
von KitKat2006
An dieser Stelle möchte ich mich mal ganz lieb für eure wirklich tollen Reviews bedanken. Ich liebe jede einzelne von ihnen und freue mich, dass euch diese Gesychichte so gefällt. Sie ist von all den vielen HP-Geschichten (egal ob OS oder Mehrteiler) im Moment meine Lieblingsgeschichte. Also ganz, ganz lieben Dank für eure Treue.
Insgesamt wird es übrigens 11 Kapitel geben. Und sie sind alle schon fertig geschrieben und warten nur darauf, hochgeladen zu werden. Dass es öfter mal ein wenig dauert, liegt einfach nur daran, dass ich oftmals zu faul dazu bin. Tretet mir also ruhig mal virtuell in den Hintern, wenn es zu lange dauert. Ich bin dann einfach mit anderen Dingen zu sehr beschäftigt oder, wie schon gesagt, gerade einfach zu faul zum hochladen.
Und jetzt viel Spaß beim weiterlesen.
***
Es war der Dienstag vor dem großen Finale und das Gryffindorteam saß vollkommen ausgepowert in der Kabine. Sie hatten ein wirklich hartes Training hinter sich – Oliver hatte sie wirklich nicht geschont -, doch alle hatten das Gefühl, dass sie am Samstag nicht zu schlagen sein würden. Zwar hatten sie keine Ahnung, wie die Slytherins drauf sein würden, aber sie selber fühlten sich unbesiegbar und sie wußten, dass sie es den Slytherins verdammt schwer machen würden.
Oliver war gleich nach dem Training unter die Dusche verschwunden, von wo er blitzschnell wieder auftauchte, nur um in sein Kapitänsbüro zu verschwinden. Katie sah ihm kopfschüttelnd nach, als sie sich langsam aus ihrer Ausrüstung schälte, dabei ihre geschundenen Glieder vorsichtig kreisen ließ und schließlich nach Duschzeug, Handtuch, frischer Unterwäsche und T-shirt griff, und in den angrenzenden Mädchenduschraum verschwand. Angelina und Alicia waren bereits dort und hatten für dichte Nebelschwaden gesorgt, die kaum zu durchdringen waren. Mädchenhaftes Gekicher kaum aus dieser Nebelwand, das so gar nicht zu den knallharten Quidditchjägerinnen passen wollte, die sie noch vor kurzen da draußen im Stadion gewesen waren.
„Sagt mal, haben Fred und George euch irgendetwas ins Duschgel gemischt oder warum gackert ihr wie die Hühner?“, rief sie stirnrunzelnd in die Nebelwand hinein, als sie sich unter eine der freien Duschen stellte und diese aufdrehte.
„Nein, haben sie nicht.“, gab Angelina zurück und brach gleich darauf wieder in unterdrücktes Gekicher aus.
„Zumindest nicht dass wir wüßten.“, kam der Zusatz von Alicia, was jetzt wieder für heftiges Gekicher sorgte.
„Da wäre ich mir nicht so sicher.“, murmelte Katie vor sich hin, warf einen skeptischen Blick auf ihr eigenes Duschgel, stellte es entschlossen auf den Boden – ihr Bauch erzählte ihr durchaus, wachsam zu sein – und schäumte sich Haare und Körper ersatzweise gründlich mit Shampoo ein.
„Sag mal, ist Oliver schon mit dem Duschen fertig?“, rief Angelina in die Nebelschwaden hinein und Katie runzelte abermals fragend die Stirn.
„Ja“, rief sie zurück. „Ich bezweifle allerdings, dass er dabei sonderlich viel Wasser abbekommen hat, so schnell wie er wieder da war.“
„Naja, vielleicht hat er ja noch was vor.“, entgegnete Angelina, und Katie horchte auf, als sie einen lauernden Unterton in der Stimme der Freundin hörte. Alicia brach derweil wieder in unterdrücktes Gekicher aus, was Katie noch skeptischer machte.
„OK, was ist hier los?“, fragte sie deshalb und lugte um die Ecke in Angelinas Duschkabine hinein. Diese sah sie breit grinsend an und fing auffällig unauffällig an zu pfeifen, während sie sich ihre Haare gründlich ausspülte. Es war Alicia, die jetzt breit grinsend aus ihrer Duschkabine trat, von der die Antwort kam. Oder die zumindest Andeutungen machte.
„Naja, sagen wir mal so“, meinte sie scheinbar sehr nachdenklich, doch Katie merkte schnell, dass dies alles nur Show war. Dazu kannte sie Alicia und auch Angelina inzwischen viel zu gut, „Fred und George haben da vor einigen Tagen ein Gespräch zwischen ihm und unserem Hausdrachen so halb mitbekommen.“
„So halb mitbekommen, so so.“, murmelte Katie, forderte Alicia jedoch mit einer Geste auf, weiter zu reden.
„Ja, so halb.“, bestätigte Alicia nickend und grinste breit. „Alles haben sie nicht mitbekommen, dazu kamen sie nicht nahe genug ran. Aber was sie mitbekommen haben, ist, dass Oliver wohl heute Abend vor hat, in den Drei Besen zu Abend zu essen und dass er das wohl nicht alleine vor hat. Zumindest hat die McGonagall ihm breit lächelnd die Erlaubnis erteilt, dieses Abendessen stattfinden zu lassen und hat ihm einen schönen und erfolgreichen Abend gewünscht. Und jetzt rate mal, mit wem er da hin will?“
„Keine Ahnung.“, gab Katie zurück, doch in ihrem Magen machte sich gerade eine ganze Hippogreifherde selbstständig. Heute war ihr Geburtstag und Oliver hatte ihn den ganzen Tag über noch nicht erwähnt. Bisher war sie verärgert gewesen, da sie die leise Befürchtung hatte, dass er ihn völlig vergessen hatte, aber scheinbar hatte er eine ganz besondere Überraschung für sie geplant. Und wenn das so war, verzieh sie ihm die bisherige Ignoranz dieses für sie so besonderen Tages vollkommen.
