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Fanfiction

Kapitänssache - Knapp entkommen

von KitKat2006

Kapitel 5: Knapp entkommen

„Und? Was hat die harte Tour gebracht?“

Oliver biß in einen Apfel und sah Angelina fragend an, die lässig quer in einem seiner Sessel lag und die Beine über eine der Seitenlehnen baumeln ließ. Sie hatte sich seitwärts an die Rücklehne des Sessels gelehnt und sah mit einem leichten Lächeln auf den Lippen aus dem Fenster auf den Hafen. Sie hatten sich an diesem Samstag wieder getroffen, um den ersten Erfolg oder Misserfolg beim Training zu besprechen und zu planen, wie Angelina das Training effektiv weiter über die Bühne bringen zu konnte, um eine Chance zu haben, den Titel zu verteidigen.

„Sagen wir mal so, Jack und Andrew sehen Quidditch jetzt mit ganz anderen Augen. Und wundersamer Weise können die zwei inzwischen sogar fliegen und die Klatscher so unter Kontrolle halten, dass sie weder sich selber, noch andere aus dem Team gefährden. Ich hätte echt nicht gedacht, dass das möglich ist. Ehrlich gesagt, hatte ich Angst, dass ich die beiden umbringen würde, als ich mit Ginny zusammen auf sie los gegangen bin.“

„Ich hab's dir doch gesagt.“, meinte Oliver und biß mit einem leisen Lachen abermals in seinen Apfel. „In den meisten Leuten steckt mehr, als sie selber vermuten. Was glaubst du, wie ich euch so oft zu Dingen bringen konnte, die ihr vorher so vehement abgelehnt habt?“

„Ja, damals haben wir dich für vollkommen irre gehalten, aber im Nachhinein ist man immer schla-“

Angelina brach ab und drehte sich stirnrunzelnd um, als sie einen grünlichen Schimmer aus den Augenwinkeln wahrnahm. Dann weiteten sich ihre Augen und leichte Panik machte sich in ihr breit, als sie sah, dass sich die Flammen im Kamin grün verfärbt hatten.

„Verfluchter Doxy-Mist!“, fluchte sie und sprang entsetzt aus dem Sessel hoch. „Wenn mich hier jemand in meiner Schuluniform sieht, bin ich geliefert.“

„Da durch und dann weiter. Versteck dich.“, wies Oliver sie an und wies zu der einzigen Tür rüber, hinter die sie bei ihrem letzten Besuch noch nicht gesehen hatte.

Angelina überlegte nicht lange und stürzte durch sie hindurch, fluchte aber gleich darauf nochmal, als ihr klar wurde, dass ihre Schuhe, die sie vorher ausgezogen hatte, noch immer unter dem kleinen Wohnzimmertisch standen. Sie wirbelte herum und wollte gerade wieder durch die Tür ins Wohnzimmer zurück stürzen und ihre Schuhe holen, als sie durch die handbreit geöffnete Tür sah, wie mehrere Personen durch den Kamin in Olivers Wohnung wirbelten.

„Mist!“, fluchte sie halblaut vor sich hin und sah verärgert auf die Neuankömmlinge in Olivers Wohnzimmer. Kurze Zeit später gab sie ein überraschtes Keuchen von sich, als sie Linda Short, Annika Svensson und Daria Miller erkannte. Allesamt Spielerinnen von Puddlemere United, und außer Linda auch alle Stammspielerinnen des Teams. Allerdings schüttelte sie im gleichen Moment über sich selbst den Kopf. Die drei waren Olivers Teamkolleginnen, und auch wenn sie für sie selber so etwas wie Halbgötter auf Besen waren, war es doch eigentlich vollkommen normal, dass sie hin und wieder mal bei Oliver auftauchten.

„... deshalb haben wir uns gedacht, warnen wir dich schonmal vor.“ Daria ließ sich in das große Dreier-Sofa fallen und streckte die Füße aus. Angelina stockte kurz der Atem, als Darias Füße nur knapp ihre Schuhe verfehlten und sie schloss erleichtert die Augen, nur um sie kurz darauf wieder aufzureißen.

