
von KitKat2006
Ganze drei Tage lang schaffte Katie es, Fred, George, Lee, Alicia und Angelina aus dem Weg zu gehen. Beim Training schwieg sie stur, wenn einer der vier Quidditchspieler versuchte, sie darauf anzusprechen und antwortete ihnen nur, wenn es etwas direkt mit Quidditch zu tun hatte. Und nach dem Training war sie so schnell aus dem Umkleideraum verschwunden, dass Alicia und Angelina es nicht mal mitbekamen, da sie noch unter der Dusche standen – die Katie hier ausfallen ließ und in ihrem Badezimmer im Gryffindorturm nachholte. Ausnahmsweise war sie mal froh, dass sie mit Alicia und Angelina nicht auch noch den Schlafsaal teilte, denn sonst wäre es ihr nicht so leicht gelungen, Antworten auf deren Fragen aus dem Weg zu gehen.
Oliver dagegen lief derweil zur Höchstform auf. Er brütete immer mehr verrückte und komplizierte Manöver aus, um die Slytherins raffiniert auszuspielen und in Grund und Boden zu fliegen, und bekam so kaum mit, dass Katie sich in diesen Tagen ein wenig merkwürdig benahm.
Matt und David dagegen bekamen sehr wohl mit, was um Katie herum geschah, denn sie beobachteten sie und Adrian - und auch Oliver - seitdem Katie sich auf die Eifersuchtssache eingelassen hatte, ganz genau. Und das was sie sahen, gefiel ihnen nicht wirklich. Dies lag hauptsächlich an Oliver, der scheinbar von völliger Blindheit befallen war, was seine Freundin anging. Und seit ein paar Tagen wohl auch von kompletter Taubheit, denn der Gerüchtekessel brodelte immer heißer, da nicht nur Katies Freunde die Szene in der Bibliothek mitbekommen hatten, sondern auch noch ein paar andere. Und dass Katie und Adrian immer wieder dort zusammen saßen oder sich in den Kerker zum Üben zurückzogen, tat sein übriges, um den Gerüchtekessel bis kurz vor die Explosionsgrenze zu treiben.
Am Freitag war es dann doch soweit. Es knallte im Gryffindorgemeinschaftsraum, und zwar gewaltig. Oliver kam mit so einem finsteren Gesichtsausdruck in den Gemeinschaftsraum gestürmt, dass ein paar aus den unteren Klassen verschreckt auseinander stoben.
„KATIE? WO STECKST DU?“
Aus einem der Sessel tauchte ein blonder Haarschopf auf und drehte sich mit verblüfftem Gesichtsausdruck zu ihm um.
„Kannst du mir mal erklären, was hier los ist?“ Oliver stand jetzt vor ihr und sah vorwurfsvoll auf sie runter. „Ich bin heute insgesamt acht mal gefragt worden, ob du Schluß gemacht hast oder ich, und ich habe insgesamt ... keine Ahnung wieviele ... Einladungen nach Hogsmeade von irgendwelchen dauerkichernden Gänsen bekommen, weil ich ja jetzt wieder zu haben bin. Habe ich hier was verpaßt, oder was? Seit wann, zum Henker nochmal, bin ich wieder zu haben?“
Katie starrte ihn vollkommen überrumpelt an, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst, Oliver. Solange du nicht Schluß gemacht hast, hat sich bei uns nichts geändert. Nicht das geringste. Denn ich habe garantiert nicht Schluß gemacht.“
„Und warum dann diese ganzen wilden Gerüchte?“, hakte Oliver nach und fuchtelte wild mit den Armen in der Luft herum. „Ganz Hogwarts zerbricht sich den Kopf über mein Liebesleben, obwohl da alles in bester Ordnung ist. Was soll der Quatsch? Ich schwöre dir, wenn das irgendein hinterhältiger Trick der Slytherins ist, um Unruhe in unser Team zu bringen, damit wir das nächste Spiel verhauen, drehe ich Flint höchstpersönlich den Hals um.“
Aus den Augenwinkeln sah Katie wie Matt sich mit einem seiner Schulbücher vor die Stirn schlug und David gequält die Augen zur Decke verdrehte und die Hände über dem Kopf zusammen schlug. Sie konnte es ihnen nachfühlen. Sie selber würde im Moment wohl beides tun, wenn sie nicht so sehr damit beschäftigt wäre, Oliver entgeistert anzusehen.