„Jetzt spiel hier nicht die Ahnungslose. Das nehmen wir dir sowieso nicht ab.“, brummte Angelina sie an und verpaßte ihr einen freundschaftlichen Klaps auf den Hinterkopf. „Sieh lieber zu, dass du fertig wirst, sonst verpaßt du noch deine eigene Geburtstagsüberraschung. Was glaubst du denn, warum er so in Eile ist? Und warum Fred, George, Harry, Alicia und ich uns auch so beeilen, hier zu verschwinden?“
Katie sah verdutzt von einer Freundin zur anderen, bevor ein breites Grinsen über ihr Gesicht lief. Fröhlich vor sich hin pfeifend verschwand sie wieder unter ihrer eigenen Dusche und überlegte sich gleichzeitig, ob ihre mitgebrachten Klamotten wohl für ein Überraschungsdate das richtige waren oder ob sie sich noch umziehen mußte. Doch sie schloss, wenn Oliver ihr schon überhaupt nichts sagte, dass er sich halt mit dem zufrieden geben mußte, was sie so spontan an hatte.
Kurze Zeit später hörte sie, wie die Tür zum Duschraum zu schlug und wußte, dass sie alleine war. Und als sie schließlich in frischer Unterwäsche und ebenso frischem T-shirt, aber noch immer feuchten Haaren wieder zurück in die Kabine kam, verließ gerade George als letzter die Kabine, zwinkerte ihr noch mit einem breiten Grinsen zu und raunte ihr mit einem Seitenblick auf die immer noch verschlossene Tür des Kapitänsbüros ein „Viel Spaß“ zu. Im nächsten Moment war er verschwunden. Sie selber ließ sich Zeit beim Anziehen, damit sie nicht rumlungern mußte, wenn er endlich auftauchte. Immerhin sollte Oliver nicht merken, dass sie auf ihn wartete, denn dann würde er merken, dass sie etwas ahnte.
Sie freute sich auf diesen Abend, auch wenn sie sich fragte, wie dieser Stimmungswechsel bei Oliver so plötzlich zustande gekommen war. So kurz vor dem großen Finalspiel hatte sie mit einem Abend nur für sie und völlig ohne Quidditch, Taktikbesprechungen oder Slytherins ausspionieren gar nicht gerechnet. Hatte ihre Ansprache im Krankenflügel vor kurzem vielleicht im Nachhinein doch noch Wirkung gezeigt? Sie hoffte es. Zwar würde ein schöner Abend sie nicht für monatelanges Theater und Zurückschieben für Quidditch entschädigen, aber es war zumindest ein Anfang.
Sie war gerade dabei, sich mit ihrem Zauberstab die Haare zu föhnen – mit einem dieser wirklich praktischen Zaubersprüche, den man als Hexe im Teenageralter sehr schnell drauf hatte – als die Tür zum Kapitänsbüro aufging und Oliver heraus trat. Ihr stockte leicht der Atem, denn er sah in seiner dunkelblauen Jeans, dem farbig unterteilten T-shirt – oben grau, unten schwarz – und den lässigen, wenn auch blitzsauberen Turnschuhen wirklich verdammt gut aus. Die Haare fielen ihm in wirren Strähnen locker in die Stirn und in seinen schokoladenbraunen Augen lag ein ganz bestimmter Glanz, der sie daran erinnerte, warum sie sich überhaupt erst in ihn verliebt hatte. Dies war der Oliver, den sie wollte und nicht der nervige, ignorante Freund, der er in den letzten Wochen und Monaten gewesen war.
Ein leiser Pfiff entfuhr ihr, der ihn leicht erschrocken zusammen zucken ließ.
„Sorry“, lachte sie und schob sich die Haare aus dem Gesicht, die an einigen Stellen immer noch leicht feucht waren. „Ich wollte dich nicht erschrecken. Ich konnt's mir nur einfach nicht verkneifen.“
„Also sehe ich passabel aus?“, fragte er und sah sie trotz ihrer offenkundigen Bewunderung unsicher an.
Katie nickte. „Du siehst sogar verdammt gut aus. Ich könnte mich glatt in dich verlieben.“
„Mhmmm“, brummelte Oliver leicht zerstreut und strich sich nochmal über T-shirt und Jeans, um scheinbar nicht vorhandene Falten zu glätten, bevor er sie ansah und anlächelte. Katies Magen machte einen Salto rückwärts. „Das ist gut. Ich habe nämlich vor, heute Abend einen wirklich guten Eindruck auf jemanden zu machen.“
„Ah ja?“, fragte Katie scheinbar ahnungslos und sah ihn fragend an. „Und auf wen?“
Oliver schien leicht zu stocken, so als wollte er eigentlich nicht antworten. Aber warum sollte es nicht tun wollen? Das war schließlich Quatsch. Immerhin war sie es doch, die er beeindrucken wollte. Oder nicht? Je länger er sich mit der Antwort Zeit ließ, umso unsicherer wurde sie. Ein Gefühl, dass sie nicht trügen sollte, wie sie schließlich feststellen mußte, als er schließlich doch antwortete.
„Den Trainer, den Manager und den Talentscout von Puddlemere United.“, meinte er schließlich erst zögerlich, doch dann zunehmend fester. Katie hatte das Gefühl, als hätte er ihr einen Schlag in den Magen verpaßt. Nicht sie war es, mit denen er sich in den Drei Besen zum Abendessen treffen wollte, sondern drei hohe Tiere im Quidditchzirkus, die scheinbar an ihm interessiert waren.
„Puddlemere United?“, wiederholte sie tonlos und sah ihn ungläubig an. Ein Unglaube, den Oliver völlig falsch deutete.
