
von KitKat2006
Katie kniff die Augen gegen die untergehende Sonne zusammen und hielt gleichzeitig die Hand als Blendschutz hoch. Doch so sehr sie sich auch bemühte, konnte sie doch nicht genau erkennen, welches Team da gerade trainierte. Zum einen lag das wohl daran, dass die Spieler nur hin und wieder mal zu sehen waren, wenn ihr Flugmanöver sie über den höchsten Punkt der Stadiontribünen hinaustrug und zum anderen, weil sie zu weit weg waren, als das man sie genau erkennen konnte.
Sie konnte mit Sicherheit ausschließen, dass es die Ravenclaws waren, die da trainierten, da sie mit Cho verabredet war, um endlich das Zauberkunst-Referat fertig zu stellen, dass sie in ein paar Tagen halten mußten, und die Gryffindors waren es logischerweise auch nicht, denn dann wäre sie selber drüben im Stadion und nicht hier auf dem Steg am See.
Blieben also noch die Teams aus Hufflepuff und Slytherin. Beide Teams hätten Grund zum trainieren. Hufflepuff spielte in knapp zwei Wochen gegen Ravenclaw um den dritten Platz in der Hausmeisterschaft, Slytherin hingegen hatte die besten Chancen auf den Pokalsieg, wenn die Gryffindors sie nicht mit einem deutlichen Sieg davon abhielten. Und sie war sicher, dass die Schlangenbrut, wie sie in Gryffindor allgemein genannt wurden, alles taten, um sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen zu lassen.
„Ich hoffe, ihr macht sie fertig.“, meinte in diesem Moment eine Stimme hinter ihr, die sie ohne lange darüber nachzudenken als Cho's erkannte.
„Woher willst du wissen, dass das die Schlangen sind? Könnten auch die Puffles sein.“
„Ohne Kapitän? Nie im Leben. Kein Team, dass einigermaßen bei Verstand ist, würde trainieren, wenn der Kapitän nicht dabei ist. Und Cedric sitzt gerade in der Bibliothek und grummelt über seinen Verwandlungsaufsatz.“ Cho setzte sich kichernd zu Katie auf den Steg und breitete ihre Schulsachen aus. „Und auch wenn die Puffles theoretisch ohne ihren Kapitän trainieren könnten, würden sie es nie tun. Die sind, genau wie wir, nicht ganz so verrückt nach Quidditch, wie ihr und die Schlangen.“
„Wie Oliver und die Schlangen.“, verbesserte Katie sie und drehte sich jetzt zu ihr um. „Mir wäre es manchmal sehr viel lieber, wenn wir nicht ganz soviel trainieren würden und ich bin ganz froh, dass ihr auch noch Ansprüche auf das Stadion stellt. Wie das erst werden soll, wenn euer Spiel vorbei ist, mag ich mir gar nicht vorstellen.“
„Nicht viel anders als jetzt.“, antwortetet Cho schulterzuckend und blätterte in ihrem Zauberkunstbuch rum. Als Katie darauf nichts antwortete sah sie fragend auf und sah, dass Katie sie irritiert ansah. „Was? Jetzt mal ehrlich, Katie, ist dir nie aufgefallen, dass ihr schon viel zu viel trainiert? Überleg mal, wann ihr im Stadion seid und wann die Schlangen es sind. Und dann überleg mal, wieviel Zeit da noch für uns und die Puffles bleibt. Besonders viel ist das nicht. Und ganz ehrlich ...“ Cho beugte sich jetzt zu ihr rüber und warf der Gruppe Ravenclawjungs am Ufer vorsichtige Blicke zu, um sicher zu gehen, dass die nichts hörten. „... wenn du nur mal einen einzigen Blick auf die Reservierungsliste des Stadions werfen würdest, würdest du sehen, dass ihr sehr oft als Hufflepuffs oder Ravenclaws auf dem Quidditchfeld seid.“
„Was?“, entfuhr es Katie und erntete dadurch ein breites Grinsen von Cho und neugierige Blicke der Ravenclawjungs. Hastig senkte sie die Stimme wieder und sah Cho eindringlich an. „Willst du damit allen ernstes sagen, dass Cedric und Roger Oliver hinter dem Rücken der Slytherins Trainingseinheiten zuschieben?“
Cho nickte. „Genau das will ich damit sagen.“
„Das glaube ich ja gar nicht. Warum sollten sie das denn machen?“
„Weil ihr nunmal das wesentlich größte Talent habt, im Gegensatz zu uns Ravenclaws und den Puffles. Und weil wir alle lieber euch mit dem Pokal sehen, als die Schlangen. Und weil wir nunmal nicht ganz so verrückt nach diesem Sport im allgemeinen sind wie ihr.“
„Aber das fällt doch auf, wenn ihr gar nicht trainiert, obwohl ihr es eigentlich solltet.“ Katie sah immer noch leicht skeptisch zu Cho rüber.
„Na, du hast es nicht bemerkt.“, antwortete Cho schmunzelnd.
„Ich heiße auch nicht Marcus Flint und mache mir Gedanken um Trainingseinheiten.“, gab Katie augenrollend zurück.
