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Fanfiction

Kapitänssache - Gerüchte und Schuldenerlasse

von KitKat2006

Kapitel 3: Gerüchte und Schuldenerlasse

Die Große Halle brummte vor Leben, als Angelina sie an diesem Morgen betrat. Ihr Kopf brummte allerdings in einem vollkommen anderen Rhythmus, weshalb sie auch nicht unbedingt den fittesten Eindruck machte. Sie hatte in der letzten Nacht kaum Schlaf bekommen, da sie darüber nachgegrübelt hatte, wie sie das heutige Training mit nur einem katastrophalen Treiber statt zweien über die Bühne bringen sollte, und war doch zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen.

Gähnend ließ sie sich neben Alicia auf die Bank sinken und schenkte sich einen Becher Kaffee ein, in den sie nur gerade soviel Zucker kippte, dass er nicht mehr allzu bitter schmeckte.

„OK, was habe ich verpaßt?“, fragte sie schließlich, als sie ein paar Minuten lang an ihrem Becher genippt und erfolglos versucht hatte, ihre Kopfschmerzen zu ignorieren.

„Fred hat Garys Müslischüssel in die Luft gejagt, bei den Hufflepuffs ist Trauerstimmung, weil sich ihr Traumpaar gestern Abend laustark getrennt hat, Umbridge hat heute einen Rock an, der etwa zwei Pink-Nuancen dunkler ist als gestern, die Posteulen waren schon da und du hast einen Brief bekommen, den ich entgegen genommen habe und – ach ja, Oliver Wood ist schwul.“

Heftiges Husten war die Antwort auf Alicias todernst aufgezählten Ereignisse dieses Morgens, nachdem sich Angelina bei der letzten Neuigkeit heftig an ihrem Kaffee verschluckt hatte.

„Oliv-Oliver ist ... was?“, keuchte Angelina und sah Alicia völlig überrumpelt an, die ihr jedoch nur unterdrückt grinsend ihren Tagespropheten hinhielt, der, wie Angelina sofort sah, schon auf der Sportseite aufgeschlagen war.

Steht Puddlemeres Frauenschwarm eher auf ganze Kerle, statt auf hübsche Frauen?

Irritiert sah Angelina auf die Überschrift über dem Artikel, neben dem Oliver mit breitem Lächeln in die Kamera grinste. Blitzschnell überflog sie den Artikel und legte dann den Tagespropheten zu Seite, um sich einen weiteren Becher Kaffee einzuschenken.

„Wie kommen die bloß auf so eine blödsinnige Idee?“, meinte sie kopfschüttelnd und rührte in ihren Kaffeebecher.

„Frag mich was besseres.“, antwortete Alicia und biß hungrig in ihren Toast. „Aber es ist die Story überhaupt heute morgen. Alle reden darüber.“

„Kann ich mir vorstellen.“, brummte Angelina und massierte sich langsam und gleichmäßig die Schläfen. „Wenn es darum geht, jemanden in den Dreck zu ziehen, interessiert es immer alle.“

„Du glaubst also nicht, dass da was wahres dran ist?“

Angelina sah überrascht auf und starrte Alicia an. „Glaubst du denn, dass da was wahres dran ist?“

„Keine Ahnung.“ Alicia griff nach einem weiteren Toast und dem Marmeladenglas vor ihr, bevor sie Angelina ansah. „Ich meine, seien wir doch mal realistisch. Er hat sich nie wirklich für Mädchen interessiert und was er sonst so neben der Schule und Quidditch getan hat, wissen wir überhaupt nicht. Und er muß sonst noch was getan haben. Man kann schließlich nicht seine ganze Zeit nur mit Schule und Quidditch verbringen.“

„Du würdest dich wundern.“, gab Angelina trocken zurück und erntete dafür einen den Blick von Alicia. Sie winkte jedoch ab und nippte wieder an ihrem Kaffee, bevor sie selber nach einem Toast griff und sich eine dicke Schicht Honig darauf schmierte. „Vergiß es, nicht so wichtig. Wir sollten uns beeilen, sonst kommen wir zu spät zu Verwandlung. Und einen Anschiss von McGonagall ist nicht das, worauf ich jetzt Lust habe.“