Mit ihrer Beziehung war also alles in bester Ordnung? Wieso, bei Merlins extralangen Baumwollunterhosen, spielte sie dann Spielchen mit Adrian, bei denen sie regelmäßig Gefahr lief, sich zu verbrennen? Nach dem Vorfall in der Bibliothek vor knapp einer Woche hatte Adrian es immer wieder soweit auf die Spitze getrieben, dass Katie teilweise nicht mehr ein noch aus wußte, und nur die Tatsache, dass er regelmäßig die Notbremse zog, bewahrte sie davor, Oliver wirklich zu betrügen. Von dem Kuß vor dem Krankenflügel mal abgesehen, der im Nachhinein betrachtet dann doch eher harmlos gewesen war.
Und Oliver hatte es nicht mal gemerkt, dass da scheinbar jemand anderes in seinem Revier wilderte, sondern dachte immer noch, dass in seinem – ihrem – Liebesleben alles in bester Ordnung war. Es war kaum zu glauben.
„Was ist?“, fragte er sie jetzt irritiert und fuhr sich unsicher durch die Haare. „Habe ich irgendwas im Gesicht oder in den Haaren?“
Katie schüttelte den Kopf und schnaubte frustriert. „Nein, Oliver. Du siehst gut aus, wie immer. Was machst du nachher noch? Ich habe ausnahmsweise mal einen Abend frei. Keine Hausaufgaben, keine Nachhilfe, kein Training. Hast du Lust, nachher einen Spaziergang um den See zu machen?“
„Ja, können wir machen.“, stimmte Oliver ihr zu und ließ sich in einen der anderen Sessel fallen. All seine Gereiztheit war mit einem Schlag aus ihm gewichen, wie Luft aus einem Luftballon. „Aber nicht den ganzen Abend über. Im Gegensatz zu dir habe ich nicht den ganzen Abend frei.“
„Hausaufgaben?“, fragte Katie und sah ihn mit geneigtem Kopf an, doch Oliver schüttelte den Kopf.
„Kapitänspflichten“, antwortete er lächelnd. „Wir haben bald ein Spiel gegen Slytherin. Schon vergessen?“
Katie stöhnte frustriert auf und verdrehte die Augen jetzt doch gen Decke. „Wenn ich das man hin und wieder mal könnte.“, murmelte sie leise vor sich hin.
„Was?“, fragte Oliver sie und setzte sich ein wenig auf. „Du redest zu leise. Ich habe dich nicht verstanden.“
„Nicht so wichtig.“, winkte Katie ab und stand auf. „Ich habe Hunger. Kommst du mit runter?“
„Klar“, meinte Oliver und stand ebenfalls auf. „Laß uns runtergehen und diesen Klatschtanten zeigen, dass wir immer noch ein glückliches Paar sind.“
Katie sagte darauf nichts. Begeistert war sie von dieser Idee nicht, fand aber auch nicht wirklich was dagegen zu sagen, dass Oliver ihr, sobald sie aus dem Portraitloch rausgeklettert waren, demonstrativ den Arm um die Schulter legte und jedem, der ihnen einen verwunderten Blick zuwarf, einen finsteren Blick zurück gab. Allerdings mußte sie dazu auch all ihre Beherrschung aufbringen, um nicht doch noch zu explodieren. Im Augenblick verstand sie sich halt selber nicht.
***
In der Großen Halle sorgte ihre unerwartete Vertrautheit für einiges Getuschel. Vor allem von dem Moment an, wo Oliver sich in den Kopf gesetzt hat, Wurfübungen einzuschieben, und Katie ihm schicksalsergeben verschiedene Stückchen Kartoffel, Gemüse und Bratwürstchen in den Mund werfen sollte. Anfangs verdrehte sie noch die Augen, aber schon bald hatte der Spaß die Oberhand gewonnen und sie warf in immer höheren Kurven das Essen zu ihm rüber. Oliver fing viel, aber nicht immer und so schwammen schließlich einige dieser Wurfgeschosse in den Kürbissaftbechern ihrer Tischnachbarn. Nicht alle waren begeistert darüber, Fred trank jedoch schulterzuckend seinen Becher komplett leer, nachdem er darin zwei Stückchen Bratwurst, eine breiig auseinander gefallene Kartoffel und ein Brokkoliröschen gefunden hatte.