„Also, wenn du's genau wissen willst ... wir sind bei den geschummelten Morgentrainings im Bett und freuen uns, dass wir ausschlafen dürfen.“ Ein wissendes Grinsen lief bei Katies Schnauben über Chos Lippen. „Und bei den Trainingseinheiten tagsüber sind wir im Umkleideraum und besprechen Taktiken oder spielen Karten oder machen ganz banal Hausaufgaben. Hauptsache man sieht uns nicht und ihr fliegt nicht auf. Die Puffles machen es genauso. Und das geht schon seit drei Jahren so. Ist also nicht wirklich was neues.“
Katie klappte verwundert die Kinnlade runter. Diese Erkenntnis haute sie um. Sie war aber sicher, dass sie das irgendwann mal zur Anwendung brachte. Einfach nur um Oliver zu zeigen, dass sie davon inzwischen wußte. Dann aber schüttelte sie entschlossen den Kopf und kramte ihre eigenen Zauberkunstsachen hervor. „Genug davon. Laß uns zusehen, dass wir Zauberkunst fertig kriegen. Immerhin habe ich nachher noch Training.“
„Falsch.“, grinste Cho und warf ihr einen Seitenblick unter ihren langen geschwungenen Wimpern zu. „Die Puffles haben nachher noch Training.“
Katie stutzte einen Moment, doch dann verdrehte sie seufzend die Augen. „OK, die Puffles haben Training. Wie auch immer. Also, wie weit sind wir mit dem Referat?“
***
Eine Stunde später hatten sie das Referat in Rohform fertig und mußten es nur noch in eine abgabefertige Form bringen und es vortragen. Sie hatten noch etwa eine halbe Stunde bis zum Abendessen und machten sich zufrieden auf den Weg zur Großen Halle. Auf halbem Weg dorthin kamen ihnen die Slytherins aus Richtung Stadion entgegen und warfen ihnen spöttische Blicke zu. Katie erwiderte diese finster, wobei ihr Blick an Adrian hängen blieb, der gerade Miles Bletchley seine Sporttasche in die Hand drückte und dann im Laufschritt auf das Schloßportal zuging.
„He, wo willst du denn noch hin, Adrian? Wir wollten doch noch beim Essen die Taktiken durchsprechen.“, rief Marcus Flint ihm stirnrunzelnd hinter ihm her.
„Bin gleich wieder da, Käpt'n. Hab nur noch schnell was im Krankenflügel zu erledigen.“
„Krankenflügel?“ Marcus sah Adrian fragend an. „Was willst du da denn? Du bist doch völlig in Ordnung oder habe ich da was verpaßt?“
„Du willst den Pokal doch auch gewinnen, oder?“, fragte Adrian zurück und nickte auf Marcus irritiertes Nicken. „Dann vertraue mir einfach. Manchmal muß auch ein Käpt'n nicht alles wissen, was so vor sich geht.“
Katie hätte bei dieser Bemerkung mit Vergnügen laut aufgelacht, wenn bei ihr nicht im selben Moment alle Alarmglocken geschrillt hätten. Sie sah, wie Adrian ihr noch ein verschmitztes Grinsen zuwarf und dann im Schloss verschwand.
„Dieser verdammte ...“ Ihr blieben die Worte im Hals stecken und keine drei Sekunden nachdem Adrian außer Sichtweite war, hatte Katie ihre Tasche direkt vor Chos Füße fallen lassen und wetzte im Rekordtempo hinter dem Slytherin her zum Krankenflügel.
Hinter sich konnte sie das überraschte Johlen seiner Teamkameraden hören, die Chos überraschten Aufschrei erfolgreich übertönten, doch was genau sie da von sich gaben, verstand sie nicht. Es war ihr auch relativ egal, denn alles, was jetzt noch zählte, war, Adrian noch vor dem Krankenflügel abzufangen, wenn sie nicht die nächsten drei Tage unter Poppys Fuchtel stehen wollte.
Auf der Treppe zum Portal stürmte sie an ein paar zu Tode erschrockenen Hufflepuffzweitklässlern vorbei, umkurvte in der Eingangshalle die Gruppe Ravenclawjungs vom Seeufer, die ihr überrascht nachsahen, und rannte immer zwei Stufen auf einmal nehmend die Treppe in den ersten Stock hoch. Doch statt sich hier weiter auf der Haupttreppe zu halten, um in den im zweiten Stock gelegenen Krankenflügel zu kommen, wandte sie sich nach links in Richtung Arithmantikklassenraum, bog am Ende rechts ab und rannte schnurstracks auf eine solide aussehende Wand zu, hinter der sich ein kurzer, aber sehr nützlicher Geheimgang versteckte, wenn man ein gutes Stück abkürzen wollte.
Womit sie allerdings nicht gerechnet hat, war, dass dieser Geheimgang gerade von Lee und Ginny zweckentfremdet wurde, die heftig auseinander fuhren, als Katie an ihnen vorbei stürzte.
„Ich habe nichts gesehen, absolut gar nichts.“, rief Katie ihnen zu und rannte weiter. „Aber ich würde es mir an eurer Stelle besser dreimal überlegen, ob ich mich zum knutschen ausgerechnet in einen Geheimgang verstecken würde, den auch Fred und George sehr gut kennen und regelmäßig nutzen.“
Was die beiden darauf antworteten hörte sie schon nicht mehr. Vielleicht hatte es ihnen auch so die Sprache verschlagen, dass sie gar nicht wußten, was sie sagen sollten. Katie zumindest stürzte am anderen Ende schon wieder hinter einer alten Rüstung hervor, nahm noch eine kleine Abkürzung über eine Hintertreppe und sprang auf halber Höhe über das vor ihr auftauchende Geländer, wodurch sie direkt vor Adrian landete, der gerade fröhlich pfeifend um die Ecke bog und vor Schreck über ihr urplötzliches Auftauchen einen ganzen Meter zurück stolperte.