„Nimm's mir nicht übel, aber du siehst nicht so aus, als hättest du heute morgen auf irgendwas Lust.“

„Habe ich auch nicht, aber an Verwandlung, Zaubereigeschichte, Zaubertränke und Kräuterkunde kann ich nichts ändern. An einem Anschiss von McGonagall kann ich was ändern.“

„Das ist ein Argument.“ Alicia stand auf und steckte ihren Tagespropheten in ihre Schultasche, bevor sie sich noch einen Apfel zum mitnehmen griff. „Na dann komm. Laß uns in den Wahnsinn namens Schule starten.“

Angelina folgte ihr, doch kurz vor der Tür zur Eingangshalle hörte sie jemand ihren Namen rufen. Fragend drehte sie sich um und verdrehte gleich darauf genervt die Augen, als sie sich Chris Warrington, Adrian Pucey und Miles Bletchley gegenüber sah, die sie breit angrinsten.

„Sagt mal, wieviel wahres ist hier dran?“, fragte Warrington und wedelte mit dem Tagespropheten vor ihrer Nase rum. „Muß man als Teamkapitän auf's gleiche Geschlecht gepolt sein, um gut zu sein?“

„Keine Ahnung. Sag du es mir.“, gab Angelina zurück und sah sich auffällig unauffällig um, was dazu führte, dass noch mehr Schüler auf ihr kleines Zusammentreffen aufmerksam wurden, als ohnehin schon. Zusammentreffen zwischen Mitgliedern des Hauses Gryffindor und Slytherin waren immer interessant und wenn es dann noch ein Zusammentreffen zwischen Mitgliedern der Quidditchteams waren, war es ein Ereignis, dass man nicht verpassen wollte. „Wenn es so sein sollte, könnte dein Kapitän es dir schließlich auch sagen, aber so wie ich das sehe, ist er gerade nicht da. Wer weiß, vielleicht treibt er gerade die Bezahlung von eurer kleinen Sucherratte ein, dafür dass er bei euch mitspielen darf. Andererseits kann ich es mir auch wiederum nicht vorstellen, denn hier war schließlich die Rede davon, ob man gleichgeschlechtlich gepolt sein muß, um gut zu sein. Und wir alle wissen, dass Slytherin nicht gut, sondern nur brutal ist.“

Vereinzelte abgewürgte Lacher wurden laut und einige hatten sogar den Mut, zustimmend zu klatschen, als Angelina mit ihrer Rede fertig war. Allerdings war auf allen Gesichtern in ihrem Umkreis ein breites Grinsen zu sehen, während Angelina weiterhin todernst und ohne mit der Wimper zu zucken in Warringtons Augen sah.

Dieser beugte sich inzwischen zu ihr vor, so dass schließlich nur noch wenige Zentimeter zwischen den beiden lagen.

„Das ist kein Dementi, Johnson.“, meinte er mit einem spöttischen Unterton.

„Aber auch keine Bestätigung, Warrington.“, gab Angelina zurück. „Was erwartest du eigentlich von mir? Glaubst du, mich interessiert, wie Oliver gepolt ist? Von mir aus kann er glücklich werden, mit wem er will und egal ob es eine Frau oder ein Mann ist. Hauptsache es ist keiner von eurer Brut - egal ob es weibliche oder männliche Brut ist.“

Mit einem letzten durchdringenden Blick drehte sie sich um und verließ die Große Halle. Hinter ihr konnte sie jemanden her rennen hören und als sie sich umdrehte, sah sie Alicia, dicht gefolgt von Fred, George und Lee, die allesamt breit grinsten.