„Ja“, meinte er und das übermütige Glitzern in seinen Augen wurde stärker, als er fortfuhr. „Kaum zu glauben, oder? So wie es aussieht, ist der Talentscout schon im letzten Jahr auf mich aufmerksam geworden und hat mich seitdem beobachtet. Die scheinen wirklich zu meinen, dass ich in deren Team reinpassen würde. Kannst du dir das vorstellen? Ein Profiteam ist an mir interessiert. Ich kann das gar nicht so recht glauben.“
„Ich auch nicht.“, meinte Katie und meinte damit ganz und gar nicht die Tatsache, dass ein Profiteam ihn scheinbar wollte, doch Oliver merkte dies nicht und redete schon weiter.
„Meine Eltern sind nachher auch dabei. Ich bin zwar schon volljährig und dürfte solche Sachen eigentlich selber entscheiden, aber mein Vater ist immerhin Anwalt und kennt sich mit Verträgen aus. Auch wenn es hier erst um einen Vorvertrag handelt.“ Mit einem breiten Lächeln trat er auf sie zu und nahm sie in die Arme, bevor er leise weitersprach. „Wünsch mir Glück, okay? Heute Abend könnte für mich ein ganz großer Traum ein riesiges Stück näher in greifbare Nähe kommen.“
Katie nickte mechanisch und schaffte es sogar, ein Lächeln zustande zu bringen, als er sich schließlich wieder von ihr löste. Woher sie die Kraft dazu nahm, wußte sie selber nicht, denn im Moment war ihr eher nach schreien, prügeln und heulen zumute, denn er hatte ihren Geburtstag tatsächlich vergessen und nicht nur so getan, wie sie und anscheinend auch der Rest des Teams bisher angenommen hatten.
„Viel Erfolg.“, meinte sie leise, aber doch so überzeugend, dass sie selber überrascht davon war.
„Danke“, meinte er, gab ihr einen flüchtigen Kuß auf die Lippen und griff danach nach seiner Jacke, die an einem Haken neben der Tür hing. Von dort aus warf er ihr nochmal ein strahlendes Lächeln zu und öffnete die Tür. „Ich erzähle dir später, wie es gelaufen ist, okay? Nur, verrate bitte noch nichts. Ich möchte es den anderen gerne selber sagen, wenn ich weiß, wie es ausgegangen ist.“
Katie nickte und lächelte immer noch. Doch in dem Moment als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, verließ das Lächeln ihre Lippen so schnell, dass man meinen könnte, es wäre gar nicht da gewesen. In Zeitlupe sackte sie auf die Bank und vergrub das Gesicht in den Händen. Und es dauerte nicht lange, bis schließlich die Tränen kamen. Erst lautlos und leise und dann immer schneller, während ihre Schluchzer deutlich lauter wurden. So langsam aber sicher hatte sie einfach keine Kraft mehr. Und sie wußte definitiv, dass sie eine Entscheidung treffen mußte, ob sie nun wollte oder nicht. Denn wenn sie es nicht tat, würde sie es sein, die dabei kaputt gehen würde. Und das war kein Freund der Welt wert.
***
Sie hatte keine Ahnung, wie lange sie so in der Kabine gesessen und sich all ihren Frust von der Seele geweint hatte. Das Abendessen mußte längst vorbei gewesensein, aber sie hatte sowieso keinen Hunger mehr. Zumindest nicht nach Olivers Geständnis, mit wem er heute Abend wirklich zum Essen verabredet war. Was sie allerdings wußte, war, wie es mit ihr und Oliver weiter gehen würde. Ja, sie würde auf ihn warten. Aber nicht, um sich anzuhören, wie er seine Träume verwirklichte, koste es was es wolle, sondern um ihm ihre Entscheidung mitzuteilen. Wenn er damit zwei Enttäuschungen an einem Tag erleben würde, mußte er halt damit klar kommen, und wenn sie ihm eine riesengroße rosarote Quidditchprofi-Seifenblase kaputt machen würde, war es ebenfalls nicht ihr Problem. Schließlich war er es, der diese Entscheidung unwissentlich herbei provoziert hatte.
Ohne recht hinzusehen, griff sie schließlich nach ihrer Sporttasche, warf noch einen Blick in den Spiegel, um sicher zu gehen, dass sie nicht völlig verheult aussah, und verließ schließlich die Gryffindorkabine. Sie war gerade mal noch fünf Schritte von der Eingangstür zum Spielerbereich des Stadions entfernt, als die Tür aufflog und das Slytherinteam in gut gelaunter, lautstarker Eintracht in den Flur trat. Das resignierte Stöhnen, dass ihr daraufhin entwich, konnte sie nun wirklich nicht mehr verhindern. Das hatte ihr gerade noch gefehlt, um ihren Geburtstag so richtig perfekt enden zu lassen.
„Na da schau an.“, meinte Marcus Flint und sah sie spöttisch grinsend an, während der Rest des Teams sie nur überrascht ansah. „Was genau machst du denn noch hier? Euer Training ist doch seit gut anderthalb Stunden vorbei. Du hattest doch nicht etwa vor zu spionieren, Bell, hm? Seid ihr etwa so schlecht, dass Wood es riskiert, seine kleine Freundin als Spionin einzusetzen, statt sich auf die Berichte der anderen Spione zu verlassen, von denen er immer noch annimmt, wir würden sie nicht kennen?“
Spöttisches Gelächter seiner Teamkameraden war die Antwort darauf, während Katie genervt schnaubend die Augen verdrehte und ihn einfach nur stumm ansah. Schließlich schulterte sie kopfschüttelnd ihre Sporttasche neu, die ihr leicht verrutscht war und wollte sich immer noch wortlos an ihm vorbei schieben. Sie hatte heute definitiv keinen Nerv, sich mit dem gesamten Slytherinteam auf einmal zu fetzen. Doch Marcus dachte gar nicht daran, sie gehen zu lassen. Blitzschnell hatte er seine Hand an die Wand gestemmt und ihr somit den Weg abgeschnitten.