Ein paar Sekunden lang sahen sie sich schweigend an – Katie keuchend nach Luft schnappend, Adrian wie vom Donner gerührt – doch dann glitt ein wissendes Schmunzeln über das Gesicht des Slytherins.
„Na, so wie's aussieht, kennt da wohl noch jemand ein paar geheime Abkürzungen, was?“
„Verlass ... dich drauf, ... Pucey.“, war Katies knappe, atemlose Antwort. „Nicht nur Slytherins ... kennen uralte ... Hogwartsgeheimnisse.“
„Scheint so.“, erwiderte er. „Die Frage ist nur, was bringt dir dieses Wissen jetzt, Bell?“
„Nun, ich habe dich immerhin ... davon abgehalten, ... zu Poppy zu gehen, oder?“, fragte sie ihn, noch immer ziemlich nach Luft schnappend.
„Hast du das?“ Adrian hob fragend die Augenbraue. „Also, meiner Meinung nach hast du das ganze nur etwas hinaus gezögert.“ Langsam ging er die paar Schritte näher auf Katie zu, die sie noch trennten. „Oder hast du es dir anders überlegt und bist bereit zu zahlen?“
„Träum weiter. Ich würde nicht im Traum daran denken, dich zu küssen, Pucey.“ Katie verschränkte die Arme vor der Brust und blieb demonstrativ vor ihm stehen, um ihm zu zeigen, dass sie ihn nicht zum Krankenflügel durchlassen würde. Ein Vorhaben, dass sie nie erfolgreich meistern würde, wie sie beide wußten, doch Adrian ging auf das Spiel ein und lehnte sich jetzt scheinbar nachdenklich mit der Schulter an die Wand und sah sie an.
„Also, ich meine mich erinnern zu können, dass du es vor ein paar Tagen noch ganz gerne getan hättest, Kitty.“, warf er nun im beiläufigen Tonfall ein und Katie stellten sich die Nackenhaare auf, als sie das Wort „Kitty“ hörte. „Oder ging es da gar nicht um mich? Ging es da vielleicht nur darum, dass irgendjemand dich mal wieder richtig küßt? Ist Woody-Boy wirklich so erbärmlich, dass seine Freundin es nötig hat, sich von jedem dahergelaufenen Kerl küssen zu lassen, damit sie überhaupt weiß, was ein richtiger Kuß ist?“
Bevor Katie wußte, was sie tat, hatte sie Adrian mit einem guten Schubs mit dem Rücken an die Wand geschoben und starrte ihn mit mörderischem Glimmen in den Augen an.
„Olivers Kußfähigkeiten stehen hier nicht zur Debatte. Ist das klar und deutlich bei dir angekommen?“, knurrte sie ihn leise an.
Adrian ging jedoch gar nicht darauf ein, sondern grinste sie nur selbstzufrieden an. „Weißt du, ich mag es, wenn es nicht ganz so ekelhaft schmusig zugeht.“ Mit einem Ruck hatte er sie beide herumgedreht, sodass Katie jetzt mit dem Rücken an die Wand gedrängt dastand und im Gegensatz zu Adrian vorhin keinen Bewegungsfreiraum mehr hatte. „Aber ich habe es definitiv lieber, wenn ich derjenige bin, der die Kontrolle über die Situation hat. Also Kitty, du hast jetzt die Wahl. Entweder du zahlst oder ich gehe zu Poppy und lasse dich aus dem Verkehr ziehen. Und wir beide wissen genau, dass du mich nicht wirklich aufhalten kannst, wenn du nicht zahlst.“
Katie sah in hypnotisierende, tiefblaue Augen und schluckte. Er hatte ja recht. Er war derjenige, der die Situation kontrollierte. Nicht sie. Und das paßte ihr ganz und gar nicht.
„Würdest du das wirklich tun?“, fragte sie schließlich leise. „Würdest du mich wirklich bei Poppy melden?“
„Kitty-Darling, du weißt genau, dass ich das tun würde.“, antwortete er genauso leise. „Ich will diesen Pokal genauso sehr wie du und alles was euch schadet, hilft uns. Also werde ich es auch tun. Verlass dich drauf.“
„Und woher soll ich dann wissen, dass du nicht doch zu Poppy gehst, egal ob ich jetzt zahle oder nicht?“
„Weil ich dir heute morgen schon gesagt habe, dass Slytherins bis zu einem gewissen Grad käuflich sind. Und ob du es jetzt glaubst oder nicht, wir haben sogar ein ziemlich ausgeprägtes Ehrgefühl. Wir stehen zu unserem Wort, wenn wir es einmal gegeben haben.“ Katie schnaubte und Adrians Grinsen wurde durchtriebener. „Du hast die Wahl, Kitty. Kauf mich oder erkläre Woody-Boy, warum du ganze drei Tage lang ausfällst, obwohl du dir nur einen harmlosen Schnitt zugezogen hast. Ich habe so das Gefühl, dass ihm das nicht wirklich gefallen wird.“
'Nein, das wird ihm ganz und gar nicht gefallen.' ging es Katie durch den Kopf und sie schloss resigniert die Augen. „Habe ich dein Wort, dass er hiervon nie erfahren wird?“
„Ich werde schweigen wie ein Grab.“
Katie öffnete langsam die Augen und sah in Adrians tiefblauen. Und so verrückt es auch klang, der Ausdruck, der darin lag, überzeugte sie von der Aufrichtigkeit seines Versprechens. 'Entweder das, oder ich will wirklich einfach nur mal wieder vernünftig geküßt werden.'