„Alle Achtung, Lina-Darling. Dem hast du es gezeigt.“ Lee legte gut gelaunt den Arm um sie. „Und jetzt mal so unter uns beiden. Was denkst du wirklich?“

„So ganz unter uns beiden gesagt, Lee Jordan“, meinte Angelina und warf Lee einen finsteren Blick zu. „würde ich sagen, dass du ganz schnell deinen Arm da weg nimmst, wenn du auch nur den kleinsten Wunsch haben solltest, dich irgendwann mal fortzupflanzen.“

„Also wenn du mich fragst, solltest du den Arm da lassen, Lee.“, lachte Alicia und grinste ihn breit an. „Noch mehr von deiner Sorte kann die Welt nämlich nicht ertragen.“

„Ihr habt ja keine Ahnung.“, brummte Lee empört, nahm aber dennoch den Arm von Angelinas Schulter.

******

Verwandlung hatte sie mit Ach und Krach überlebt und ihre kleine Katastrophe mit dem geschmolzenen Radio war nur deshalb nicht aufgefallen, weil George seins in die Luft gesprengt und für einen mittelgroßen Krater im Klassenraum gesorgt hatte. Durch das dadurch resultierende frühere Unterrichtsende hatte Angelina die Chance, sich kurz in einen unbenutzten Klassenraum zu verziehen und den Brief zu lesen, den Alicia am Morgen für sie entgegen genommen und auf dem sie Olivers Handschrift entdeckt hatte.

Seit sie ihn in ihre Robentasche gesteckt hatte, brannte es ihr auf der Seele, ihn zu öffnen, aber gleichzeitig fürchtete sie den Moment auch. Der Brief war ziemlich dünn, was auf höchstens ein Blatt Pergament hindeutete. Konnte er wirkliche alle guten Ratschläge auf ein einziges Blatt Pergament geschrieben haben? Angelina bezweifelte es. Wahrscheinlich hatte er sich nur die Mühe gemacht, ihr nett, aber endgültig zu sagen, dass er sich nicht um ihre kleinlichen Probleme kümmern konnte, weil er sich mit echten Sorgen rumplagen mußte. Und dass er die hatte, zeigte der heutige Artikel im Tagespropheten ganz eindeutig.

Mit zitternden Fingern riss sie schließlich den Umschlag auf und zog den Brief heraus. Enttäuscht stellte sie fest, dass Olivers Nachricht sogar noch kürzer war, als sie erwartet hatte. Nur gerade eine halbe Seite lang, aber schließlich überwand sie sich trotzdem, den Brief zu lesen.

Hey Angelina,

erstmal Gratulation zu deinem Kapitänsposten. Ich hätte ihn niemand anderes als dir gegeben, wenn ich es hätte entscheiden dürfen. Nun ja, Harry vielleicht noch, aber er hat sowieso ständig viel zu viel um die Ohren um die Welt zu retten, da würde nicht genug Zeit bleiben, um ein Team zu leiten. Und das der Kapitänsposten nicht nur ein netter Posten, sondern eine Menge Verantwortung und noch mehr Stress bedeutet, hast du ja inzwischen auf ziemlich eindrucksvolle Weise erfahren. Ich kann dich sehr gut verstehen. Auch mir würde irgendwann der Kragen platzen, wenn ich an deiner Stelle wäre, aber im Gegensatz zu mir, warst du so schlau und hast um Hilfe gebeten. Ich weiß nicht, ob ich das gekonnt hätte. Das liegt vielleicht an dem blöden Stolz, den wir Männer immer mit uns rumtragen.

Ich habe über das, was du mir geschrieben hast nachgedacht und ich werde dir helfen. Aber ich kann dir meine Ratschläge unmöglich alle aufschreiben, denn dann wäre ich tagelang beschäftigt. Und ob du es nun glaubst oder nicht, mein Kapitän ist ein fürchterlicher Menschenschinder und bringt mich um, wenn ich auch nur zu spät komme (ja, lach ruhig. Ich weiß, dass du es dir kaum verkneifen kannst).