„Hmm“, kaute er und setzte ein nachdenkliches Gesicht auf. „Nicht schlecht, aber ich glaube, beim nächsten mal sollte es ein wenig mehr Brokkoli und weniger Kartoffel sein.“
„Fred, du bist ein Ekel.“, meinte Angelina und schob angewidert ihren Becher von sich, in dem der Saft vor lauter Kartoffelpampe kaum noch zu erkennen war.
„Ich bin ekelig?“, empörte sich Fred. „Spiele ich hier mit dem Essen, oder was?“
„Ich habe nicht gesagt, dass Katie und Oliver soviel besser sind, aber die trinken dieses ... Gepampe wenigstens nicht auch noch.“
Katies Blick war unterdessen ziellos durch die Große Halle gewandert, wo sie auf viele ungläubige Blicke stieß. Einige der penetrantesten von ihnen – allesamt von aufgetackelten Fünft- bis Siebtklässlerinnen aus Olivers inoffiziellem Fanclub – beantwortete sie mit einem spöttischen Augenbrauenhochziehen. Als ihr Blick schließlich auch über den Slytherintisch wanderte, begegnete sie allerdings einem Blick, der anders war, als die der unzähligen anderen Schüler.
Ein spöttisches Funkeln lag in Adrians tiefblauen Augen, die sie sogar auf diese Entfernung erkennen konnte, und eine Augenbraue war fragend hochgerutscht. Seine Ellenbogen hatte er auf dem Tisch aufgestützt und mit unendlicher Langsamkeit schob er sich eine Gabel voll Kartoffeln in den Mund, um sich danach genüßlich über die Lippen zu lecken und ihr zum Schluß einen provokanten Kuß zuzuwerfen. Katies Reaktion war ein halb unterdrücktes, frustriertes Stöhnen und ein genervtes Augenverdrehen.
„Was ist? Zu wem siehst du da rüber?“, fragte Oliver sie neugierig und drehte sich um, um seinen Blick ebenfalls über die Menge schweifen zu lassen. Adrian hatte aber inzwischen den Blick abgewandt und deshalb zuckte Katie lediglich mit den Schultern.
„Niemand bestimmtes.“, meinte sie und griff nach ihrem eigenen Becher, aus dem sie ganze drei Brokkoliröschen herausfischte, bevor sie ihn ansetzte. „Nur die Nervensägen im Allgemeinen.“
„Verstehe.“, nickte Oliver wissend. „Die scheinen alle wirklich sehr verblüfft darüber zu sein, dass wir doch noch zusammen sind. Ich möchte wirklich wissen, wer oder was ihnen diesen Quatsch in den Kopf gesetzt hat.“
Katie zuckte mit den Schultern, als Oliver sich nochmal kopfschüttelnd umsah.
„Niemand bestimmtes, hm?“, flüsterte jemand neben Katie, der sich zu ihr rüber gebeugt hatte und sich schließlich als Lee entpuppte. „Du kannst Oliver vielleicht für dumm verkaufen, aber uns nicht, Katie. Was läuft da zwischen dir und Pucey?“
Mit einem gefährlichen Glitzern in den Augen sah Katie Lee an, doch dieser war regelmäßige Morddrohungen von Angelina, Filch und Snape gewöhnt und ließ sich durch ihren Blick nicht beeindrucken.
„Er gibt mir Nachhilfe in Zaubertränke.“, antwortete sie gelassen und hielt seinem durchdringenden Blick stand, auch wenn es ihr nicht gerade leicht fiel.