„Ich rede mit dir, Bell.“, meinte er leise und jetzt war sämtlicher Spott aus seiner Stimme verschwunden. Stattdessen war ein warnender Unterton heraus zu hören, der ihr klar machen sollte, dass er sich weder von ihr noch von einem ihrer Teamkameraden verarschen lassen würde.
Katie schloss die Augen, atmete einige Male tief durch, um nicht die Fassung zu verlieren und Marcus Flint die Tracht Prügel zu verpassen, die Oliver an diesem Abend wesentlich mehr verdient hätte – nicht dass es sie an sich sonderlich stören würde, wenn Flint sie bekommen sollte -, und öffnete die Augen schließlich wieder. Das erste, was sie danach sah, waren Adrians tiefblaue Augen, der mit verschränkten Armen an der Wand hinter ihr gelehnt stand und das Geschehen mit einer Mischung aus Neugier und Belustigung beobachtete.
„Ich habe nicht vor zu spionieren, Flint.“, meinte sie schließlich ruhiger als sie sich eigentlich fühlte, sah dabei jedoch unverwandt in Adrians Augen. „Schließlich haben wir es nicht nötig, ein Team auszuspionieren, dass uns sowieso unterlegen ist.“ Adrians Augenbrauen schossen in die Höhe und ein spöttisches Grinsen zuckte um seine Mundwinkel, während von den anderen Slytherins verschiedene verärgerte, wenn auch teils spöttische Bemerkungen kamen. „Und jetzt laß mich gefälligst vorbei. Ich habe heute Abend ganz bestimmt keine Lust darauf, mich mit dir zu streiten.“
„So, du hast keine Lust, hmm?“ Marcus' Spott wurde noch größer, während Katie weiterhin den Blick nicht von Adrian abwandte. „Glaubst du wirklich, dass mich das interessiert?“
„Ach komm schon, Käpt'n.“, meinte Adrian nun, der den Blickkontakt abbrach und zu Marcus rüber sah. „Laß gut sein. Das bringt doch nichts. Wir sollten lieber zusehen, dass wir ans trainieren kommen, damit wir sie und den Rest am Samstag so richtig fertig machen können.“
Katie verdrehte daraufhin ein weiteres Mal die Augen und schüttelte den Kopf. Doch sie verkniff sich einen Kommentar. Am Samstag würden sie ja sehen, wer hier wen fertig machen würde. Sie hatte keine Ahnung, warum Marcus schließlich von ihr ab ließ – Oliver hätte sich nie von einem seiner Teamkameraden zurückpfeifen lassen, soviel war sicher –, aber er tat es. Mit einem letzten herausfordernden Blick trat er an ihr vorbei und verschwand in Richtung Slytherinkabine. Gefolgt von seinen Teamkameraden. Adrian bildete das Schlußlicht und ging dabei einige Schritte rückwärts laufend, während er sie äußerst belustigt ansah.
„Was?“, fauchte sie ihn an. Ihre Geduld war heute nicht gerade die Größte.
Doch statt zu antworten wurde sein Lächeln lediglich breiter, während seine Hand in eine seiner Jackentaschen verschwand, etwas hervorzog und ihr zuwarf. Reflexartig fing sie es auf und erntete dafür einen anerkennenden Pfiff von ihm, bevor er sich umdrehte und als letzter die Slytherinkabine betrat. Katie dagegen stand mit leicht ungläubigem Blick auf dem Flur und sah auf das kleine Päckchen in ihrer Hand, unter dessen Geschenkband eine kleine Karte gesteckt war. Happy Birthday, Kitty! stand in der klaren, nüchternen Handschrift darauf, die sie nach einigen Wochen Nachhilfe in Zaubertränke ohne langes Nachdenken als Adrians erkannte.
Er hatte ihren Geburtstag also nicht vergessen. Dabei war die weitaus größere Frage in diesem Fall, woher er ihn überhaupt kannte.
***
Nachdenklich spielte Katie mit dem Anhänger der an der schlichten, silbernen Kette hing, die sie sich locker um die Hand gewickelt hatte. Er hatte die Form eines Herzens, das von einer Schlange dargestellt wurde, die sich kunstvoll um die winzigen Kettenglieder wand. Die Augen der Schlange waren aus winzigen, grünen Steinen, von denen Katie nicht so recht wußte, ob sie wirklich echte Smaragde waren oder einfach nur eingefärbte Glassteinchen. Sie wußte nicht recht, was ihr lieber gewesen wäre. Natürlich lief Adrian Gefahr, dass sie dieses Geschenk, dass eindeutig und unmissverständlich Slytherin schrie, einfach aus dem nächstbesten Fenster des Gryffindorturm werfen würde. Eine Reaktion, die ihm bewußt sein mußte, was eigentlich schon dafür sprach, dass die Kette lediglich Modeschmuck war. Aber dann wiederum schien er ihr eigentlich auch nicht wie der Typ, der Modeschmuck verschenkte. Das war eindeutig nicht der Stil eines Slytherin-Casanovas, der er ja nunmal definitiv war, wie man an der Anzahl seiner Ex-Gespielinnen ziemlich leicht feststellen konnte. Sie wußte, dass er aus reichem Elternhaus stammte. Er hatte es irgendwann bei ihren Nachhilfestunden mal beiläufig erwähnt. Deshalb konnte er es sich eigentlich durchaus leisten, das Risiko einzugehen, dass sie sein Geschenk, auch wenn es einiges mehr gekostet haben mochte, als einfacher Modeschmuck, einfach wegwarf.