„OK“, flüsterte sie schließlich leise.
„OK, was?“, fragte Adrian genauso leise zurück.
„OK, du kriegst den Kuß, wenn du mich dann nicht bei Poppy verpfeifst.“
„Ganz sicher?“
„Ganz sicher.“
Einen kurzen Sekundenbruchteil sahen sie sich noch stumm in die Augen, doch dann neigte Adrian sich vor und verschloss ihr die Lippen mit seinen.
'Du hast völlig den Verstand verloren, Katie Bell, aber ... Hölle nochmal, kann der Kerl küssen.'
Sie wußte selber nicht, mit was sie gerechnet hatte, aber nicht mit dem hier. Adrian küßte nicht, wie sie es von einem Slytherin erwartet hätte. In seinem Kuß lag nichts von der Arroganz und Überheblichkeit, die sonst in allem was sie taten von den Slytherins im allgemeinen ausging, sondern eine überraschende Sanftheit und Ehrlichkeit, die sie zittern ließ. Fast unmerklich flatterten seine Lippen über ihre, knabberten sanft an ihnen und wurden dann von seiner Zunge abgelöst, die unendlich langsam über ihre Unterlippe strich. Wie ferngesteuert öffneten sich Katies Lippen, während ihr Magen sich merkwürdig zusammen zog.
Doch statt diese so offensichtliche Einladung anzunehmen und den Kuß zu vertiefen, löste Adrian sich schließlich wieder von Katie und küßte sich an ihrem Hals bis zu ihrem Ohr hoch. Mit einem Lächeln registrierte er ihren beschleunigten Pulsschlag und konnte es nicht lassen, diese spezielle Stelle an ihrem Hals kurz mit der Zunge zu necken. Sein Lächeln wurde breiter, als er hörte, wie sie scharf die Luft einsog und ein Schauer über ihren Rücken jagte.
„Weißt du, Kitty.“, raunte er ihr schließlich leise zu. „Ich wollte eigentlich nur wissen, wie weit du für diesen Pokal gehen würdest. Ich hätte dich niemals bei Poppy verpfiffen.“
Mit diesen Worten trat er schließlich einen Schritt zurück und warf ihr einen verschmitzten Blick zu. Katie hatte den Mund noch immer leicht geöffnet und starrte ihn wie hypnotisiert an.
'Verdammt Wood. Was bist du bloß für ein Arschloch, dass du dieses Wahnsinnsmädel nicht zu würdigen weißt.' schoss ihm durch den Kopf, als er Katie so vor sich stehen sah. „Wir sehen uns in einer Stunde in der Bibliothek, Bell. Es wird Zeit, dass du Zaubertränke auch theoretisch verstehst.“
„Was?“ Jetzt kam Leben in Katie. Verwirrt schloß sie die Augen und schüttelte den Kopf, um ihn wieder in die Wirklichkeit zu holen, der sie nach diesem so völlig unerwartet verlaufenden Kuß vorübergehend entrückt war. „Das geht nicht. Ich habe nachher noch ...“ Erschrocken riß sie die Augen auf und brach ab. 'Die Puffles haben Training, Katie. Nicht du'. „Ähm, ich meine, ich muß nachher noch mit Cho das Referat fertig machen. Können wir das nicht auf morgen verlegen? Bitte?“
Bittend sah sie Adrian an, doch der schüttelte rigoros den Kopf.
„Morgen habe ich keine Zeit. Habe den ganzen Tag Unterricht und Abends noch Training. Wir lernen heute Abend. Um Punkt halb acht in der Bibliothek.“
Damit drehte er sich um und ging den Gang zurück, durch den er gerade erst gekommen war.
„Und wenn ich nicht komme?“, rief Katie ihm herausfordernd nach.
„Dann wirst du morgen meinem Hauslehrer erklären müssen, warum du keinen Wert auf meine Nachhilfe legst. Und ich glaube nicht, dass das eine angenehme Unterhaltung für dich wird, Bell.“
Katie fluchte leise in sich hinein, denn sie wußte, dass Adrian damit recht hatte. Snape wäre nicht sonderlich begeistert, wenn sie die Nachhilfe schwänzen würde. Vor allem nicht, wenn sie diese Zeit zum trainieren nutzen würde, obwohl ihr Team eigentlich gar nicht auf dem Plan stand, den er unter Garantie kannte. Genervt ließ sie den Kopf zurück an die Wand sinken und starrte die rauen Felsblöcke an der Decke an. Wie war sie bloß in so eine verfahrene Situation gekommen? Sie wollte doch eigentlich nur, dass Oliver wieder mehr Zeit für sie hatte und ihn ein wenig eifersüchtig machen, indem sie in seiner Gegenwart mit Adrian flirtete und Zeit mit ihm verbrachte. Stattdessen lieferte sie sich mit Adrian Machtkämpfe, die nichts mit Oliver zu tun hatten und riskierte zudem einen Riesenkrach mit Oliver, wenn sie ihm erklären mußte, warum sie Nachhilfe mit Adrian dem Training mit ihm vorzog. Es war zum verrückt werden.
