Maggie Smith: "Es war grässlich!"
Wie wir bereits hier berichteten, wurde im März vergangenen Jahres bei Dame Maggie Smith (Minerva McGonagall) Brustkrebs diagnostiziert. Nun hat die 74 Jahre alte Schauspielerin erstmals über die Erfahrungen mit ihrer Krankheit gesprochen.
"Nun, es gibt Grenzen dafür, was man in der Lage ist zu tun. Es geht mir hier nicht etwa um die Diskussion darüber, dass es keine gute Rollen für ältere Frauen gibt. Warum sollte das denn so sein? Wenn es Arbeit gibt, dann mache ich sie, und wenn nicht … Nun, immerhin muss ich dann noch durch den letzten 'Harry Potter' schwanken."
Einen Teil des Interviews haben wir Dir ins Deutsche übersetzt. Du findest ihn unter "Weiterlesen".
Der Krebs muss es schwerer gemacht haben. "Es war grässlich … nicht so gut", sagt die gepresst versucht sich etwas zu fassen. Die Chemotherapie, so sagt sie, "war sehr außergewöhnlich; es war etwas, durch das man sich viel schlechter fühlt als durch den Krebs selbst, eine sehr üble Sache. Ich bin immer allein zur Behandlung gegangen; beinahe jeder andere dort wurde von jemand begleitet. Das hätte mir nicht gefallen. Warum sollte man jemand dazu bringen, mit einem an einem solchen Ort zu warten?"
Smith hatte einen Knoten in ihrer Brust gefunden.
"Ich hatte mich ein wenig seltsam gefühlt und wusste nicht warum. Ich war niemals nervös — na gut, ich war es, aber ich habe nicht geglaubt, dass es etwas Ernstes wäre, denn vor ein paar Jahren hatte ich schon mal einen Knoten gefunden und bin ins Krankenhaus gesteckt worden. Der Knoten damals war gutartig, und ich dachte, dass dieser neue es auch wäre. Es war etwas entmutigend, als dem dann nicht so war… Aber die Behandlung erfolgt dann so schnell, dass man keine Zeit mehr hat, über irgend etwas nachzudenken."
Es ihrer Familie zu sagen (zwei erwachsene Söhne und ihre Angehörigen) war "furchtbar. Diese Sache [die Krankheit] nimmt einem den Wind aus den Segeln, und ich weiß nicht, was die Zukunft bringen wird, wenn überhaupt etwas. Ich weiß es wirklich nicht."
Sie sagt, dass sie von ihren Ärzten Entwarnung bekommen hat und später in diesem Monat wieder zur Untersuchung geht. Sie fügt hinzu, dass sie die Hüte und Mützen, die sie gekauft hat, um ihre Glatzköpfigkeit zu verbergen, wieder entsorgt hat:
"Man glaubt, dass das funktioniert, aber das tut es nicht."
Es war "sehr seltsam", ihr Haar zu verlieren. "So seltsam! Oh, es war furchtbar. Man fühlt sich wirklich fürchterlich schlecht. Ich bin in Waitrose herumgetaumelt und es ging mir grässlich. Ich habe mich an den Geländern festgehalten und gedacht: 'Ich schaffe das nicht.' "
Während ihrer Behandlung hat sie "Harry Potter und der Halbblutprinz" gedreht.
"Ich hatte keine Haare. Ich hatte keine Probleme, die Perücke aufzusetzen. Ich habe ausgesehen wie ein gekochtes Ei."
Maggie Smith sagt, dass sie die Möglichkeit zu sterben akzeptiert hat.
"Ich war erleichtert, dass ich in dem Alter bin, das ich jetzt habe, wie man sich dann sowieso so fühlt, als sei alles vorbei. Deshalb fand ich es auch entsetzlich, wenn ich junge Menschen gesehen habe, die sich behandeln lassen mussten [im Royal Marsden Hospital in London]. Ich konnte das nicht ertragen; es war einfach nicht fair. Um ehrlich zu sein: Wenn man sich derart grässlich fühlt, würde es einem die meiste Zeit über nichts ausmachen, zu sterben."
Sie ringt um Worte.
"Ich fühlte mich … Es war einfach … Man ist total ausgelaugt. Ich bin nicht sicher, ob ich wieder am Theater arbeiten könnte, obwohl die Arbeit beim Film sogar noch ermüdender ist. Ich habe jetzt wirklich Angst vor der Arbeit am Theater. Ich fühle mich sehr unsicher. Ich habe schon länger nicht mehr Theater gespielt [ihre letzte Bühnenrolle war in "The Lady from Dubuque", im Jahr 2007]. Ich bin mir nicht sicher, ob es so sein wird wie sich wieder auf's Pferd zu schwingen, oder wieder Fahrrad zu fahren. Das mache ich allerdings beides auch nicht, denn da falle ich bloß runter. Es [das Theaterspielen] ist eines von den Dingen, die man einfach immer weiter machen sollte, und ich habe jetzt eine ganze Weile lang ausgesetzt. Ich wäre gerne in der Lage, es wieder zu tun, denn ich liebe das Theater spielen, aber ich spüre einen großen Mangel an Selbstvertrauen. Ich habe mich so schlecht gefühlt und mich zurückgezogen … Ich war nun so lange nicht mehr in London; es ist ziemlich beängstigend hier."
Smith bringt geistesabwesend die Eiswürfel in ihrem Mineralwasser zum Klirren. Ich sage zu ihr, dass es für viele wohl unvorstellbar sein wird, wenn sie darüber spricht, ihre Arbeit am Theater aufzugeben.
"Nun, es gibt Grenzen dafür, was man in der Lage ist zu tun. Es geht mir hier nicht etwa um die Diskussion darüber, dass es keine gute Rollen für ältere Frauen gibt. Warum sollte das denn so sein? Wenn es Arbeit gibt, dann mache ich sie, und wenn nicht … Nun, immerhin muss ich dann noch durch den letzten "Harry Potter" schwanken."
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