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Fanfiction

Spiel mit dem Feuer - Verwirrung

von KitKat2006

Draußen im Gang hatte Katie Adrian inzwischen wieder eingeholt.

„Ich meine das ernst, Pucey.“, fauchte sie ihn an. „Nenn' mich nicht Kitty. Das kann ich absolut nicht leiden.“

Überrascht blieb Adrian stehen und drehte sich um. Katie konnte gerade noch so einen Zusammenprall verhindern, indem sie einen Sprung nach links machte, wodurch sie mit der Rüstung von Erwin dem Eigensinnigen zusammenstieß, die scheppernd in ihre Einzelteile zerfiel. Doch weder Adrian noch Katie kümmerte das im Moment sonderlich.

„Pucey?“, wiederholte Adrian spöttisch und sah Katie fragend an. „Sind wir plötzlich wieder auf Nachnamen-Ebene, Bell?“

„Scheint so.“, antwortete Katie und pustete sich verärgert eine verirrte Haarsträhne aus der Stirn. „Das ist mir allemal lieber als Kitty. Schließlich bin ich kein Schmusekätzchen. Und wenn doch, dann bestimmt nicht deins, Pucey.“

„Aber Woody-Boys scheinbar auch nicht, denn sonst wären wir zwei ja jetzt nicht hier, Kitty.“, erwiderte Adrian leise, als er sich zu ihr vorbeugte. „Und niemand würde uns diese kleine Charade abnehmen, wenn wir uns immer noch mit dem Nachnamen anreden. Also wirst du wohl oder übel ... oh verflucht! Peeves im Anmarsch! Komm!“

Bevor Katie wußte, was überhaupt los ist, hatte Adrian sie an der Hand gefaßt und zog sie hinter sich her. Hinter sich konnten sie Peeves gackernd näher kommen hören, der durch die zusammenbrechende Rüstung angelockt worden war, und dem wollte sie nun wirklich nicht begegnen. Also rannte sie hinter Adrian her, der sich beunruhigend gut auskannte - viel zu gut, nach ihrem Geschmack – und sie durch verschiedene Geheimgänge und enge, versteckt gelegene Wendeltreppen, von deren Existenz sie bisher nichtmal im Geringsten etwas geahnt hatte, aus der gefährlichen Zone rausbrachte, zu der jetzt auch Filch und Mrs. Norris vorrückten, denen sie nur um Haaresbreite entkamen.

Schließlich kamen sie in einem kleinen Raum an, wo Katie keuchend und mit einem leichten Anflug von Seitenstechen auf die Knie sackte. Als sie schließlich wieder einigermaßen Luft bekam sah sie sich um und riss vor Überraschung aufkeuchend die Augen auf. Vor ihr befand sich ein riesiges Fenster von gut 3 Metern Höhe und 6 Metern Breite und dahinter befand sich ...

„Der ... Slytheringemeinschaftsraum?“ Katie sah sich verblüfft um und sah in Adrians Gesicht, dem man ansah, wie sehr er Katies Verblüffung genoß.

„Der Slytheringemeinschaftsraum.“, bestätigte er nickend.

„Aber ...“

„Diesen Raum kann nur ein Slytherin öffnen, also brauchst du dir gar nicht erst die Mühe machen, ihn zu suchen, um uns heimlich zu beobachten, Bell.“, grinste Adrian, der ahnte, was in Katies Kopf vorging.

„Was ist auf der anderen Seite?“, fragte Katie, als sie wieder zum Fenster rübersah. „Ich meine, die sehen uns hier nicht, sonst würde der Kurze da ganz anders aus der Wäsche gucken.“ Katie deutete auf einen kleinen Jungen, der höchstens ins zweite Schuljahr gehen konnte - sie schätzte eher auf das erste – und interessiert auf eine bestimmte Stelle des Fensters sah.

„Nicht nur hübsch, sondern auch schlau, hmm?“, fragte Adrian, ging auf sie zu und funkelte sie verschmitzt an. „Allerdings nicht, wenn es um Zaubertränke geht, wie wir inzwischen festgestellt haben.“

Katie verdrehte nur die Augen und fragte sich, wie oft sie das am heutigen Abend wohl schon getan hatte. Viel zu oft, wie sie fand.