Hast du am Wochenende Zeit, um dich mit mir zu treffen? Ich weiß, dass es Möglichkeiten gibt, unbemerkt aus Hogwarts rauszukommen. Fred und George kennen diese Möglichkeiten. Frag sie, ob sie dir helfen. Sie sind es dir schuldig für das, was du dank ihnen durchmachst. Sag mir Bescheid, wann es dir am besten paßt. Ich warte auf deine Antwort.

Laß den Kopf nicht hängen, Johnson. Ich werde nicht zulassen, dass du die Verteidigung unseres Pokals schon jetzt aufgeben mußt.

Gruß aus Puddlemere

Oliver


Erleichtert schloß Angelina die Augen und atmete ein paar Mal tief durch. Oliver würde ihr tatsächlich helfen aus dieser verzwickten Sache rauszukommen. Ein Riesenbrocken fiel ihr vom Herzen als diese Erkenntnis langsam in ihr sackte. Jetzt mußte sie nur noch herausfinden, wie sie unauffällig an den Lehrern und Filch – und vor allem an Umbridge – vorbei nach Hogsmeade kommen sollte.

Oliver hatte Recht. Fred und George würden unter Garantie wissen, wie sie unauffällig nach Hogsmeade kommen würde. Immerhin hatten die zwei die Gryffindors immer mit Unmengen an Butterbier und Süßzeug versorgt, wenn es mal was zu feiern gab. Und wenn die beiden es wußten, wußte Lee es auch. Er war schließlich sowas wie der dritte Weasleyzwilling. Der Nachteil bei allen dreien war jedoch, dass sie extrem neugierig waren, wenn sie oder eine ihrer Jägerkameradinnen etwas von ihnen wollten. Sie würden nicht eher ruhen, als bis sie wußten, was sie vor hatte. Und aus irgendeinem Grund wollte sie nicht, dass sie wußten, dass sie sich mit Oliver traf. Zumindest noch nicht.

Es mußte noch andere geben, die ihr helfen konnten. Andere, die die Geheimnisse von Hogwarts kannte. Harry! Harry hatte vor ein paar Jahren die Kammer des Schreckens entdeckt, von der außer den Lehrern niemand gewußt hatte, dass sie überhaupt existierte. Außerdem war er mit Ron Weasley sehr gut befreundet, was bedeuten konnte, dass er über diese Verbindung auch von dem Wissen von Fred und George profitierte. Und Harry war ihr genauso etwas schuldig, wie die Weasleys, aber er würde nicht neugierig fragen. Nein, bei Harry war sie sich sicher, dass er ihr helfen würde, ohne neugierige Fragen zu stellen, eben weil er genau wußte, dass er ihr was schuldete.

Zufrieden mit dieser Überlegung steckte Angelina den Brief wieder in die Tasche und machte sich auf den Weg in Richtung Klassenraum für Zaubereigeschichte. Mit Harry würde sie später reden. Jetzt brauchte sie erstmal eine Mütze voll Schlaf. Und dazu war der Unterricht bei Binns ideal.

******

Angelina fing Harry und seine Freunde nach der Mittagspause ab, als sie auf den Weg zu Kräuterkunde war. Scheinbar hatte er jetzt eine Stunde Pflege magischer Geschöpfe, denn er hielt genauso zielstrebig auf die Tür zu, wie er.

„Hey Harry“, rief sie ihm hinterher und er blieb überrascht stehen, was Hermine und Ron, die in einer heftigen Diskussion verstrickt waren, gar nicht mitbekommen hatte.

„Angelina“, sagte Harry und warf ihr ein unsicheres, schiefes Lächeln zu. Ein Lächeln, das Angelinas Laune beträchtlich anhob, denn das bestätigte ihr, dass Harry wohl ein deutlich schlechtes Gewissen ihr gegenüber hatte. Als sie zu ihm aufgeholt hatte, nickte er zu Ron und Hermine rüber, die inzwischen etwa 20 Meter vor ihnen waren. „Danke für die Rettung. Manchmal sind die zwei wirklich schwer zu ertragen. Vor allem dann, wenn sie mal wieder nicht einer Meinung sind.“