***
„Was soll das heißen, du mußt dich mit dem Essen beeilen, weil du gleich in die Bibliothek mußt? Wir haben gleich Training. Oder hast du das vergessen?“
Oliver sah Katie ungläubig an, die in einem ziemlichen Rekordtempo ihr Abendessen runterschlang, jetzt jedoch inne hielt und ihn irritiert ansah.
„Oliver, glaub mir, ich habe mir das nicht ausgesucht, aber wenn ich da nicht hingehe, ist Adrian schneller bei Snape, als ich „Unfair“ sagen kann.“, gab sie leicht gefrustet zurück. „Und dann verpaßt mir diese olle Fledermaus Strafarbeiten bis nächstes Jahr. Willst du das vielleicht?“
„Nein“, maulte Oliver schlecht gelaunt vor sich hin und warf einen finsteren Blick zum Slytherintisch rüber, wo die Mitglieder des Quidditchteams etwas abseits saßen und die Köpfe zusammensteckten. „Aber muß das ausgerechnet dann sein, wenn wir Training haben? Das ist doch pure Schikane.“
„Also, von mir aus kannst du gerne versuchen, dich bei McGonagall darüber zu beschweren, dass die Slytherins unserer Team absichtlich sabotieren, wenn du meinst, dass es etwas bringt.“, schlug Katie ihm vor, obwohl sie genau wußte, dass er es nicht tun würde, denn offiziell hatten ja die Hufflepuffs Training, und sie bezweifelte stark, dass die jeweiligen Hauslehrer von der Absprache zwischen den Teams aus Gryffindor, Ravenclaw und Hufflepuff wußten. „Ich werde dich bestimmt nicht daran hindern.“
„Also ich finde, das ist eine sehr gute Idee, Oliver.“, mischte sich jetzt Alicia in das Gespräch mit ein. „Das sieht nämlich wirklich nach Sabotage aus. Hast du ihm denn gesagt, dass du noch Training hast, Katie?“
„Nein“, brummte Katie undeutlich durch einen großen Bissen Kartoffel hindurch und erntete dadurch ungläubige Blicke ihrer Teamkameraden um sich herum.
„Nicht?“, fragte Alicia verblüfft. „Warum denn nicht? Wenn er weiß, dass du schon Verpflichtungen hast, hat er kein Recht, dich zu Nachhilfestunden zu zwingen. Es sei denn, dass einer der Lehrer das so angeordnet hat. Und das hat Snape doch nicht, oder?“
Katie schüttelte stumm den Kopf und sah nachdenklich zum Slytherintisch rüber. Für ein paar Sekunden blieb ihr Blick an Adrian hängen, der mit undeutbarem Blick zurücksah und sich dann wieder an Miles Bletchley zu seiner Linken wandte.
„Na also.“, meinte Alicia zufrieden, der dieser kurze Blickkontakt zwischen Katie und Adrian entweder entgangen war oder ihn absichtlich ignorierte. „Dann geht Oliver jetzt gleich zu McGonagall und regelt das mit ihr. Adrian Pucey hat kein Recht darauf, vorsätzlich unser Training zu sabotieren, nur weil es ihm gerade in den Fingern juckt.“
„Nein, das hat er nicht.“, murmelte sie leise und sah dann Oliver direkt in die Augen, bevor sie noch leiser weitersprach, sodass nur er sie noch hören konnte. „Wenn es sich um unser Training handeln würde.“
Oliver starrte Katie erst verwundert an, doch dann machte sich eine leichte Erkenntnis in seinem Blick breit. Katie nickte ihm stumm zu und wandte sich dann wieder ihrem Essen zu.
„Ich schätze, ihr werdet heute Abend ohne mich trainieren müssen, denn ich denke nicht, dass Oliver zu McGonagall gehen wird.“, meinte sie schließlich wieder lauter. Sie sah dabei niemanden direkt an, sondern sprach eher zu ihrem Teller. Dann seufzte sie resigniert auf. „Und ich schätze, ich werde einen „netten“ Abend mit einem Slytherin und meinen Zaubertränkebüchern verbringen. Was würde ich nicht für ein paar Stunden Oliver-Drill geben.“
„Aber genau darum geht es ja.“, meinte Alicia und sah verwirrt zwischen Oliver und Katie hin und her. „Wenn Oliver zu McGonagall geht und sie informiert, dann könntest du ...“
„Das Training fällt heute aus. Wir sehen uns pünktlich morgen Nachmittag direkt nach Unterrichtsschluß auf dem Feld.“, unterbrach Oliver sie und versetzte damit seinen Team einen so gewaltigen Schock, dass es ihnen für eine ganze Minute die Sprache verschlagen hatte. Immerhin hatte Oliver noch nie ein Training wegen so einem lächerlichen Problem abgesagt. Schon gar nicht so knapp vor einem so wichtigen Spiel. Fragend sahen sie ihn an, doch Oliver war inzwischen aufgestanden und gab Katie einen schnellen Kuß auf die Wange. „Entschuldige mich, Schatz. Ich muß ganz dringend mal mit Cedric reden.“
Katie nickte nur schweigend und sah nicht mal auf, als Oliver ging. Sie hatte eine ungefähre Ahnung, worum es in diesem Gespräch gehen würde.