Ihr Blick ging zur Löwenkopfuhr rüber, die über dem Portraitloch hing. Es war viertel vor elf und in einer Viertelstunde war auch für die oberen Klassen Sperrstunde. Sie selber sollte eigentlich schon seit einer Dreiviertelstunde in ihrem Schlafsaal sein, da sie noch nicht zu den Fünft- bis Siebtklässlern gehörte, aber heute Nacht ignorierte sie diese Regel schlichtweg. Nicht zum ersten Mal, wenn sie ehrlich zu sich selbst war. Und niemand der hier Anwesenden interessierte es sonderlich, dass sie noch da war. Vielleicht lag es daran, dass sie altersmäßig eigentlich eine Fünftklässlerin war. Schließlich hatte nur dieser völlig verrückte Unfall im Sommer kurz vor ihrer Einschulung dazu geführt, dass sie erst ein Jahr später eingeschult worden war, als eigentlich vorgesehen. Himmel, sie war seit heute immerhin 16 Jahre alt. Da brauchte sie nun wirklich noch nicht um zehn Uhr im Bett zu sein. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ihr Gesichtsausdruck immer schneller von finster zu nachdenklich und zurück wechselte, seitdem sie hier saß und ins Feuer starrte und mit dem Kettenanhänger spielte, dass niemand sie ansprach. Ihre Teamkameraden hatten ihr einige irritierte Blicke zugeworfen, als sie um kurz nach acht scheinbar gelassen und ohne Oliver in den Gemeinschaftsraum getreten war – selbst Harry hatte ihr einen verwunderten Blick zugeworfen -, doch auf einen warnenden Blick von ihr hatte keiner sie darauf angesprochen. Lediglich Lee hatte sich einmal kurz vor gewagt und gefragt, ob alles in Ordnung wäre, woraufhin er sich so einen heftigen Anschiss eingefangen hatte, dass er sie erst ungläubig angestarrt hatte und dann genervt vor sich hin grummelnd abgezogen war. Seitdem saß sie hier und wartete. Darauf, dass Oliver endlich wiederkommen würde. Und darauf, dass sie endlich für klare Verhältnisse sorgen konnte. Vorher würde sie nicht ins Bett gehen.
Eine Dreiviertelstunde später, als der Gemeinschaftsraum bis auf sie selber vollkommen leer war, kam Oliver schließlich durch das Portraitloch geklettert. Ein einziger Blick in sein Gesicht zeigte, dass sich heute Abend einer seiner größten Träume erfüllt hatte und er mindestens auf Wolke 28 schwebte. Seine Augen funkelten, was nichts mit dem langsam ausbrennenden Feuer im Kamin zu tun hatte, das sich in ihnen hätte spiegeln können, und auf seinen Lippen lag ein so seeliges Grinsen, dass Katie Mühe hatte, nicht laut zu schreien. Sie wollte diejenige sein, die ihn in diesen Zustand versetzte, und nicht irgendwelche Verträge für irgendwelche Profiteams. Sie wußte, dass ihre gute Erziehung ihr eigentlich sagte, dass sie sich mit ihm freuen sollte, aber sie konnte sich einfach nicht dazu durchringen. Nicht heute. Und sie hatte definitiv nicht den Hauch eines schlechten Gewissens, ihm diese Freude gleich gründlich zu verderben. Das war schlicht und ergreifend nicht mehr drin.
„Katie!“, rief er aus, als er sie entdeckte und auf sie zustürmte. „Du bist ja tatsächlich noch wach. Ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass du schon schläfst. Immerhin ist es viel später geworden, als ich gedacht habe.“
„Ja, ich ...“, fing sie an, als sie sich langsam erhob und die Kette beiläufig in ihre Hosentasche gleiten ließ. Oliver ließ sie jedoch nicht zu Wort kommen, sondern schloß sie einfach nur fest in die Arme, drückte ihr einen festen Kuß auf die Lippen, der ihr unter normalen Umständen den Atem stocken lassen hätte, und trat schließlich wieder einen Schritt zurück, um sie außer sich vor Begeisterung anzustrahlen.
„Ich hab's, Katie.“, meinte er begeistert. „Ich habe heute Abend einen Vorvertrag als Reservehüter für Puddlemere United unterschrieben. Jetzt muß ich nur noch die Einführungswoche im Sommer hinter mich bringen und überzeugen, dann bin ich drin. Ich werde tatsächlich Profi. Völlig ohne großes Probetraining und Auswahlverfahren. Ist das nicht genial?“
„Ja“, meinte Katie emotionslos und sah ihn einfach nur an. „Das ist genial. Sag mal, Oliver, hast du eigentlich irgendeine Ahnung, welchen Tag wir heute haben?“
Oliver stutzte kurz und zuckte dann mit den Schultern, bevor er verschmitzt grinste. „Der erste Tag meines neuen Lebens? Der Tag, an dem sich meine Welt um 180 Grad gedreht hat?“
Katie nickte zustimmend. „Da stimme ich dir ausnahmsweise mal zu.“, meinte sie und konnte jetzt doch einen leichten Sarkasmus nicht aus der Stimme heraus halten.
Oliver runzelte jetzt doch leicht die Stirn. Wahrscheinlich war ihm dieser Unterton diesmal doch aufgefallen. Katie atmete jedoch noch einmal tief durch und sah ihm dann fest in die Augen.
'Jetzt oder nie.', machte sie sich in Gedanken selber Mut. 'Bring es endlich hinter dich und hake dieses Kapitel ab. Es ist zu deinem eigenen besten.'
„Heute ist nicht nur dein erster Tag als möglicher neuer Reservehüter für Puddlemere United, Oliver, sondern auch dein erster Tag als frisch gebackener Single. Ich kann einfach nicht mehr, verstehst du? Ich habe lange genug versucht, dir klar zu machen, dass ich nicht mehr länger die zweite Geige hinter Quidditch spielen will, aber du kannst oder willst es scheinbar nicht kapieren. Und heute Abend hast du das Fass wirklich zum Überlaufen gebracht. Es ist vorbei, Oliver. Definitiv vorbei.“
Und mit diesen Worten drehte sie sich um und ging auf die Treppe zu ihrem Schlafsaal zu. Doch bevor sie diese erreicht hatte, hatte Oliver sie eingeholt und hielt sie am Handgelenk gefaßt zurück. Sie versteifte sich, als sie stehen blieb, drehte sich jedoch nicht um.