„Kommt das denn oft vor?“

„Oft ist gar kein Ausdruck.“, antwortete Harry mit einem gequälten Gesichtsausdruck. „Eigentlich sind die grundsätzlich unterschiedlicher Meinung und ich kreuze mir die Tage im Kalender an, in denen sie mal der gleichen Meinung sind.“

„Wow Potter!“, meinte Angelina und grinste ihn von der Seite her an. „Du überrascht mich. Seit wann bist du denn so schlagfertig?“

Harry zuckte leicht mit den Schultern und warf seiner ehemaligen Kapitänin einen verlegenen Blick zu. „Keine Ahnung. Hin und wieder überkommt es mich halt.“

„Du solltest dafür sorgen, dass es öfter mal passiert.“, riet Angelina ihm. „Dann müssen nicht immer die Fäuste herhalten.“

„Ja, ich weiß.“, murmelte Harry und starrte jetzt seine Füße an, bevor er wieder zu Angelina hochsah.

Sie waren inzwischen fast an den Gewächshäusern angekommen und Angelina wußte, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte, ohne dass es irgendjemandem auffiel, dass sie mit Harry redete. Früher hätte sie neugierigen Leuten wie den gegnerischen Quidditchspielern oder den Lehrern gegenüber immer eine teaminterne Angelegenheit vorlügen können, aber seit Harry nicht mehr spielen durfte, war ihre einzige Verbindung zu Harry abgebrochen. Zumindest die offizielle, denn durch die DA hatten sie ja immer noch etwas, was sie miteinander verband. Sie verlangsamte schließlich das Tempo ein wenig und merkte, dass Harry sie überrascht ansah.

„Hör mal, Angelina.“, begann er und sah sie unsicher an. „Es tut mir ehrlich leid, was da passiert ist. Du hast heute morgen wirklich eindrucksvoll bewiesen, wie man einen verbalen Sieg davontragen kann, aber ich habe in dem Moment einfach rot gesehen. Wenn ich es rückgängig machen könnte, dann -“

„Du kannst es nicht rückgängig machen, Harry.“, unterbrach Angelina ihn. „Und ich weiß, dass es dir leid tut. Ich weiß, wie gerne du immer gespielt hat und Umbridges Spielverbot trifft dich härter, als ich es je mit einer Standpauke hätte tun können.“

„Das kannst du wohl sagen.“, brummte Harry und kickte jetzt wütend einen Stein aus dem Weg.

„Aus Fehlern lernt man.“, meinte Angelina und schubste ihn gut gelaunt mit der Schulter an, was ihm ein verlegenes Lächeln entlockte. „Und ich bin mir sicher, dass dieses lebenslange Spielverbot wieder aufgehoben wird, sobald dieser Albtraum in Pink wieder weg ist. Sieh es positiv. Länger als ein Jahr hat es bisher noch niemand auf diesem Posten ausgehalten. Allerdings bringt das eher dir als mir was, denn ich habe nur noch dieses Jahr.“

„Ich weiß.“, murmelte Harry, atmete einmal tief durch und sah Angelina dann fest an. „Wenn ich irgendetwas für dich tun kann, dann sag Bescheid, okay? Ich will es zumindest ein bißchen wieder gut machen, was ich da verbockt habe.“

„Ah!“, schmunzelte Angelina und nickte wissend. „Jetzt habe ich dich genau da, wo ich dich haben wollte. Es gibt nämlich tatsächlich etwas, was du für mich tun kannst.“

„Ach ja?“ Harry sah Angelina verdutzt an und war sich nicht so ganz sicher, was er davon halten sollte, so verbal von ihr an genau den Punkt gebracht worden zu sein, wo sie ihn hin haben wollte. Er kam sich irgendwie ein wenig überrumpelt vor. „Was kann ich denn für dich tun?“

„Ich weiß, dass es Möglichkeiten gibt, unauffällig von Hogwarts nach Hogsmeade zu kommen und ich weiß, dass du diese Möglichkeiten kennst.“

Sie waren inzwischen stehen geblieben, ohne es selber zu merken und Harry sah Angelina einen Moment lang nachdenklich an.