„Auf der anderen Seite ist ein Wandteppich.“, gab Adrian jetzt Auskunft. „Ein Wandteppich mit dem Stammbaum Salazar Slytherins.“

Katie hob überrascht die Augenbrauen und stieß ungewollt einen beeindruckten Pfiff aus. „Wow! Das haben wir nicht. Wir können Gryffindors Erben nur bis etwa 1652 sicher nachverfolgen.“

„Ernsthaft? Und wir waren alle absolut sicher, dass bei euch auch so ein Wandteppich hängt, auf dem ganz unten „Harry Potter“ steht.“

Katie drehte sich verblüfft zu Adrian um. „Harry? Wieso denn Harry?“

Adrian zuckte mit den Achseln.

„Keine Ahnung. Ich kenne es nicht anders, als das Potter als Gryffindors Erbe vermutet wird. Liegt wahrscheinlich daran, dass er den du-weißt-schon-wen damals besiegt hat und der ist schließlich Slytherins Erbe.“

„Ehrlich? Dann wisst ihr, wie er wirklich heißt?“

Adrian schnaubte. „Nein, er steht als ... naja, du-weißt-schon da drauf.“

Katie grinste. „Faszinierend. Sogar seine eigenen Hauskameraden haben Muffe, ihn beim Namen zu nennen. Und ein Wandteppich genauso, wenn man den Faden mal weiterspinnt. Und das ist wirklich vollkommen verrückt.“

„Das hat nichts mit Muffe zu tun, sondern mit ... ach, lassen wir das Thema.“ Adrian winkte ab. „Sehen wir lieber zu, dass du ungesehen vor Peeves, Filch und Mrs. Norris zurück in deinen Gemeinschaftsraum kommst.“

„Leichter gesagt als getan.“, seufzte Katie. „Das dauert von hier aus auf dem direkten Weg glatte zehn Minuten. Und den können wir nichtmal nehmen, da ich ziemlich sicher bin, dass Filch und seine Fusselbürste da inzwischen rumschleichen.“

„Kitty“, meinte Adrian und sah sie halb amüsiert, halb mitleidig an, „du bist mit einem Slytherin unterwegs. Warum, glaubst du, habe ich dich hierher gebracht? Bestimmt nicht, um dir einen kostenlosen Einblick in unser Heiligtum zu gewähren.“

„Woher soll ich das denn wissen?“, fragte sie ihn. „Ich hatte angenommen, dass wir nur rein zufällig hier gelandet sind, weil wir nur irgendwie vor Filch und Co verschwinden wollten.“

Adrian seufzte und verdrehte die Augen. „Kitty-Darling, du hast absolut keine Ahnung von slytherin'scher Denkweise. Es mag vielleicht so ausgesehen haben, wie kopflose Flucht, aber ich habe ganz genau gewußt, wohin ich wollte. Ich könnte den Weg problemlos nochmal mit dir ablaufen, wenn du darauf bestehst. Wenn es sein muß, auch mit verbundenen Augen.“

„Bemühe dich nicht.“, winkte sie ab und sie unterdrückte nur mit Mühe ein beunruhigtes Schaudern. Wenn der Kerl den Weg wirklich mit verbundenen Augen nochmal ablaufen konnte, kannte er sich wirklich verflucht gut in Hogwarts aus. Und wenn der Gedanke nicht beunruhigend war, dann wußte sie es auch nicht. „Ich wüßte sowieso nicht, ob das wirklich der gleiche Weg ist. Wir sind durch Ecken im Schloß gekommen, die ich noch nie gesehen habe. Und hör' endlich auf, mich Kitty zu nennen, verflucht nochmal.“

„Warum? Ich liebe es, wenn du so hochgehst.“, schmunzelte Adrian und stieß nun lässig mit dem Fuß gegen einen leicht vorstehenden Stein, wodurch sich direkt darüber wie aus dem Nichts ein kreisrundes Loch von etwa einem Meter Durchmesser auftat.