„Ja sicher.“, gab Lee nicht sehr überzeugt von sich und wandte sich wieder seinem Abendessen zu. „Was auch immer das werden soll, Katie, treibe es nicht zu weit. Oliver ist zwar in vielem ein wenig blind und taub, aber er ist nicht blöd, und es gibt einen guten Grund, dass er keinem Slytherin traut. Die haben schließlich noch nie fair gespielt. Egal um was es geht.“
„Lee Jordan“, platzte Katie jetzt doch der Kragen und sie stellte mit einem Knall ihren Becher wieder ab, dass alle im näheren Umkreis – mit Ausnahme von Lee, der seelenruhig weiter aß – zu Tode erschrocken zusammen zuckten. „Es geht dich absolut nichts an, was ich tue, warum ich es tue und mit wem ich es tue. Also halte dich aus meinen Angelegenheiten raus, verstanden?“
„Vollkommen verstanden.“, antwortete Lee ungerührt. „Ich wollte dir nur einen freundschaftlichen Rat geben. Ob du ihn annimmst oder nicht, bleibt dir überlassen.“
„Ich glaube, ich habe genug für heute Abend.“, meinte Katie, der es inzwischen den Appetit leicht verhagelt hatte. „Bist du fertig, Oliver? Dann können wir gleich rausgehen.“
„Sicher, ich bin satt genug.“, meinte Oliver und warf Lee noch einen fragenden Blick zu, den dieser aber nur mit einen abwehrenden Geste beantwortete und sich dann in ein Gespräch mit George vertiefte.
„Was war das gerade mit Lee?“, fragte Oliver sie, als sie die Große Halle verließen.
„Nichts“, antwortete Katie leicht genervt. „Das war nur Lee in seiner typisch nervigen Art.“
„Verstehe.“, nickte Oliver und schüttelte dann den Kopf. „Oder eigentlich auch nicht, aber das ist ja auch egal. Lee zu verstehen ist zwar leichter, als die Weasleys zu verstehen, aber das heißt immer noch nicht, dass es wirklich leicht ist.“
„Du sagst es.“, seufzte Katie, stieß die Außentür auf und ging die Treppe zu den Ländereien runter. „Aber laß uns aufhören über Lee oder sonstwen zu reden. Wir haben viel zu selten Zeit, um einfach mal nur für uns zu sein.“
„Sehr gute Idee.“, stimmte Oliver ihr zu, legte ihr einen Arm um die Schulter, zog sie an sich und schlug den Weg zum See ein.
Der Spaziergang dauerte jedoch nicht lange. Sie waren gerade mal ein paar Meter am Seeufer entlang gegangen, als Ravenclaw-Kapitän Roger Davies sie eingeholt hatte und ziemlich außer Atem um einen Moment unter vier Augen mit Oliver bat. Katie konnte daraufhin nur resigniert und humorlos auflachen, wünschte Oliver viel Erfolg beim Ränke schmieden gegen die Schlangen und ging ohne sich nochmal umzudrehen davon. Oliver reagierte erst nach wenigen Sekunden, rief ihr fragend nach, ob es denn wirklich okay wäre, wenn er kurz mit Roger sprach und dass sie doch deshalb nicht gehen müßte. Doch Katie reagierte darauf nur mit einem unbestimmten „Laß dich nicht aufhalten. Quidditch ist schließlich wichtig. Ich kann warten.“ und mußte schwer an sich halten, Oliver nach seinem hochzufriedenem Gesichtsausdruck auf ihre Antwort nicht an den Hals zu springen und ihn eben diesen langsam und genüsslich umzudrehen.
Am Portal angekommen drehte sie sich nochmal um, und sah, wie Oliver und Roger schon rege ins Gespräch vertieft in Richtung Stadion davon zogen. Kopfschüttelnd drehte sie sich wieder um und stemmte das riesige Eichenportal auf.
„Warum wundere ich mich immer noch darüber?“, murmelte sie vor sich hin und achtete dabei kaum darauf, wo sie hinlief. Mit fatalen Folgen, denn so übersah sie ein herrenlos auf dem Boden liegendes Tintenfass, trat drauf, verlor das Gleichgewicht, als das Glasfäßchen auf dem harten Steinfußboden wegglitt und ruderte erschrocken aufschreiend mit den Armen.
„Holla, Ms. Bell.“, meinte im nächsten Moment jemand hinter ihr, der sie reflexartig aufgefangen hatte. „Immer langsam mit den jungen Hippogreifen. Ich habe zwar nichts dagegen, wenn mir hübsche Frauen in die Arme fallen, aber sie müssen sich dabei nicht unbedingt meinetwegen den Hals brechen.“
Katie schnaubte und entzog sich Adrians festem, aber dennoch für einen Slytherin ungewöhnlich sanftem Griff, nachdem er sie wieder in eine aufrechte Position gebracht und sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden hatte. Mit geschlossenen Augen tief durchatmend drehte sie sich langsam zu ihm um und sah ihn schließlich ausdruckslos an. Schließlich nickte sie und fuhr sich resigniert mit einer Hand durch die Haare.