„Sag mal, habe ich mir den Kopf gestoßen oder hat Oliver gerade wirklich das Training abgesagt?“, fragte George und sah irritiert in die Runde.
„Katie, was war das gerade?“, fragte Alicia sie. „Warum glaubst du nicht, dass Oliver zu McGonagall geht? Das ist doch Blödsinn.“
„Das ist kein Blödsinn.“, widersprach Katie und sah jetzt streng in die Runde ihrer vollkommen verdutzten Teamkameraden. „Und ich will auch nicht, dass einer von euch zu ihr geht, okay? Ihr bringt Oliver und das Team damit nur unnötig in Schwierigkeiten und dann spielt ihr den Slytherins wirklich in die Hände.“
„Ich habe absolut keine Ahnung, was du damit sagen willst.“, meinte Angelina jetzt, die die Diskussion die ganze Zeit über schweigend mit angehört hatte. „Könntest du uns bitte mal einweihen und nicht länger in Rätseln sprechen?“
„Nein. Das ist ein Kapitäns-Ding und geht niemanden sonst was an.“
„Und wieso weißt du es dann?“, fragte Fred sie lauernd.
„Weil ich die Freundin von unserem Kapitän bin.“, gab Katie stur zurück und weigerte sich, mehr dazu zu sagen, doch Alicia trat nochmal nach, wobei sie was sagte, was Katie unangenehm zusammenzucken ließ.
„Schöner Freund, wenn er so wenig für seine Freundin kämpft.“
Mit einem heftigen Klirren schmiss Katie ihre Gabel auf den Teller und erntete damit eine Menge ungewollte Aufmerksamkeit. Mit einem finsteren Blick in die Runde stand sie auf.
„Ich muß los, wenn ich nicht zu spät kommen will. Und ich warne euch. Wehe einer von euch geht wegen dieser Sache zu McGonagall. Dann flippe ich richtig aus. Habt ihr mich verstanden?“
Alicia warf Katie einen herausfordernden Blick zu, doch sie nickte schließlich, auch wenn sie nicht gerade ein zufriedenes Gesicht machte. Nachdem sich Katie auch von Angelina, Fred und George dieses Nicken geholt hatte, drehte sie sich um und verließ die Große Halle so schnell sie konnte. Sie mußte jetzt dringend einen Moment alleine sein, um ihre Gedanken zu ordnen, sonst würde sie Adrian bei der ersten versteckten Spitze seinerseits den Kopf abreißen und sie bezweifelte, dass Madame Pince das so toll finden würde.
Der letzte Satz von Alicia hatte weh getan. Nicht dass Alicia es ahnte, aber es war genau der Gedanke, der ihr seit Wochen zu schaffen machte und den sie nicht wagte, laut auszusprechen. Dass sie es jetzt getan hatte – wenn auch in einem völlig anderen Zusammenhang – tat umso mehr weh.
***
„Was hatte Woody-Boy denn gerade so dringendes mit Diggory zu besprechen, dass er regelrecht vor euch geflüchtet ist? Kann es sein, dass es Probleme bei euch im Team gibt?“
Mit einem leisen Aufschrei fuhr Katie herum, als Adrian diese Fragen direkt neben ihrem rechten Ohr ausgesprochen hatte. Zornig verpaßte sie ihm einen heftigen Hieb gegen den Oberarm, doch Adrian grinste sie nur herausfordernd an.
„Nicht schlecht, Kitty.“, meinte er spöttisch. „Du schlägst zwar nicht gerade wie ein Mädchen, aber um mir wirklich weh zu tun, mußt du trotzdem noch ein wenig trainieren.“
„Ich kann dir auch jetzt schon richtig weh tun, Pucey. Es ist alles eine Frage des richtigen Ziels.“, knurrte sie und ließ ihren Blick wie zufällig über seine mittlere Körperregion schweifen. „Und wie oft muß ich dir eigentlich noch sagen, dass du mich nicht Kitty nennen sollst? Ich mag das nicht.“
„Keine Schüsse unter die Gürtellinie, Bell. Das hatten wir abgemacht.“, meinte Adrian und trat sicherheitshalber trotzdem den Rückzug an, indem er seine Sachen auf einem nahegelegenen Tisch ablegte. Immerhin hatte er vor gar nicht allzu langer Zeit schon einmal festgestellt, dass Katie es mit den Regeln nicht ganz so genau nahm, wenn es zu ihrem Vorteil war. Katie folgte ihm widerwillig. „Also, was war das gerade bei euch?“
„Das geht dich absolut gar nichts an und ich weigere mich, darüber noch weiter zu diskutieren.“, gab Katie kurz angebunden zurück. „Laß uns lieber anfangen. Umso schneller haben wir es hinter uns.“
„Wenn man dich so reden hört, könnte man meinen, dass du vor mir die Flucht ergreifen willst.“, meinte Adrian spöttisch. „Machen wir das ganze nicht eigentlich, um dein Liebesleben zu retten? Wie soll das funktionieren, wenn wir nicht miteinander gesehen werden?“
Katie schnaubte, sagte darauf jedoch nichts. Langsam hatte sie wirklich das Gefühl, dass das ganze eine ziemliche Schnapsidee gewesen war und sie fragte sich, wie um Himmels willen, sie sich darauf hatte einlassen können. Sie hatte absolut keine Kontrolle über die Situation. Adrian spielte mit ihr Katz und Maus, und das nicht nur in Bezug auf Oliver. Sie hatte das Gefühl, dass er auch versuchte, sie zu verwirren, um ihre Quidditchleistungen zu beeinflußen.