„Und was ist das jetzt schon wieder?“, fragte Katie und vergaß völlig, etwas auf Adrians Bemerkung zu erwidern.

„Vertraust du mir, Katie?“, fragte Adrian und sah Katie vollkommen ernst an.

Katie riss den Blick von dem Loch los, hinter dem eine Röhre zu sein schien, und sah Adrian spöttisch an. „Hatte ich je einen Grund, dir zu vertrauen, Pucey? Du bist ein Slytherin. Natürlich vertrauen ich dir nicht.“

„Und doch hast du dich bereitwillig mitziehen lassen, als ich vorhin losgerannt bin.“

„Da war ich überrumpelt und wollte im Grunde genommen nur weg aus der Gefahrenzone. Das hatte nichts mit Vertrauen zu tun, sondern mit dem natürlichen Fluchtinstinkt, der bei drohender Gefahr einsetzt. Ich vertraue grundsätzlich keinem Slytherin. Das ist doch glatter Irrsinn.“

„Wenn ich dir irgendwas hätte tun wollen, hätte ich es längst getan, Kitty. Wir haben gestern schon festgestellt, dass du mir im direkten Vergleich kraftmäßig völlig unterlegen bist.“ Adrian hielt Katies Blick jetzt regelrecht gefangen. „Außerdem habe ich deinen Zauberstab.“

„WAS?“ Hektisch kramte Katie in ihren Robentaschen und sah schließlich irritiert zu Adrian auf, als sie ihren Zauberstab nirgends finden konnte. Dieser hielt ihn ihr jetzt mit dem Griff voran hin, wohl um zu beweisen, dass er ihn nicht doch im letzten Moment zu irgendeinem Zauber benutzen würde. Blitzschnell griff sie danach und steckte ihn ein. „Warum hast du meinen ...“

„Er ist dir aus der Tasche gefallen, als du im Kerker zusammengeklappt bist.“, erklärte Adrian, ohne sich darum zu kümmern, dass er sie unterbrach, und grinste dann wieder. „Ich wußte übrigens gar nicht, dass du kein Blut sehen kannst.“

„Nur wenn's mein eigenes ist.“, nuschelte Katie leise in ihren nicht vorhandenen Bart und sah ihn verwirrt an, als er in die Röhre kletterte. „Was genau machst du da?“

„Ich klettere in ein Loch.“, war die ungerührte Antwort. Katie sah in noch verwirrter an und zweifelte kurzfristig an seiner geistigen Zurechnungsfähigkeit. Andererseits war er ein Slytherin, also konnte man bei ihm sowieso nicht in normalen Maßstäben denken. „Komm her und vertrau mir, Kitty. Es wird Zeit, dass du in deinen Gemeinschaftsraum zurückkommst. Und zwar ohne erwischt zu werden. Und das hier ist der einzige völlig sichere Weg dahin.“

„Nie im Leben.“, erwiderte Katie, kam aber gleichzeitig vorsichtig näher, da die Neugierde für einen Moment doch die Vorsicht verdrängte. Eine Tatsache, die sie schon gleich drauf schwer verfluchen würde, den Adrian nutzte sie ohne lange zu zögern. „Ich werde nicht durch eine stockfinstere, enge Röhre durchs halbe Schloss klettern. Vergiß eeeeeaaaaaahhhhhhhh ...“

Blitzschnell hatte Adrian zugegriffen und Katie zu sich in die Röhre gezogen, und im nächsten Moment ging es im rasanten Tempo abwärts. Katies überraschter Aufschrei hallte in der engen Röhre lautstark wider und Adrian konnte es nicht lassen, ausgelassen mitzuschreien, als es in immer rasanteren Kurven und Drehungen abwärts ging. Längst hatte er Katie losgelassen und da er um einiges schwerer war, hatte er sie auch schnell ein Stück hinter sich gelassen. Mehrfach drehte er sich während der wilden Rutscherei um – er hatte einfach viel zu viel Übung und wußte, welche Kurven in welcher Position am besten waren – und schoß am Ende schließlich auf dem Rücken liegend und mit dem Kopf voran aus der Röhre. Den letzten Schwung für einen Salto ausnutzend, den die sanft auslaufende Röhre ihm noch ließ, kam er schließlich in dem kleinen Raum auf, der nur noch etwa halb so groß war wie der, den sie eben verlassen hatten.