„Katie?“, fragte er und in seiner Stimme war überdeutlich geschockter Unglaube zu hören. „Was soll das? Du hast nie zweite Geige hinter Quidditch gespielt. Was redest du da für einen Unsinn?“
Mit einem Seufzen schüttelte sie den Kopf und sah schließlich auf ihre Schuhe.
„Wenn du wirklich glaubst, dass ich Unsinn rede, lebst du in einer völlig anderen Welt als ich, Oliver.“, meinte sie leise und drehte sich jetzt doch langsam um. Oliver prallte leicht zurück, als er sah, dass ihre Augen jetzt vor Tränen schimmerten. „Denn ich habe in den letzten Monaten immer zurück stecken müssen, wenn es um Quidditch ging.“
„Das ist nicht wahr.“, flüsterte Oliver und kam wieder einen Schritt näher auf sie zu, hielt jedoch an, als er sah, wie sie vor ihm zurück wich. Frustriert fuhr er sich mit der Hand durch die Haare und atmete tief durch, bevor er sie wieder ansah. „Dass ich in den letzten Monaten so viele Gedanken auf Quidditch verschwendet habe, lag doch nur daran, dass es meine letzte Chance ist, diesen Pokal zu gewinnen. Ich habe keine andere Chance mehr. Und wenn ich wirklich als Profispieler durchstarten will, macht es sich natürlich sehr viel besser, wenn ich in meinem Lebenslauf angeben kann, dass ich den Hogwartspokal zumindest einmal gewonnen habe. Was natürlich noch mehr wert ist, wenn ich in dieser Zeit auch Kapitän war. Aber ich habe nie gewollt, dass du darunter leiden mußt. Warum hast du denn nicht schon früher mal was gesagt, wenn ich wirklich so extrem war?“
Ungläubig lachte Katie auf und wischte sich die Tränen aus den Augen, die drohten, über ihre Wangen zu laufen.
„Genau das habe ich doch versucht, Oliver. Immer und immer wieder. Aber du warst einfach blind und taub und hast mich mit Versprechungen abgespeist, die du dann doch nicht gehalten hast.“ Ihr Blick wanderte von Oliver weg zu den Fenstern hinüber, wo sich jetzt das herunter brennende Kaminfeuer spiegelte, bevor sie leise weitersprach. „Und selbst die Extremtour hat nichts gebracht. Es war nicht mein Freund, der eifersüchtig wurde, sondern mein Kapitän, der Angst hatte, dass der Feind seine Jägerin so kurz vor dem Pokalfinale manipuliert. Der einzige, der wirklich kapiert hat, was da vor sich ging, war Lee. Ein guter Freund, nicht mein fester Freund. Er hat für deine Beziehung gekämpft, als ich dabei war, mich ernsthaft in jemand anderen zu verlieben, Oliver. Er, nicht du. Denn du hast es scheinbar nicht einmal bemerkt. Und das sollte dir ganz gewaltig zu denken geben.“
„Das mit Pucey war Absicht?“, fragte Oliver sie ungläubig. „Du hast versucht, mich mit ihm eifersüchtig zu machen? Ja sag mal, bist du denn vollkommen wahnsinnig geworden, dich mit einem Slytherin auf so eine Sache einzulassen?“
Diese Frage reichte, um die Traurigkeit in Katie in echten Zorn umzuwandeln. Verärgert trat sie auf ihn zu und bohrte ihm so heftig mit dem Zeigefinger in die Brust, dass er mit leichtem Unbehagen zurück wich.
„Wage es nicht, mir jetzt noch Vorhaltungen deswegen zu machen, Oliver. Jetzt nicht mehr. Du hattest deine Chance. Wochenlang hattest du deine Chance, etwas dagegen zu tun, dass ich dich scheinbar betrüge. Es hätte jeder andere sein können, mit dem ich diese Nummer abziehe. Ich war mir nur sicher, dass du bei einem Slytherin tatsächlich was kapieren und reagieren würdest. Aber scheinbar habe ich mich da ja gewaltig geirrt. Und jetzt ist es zu spät, kapiert? Denn jetzt ist aus Spaß ernst geworden.“
„Was soll das denn heißen?“, fuhr Oliver sie an, der jetzt ebenfalls wütend wurde. „Du kannst doch nicht ernsthaft behaupten, dass du dich in diesen Kerl verliebt hast? Komm schon, Katie. Das nehme ich dir nicht ab. Das ist doch jetzt alles nur irgendeine verrückte Trotztour von dir.“
„Doch Oliver.“, meinte Katie, die auf einen Schlag wieder ruhig geworden war, als Oliver geplatzt war. „Genau das habe ich. Ich habe mich ernsthaft in Adrian verliebt. Ich habe zwar keine Ahnung, wie es auf seiner Seite aussieht, aber ich habe es definitiv. Und du hast es einfach nicht zu verhindern gewußt, dass ich mich in ihn verliebe. Es ist ganz allein deine Schuld, dass ich heute Abend die Notbremse gezogen habe. Denk mal darüber nach.“
Damit drehte sie sich wieder um und ging langsam die Treppe hinauf, unbewußt darauf wartend, dass er sie nochmal zurück rief, aber insgeheim wissend, dass er es ja doch nicht tun würde, da sie ihm gerade ziemlich den Boden unter den Füßen weggezogen hatte. Auf dem ersten Treppenabsatz angekommen drehte sie sich jedoch trotzdem nochmal um und sah ihn ausdruckslos an.