„... nehme auch einen Kaffee, danke. Aber erstmal muß ich dafür ein wenig Platz machen. Bin gleich wieder da.“

Erschrocken begriff Angelina, dass Linda auf die Tür zu kam, hinter der sie gerade stand. Stumm fluchend wirbelte Angelina herum und sah, dass sie sich in einem kleinen Flur mit drei Türen befand, von der eine ins Wohnzimmer führte und eine scheinbar in ein weiteres Badezimmer, denn das Badezimmer, dass sie kannte, befand sich im vorderen Flur nahe der Eingangstür. Sollte es aber hier tatsächlich ein weiteres Badezimmer geben war es logisch, dass Linda hierher lief, denn dieses Badezimmer war dann wesentlich näher als das andere. Allerdings bedeutete das auch, dass sie Angelina ganz schön in Bedrängnis brachte. Mit einem leichten Anflug von Panik riss sie die Tür zu ihrer linken auf und unterdrückte nur mit Mühe einen Fluch, als ein Badezimmer in ihr Blickfeld geriet. Reflexartig wirbelte sie herum, stürzte durch die zweite Tür und machte sie gerade soweit zu, dass sie sehen konnte, was auf dem Flur vor sich ging.

Linda warf nichtmal einen flüchtigen Blick auf die Tür hinter der Angelina stand und verschwand hinter der Badezimmertür. Erleichtert schloss Angelina kurz durch, schloss leise die Tür und drehte sich um, um sich anzulehnen. Als sie die Augen wieder öffnete entfuhr ihr jedoch zum wiederholten Mal innerhalb weniger Minuten ein leises Keuchen, als sie sah, in welchem Zimmer sie sich befand. Direkt vor ihr und praktisch den größten Teil des Zimmers einnehmend stand ein riesiges Bett, an der linken Wand waren zwei Türen zu sehen, die höchstwahrscheinlich zu einem in die Wand eingebauten Kleiderschrank gehörten und an der anderen Wand, direkt unter dem Fenster, stand eine kleine Kommode. Neben dem Fenster hing jedoch etwas, was ihr ein breites Lächeln ins Gesicht zauberte. Über einem überdimensional großen Poster des gesamten Puddlemereteams der diesjährigen Saison hing ein vergrößertes Foto vom Gryffindorteam von vor zwei Jahren, die den silbernen Hogwartspokal in die Höhe stemmten.

Lächelnd trat sie näher, doch dann stutzte sie. Durfte sie sich hier überhaupt so genau umsehen? Immerhin war das Schlafzimmer ein sehr privater Teil der Privatsphäre und deshalb sollte sie sich hier eigentlich gar nicht aufhalten. Andererseits mußte Oliver inzwischen eigentlich wissen, dass sie sich hier befand, denn welche andere Möglichkeit hatte sie schließlich mit Linda im Badezimmer gegenüber?

„Gar keine“, beantwortete sie sich selber die Frage und trat schließlich entschlossen weiter in den Raum herein. Auf der Kommode fand sie mehrere Quidditchzeitschriften. Scheinbar war nur das Wohnzimmer quidditchfreie Zone. Nachdenklich nahm sie eine davon in die Hand und blätterte ein wenig darin, bevor sie sie wieder weglegte. Als sie schließlich zum Fenster rüber ging um sich die Aussicht von diesem Zimmer aus anzusehen, hörte sie, wie die Badezimmertür wieder aufging. Horchend drehte sie sich in Richtung Tür um und stieß dabei unglücklich gegen ein Wandregal. Mehrere Kleinteile gingen polternd zu Boden und Angelina erstarrte. Auf dem Flur war es totenstill, doch dann waren wieder Schritte zu hören. Schritte die näher kamen.