„Danke“, meinte sie leise, grinste ihn ein wenig schief an und drehte sich um, um ihren Weg in den Gryffindorturm fortzusetzen, wo sie ein viel zu langer und langweiliger Abend erwarten würde.
Adrian sah ihr mit irritiertem Gesichtsausdruck nach und wußte nicht recht, was er von diesem völlig emotionslosen Verhalten der sonst so feurigen Gryffindor halten sollte. Er runzelte die Stirn und dachte darüber nach, was in der Viertelstunde seit ihrem heimlichen Spontanflirt quer durch die Große Halle wohl geschehen sein mag.
'Ich habe sie provoziert, sie hat darauf reagiert, Wood war mal wieder vollkommen blind, aber dieser Jordan hat was gemerkt. Er hat sie zur Rede gestellt, sie hat ihn abgekanzelt, hat sich Wood gekrallt und ist aus der Großen Halle verschwunden. Und so wie es aussah, haben sie sich heute Abend recht gut verstanden. Ungewöhnlich gut, wenn man bedenkt, wie die Buschtrommeln hier in den letzten Tagen arbeiten. Was zum Henker hat dieser Kerl also wieder angestellt, um sie in einen Inferi auf Automatikbetrieb zu verwandeln? Halt! Moment mal! Dieser Davies ist kurz nach den beiden ziemlich überstürzt aus der Großen Halle verschwunden. Kann der was damit zu tun haben? Hat dieser vollkommen dämliche Wood Katie mal wieder wegen einer ach-so-wichtigen Quidditchsache abserviert? Ich drehe ihm den Hals um, wenn das so ist. Ich lasse nicht zu, dass dieser Mistkerl sie vollkommen todunglücklich macht. Ganz sicher nicht.'
Mit entschlossener Miene drehte er sich schließlich um und machte sich auf den Weg in Richtung Kerker. Katie dagegen war längst auf der großen Marmortreppe im Gewühl der nach oben strömenden Schüler verschwunden.
***
In den folgenden Tagen funktionierte Katie einfach nur. Den Samstag und Sonntag verbrachte sie hauptsächlich im Schlafsaal oder im Gemeinschaftsraum, machte Hausaufgaben, räumte ihren Kleiderschrank auf, der es dringend nötig hatte, las endlich das Buch, dass sie sich beim letzten Ausflug nach Hogsmeade gekauft hatte und gönnte sich am späten Sonntag Nachmittag eine einstündige Dauerdusche, während sie zu ergründen versuchte, an welchem Punkt ihr Liebesleben so vollkommen auf die schiefe Bahn abgedriftet war. Zu einem Ergebnis kam sie nicht und so kroch sie schließlich leicht verstimmt ins Bett und schlief bis zum Montag morgen durch.
Ob es nun daran lag, dass sie das Abendessen hatte ausfallen lassen oder dass sie ihre ergebnislose Grübelei unter der Dusche immer noch nicht losgelassen hatte, wußte sie nicht. Jedenfalls erwachte sie am Montag morgen mit bohrenden Kopfschmerzen und völlig gerädert. Die Nacht war angefüllt gewesen mit merkwürdig irritierenden Träumen, in denen sich braune, wirre Haare und ein angenehmer schottischer Akzent mit spöttischen Lachern und tiefblauen Augen abwechselten.
Völlig fertig quälte sie sich aus dem Bett und ins Badezimmer, wo sie auch nach einer eiskalten Dusche nicht wirklich wacher und kopfschmerzenfreier wieder herauskam. Leanne und Caroline warfen ihr irritierte Blicke zu, doch Katie ignorierte sie weiterhin, so wie sie es schon das ganze Wochenende hindurch mit mehr oder weniger großem Erfolg getan hatte. Ihre anderen beiden Mitbewohnerinnen waren ihr im Moment wesentlich lieber, und das ganz einfach aus dem Grund, weil sie noch nie viel miteinander zu tun gehabt hatten und sich einfach nur höflich aus dem Weg gingen. Nerv mich nicht, dann nerve ich dich nicht, war das Motto der drei untereinander, und es funktionierte prächtig.
