Gestern präsentierten wir Euch den ersten Teil unserer Carlsen-Harry-Potter-Geschichte, heute folgt Teil 2:
Teil 2: Kein Marketing als "Geburtshilfe"
Der Carlsen-Verleger Klaus Humann dachte, im Gegensatz zu seinen Kollegen, dass ein Jugendbuch mit mehr als 200 Seiten für Kinder und Jugendliche zumutbar ist. Heute sagt Humann, dass er es irgendwie gespürt hat, dass der Jugendbuchmarkt vor einer "Wende" stand. Psychologen diagnostizierten schon damals, dass Erwachsene nun öfters Bücher der Jugend lesen würde. Wenn man Harry Potter als ein Jugendbuch sieht, dann trifft diese Aussage laut Humann völlig zu!
Klaus Humann bot dem Londoner Buch-Agent Christopher Little einen fünfstelligen Betrag an. Aber Humann wurde überboten. Da er so begeistert von der Harry-Potter-Geschichte war, entschied er risikofreudig, dass der Carlsen-Verlag gleich die ersten drei Harry-Potter-Bände unter Vertrag nimmt. Daraufhin erhielt er den Zuschlag dann doch.
Nachdem das erste Harry-Potter-Buch ("Harry Potter and the Philosopher's Stone") mit mässigem Erfolg im Juni 1997 im britischen Bloomsbury-Verlag erschienen war, wurde im November 1998 der erste deutschsprachige Band der Harry-Potter-Reihe "Harry Potter und der Stein des Weisen" bei Carlsen veröffentlicht. Die Startauflage betrug 25.000 Exemplare. Der zweite Band folgte im März 1999. Die Harry-Potter-Bücher erhielten zwar gute Kritiken, aber sie blieben in den Läden liegen, erinnert sich Humann. Von Marketing als Geburtshilfe konnte keine Rede sein: "Wir verschickten ein paar Leseexemplare, druckten ein Lesezeichen und zwei Plakate," so Humann, "Das war alles!"
Inzwischen gibt es die Harry-Potter-Bücher in 61 verschiedenen Sprachen. Es sind alle üblichen europäischen Fremdsprachen dabei, aber es gibt Harry Potter auch auf Russisch, Chinesisch, Japanisch, Albanisch und sogar auf Zulu! Harry Potter wird weltweit in über 200 Ländern verkauft!
Die Fortsetzung unserer Carlsen-Harry-Potter-Geschichte folgt morgen unter dem Titel "Der US-Potter-Boom kommt nach Europa"