„Oh Mist, verdammter!“, fluchte Angelina unterdrückt und sah sich hektisch nach einem Versteck um. Der Schrank war auf der anderen Seite des Raums. Um da hin zu gelangen mußte sie an der Tür vorbei und die Zeit hatte sie nicht. Die einzige Möglichkeit, die sie hatte, war, sich unter dem Bett zu verstecken.

'Super! Wie klischeehaft! Ausgerechnet unter dem Bett versteckst du dich, Johnson. Genau da, wo jeder heimliche Liebhaber sich versteckt, um nicht entdeckt zu werden.', schoss es ihr durch den Kopf, als sie unter das Bett kroch. 'Andererseits ist der Kleiderschrank auch so ein typisches Ziel. Wäre also auf alle Fälle klischeehaft gewesen!'

Mit hämmerndem Herzen beobachtete sie von ihrem Versteck aus, wie die Tür zum Schlafzimmer aufschwang und Schuhe sichtbar wurden.

„Hallo? Ist hier jemand?“

'Nein! Geh weg. Bitte geh weg. Hier ist niemand.'

Doch die Füße gingen nicht weg, sondern traten noch weiter ins Zimmer rein. Kurze Zeit später war ein leiser Pfiff zu hören.

„Nettes Schlafzimmer, Oliver. Für einen typisch weiblichen Fan nicht unbedingt das, was sie aus den Socken haut, aber solltest du tatsächlich auf Männer stehen, werden sie dir diese nüchterne Eleganz durchaus danken.“ Unter dem Bett verdrehte Angelina die Augen und unterdrückte nur mit Mühe ein Stöhnen. Wieso glaubten eigentlich alle, dass an diesem verrücktem Gerücht was wahres dran ist? „Allerdings solltest du dir dann jemanden suchen, der ein wenig handwerklich begabt ist und dir dein Regal gerade an die Wand schraubt. Du scheinst da ja nicht ganz so erfolgreich zu sein, wie mir scheint.“

Dann waren leise Geräusche zu hören, als sich das Regal scheinbar von selbst reparierte und sich die auf dem Boden verstreut liebenden Kleinteile nach einem gemurmelten Zauber von Linda wieder an ihren ursprünglichen Platz zurück stellten. Als sie kurz darauf das Schlafzimmer wieder verließ, atmete Angelina hörbar durch.

„Meine Güte, Käpt'n. Ein Besuch bei dir ist aufregender, als die Slytherins beim Training auszuspionieren.“

***

„Was soll ich denn machen, Annika?“ Oliver lief ziemlich verärgert in seinem Wohnzimmer auf und ab, als Linda wieder in den Raum trat. „Ich bin nur ein unwichtiger kleiner Reservehüter. Connor ist Stammspieler und dazu noch Kapitän.“

„Ja und?“, gab Annika zurück und gestikulierte wild mit den Armen in der Luft rum. „Mußt du es dir deshalb gefallen lassen, dass er hintenrum über dich herzieht? So langsam zielt er nämlich ziemlich unter die Gürtellinie.“

„Sie hat Recht, Oliver.“, stimmte Daria ihrer Kollegin zu. „Du solltest dich langsam mal deutlicher gegen ihn zur Wehr setzen. Ich meine, dass er dich in der Kabine oder beim Training wie einen kleinen Anfänger behandelt, der nichtmal einen Besen richtig herum halten kann, ist schon nicht die feine englische Art, aber spätestens mit dieser Schwulen-Sache ist er einen Schritt zu weit gegangen. Nimm nicht auch noch so hin, dass er dir nachsagt, du hättest dich ins Team eingekauft. Das hast du nicht nötig. Dazu bist du viel zu gut, und das weißt du auch.“

„Ja, das weiß ich, dass wißt ihr und das weiß er, auch wenn er es nie zugeben würde. Aber die Leute da draußen wissen es nicht.“, brauste Oliver verärgert auf. „Wie sieht denn das aus, wenn ich mich auf diese öffentliche Schlammschlacht einlasse? Damit gebe ich ja praktisch zu, dass er mich damit trifft. Egal wieviel wahres daran ist.“