Mit einem hochzufriedenen Grinsen auf den Lippen drehte er sich zur Röhre um, in der Katies Verwünschungen ihm gegenüber jetzt langsam aber sicher näher kamen, und bereitete sich darauf vor, sie aufzufangen. Seine eigene erste Landung in diesem Raum hatte er schließlich noch viel zu gut in Erinnerung. Damals war er auch vorwärts aus der Röhre geschossen und hatte sich schmerzhaft die Nase gebrochen. Katie würde ebenfalls in dieser Position aus der Röhre kommen, denn sie hatte einfach nicht die Übung, sich bei dieser wilden Fahrt umzudrehen. Und die Nasenlandung wollte er ihr dann doch ersparen. Ein Besuch im Krankenflügel pro Abend mußte reichen.

Begleitet von einem langgezogenen „Aaaaaaaaahhhhh!!!“ flog Katie schließlich mit Schwung aus der Röhre und riss Adrian glatt von den Beinen, als er sie auffing. Überrascht von dem doch recht unerwarteten Tempo, dass Katie noch drauf hatte, stolperte er rückwärts und landete unsanft mit einem erstickt gekeuchten „Umpf!!!“ auf dem Rücken, Katie fest an sich gedrückt, die ihn mit weit aufgerissenen Augen ansah. Augen, die in einem sehr interessanten Grünton leuchteten, wie er gerade feststellte.

„Damit schuldest du mir dann wohl einen Kuß, Kitty-Darling.“, meinte er schließlich verschmitzt. „Das ist jetzt das dritte mal heute Abend, dass du mir in die Arme fällst.“

Diese Worte reichten aus, um wieder Leben in Katie zu bringen. Blitzschnell sprang sie auf die Füße, und versetzte Adrian, der sich ebenfalls aufrappelte, eine ganze Ladung von Hieben rund um die obere Körperhälfte.

„Bei dir hakt es wohl! Wie kannst du es wagen, mich einfach so in dieses Höllenteil zu ziehen? Hattest du vor, dass ich mir heute Nacht auch noch den Hals breche, oder was? Ich glaube, ich spinne.“

Immer weiter zurückspringend wich Adrian lachend dem Trommelwirbel ihrer Fäuste aus, bis er schließlich die Tür im Rücken spürte. Deshalb fing er jetzt doch ihre Fäuste in der Luft ab und unterbrach ihre Schimpferei, was sie mit einem frustrierten Knurren und einem mörderischen Blick bedachte.

„Nun beruhige dich endlich, Merlin nochmal. So schlimm war das doch gar nicht. Du kannst mir nicht erzählen, dass es dir überhaupt keinen Spaß gemacht hat.“

Als Antwort bekam er nur ein Schnauben, aber zumindest hatte sie jetzt aufgehört gegen seinen Griff anzukämpfen und das reichte ihm schon.

„OK, ich laß dich jetzt los, aber nur, wenn du versprichst, artig zu sein.“, wies er sie an und sah ihr durchdringend in die Augen. Katie starrte einen Moment stur zurück und nickte dann stumm. „Geht doch.“, erwiderte Adrian und ließ sie los.

Mit einem gut gezielten Hieb versetzte Katie ihm eine letzte schmerzhafte Warnung, sie ja nie wieder auf so eine Weise zu überraschen.

„Au! Sag mal, spinnst du?“ Verwirrt rieb sich Adrian die Schulter, wo Katie ihn gerade getroffen hatte. „Verstehst du das unter artig sein?“

„Nein.“, erwiderte Katie und atmete tief durch. „Das verstehe ich unter gryffindor'scher Rache gegenüber einer hinterlistigen Slytherinschlange. Und diese Rache hat verdammt gut getan, soviel kann ich dir versichern.“

„Immer diese Vorurteile.“, seufzte Adrian und drehte sich schließlich um, um die Tür zu öffnen. „Wird Zeit, dass wir für heute getrennte Wege gehen. Raus mit dir.“

Mit hochgezogenen Augenbrauen sah Katie Adrian an und ging an ihm vorbei durch die Tür. Draußen blieb sie gleich wieder überrascht stehen.