Beim Frühstück war es dann jedoch vorbei mit dem erfolgreichen ignorieren der Umwelt, denn Lee ließ sich ihr gegenüber am Tisch auf die Bank fallen und starrte sie so durchdringend an, dass sie schließlich übertrieben fragend die Augenbraue hob, ihn jedoch weiterhin stur anschwieg.
„Was läuft hier?“, fragte er sie gerade heraus. „Und jetzt sag nicht, hier würde nichts laufen. Hogwarts besteht seit einer geschlagenen Woche aus Möchtegern-Spionen. Jeder kleine Oliver-Fan läuft mit hauselfengroßen Augen und Ohren wie Rhabarberblättern durch das Schloss, und die Allgemeinheit der Gryffindors hat sich ihnen inzwischen angeschlossen.“
Katie schnaubte und rührte missmutig mit ihrem Löffel durch ihre Müslischüssel, von der sie höchstens zwei Löffel voll gegessen hatte. Ihr wäre es wesentlich lieber gewesen, wenn man sie einfach nur in Ruhe ließ, doch Lee dachte gar nicht daran.
„Ich habe von den Gerüchten, die bis Freitag durch die Gänge wabberten kaum was geglaubt. Es war zwar kaum zu übersehen, dass es zwischen dir und Oliver in Beziehungsdingen im Moment nicht ganz so läuft, aber das habe ich auf die Schule und das extreme Training vor dem großen Spiel geschoben. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es zwischen euch grundsätzlich nicht rund laufen soll. Zumindest nicht so, dass du dich gleich einer der Schlangen an den Hals schmeißt, aber scheinbar habe ich mich da geirrt, oder? Was läuft da zwischen dir und Pucey, Katie?“
Lee sah Katie immer noch durchdringend an und die hielt es schließlich nicht mehr aus und knallte ihren Löffel mit soviel aufgestauter Wut in ihre Müslischüssel, dass die Milch nur so spritzte.
„Na toll.“, brauste sie auf und sah Lee so finster an, dass dieser jetzt doch leicht irritiert blinzelte. Aber dies war auch die einzige Reaktion, die er zuließ. „Wie kommt es eigentlich, dass hier scheinbar jeder sieht, dass in meinem Liebesleben etwas nicht ganz rund läuft, dass sich jeder fragt, ob es wohl nur Nachhilfestunden in Zaubertränke sind, die Adrian mir gibt, nur mein Freund nicht, der es eigentlich als erster merken müßte? Und wieso bist ausgerechnet du es, der mich zur Rede stellt, was zwischen mir und Adrian läuft, und nicht er?“ Katie fuchtelte wild mit den Händen durch die Luft und merkte gar nicht, dass sie langsam aber sicher leicht hysterisch wurde. „Warum hat dieser scheißverfluchte Schotte immer nur Quidditch im Kopf und macht sich höchstens Gedanken darum, dass die Schlangen eventuell dabei sind, eine seiner Jägerinnen zu manipulieren, statt mal die Augen aufzumachen, um zu sehen, was hier wirklich läuft? Kannst du mir das vielleicht mal verraten?“
„Und was läuft hier wirklich?“, fragte Lee und stützte abwartend den Ellenbogen auf den Tisch und das Kinn in die Hand. „Was läuft da wirklich, wenn du dich mit diesem Pucey in die Bibliothek oder den Zaubertränkekerker verkriechst? Geht es wirklich um deine zugegebenermaßen recht bescheidenen Leistungen in Zaubertränke oder geht es vielleicht viel mehr einfach nur darum, Oliver mit ihm ein wenig eifersüchtig zu machen?“
Vollkommen überrumpelt starrte Katie ihn an und verstand die Welt nicht mehr. Wieso stellte ausgerechnet Lee sie zur Rede und nicht Oliver? Wo war Oliver an diesem Morgen überhaupt? Wo war er das ganze Wochenende über gewesen? Sie hatte zwar nicht wirklich auf ihn geachtet, aber jetzt war sie doch leicht irritiert, was ihren – zumindest noch offiziellen – Freund betraf. Und vor allem war sie irritiert was Lee betraf. Was ging ihn diese ganze Sache überhaupt an? Warum mischte ausgerechnet er sich ein? Schön und gut, sie waren befreundet, aber schließlich ließen Leanne und Caroline sie auch relativ in Ruhe, was die ganze Adrian-Sache betraf. Und ihre Teamkollegen auch, denn die hatten es inzwischen wieder aufgegeben, sie zum reden zu bringen, und hatten sich lediglich auf nervendes auffälliges Überwachen beschränkt. Sie waren da, egal wo auch nur die geringste Chance bestand, dass sie und Adrian aufeinander treffen konnten, aber keiner von ihnen hatte sie je so offen zur Rede gestellt wie Lee es ab und an tat. Keiner von ihnen hatte ihr bisher so deutlich auf den Kopf zugesagt, was sie davon hielten und was sie vermuteten, wie Lee. Und was das schlimme an dieser Situation mit Lee war, war, dass er mit allem was er sagte den Nagel auf den Kopf traf. Er hatte sie vollkommen durchschaut und wartete nun auf eine Erklärung, auf die er eigentlich kein Recht hatte.