„Nicht, wenn du klar machst, das nichts dran ist an diesen Sachen.“, mischte Linda sich in die Unterhaltung ein und ließ sich in den Sessel sinken, in dem Angelina kurz vorher noch saß. Als sie die Füße ausstreckte stieß sie jedoch mit etwas zusammen. Irritiert sank sie ein wenig tiefer, um unter den Tisch zu schielen, und sah auf ein paar Schuhe, die definitiv zu klein und feminin waren, als dass sie Oliver gehören konnten. Stirnrunzelnd sah sie die Schuhe an und dann zur Tür rüber, durch die sie gerade gekommen war. Ein wissendes Lächeln umspielte plötzlich ihre Mundwinkel. „Und ich denke, du hast Möglichkeiten das zu beweisen.“

„Ach ja?“ Überrascht blieb Oliver stehen und sah sie an.

Linda zuckte mit den Schultern und lehnte sich entspannt zurück. „Ich denke schon, ja.“

„Und selbst wenn nicht, mußt du dir das nicht gefallen lassen.“, warf Daria ein und sah Oliver eindringlich an. „Du mußt nichts beweisen. Er hat diese Gerüchte in die Welt gesetzt, er muß sie beweisen.“

„Was die Presse und die breite Masse nicht einen Knut interessiert, Daria.“, gab Oliver resigniert zurück, ließ sich frustriert in seinen Sessel fallen und vergrub den Kopf in den Händen. „Manchmal könnte ich diesem abgehobenen Scheißkerl den Hals umdrehen.“

„Ich kann's dir nachfühlen.“, stimmte Annika ihm zu.

Einen Moment lang war es still im Raum, doch schließlich fuhr Oliver sich leise schnaubend mit den Händen durch die Haare und sah auf. Dabei fing er Lindas Blick auf, die ihn leise lächelnd ansah und dann auf etwas zu ihren Füßen sah. Oliver runzelte leicht die Stirn, riß aber gleich darauf erschrocken die Augen auf, als er realisierte, was Linda ihm jetzt – und auch schon mit ihrer Bemerkung vorhin – sagen wollte. Angelinas Schuhe standen noch unter dem Tisch. Verfluchter Doxy-Mist!

Linda schmunzelte als sie Olivers erschrockenes Gesicht sah und stemmte sich aus dem Sessel wieder hoch. „Mädels, ich glaube, wir sollten ihn jetzt alleine lassen, damit er in Ruhe darüber nachdenken kann, wie er auf Connors unfaire Attacken reagiert. Wir haben unsere Pflicht und Schuldigkeit getan, indem wir ihn vorgewarnt haben.“

Daria und Annika nickten, und standen ebenfalls auf. Nachdem die beiden sich ihre Umhänge übergeworfen und sich verabschiedet hatten, sah Linda Oliver einen Moment lang stumm schmunzelnd an, bis Oliver herausfordernd eine Augenbraue hob.

„Wenn ich mich nicht ganz gewaltig irre, dann versteckt sich deine Möglichkeit, das Schwulen-Gerücht zu dementieren, irgendwo in deinem Schlafzimmer.“, meinte sie, zwinkerte ihm nochmal verschmitzt zu und verschwand hinter ihren beiden Kolleginnen durch den Kamin aus Olivers Wohnung.

Oliver schloss resigniert aufstöhnend die Augen und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Doch dann öffnete er sie wieder und ging zur Tür rüber, die in den Flur zu seinem Schlafzimmer führte. Zumindest hatte Linda Angelina nicht gesehen und hatte so nicht erfahren, dass er eine Hogwartsschülerin in seiner Wohnung versteckte, die eigentlich zu dieser Jahreszeit hier nichts zu suchen hatte. Das hätte ihm gerade noch gefehlt.