„Wa ... wie sind wir ... das kann doch gar nicht sein.“

Direkt vor ihr war das Portrait der fetten Dame, die gelangweilt an ihrem Rahmen lehnte und an ihrem Kleid rumzupfte.

„Hogwarts verbirgt mehr Slytheringeheimnisse, als ihr ahnt.“, war Adrians Kommentar auf Katies verblüffte Miene.

„Aber ... aber wir sind nach unten und ... und jetzt sind wir ...“

Katie brach ab und schüttelte vollkommen durcheinander den Kopf. Ihr war das alles zu hoch und sie war definitiv zu müde, um jetzt darüber nachzudenken, wieso sie plötzlich ganze 30 Meter höher war, obwohl sie ganz eindeutig nach unten gerutscht waren. Zudem fing ihr Finger langsam wieder an zu schmerzen und sie wollte eigentlich nur noch ins Bett.

„Versuche es erst gar nicht zu verstehen, Kitty.“, meinte Adrian leise. „Dafür gibt es keine logische Erklärung. Alleine deshalb schon nicht, weil ich jetzt gleich dieselbe Röhre wieder nach unten zurück rutsche. Wir sehen uns morgen. Schlaf gut.“

Katie nickte nur und sah ihm nach, wie er die Tür wieder hinter sich schloß, die gleich darauf verschwand und nur altbekanntes Mauerwerk zurückließ, hinter dem niemand einen versteckten Raum vermuten würde, geschweige denn eine von mehreren komplett der Logik widersprechenden Röhrenrutschen, die nur den Mitgliedern des Schlangenhauses zugänglich waren, und die scheinbar kreuz und quer durch das ganze Schloss führten.

„Das ist alles vollkommen verrückt.“, murmelte sie leise, drehte sich schließlich um und schreckte die fette Dame aus ihren Gedanken auf, die sie widerwillig brummend schließlich durchließ.


***


„Das war ja klar, dass da was passiert, wenn du mit einem von denen alleine im Kerker bist. Warum muß dir auch ausgerechnet ein Slytherin Nachhilfe geben?“

„Weil die die besten Noten in Zaubertränke haben?“

„Das haben sie nur, weil sie Snape in den Arsch kriechen.“

„Adrian nicht.“

Mit einem lauten Knall warf Oliver seinen Schrank zu und drehte sich zu Katie um, die auf einer der Bänke saß und sich die Beinschoner fest schnürte, was mit ihrem dick bandagierten Finger gar nicht so einfach war.

„Adrian? Sag mal, habe ich das gerade richtig gehört? Seit wann seid ihr zwei denn auf Vornamen-Ebene?“

Katie sah jetzt von ihrer Beschäftigung auf und zu Oliver hoch, der sie ungläubig und mit gerunzelter Stirn ansah. Schnaubend pustete sie eine Haarsträhne aus der Stirn und starrte zurück.

„Merlin, Oliver! Jetzt krieg' dich mal wieder ein. Was ist denn so schlimm daran, dass ich ihn beim Vornamen nenne?“

„Was daran so schlimm ist?“ Oliver starrte Katie an, als hätte sie den Verstand verloren und auch der Rest des Teams warf ihr leicht skeptische Blicke zu. „Katie, wir reden hier von einem Slytherin. Kapiert? Ein Slytherin! Die haben grundsätzlich keine Vornamen, es sei denn, man macht mit denen gemeinsame Sache. Machst du mit denen gemeinsame Sache?“