„Und falls es dich wirklich interessiert, was heute für ein Tag ist, solltest du Adrian vielleicht mal fragen.“, meinte sie leise. „Denn im Gegensatz zu dir hat er meinen Geburtstag nicht vergessen. Und das sogar, obwohl ich ihm diesen nie verraten habe. Denk mal darüber nach.“
Sie sah noch, wie sich seine Augen geschockt weiteten, als ihm der Sinn ihrer Worte bewußt wurde, doch sie ließ ihm keine Gelegenheit, etwas zu sagen. Stattdessen wandte sie sich wieder um und ging die Treppe weiter hoch, bis sie sicher in ihrem Schlafsaal war. Erst dort ließ sie ihren Gefühlen wirklich freien Lauf. Denn dort ließ sie sich aufschluchzend an der geschlossenen Tür entlang zu Boden sinken und ließ zum zweiten Mal an diesem Tag ihren ganzen Kummer die Oberhand über ihre Beherrschung gewinnen.
***
Es dauerte nicht lange, bis die Trennung von Gryffindors Traumpaar die Runde gemacht hatte. Schon beim Frühstück redete der gesamte Gryffindortisch sich nur darüber die Köpfe heiß, denn scheinbar hatten ein paar Nachtschwärmer, die von Katie und Oliver unbemerkt geblieben waren, die Trennung im Gemeinschaftsraum live mitbekommen. Und spätestens beim Mittagessen hatte diese Neuigkeit auch den Weg zu den anderen Häusern gefunden. Die beiden Hauptbeteiligten dieses Themas wurden den ganzen Tag über mit Argusaugen beobachtet und so entging es niemandem, dass Oliver immer wieder versuchte, mit Katie zu reden, diese ihn aber immer wieder abblockte und ignorierte. Wie vor ein paar Wochen schon keimten die wildesten Gerüchte auf, und es gab nicht wenige, die sich an das irritierende Zusammentreffen von Katie und Adrian am Slytherintisch vor einiger Zeit erinnerten und deshalb auch dem Slytherin immer wieder rätselhafte Blicke zuwarfen. Dieser schien jedoch vollkommen gelassen in all diesem Trubel, und nur hin und wieder huschte ein verschmitztes Lächeln über sein Gesicht, wenn er zum Gryffindortisch rüber sah oder Oliver, Katie oder einem ihrer Freunde auf den Gängen im Schloss begegnete.
Am Abend war es schließlich Katie selber, die dafür sorgte, dass die Gerüchteküche regelrecht überbrodelte. Mit einem ziemlich verärgerten „Geh mir nicht auf die Nerven, Lee.“, ließ sie diesen einfach an der Eingangstür zur Großen Halle stehen und marschierte wie vor einiger Zeit schnurstracks auf den Slytherintisch zu. Und zwar auf genau die Stelle, wo sich gerade die Mitglieder des Quidditchteams ein wenig abgesondert hatten und die Köpfe zusammen steckten.
„Achtung! Feind im Anmarsch!“, rief ein Slytherin aus einem der höheren Jahrgänge ihnen zu und erreicht damit, dass die Spieler sich fragend umdrehten und Katie kopfschüttelnd die Augen verdrehte. Sie sah gerade noch, wie Marcus Flint einige Spielskizzen vom Tisch schob, doch diese interessierten sie im Moment nicht wirklich. Nun ja, zumindest nicht vorrangig. Interessant wären sie bestimmt für ihr eigenes Team gewesen.
„Keine Sorge.“, meinte sie spöttisch in die ungefähre Richtung aus der die Warnung kam. „Der Feindjäger ist nicht zum spionieren hier, sondern zur Abwechslung mal in völlig friedlicher Mission.“
Gutmütiges Gelächter war auf diese schlagfertige Antwort hin zu hören, als sie ihren Weg zum Slytherinteam fortsetze. Vom Hufflepufftisch kam ungläubiges Raunen, doch sie ignorierte es so gut sie konnte. Sie hatte einen Entschluß gefaßt, kurz bevor sie Lee abgekanzelt hatte, und den würde sie jetzt auch durchziehen. Mit einem ehrlichen, wenn auch leicht provokanten Lächeln ließ sie sich zwischen Miles Bletchley und Adrian auf die Bank nieder, drehte ersterem deutlich den Rücken zu und sah letzteren herausfordernd an.
Dieser sah spöttisch lächelnd zurück, sagte jedoch ebenfalls nichts. Stattdessen sah er auffallend provokant in ihr auf und ab und sein Lächeln wurde breiter, als sein Blick an der Kette hängen blieb, die er ihr einen Tag zuvor geschenkt hatte.
„Du hast doch wohl hoffentlich nicht meinetwegen mit ihm Schluß gemacht, Kitty.“, meinte er schließlich und griff scheinbar beiläufig nach dem Kettenanhänger, um mit diesem zu spielen. Der Blick, den er ihr dabei zuwarf sprach jedoch eine ganz andere Sprache und er sah mit Genugtuung, wie sich eine leichte Gänsehaut auf dem Teil ihre Arme breit machte, der nicht von der locker hochgeschobenen Bluse der Schuluniform bedeckt war.
„Komm dir nicht wichtiger vor als du bist, Pucey. So einen großen Einfluß hast du nicht auf mein Liebesleben.“, gab sie gelassen zurück, rutschte leicht auf der Bank herum, lehnte die Ellenbogen schließlich auf den Tisch hinter sich und streckte die überkreuzten Beine in Richtung Hufflepufftisch aus, von wo aus ihr entgeisterte Blicke zugeworfen wurden.
Adrian lachte leise auf, ließ jedoch weder den Kettenanhänger los, noch sie aus den Augen.
„Wie kommt es bloß, dass ich dir kein Wort glaube?“
„Weil deine Arroganz und Selbstverliebtheit sehr viel größer ist, als gut für dich ist.“
Ein grunzendes Lachen war hinter ihr zu hören, dass sich gleich darauf in heftiges Husten verwandelte, als einer von Adrians Teamkameraden sich bei dieser nicht sonderlich netten Antwort von Katie gewaltig verschluckte. Adrians spöttisches Lächeln verwandelte sich in ein schadenfrohes Grinsen, als sein Blick kurzzeitig zu seinem bedauernswerten Freund hinüber flackerte. Doch gleich darauf sah er Katie wieder durchdringend an, die ihn jetzt mit einem herausfordernden Lächeln und spöttisch hochgezogener Augenbraue ansah.