***

Angelina saß auf dem Boden an Olivers Bett gelehnt und wartete. Der Tür hatte sie den Rücken zugedreht und ihr Blick war aus dem Fenster gerichtet. Als Oliver eintrat zuckte sie erschrocken zusammen, entspannte sich aber gleich darauf wieder, als sie erkannte, dass er es war und nicht die nächste seiner Teamkolleginnen.

„Das war knapp.“, meinte er und ließ sich neben ihr nieder.

Angelina nickte, sah jedoch weiterhin aus dem Fenster. „Du hast keine Ahnung, wie knapp.“

„Ich denke doch.“, widersprach Oliver ihr und sah sie nachdenklich an. „Linda war sich nicht sicher, wo du dich versteckt hattest. Unter dem Bett oder im Schrank.“

Verblüfft sah Angelina ihn an. Oliver hielt den Blick, was ihr wieder dieses merkwürdige Gefühl in den Magen zurückbrachte.

„Sie wußte, dass ich hier bin?“, fragte sie. „So wie ich das einschätzen konnte, dachte sie bloß, dass du ein mieser Handwerker bist und dein Regal nicht gerade an die Wand schrauben kannst.“

„Ich bin was?“, fragte Oliver verblüfft und hob fragend eine Augenbraue.

Angelina winkte ab. „Ich bin versehentlich dagegen gestoßen und habe für ein wenig Chaos gesorgt.“

„Ah!“, meinte Oliver und wandte sich grinsend ab.

Angelina beugte sich ein Stück vor und sah ihn herausfordernd an. „Was soll das denn heißen?“

„Nichts“, antwortete Oliver, doch sein Grinsen wurde breiter.

„Für nichts grinst du aber ziemlich unverschämt.“, gab Angelina zurück und knuffte ihn in die Seite.

„Hey, nicht frech werden.“, warnte Oliver sie und fing ihre Hand in der Luft ab, bevor sie noch ein weiteres Mal zukneifen konnte.

„Dann sag mir gefälligst, was das Grinsen gerade sollte.“, forderte sie ihn auf und funkelte ihn mit ihren dunklen Augen halb verärgert, halb belustigt an.

„Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass es grundsätzlich irgendwo Chaos gibt, wo du auftauchst.“

Ein paar Herzschläge lang sah Angelina Oliver völlig perplex an, das rechte Handgelenk immer noch im festen Griff seiner linken Hand, und den Blick fest auf Olivers beeindruckend schokoladenbraune Augen gerichtet -

'Beeindruckend schokoladenbraune Augen? Was ist eigentlich los mit dir? Seit du Oliver wiedergesehen hast, schweifen deine Gedanken in merkwürdige Richtungen ab.'

„Das nimmst du sofort zurück.“, knurrte sie und knuffte mit der anderen Hand zu, was Oliver dazu veranlaßte, erschrocken einen Satz zur Seite zu machen und ihr rechtes Handgelenk wieder loszulassen.

„Na warte, Johnson.“, knurrte er und sah sie mit schmalen Augen an. „Das wirst du büßen.“

Mit großen Augen sah Angelina ihn an und sprang schließlich auf, als Oliver mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen wieder näher kam. Ihr einziger Ausweg war der, der quer über das Bett hinter ihr führte, da Oliver ihr auf dem Boden im Weg saß, und so machte sie schließlich einen Satz über ebendieses. Oliver bewies wieder einmal eindrucksvoll, dass er nicht umsonst ein Hüter mit hervoragenden Reflexen war und bekam sie noch im Aufspringen am Knöchel zu fassen, sodass sie schließlich unterdrückt aufschreiend bäuchlings auf seinem Bett zu liegen kam.

Doch auch Angelina konnte sich über mangelnde Reflexe nicht beklagen. Blitzschnell griff sie nach dem Kissen neben sich und schlug zu, bevor Oliver mit seiner geplanten Kitzelattacke anfangen konnte. Oliver wußte sich jedoch auch ohne Kitzelattacke gut zu behaupten, und so schlugen sie schließlich annähernd eine Viertelstunde mit Kissen und Decken aufeinander ein, bis der Drang zu lachen schließlich zu stark wurde und sie nebeneinander auf dem Rücken liegend lachten, bis ihnen die Tränen kamen.