Darauf wußte Katie nicht wirklich was zu erwidern. Ungläubig klappte ihre Kinnlade nach unten. Das hatte Oliver sie gerade nicht wirklich gefragt, oder? Er konnte nicht ernsthaft glauben, dass sie mit den Slytherins gemeinsame Sache machte. Naja, zumindest nicht in der Beziehung, die er vermutete. Nämlich in Sachen Quidditch, denn das schien ja den größten Teil seines Denkens und Handelns auszumachen. Das war geradezu lächerlich. Allerdings sprach die Art, wie er sie jetzt abwartend ansah, eine andere Sprache. Und wenn sie sich so umsah, schienen die anderen genauso eine Antwort von ihr zu erwarten – alle, bis auf Harry, der zumindest den Anstand hatte, so zu tun, als interessiere ihn das hier alles nicht. Katie konnte nur ungläubig mit dem Kopf schütteln, als sie die Sprache schließlich wiederfand.

„Ich glaub's ja nicht. Traust du mir das wirklich zu? Traust du mir wirklich zu, dass ich mit den Slytherins gemeinsame Sache mache?“ Olivers Antwort hierauf war eine noch höher unter die wirren Haare rutschende Augenbraue. „Das ist ja nicht zu fassen. Es ist wirklich erstaunlich, wie sehr du mir vertraust, Oliver. Aber ich kann dich beruhigen. Alles, wo ich gemeinsame Sache mit einem Slytherin mache, ist Zaubertränke. Und dafür solltest du dankbar sein, du Idiot.“

„Ich soll dankbar sein, dass dir Pucey den halben Finger abgesäbelt hat und du nicht in der Lage bist, anständig zu trainieren?“

Katie fand es wirklich faszinierend, wie Oliver alles, aber auch wirklich alles so drehen konnte, dass Quidditch das Hauptthema war. Sogar bei einem halb abgesäbelten Finger schaffte er es. Kopfschüttelnd drehte sie sich um und griff nach ihrem Besen. Dann drehte sie sich wieder zu Oliver um und ging so dicht zu ihm rüber, dass ihre Nasenspitzen nur noch knappe dreieinhalb Zentimeter trennten.

„Jetzt hör mir mal gut zu, Käpt'n. Erstens, ist Adrian wirklich gut in Zaubertränke, zweitens war ich es, die diesen Finger ...“ Sie hielt Oliver drohend ihren verbundenen Finger vor die Nase, was diesen fast zum schielen brachte. „... fast abgesäbelt hat, und drittens brauchst du dir absolut keine Sorgen darum machen, dass ich dich deinen heißgeliebten Pokal koste, denn dieser Finger wird mich nicht daran hindern, dir da draußen gleich die Bude voll zu schießen. Ist das in deinem verfluchten schottischen Sturschädel klar und deutlich angekommen?“

Ein leiser Pfiff war aus der Ecke zu hören, in der die Schränke von Fred und George standen, aber Katie kümmerte sich nicht darum. Sie trug gerade ein stummes Blickduell mit Oliver aus und beide wußten, dass hier gerade nicht Freund und Freundin ein mentales Kräftemessen veranstalteten, sondern Kapitän und Jägerin. Und es war schließlich die Jägerin, die dieses Duell abbrach und sich umdrehte.

„Ich weiß nicht, was ihr vorhabt, aber ich werde jetzt da raus gehen und trainieren. Schließlich habe ich nicht den ganzen Morgen dafür Zeit. Ich habe vor dem Frühstück noch einen Termin.“

„Ach ja? Und bei wem?“

Katie blieb bei diesen Worten von Oliver noch einmal stehen, drehte sich aber nicht zu ihm um.

„Krankenstation.“, antwortete sie knapp. „Poppy bringt mich um, wenn ich nicht zum Verbandswechsel komme. Und dann hast du ein Problem, oh uneinsichtiger Käpt'n. Denn dann darfst du vier Wochen vor dem Spiel der Spiele noch eine neue Jägerin einarbeiten, denn dann hat sie mich lahm gelegt.“

Kurz darauf hallte das Echo einer zugeknallten Tür durch die Gryffindorkabine.