'Natürlich nutzt er die Situation aus, du blöde Kuh. Was hast du denn erwartet? Er ist ein Slytherin, um Himmels willen. Denen kann man nicht trauen.'
„Haben wir eigentlich schon Erfolg?“
„Was?, fragte Katie ihn verdutzt und schreckte aus ihren Grübeleien auf.
„Ob wir schon Erfolg haben? Ist Wood schon eifersüchtig auf mich als Konkurrenten um seine Freundin oder sieht er in mir nur eine Gefahr für seine Jägerin?“ Adrian sah ihr dabei tief in die Augen, Katie sah jedoch stur auf ihre Schreibfeder, die sie in den Fingern herumdrehte, um diesem intensiven Blick zu entgehen, mit dem er sie mehr verwirrte, als ihr lieb war.
„Nein, wir haben noch keinen Erfolg. Du bist ein Quidditchkonkurrent, kein Liebeskonkurrent.“, antwortete sie schließlich, atmete dann einmal tief durch und sah ihn an. „Können wir jetzt mit der Nachhilfe anfangen?“
Adrian breitete gelassen die Hände aus und griff dann zu ihrem Buch. „Alles was du willst, Katie.“
„Nenn mich nicht ... okay, vergiß es. Ich habe gar nichts gesagt.“, murmelte Katie, als sie ihren reflexartigen Protest abbrach und in ihrer Tasche nach einem Blatt Pergament wühlte.
Adrian sah aus den Augenwinkeln zu ihr hinüber und schmunzelte leicht. Es machte ihm einfach einen Heidenspaß, sie auf die Palme zu bringen und er konnte Oliver beim besten Willen nicht verstehen. Wenn er so eine Freundin hätte, wie diese kleine Kratzbürste, dann würde er sich wesentlich mehr um sie bemühen und nicht einfach so zulassen, dass sich jemand anderes sie schnappte. Und er würde sie garantiert nicht mit einem Nachhilfelehrer wie ihm alleine lassen. Er war zwar ein Slytherin, der sich an sein Wort hielt, wenn er es mal gegeben hatte und wie es die Slytherinehre vorschrieb, aber letztendlich war er auch nur ein Mensch. Und Katie war einfach eine zu große Versuchung, um ihr lange widerstehen zu können.
In Gedanken gab er sich selber ein Versprechen. Wenn sie es in den nächsten zwei Wochen nicht schaffen würden, dass Wood ihn zumindest einmal zur Rede stellte oder ihm Prügel anbot, damit er die Finger von seiner Freundin – nicht von seiner Jägerin - ließ, dann würde er aus dem Spiel Ernst machen. Er war ihm schwer genug gefallen, den Kuß vorhin abzubrechen, denn er hatte nichts lieber gewollt, als ihre unbewußte Einladung anzunehmen und ihn zu vertiefen, aber er wußte, dass er dann die Kontrolle verloren hätte. Und das konnte er sich nicht erlauben. Noch nicht, zumindest. In zwei Wochen konnte das schon ganz anders aussehen.
Etwa eine Stunde arbeiteten sie dann tatsächlich konzentriert an den Rezepten, die Katie bisher in diesem Schuljahr zur Verzweiflung gebracht hatten, und Adrian schaffte es sogar, ihr zumindest einige grundlegende Dinge über die Regeln der Zusammensetzung beizubringen.
„Und nicht vergessen: Rauschminzstengel sind keine Ringelblumenstengel und haben nichts, absolut gar nichts in einem Heiltrank zu suchen, okay?“
„Ja, ja. Das habe ich jetzt auch kapiert.“, seufzte Katie, schrieb sich dies aber trotzdem nochmal auf, wobei sie den Satz mit fünf Ausrufezeichen abschloss und verschiedene Wörter dick unterstrich. „Und? Jetzt zufrieden?“
„Für's erste, ja. Frag mich das aber nochmal, wenn du den Trank gebraut hast.“, antwortete er leicht spöttisch grinsend. „Dann kann ich dir genaueres sagen.“
„Idiot!“, knurrte sie und sah wieder auf ihre verstreuten Aufzeichnungen, von denen sie jetzt immerhin einen Bruchteil verstand.
„Na, na, Miss Bell. Nicht den Lehrer beleidigen. Das bringt dich nicht sonderlich weiter und kann im schlimmsten Fall zu Strafarbeiten führen.“, warnte Adrian sie.
Katie warf ihm aus den Augenwinkeln einen spöttischen Blick zu.
