Interview: Klaus Fritz stürzt sich auf die Arbeit

Die große Tageszeitung DIE WELT hat heute ein interessantes Interview mit dem deutschen Übersetzer Klaus Fritz über seine nicht immer ganz einfache Übersetzungsarbeit veröffentlicht. Er ist sowohl verantwortlich für die deutschen Entsprechungen für magische Wesen, Pflanzen und Gegenstände, als auch für die deutschen Namen der Charaktere.

"Harry Potter and the Half-Blood Prince" erscheint am morgigen Samstag und für viele Fans endet die quälende Wartezeit, doch für den Übersetzer beginnt dann erst die ganze Arbeit:

"Man muss es in gewisser Weise sportlich sehen und sich einen bestimmten Arbeitsrhythmus zulegen. Ich habe während dieser Zeiten zwar keinen freien Tag, aber ich sehe zu, dass ich abends mal was anderes mache."

Außerdem erklärt Klaus Fritz im Interview, wie er zum Beispiel vom englischen Wort "Pensieve", auf die deutsche Entsprechung "Denkarium" kam:

"(...) [Ich] wollte (...) eine gehaltvolle Neuschöpfung, die die Funktion dieses magischen Gegenstands anklingen lässt, nämlich Erinnerungen, also Gedanken, in einer Art Flüssigkeit lebendig aufzubewahren und zu zeigen. (...) aber wie genau ich auf das Denkarium, eine Verbindung von "denken" und "Aquarium" gekommen bin, lässt sich schwer rekonstruieren, das geschieht nur zum Teil bewusst, manchmal muss man darüber schlafen.

(Das Denkarium ist eine flache, steinerne Schale, in der Albus Dumbledore seine Gedanken ablegt, wenn sie ihm zu viel werden.)


Aus dem britischen "Hermione" (Aussprache: [hörm'aionie]) wurde Hermine und Sirius Black hieß in den ersten Auflagen von Harry Potter noch "Schwarz" mit Nachnamen, da Fritz ihn zuerst für eine Nebenfigur hielt, die er einfach "eindeutschen" wollte. Dabei kommt es laut Herrn Fritz nicht immer so sehr auf die Namen an:

"Die Namensentschlüsselung ist gut und schön, aber manchmal habe ich den Eindruck, dass dem zu viel Bedeutung beigemessen wird. Überspitzt gesagt, könnte Malfoy auch Müller-Lüdenscheid heißen, er würde aber dieselbe finstere Figur bleiben (...)."

Auf die letzte Frage im Interview, ob Klaus Fritz froh sei, wenn der Harry-Potter-Rummel in ein paar Jahren vorbeigeht, antwortet er: "Es ist immer ein gutes Gefühl, wenn ein Projekt abgeschlossen ist."

Ab morgen wird Klaus Fritz also beginnen, sich durch 600 magische Seiten zu ackern, damit das Warten der deutschen Leser am 1. Oktober auch endlich ein Ende hat!

Das ganze Interview kannst du dir hier durchlesen!

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