***


Als Katie zwei Stunden später auf die Tür zur großen Halle zuging, war sie mehr als zufrieden mit sich. Sie hatte Oliver eindrucksvoll bewiesen, dass sie auch mit einem verletzten linken Zeigefinger gutes Quidditch spielen konnte – immerhin war es ja nicht ihre Wurfhand und sie konnte den Besen auch ohne die aktive Hilfe des Zeigefingers so lenken, dass er immer das tat, was sie wollte. Und Poppy war sichtlich zufrieden mit dem Heilungsprozeß, den ihr Finger in den letzten paar Stunden durchgemacht hatte. Sie hatte ihr eine frische Ladung merkwürdig lilafarbener Paste auf den Finger geschmiert, diesen neu verbunden und ihr erklärt, dass sie ihn schon in drei Tagen wieder benutzen könnte, als wäre nichts passiert. Sie sollte nur weiterhin den Finger schonen. Dass sie heute früh schon zwei Stunden Quidditch trainiert hatte, verschwieg Katie der Schulkrankenschwester wohlweislich, denn dann würde sie schneller in einem der schneeweißen Betten liegen, als sie „Quidditch“ sagen konnte. Sie kannte Poppy schließlich nicht erst seit gestern und wußte, wie weit sie es bei ihr auf die Spitze treiben konnte.

Jetzt knurrte ihr allerdings der Magen und sie freute sich auf einen ordentlichen Teller voll Schinken und Rührei. Und vielleicht auch zwei oder drei dieser leckeren Mini-Würstchen, von denen sie immer noch nicht recht wußte, was es eigentlich für Würstchen waren, aber die definitiv verdammt gut schmeckten. So vor sich hinträumend bekam sie nicht mit, dass sich ihr jemand von links näherte und sprang erschrocken und leise aufschreiend einen halben Meter in die Luft, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte.

Ihr Herz schlug wie verrückt und ihre rechte Hand war automatisch an ihren Brustkorb hochgeschossen, um es am raushüpfen zu hindern. Den Atem zischend ausstoßend, den sie reflexartig angehalten hatte, drehte sie sich um und sah in amüsiert funkelnde tiefblaue Augen.

„Adrian! Sag mal, spinnst du?“

„Wußte gar nicht, dass du so schreckhaft bist, Kitty.“, erwiderte Adrian belustigt und ignorierte Katies finsteren Blick, den sie bei der Erwähnung des Worts „Kitty“ aufgesetzt hatte. „Wie geht’s deinem Finger heute?“

„Laut Poppy heilt er sehr gut und ist in drei Tagen wieder wie neu, wenn ich ihn solange schone.“, antwortete sie ihm, ohne lange darüber nachzudenken.

„Dann ist es wohl nicht weit hin mit Training in den nächsten Tagen, hm?“, schmunzelte Adrian und in seinen Augen konnte Katie versteckte Slytherinverschlagenheit erkennen. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Woody-Boy das nicht ganz so begeistert auffassen wird.“

„Ach was.“, winkte Katie ab und betrat die große Halle. „Was Poppy nicht weiß, macht Poppy nicht heiß. Und Oliver habe ich gerade mehr als bewiesen, dass ich auch mit einem leicht lädierten Finger in der Lage bin, mit dem Quaffle umzugehen.“

„Ihr habt heute Morgen trainiert?“, fragte Adrian verblüfft.

„Ja. Was dagegen?“

Katie drehte sich mit hochgezogener Augenbraue zu ihm um und bekam bei dem Blick, den Adrian ihr gerade zuwarf ein ganz merkwürdiges Gefühl im Magen. Adrian beugte sich jetzt zu ihr rüber.

„Was kriege ich, wenn ich Poppy nichts verrate, damit sie dich nicht ans Bett festbindet?“, flüsterte er ein paar Zentimeter neben ihrem linken Ohr.

Katie zuckte zusammen und sah ihn mit offenem Mund an.

