Schwesterchen”, grinste Fred. „Du machst ja Olivers Quidditch-Reden Konkurrenz! Dann mal los!”
Von unten ertönte ein Krachen, als die Eingangstür aufgebrochen wurde, dann Geschrei und Flüche. Die Freunde stürzten aus der Bibliothek und die Treppe hinunter. Fred, der mit seinem verletzten Bein nicht so schnell war wie die anderen, rutschte kurzerhand mit einem Kriegsschrei das Treppengeländer hinab und riss bei der Landung gleich einen Todesser von den Füßen.
Rasch wurden die Freunde getrennt. Jeder kämpfte für sich. Schnell war klar, dass die Todesser noch weitere Verstärkung angefordert hatten. Sinead behauptete sich mühsam gleichzeitig gegen Avery und Goyle, bis Blaise ihr zur Hilfe eilen konnte. Molly und Arthur schlugen sich mit Dolohov und Yaxley, während Bellatrix Neville in die Küche gedrängt hatte. Der Vorhang vor Mrs. Blacks Porträt ging in Flammen auf.
Plötzlich sah Hermine, die sich gerade mit Nott duellierte, aus dem Augenwinkel, wie Draco von seinem Vater die Treppe hinaufgetrieben wurde. Er verpasste Lucius einige empfindliche Treffer, doch rückwärtsgehend stolperte er plötzlich am ersten Treppenabsatz. Entsetzt sah Hermine Lucius hämisch lachen und mit einem Expelliarmus Dracos Zauberstab zur Seite schleudern.
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