Schließlich stützte Oliver sich auf einen Ellenbogen auf und sah lächelnd auf Angelina hinunter.

„Und? Gibst du auf?“

„Nie im Leben.“, antwortete Angelina mit geschlossenen Augen und schüttelte vehement den Kopf.

„Doch, wirst du.“, meinte Oliver leise und Angelina riss erschrocken die Augen auf. War er nicht gerade eben noch nicht ganz so nah gewesen? Ganz sicher nicht. Jetzt konnte sie allerdings seine beeindruckend schokoladenbraune Augen aus nächster Nähe ansehen und auch jede einzelne Wimper zählen, wenn sie wollte. Ein nachdenklicher Ausdruck war in seine Augen getreten, der das merkwürdige Gefühl in ihrem Magen mit voller Wucht zurückgebrachte und noch um einige Grade verstärkte. Sie spürte, wie er ihr langsam eine verirrte Haarsträhne aus dem Gesicht schob und ein heftiges Prickeln breitete sich von der Stelle aus aus, wo er sie mit den Fingerspitzen berührt hatte. Seine Augen flackerten kurz zu etwas, was unterhalb ihrer Augen lag und als er ihr wieder in die Augen sah, realisierte er, dass es ihr Mund war, zu dem sein Blick abgeschweift war. Er würde doch nicht etwa ...?

„Ich ... ich glaube, ich sollte ... mich so langsam wieder auf den Heimweg machen.“, stammelte sie schließlich und rappelte sich umständlich wieder auf.

„Ja, du solltest vielleicht wirklich besser gehen.“, stimmte Oliver ihr zu und räusperte sich, als er sich ebenfalls aufrichtete. „Bevor wir beide etwas tun, was wir später vielleicht bereuen.“, fügte er leiser hinzu.

„Was?“

„Nichts“ Oliver winkte ab und rollte sich vom Bett, bevor er Angelina eine Hand hinhielt, um sie auf die Füße zu ziehen. „Deine Schuhe stehen noch im Wohnzimmer.“

„Ich weiß.“, meinte sie leise und wich seinem Blick aus, indem sie auf ihre unbeschuhten Füße sah und unschlüssig mit den Zehen wackelte. „Ich wollte sie noch holen, aber dann standen plötzlich unverhofft drei Puddlemerespieler zuviel zwischen mir und meinen Schuhen. Hat es eigentlich eine von denen mitbekommen, dass die da stehen?“

Oliver nickte.

„Linda! Aber ich denke, sie wird nichts sagen. Sonst hätte sie mich gerade schon auffliegen lassen können.“

„Daher wußte sie also, dass du hier jemanden versteckst.“

Angelina nickte, als sich dieses Puzzleteil an den richtigen Platz schob, und sie ging vor Oliver her ins Wohnzimmer zurück. Nachdem sie sich die Schuhe angezogen hatte, warf sie Oliver noch einen letzten leicht unsicheren Blick zu, winkte und disapparierte in den Geheimgang bis kurz vor die hogwartsche Appariergrenze. Oliver sah allerdings noch lange auf die Stelle, wo Angelina gerade noch gestanden hatte, bis er sich resigniert in einen Sessel fallen ließ.

„Du Idiot!“, beschimpfte er sich leise selbst und rieb sich müde mit den Händen über das Gesicht. „Was hast du gerade gedacht, was du da tust? Hattest du wirklich vor Angelina zu küssen? Du spinnst doch komplett!“

Doch tief in seinem Inneren wußte er, dass sich gerade eben etwas ganz extrem in seinem bisherigen Verhältnis zu Angelina verändert hatte. Er war sich nur noch nicht so ganz sicher, ob es sich zum besseren oder zum schlechteren verändert hatte.


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