„Das würdest du nicht tun.“

Adrian sah sie mitleidig an. „Kitty-Darling, ich bin ein Slytherin. Ich würde alles tun, um euch Gryffindors die Chancen auf diesen Pokal zu vermasseln. Andererseits bin ich aber, wie jeder anständige Slytherin, bis zu einem gewissen Grad käuflich. Biete mir also was, sonst bin ich noch vor dem Mittagessen bei Poppy gewesen und du liegst spätestens beim Abendessen im Krankenbett und pflegst deine Beziehung zum Riss an der Decke. Also, was ist dir mein Schweigen wert?“

Katie starrte Adrian vollkommen überrumpelt an und hatte absolut keine Ahnung, was sie sagen sollte. Ihr Kopf war wie leer gefegt und sie konnte ihn nichtmal stumm beschimpfen, da sie sich selber in diese Lage gebracht hatte. Sie hätte es schließlich wissen müssen. Natürlich war Adrian ein Slytherin und ein Slytherin tat nichts einfach mal so, weil er ein netter Zeitgenosse war. Vor allem nicht, wenn er auch noch im Quidditchteam war und sein Wissen dem direkten Gegner um den Pokal für kurze Zeit ziemliche Probleme bereiten konnte. Frustriert schloß sie die Augen und stöhnte genervt auf.

„Ein Kuß.“, antwortete Adrian jetzt für sie und Katies Augenlider flogen mit einem Schlag wieder auf und starrten ihn an. Das konnte er nicht ernst gemeint haben, oder? Er wollte nicht ernsthaft einen Kuß von ihr?

„Ein Kuß?“, fragte sie leise zurück und bemerkte zu ihrem Ärger, dass ihre Stimme leicht schrill klang.

Ein grinsendes Nicken war die Antwort.

„Jetzt?“

Das Grinsen wurde breiter und Katie stand kurz davor, zu hyperventilieren. Nicht hier. Nicht vor der kompletten Hogwartsschülerschaft. Nicht vor ihrem Team und vor allem, nicht vor Oliver. Bitte nicht.

„Ich hätte durchaus nichts dagegen, Kitty, aber ich werde es dir ersparen, wenn du mir dein Wort gibst, dass ich diesen Kuß kriege, sobald wir alleine sind und ich dich darum bitte. Habe ich dein Wort?“

„Garantiert nicht.“

Damit drehte sie sich um und ging auf den Gryffindortisch zu.

„Ich würde es nicht riskieren, Bell.“, rief er ihr nach und sorgte dafür, dass es im Umkreis von 15 Metern gut zu hören war. „Du machst da gerade einen verdammt großen Fehler.“

Katie sah, wie Oliver und der Rest des Teams überrascht zu ihr rüber sahen und verdrehte genervt die Augen. Sie ging weiter auf den Gryffindortisch zu und fand, dass es nicht wirklich nötig war, sich umzudrehen, um Adrian zu antworten.

„Ich denke eher, dass du es bist, der den Fehler macht, Pucey, wenn du ernsthaft glaubst, eine Gryffindor erpressen zu können.“

Scheinbar gut gelaunt setzte sie sich zwischen Fred und Alicia auf die Bank und sah Oliver an.

„Kannst du mir mal die Rühreier rüber geben, Schatz? Ich sterbe vor Hunger.“

Stumm reichte Oliver ihr das Gewünschte und sah sie fragend an. Doch Katie ignorierte ihn und fiel heißhungrig über ihr Frühstück her. In ihrem Inneren brodelte es jedoch und sie sah mehr als einmal vorsichtig zum Slytherintisch hinüber. Was sollte sie bloß tun, damit Adrian sie nicht bei Poppy verpetzte? Sollte sie ihn wirklich küssen, damit er Ruhe gab? Und war danach auch wirklich Ruhe oder würde er sich über ihre Naivität lustig machen und dann doch zu Poppy gehen?

Katie schloß kurz stumm die Augen und schob sich noch eine Gabel voll Rührei in den Mund. Dieser Tag hatte definitiv genauso schlecht angefangen, wie der gestrige aufgehört hatte.


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Als ich das erste Harry-Potter-Buch las, habe ich mir meinen Bademantel angezogen und so getan, als ob ich Harry wäre. Ich rannte im ganzen Haus herum uuund... kann nicht fassen, dass ich das gerade erzählt habe.
Matthew Lewis