„Und wenn es so ist?“, fragte Harry zurück, ohne es wirklich zuzugeben.

„Versuche nicht mich für dumm zu verkaufen, Harry. Das zieht bei mir nicht, dazu habe ich viel zu viel Übung mit den Weasleys und Lee in diesen Wortverdrehereien. Ich weiß, dass du diese Möglichkeiten kennst und ich brauche die Info über zumindest eine dieser Möglichkeiten.“

Harry seufzte und richtete den Blick an Angelina vorbei, doch als sie sich umdrehte, sah sie nichts, was Harrys Blick bewußt angezogen hatte. Hinter ihr lag nur der Westflügel von Hogwarts, verbotene Wald und die peitschende Weide, vor der Angelina seit einem Vorfall in ihrem ersten Schuljahr einen Heidenrespekt hatte.

„Warum fragst du dann nicht einfach einen von den dreien?“ Harry wandte sich ihr wieder zu und sah sie fragend an. „Es gibt hier eigentlich nichts recht, was ich weiß, aber die drei nicht.“

„Ich glaube kaum, dass die drei den Eingang zur Kammer des Schreckens kennen.“, gab Angelina zurück. „Oder dass sie vom Raum der Wünsche wußten. Da warst du ihnen voraus, und ich bin mir ziemlich sicher, dass das nicht alles ist, wo du mehr weißt als die drei.“

Harry dachte an sein erstes Schuljahr zurück und ein riesiger dreiköpfiger Hund der eine Falltür bewachte tauchte vor seinem geistigen Auge auf. Und wieder wanderte sein Blick zur peitschenden Weide rüber. Auch davon wußten Fred, George und Lee nichts. Angelina hatte gar nicht so unrecht. Er wußte wirklich einige Geheimnisse mehr als die drei.

„Außerdem“, sprach Angelina weiter und sah jetzt ebenfalls in seine Blickrichtung, auch wenn sie nicht wirklich wußte, warum Harry dort hinsah. „fragst du nicht, warum ich heimlich nach Hogsmeade will. Eine Frage, die die drei mir immer wieder stellen würden, bis ich irgendwann die Geduld verliere und einem von denen den Hals umdrehe.“

„Ich könnte dich immer noch fragen.“, gab Harry zurück und zuckte mit den Schultern.

„Du schuldest es mir, Harry.“, meinte Angelina leise und eindringlich und erreichte somit, dass Harry sie wieder ansah. „Du schuldest es mir. Dank dir und den beiden Weasleys-Idioten stecke ich bis zum Hals im Chaos und du schuldest es mir, dass du mir hilfst, dieses Chaos in den Griff zu kriegen.“

„Was hat Hogsmeade mit diesem Chaos zu tun? Glaubst du, da bist du der Lösung näher?“

„Ich glaube es nicht, ich weiß es. Also, wie komme ich ungesehen nach Hogsmeade?“

„Nun ja“, meinte Harry und kratzte sich nachdenklich am Hinterkopf. „Ist es dir wichtig, dass du hier möglichst nicht gesehen wirst oder dass du in Hogsmeade an einer Stelle rauskommst, wo dich möglichst keiner sieht?“

„Am besten beides.“

Harry schüttelte den Kopf und warf Angelina einen entschuldigenden Blick zu. „Beides geht nicht. Sorry.“

„OK, dann die Möglichkeit, wo mich hier möglichst niemand sieht.“, gab Angelina zurück. „In Hogsmeade kann ich aufpassen, aber hier weiß ich nie so genau, wo einer der Lehrer auftaucht.“

„Oder der Alptraum in Pink.“, meinte Harry grinsend.

Angelina nickte. „Oder der.“

„OK, aber du mußt wirklich aufpassen, dass dich niemand sieht.“, meinte Harry und sah Angelina fest an, die daraufhin nickte. „Also paß auf. Es gibt da eine Statue im dritten Stock, die eine buckelige Hexe darstellt ...“


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