„Weißt du was, Lee?“, fragte sie ihn schließlich mit viel zu ruhiger Stimme. „Was zwischen Adrian und mir läuft geht dich noch weniger was an, wie das, was zwischen Oliver und mir läuft. Kümmere dich um deine eigenen Angelegenheiten und lass mich in Ruhe.“
Sie schob ihre Müslischüssel von sich und stand auf. Nach einem letzten finsteren Blick auf Lee schnappte sie sich ihre Schultasche und verließ die Große Halle. Doch Lee ließ sich nicht einfach so abspeisen.
„Es mag mich zwar nichts angehen, was in deinem Liebesleben so läuft, Katie“, rief er ihr laut und deutlich nach und sorgte so dafür, dass sich viele Köpfe erst zu ihm und dann zu Katie umwandten und sie allesamt fragend ansahen, „aber du wirst mir nicht verbieten können, dass ich mir Sorgen um eine gute Freundin mache, wenn sie berechtigt sind.“
„Was bitteschön ist an dieser Sache ein berechtigter Grund, um sich Sorgen zu machen, Lee?“, schoss sie schließlich genervt zurück. „Du mischt dich in etwas ein, was dich nichts angeht.“
„Es geht mich verdammt nochmal eine Menge an, wenn sich einer meiner Freunde auf Spielchen mit einem Slytherin einläßt, über die sie absolut keine Kontrolle hat.“, gab er zurück und jetzt lag ein leicht verärgerter Unterton in seiner Stimme. „Oliver hin oder her, ich will nicht, dass du am Ende zum Spielball der Schlangenmeute wirst, Katie. Und ob du es nun hören willst oder nicht, aber genau darauf läuft es im Moment hinaus.“
Katie sah ihn einen Moment lang überrumpelt an, schüttelte dann jedoch den Kopf und drehte sich um, um ihren Weg fortzusetzen.
„Glaub doch was du willst. Ich bin definitiv alt genug, um solche Entscheidungen selber zu treffen.“ An der Tür drehte sie sich aber nochmal um und sah Lee durchdringend an, der sie jetzt deutlich verärgert ansah. „Und wenn du es ganz ehrlich wissen willst, fühle ich mich in Adrians Gegenwart im Moment deutlich wohler als in Olivers oder deiner. Denn er macht mir im Gegensatz zu euch jedenfalls nichts vor.“
„Er spielt nur mit dir, Katie.“, platzte Lee jetzt der Kragen, was für deutliches Geraune von den Tischen der Gryffindors, Ravenclaws und Hufflepuffs, und für amüsiertes Gejohle aus Richtung Slytherinteil der Großen Hallle sorgte.
„Das weiß ich, Lee.“, fauchte Katie jedoch zurück, und brachte das Geraune und Gejohle damit auf recht astronomische Höhen.
Mit einem lauten Knall warf sie die Tür ins Schloss und lehnte sich durchatmend dagegen.
„Ich weiß, dass er nur mit mir spielt. Da hat er mir schließlich nie was vorgemacht.“, murmelte sie leise und mit geschlossenen Augen. 'Ich wünschte nur, er würde es nicht tun, sondern es ernst meinen. Ich gebe es nämlich nur ungern zu aber ich glaube, so langsam verliebe ich mich in diesen Kerl.'
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