„Ich würde jetzt glatt Angst kriegen, wenn du wirklich mein Lehrer wärst, Pucey.“, spottete sie. „Aber um mir Strafarbeiten aufzubrummen fehlt dir noch ein ganzes Stück.“
„Sicher?“, fragte Adrian sie, umfasste ihr Kinn mit zwei Fingern und zwang sie so, ihn anzusehen. „Ich denke, ich habe da so meine ganz eigenen Strafarbeiten, die ich dir aufbrummen könnte, wenn ich wollte.“
„Du wirst mich nicht noch einmal in diese Höllenrutsche stecken, Adrian Pucey.“, warnte sie ihn und funkelte ihn mit blitzenden Augen an. „Sonst prügel ich dich bei erstbester Gelegenheit mit einem der Treiberschläger windelweich.“
„Ich hatte eher an das gedacht, was wir gerade vor dem Krankenflügel gemacht haben.“, flüsterte er, verringerte den Abstand zwischen ihren Gesichtern fast unmerklich und ließ seinen Blick wie zufällig über ihre Lippen gleiten. „Allerdings kommt es mir dann doch kurzfristig so vor, als ob es gar keine so große Überwindung für dich gewesen ist, als wir erstmal damit angefangen hatten, und es nicht wirklich eine Strafe für dich wäre, wenn ich dich hier und jetzt mal richtig küssen würde.“
Katie hatte den merkwürdigen Drang, sich mit der Zunge über ihre plötzlich staubtrockenen Lippen zu fahren. Sie kämpfte krampfhaft dagegen an und versuchte stattdessen durch heftiges Schlucken zumindest den Mund und den Hals wieder mit genug Feuchtigkeit zu versorgen. Allerdings schaffte sie es nicht, ihren Blick von diesen hypnotisierenden tiefblauen Augen abzuwenden, in denen ein Ausdruck lag, den sie nicht so recht deuten konnte.
„Ich könnte es jetzt tun, oder?“, flüsterte er und strich wie zufällig mit seinem Daumen über ihre Unterlippe. „Ich könnte dich jetzt küssen und du würdest es zulassen.“
Doch bevor Katie etwas darauf erwidern konnte, gab es direkt hinter ihr einen lauten Knall, als hätte jemand ein schweres Buch auf eine Tischplatte fallen lassen, und Katie machte zu Tode erschrocken einen Satz rückwärts, der sie fast vom Stuhl geworfen hätte. Das Herz sprang ihr fast aus der Brust und sie drehte sich verwirrt um, um den Grund für die plötzlichen Lärm zu ergründen.
Im nächsten Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher, als dass sie dies nicht getan hätte, denn kaum fünf Meter entfernt saßen Fred, George, Lee, Angelina und Alicia, sahen sie teils ungläubig, teils finster an, und machten vorwurfsvolle Handbewegungen in Richtung Adrian. Peinlich berührt, dass sie sich so wenig unter Kontrolle gehabt hatte, als Adrian seine Spielchen mit ihr gespielt hatte, sah sie wieder weg und sah stattdessen Adrian wieder an.
Dieser schien allerdings kein bißchen peinlich berührt zu sein und auch kein bißchen erschrocken, wie sie feststellte. Ganz im Gegenteil. Er warf den fünf Gryffindors ein herausforderndes Slytheringrinsen zu und sah dann Katie unterdrückt grinsend an.
„Das war alles nur Show, oder?“, fragte sie ihn zischend und warf ihm einen finsteren Blick zu, den Adrian spöttisch erwiderte. „Du hast die ganze Zeit gewußt, dass die da sitzen und hast es absichtlich auf die Spitze getrieben.“
„Natürlich habe ich das.“, gab Adrian gelassen zu und Katie sah ihn ungläubig an.
„Du gibst das einfach so zu?“
„Katie, der ganze Sinn unserer Treffen ist doch, dass wir deinen Loverboy eifersüchtig machen, oder nicht? Also warum regst du dich so auf?“
„Warum ich mich so aufrege?“, fragte Katie und sah ihn verärgert an. „Hast du Oliver hier vielleicht irgendwo gesehen? Also ich nicht. Den wollen wir schließlich eifersüchtig machen und nicht die da.“
Mit ausgestrecktem Arm wies Katie hinter sich, wo ihre Teamkameraden und Lee saßen, doch sie sah Adrian weiterhin verärgert an.
„Was glaubst du, wie echt das ganze hier wirkt, wenn wir immer nur dann miteinander flirten, wenn Oliver irgendwo in der Nähe ist?“, fragte Adrian sie, zog eins der Bücher zu sich heran und blätterte darin rum. „Wenn wir es auch tun, wenn er nicht da ist, sondern nur andere uns sehen, die es ihm dann bei Gelegenheit stecken können, wirkt das sehr viel überzeugender.“ Jetzt sah er sie wieder an. „Und außerdem hatte ich gerade nicht das Gefühl, als ob dir der Flirt unangenehm war, Kitty. Ich hätte dich küssen können und du hättest es zugelassen. Da brauchen wir uns beide nichts vorzumachen. Und ich frage mich wirklich, ob du noch immer ernsthaft Interesse daran hast, Wood eifersüchtig zu machen, so extrem wie du auf mich reagierst. Aber lassen wir das Thema. Wir haben noch einiges durchzukauen, bevor ich dich für heute entlassen kann. Lies dir dieses Rezept mal durch und sag mir, was du bei der Zubereitung beachten mußt. Und zwar ohne in die Anweisungen zu spicken.“
Katie warf ihm noch einen wütenden Blick zu, vertiefte sich aber dann in das Rezept, über dessen Brauanleitung Adrian ein Pergament gelegt hatte, damit sie nicht spicken konnte. Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre sie jetzt aufgestanden und gegangen, aber sie wußte genau, dass sie dann innerhalb von knapp fünf Minuten von ihren Teamkameraden in die Mangel genommen werden würde. Und danach stand ihr der Sinn noch weniger. Sie hatte also die Wahl zwischen Pest und Cholera und sie entschied, dass ihr die Pest im Moment wesentlich besser gefiel, als die Cholera.
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