„Du bist ganz schön leichtsinnig, so etwas hier zu sagen, wenn du keinerlei Rückendeckung von deinen Freunden hast, Kitty.“, meinte er und ließ den Kettenanhänger schließlich doch los.
Katie spürte, wie dieser warm auf ihrer Haut landete. Sehr viel wärmer als vorhin noch, wie sie viel zu deutlich spürte. Mit der jetzt freien Hand griff Adrian nach seinem Kürbissaftbecher, setzte ihn an, trank einen Schluck und sah Katie über dem Rand hinweg an.
„Was hat er dir eigentlich geschenkt?“, fragte er scheinbar beiläufig. „Eine neue Reisigzange? Oder eine Dose Polierpaste für deinen drittklassigen Besen?“
Reflexartig holte Katie aus und schlug ihm hart auf den Brustkorb, woraufhin Adrian ein atemloses „Uff!“ entfuhr, ihn jedoch nicht daran hinderte, wieder spöttisch zu grinsen, weil es ihm gelungen war, sie aus der Reserve zu locken. Ohne hinzusehen wischte er sich dabei den Kürbissaft von seiner Hose, der bei Katies Attacke aus dem Becher geschwappt war
„Mein Besen mag vielleicht drittklassig sein, aber mit dem werde ich am Samstag Kreise um dich ziehen bis dir schlecht wird, Pucey.“, zischte sie ihn verärgert über die Beleidigung und Herabwertung ihres heißgeliebten Besens zu.
„Hört, hört.“, meinte einer der Slytherins hinter ihr, die sie nicht sehen konnte.
„Und was Oliver mir geschenkt hat, geht dich gar nichts an, kapiert?“
„Mhmm“, brummelte Adrian und stellte seinen Becher wieder ab ohne hinzusehen, wohin er ihn stellte. „Wenn man den Gerüchten trauen darf, hat er dir gar nichts geschenkt, weil er deinen Geburtstag angeblich völlig vergessen hat. Aber wie gesagt, das sind nur Gerüchte. Und ich kann mir nichtmal bei Wood vorstellen, dass er so blöd ist, den Geburtstag seiner Freundin völlig zu vergessen, auch wenn er sich sonst in letzter Zeit nicht sonderlich für sie zu interessieren scheint.“
Schweigen war die Antwort darauf und Adrian sah sie erst spöttisch grinsend, dann verdutzt und schließlich ungläubig an. Katie hatte den Blick nach dieser Bemerkung abgewandt und ließ ihn unbestimmt über die Menge in der Großen Halle schweifen, ohne überhaupt etwas zu sehen.
„Das ist nicht dein ernst, oder?“, fragte er sie und zwang sie schließlich dazu, ihn anzusehen, indem er ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger nahm und ihren Kopf zu sich herum zog. Er sah, wie sie seinem Blick auswich und auf ihrer Unterlippe herum kaute. „Katie, sieh mich an.“, forderte er sie schließlich leise auf und wartete ab, bis sie dieser Aufforderung nachkam. „Er hat tatsächlich deinen Geburtstag vergessen?“
Katie hielt seinen Blick für einige scheinbar endlose Sekunden stand und nickte dann stumm. Adrian pfiff leise durch die Zähne und ließ ihr Kinn los. Kopfschüttelnd fuhr er sich durch die Haare und ließ den Blick schweifen, bis er denjenigen gefunden hatte, den er suchte. Oliver starrte ihn mit Blicken an, die ihn schlagartig umgebracht hätten, wenn Blicke dazu in der Lage gewesen wären. Er gab diesen Blick finster zurück und wandte sich danach wieder Katie zu, die jetzt abwesend auf ihre Hände sah, die mit dem Saum ihrer Uniformbluse spielten.
„Was genau willst du eigentlich hier?“, fragte er sie dann leise. „Ist das ein letzter Versuch, ihn doch noch eifersüchtig zu machen und zurück zu gewinnen oder bist du tatsächlich meinetwegen hier?“
Katie seufzte leise, ließ den Blusensaum los und sah ihn schließlich unsicher an.
„Wie groß wären denn meine Chancen, wenn ich wirklich deinetwegen hier wäre und er mir tatsächlich inzwischen völlig egal wäre?“, fragte sie zurück und hielt den Blick.
Adrian schloss daraufhin kurz die Augen und atmete mehrfach tief durch. Hinter ihnen konnten sowohl er als auch Katie die Slytherins überrascht raunen hören. Ein oder zwei pfiffen beeindruckt durch die Zähne, so als könnten sie es gar nicht recht glauben, dass ausgerechnet Katie Bell, eine der standhaftesten Gryffindors, gerade indirekt zugegeben hatte, dass Adrian Pucey ihr scheinbar sehr viel mehr bedeutete als Gryffindors Dreamboy Oliver Wood. Das war um Welten faszinierender als die Tatsache, dass sie sich überhaupt von dem Gryffindorkapitän getrennt hatte.
Auch vom Hufflepufftisch waren einige überraschte Geräusche zu hören. Einige keuchten laut auf, es wurde heftig getuschelt und niemand wußte scheinbar so recht, was er oder sie mit diesem versteckten Geständnis anfangen sollte. Und am wenigsten wußte es scheinbar Adrian selber, der inzwischen die Augen wieder geöffnet hatte und Katie mit unleserlichem Blick musterte.
„Du solltest nicht anfangen Spielchen zu spielen, über die du keine Kontrolle hast, Katie.“, meint er schließlich und erntete damit ein Stirnrunzeln von ihr. Er fuhr sich leicht frustriert durch die Haare und sah sie danach wieder an, um fortzufahren. „Ich meine es ernst, Katie. Ich bin nicht Oliver. Und ich bin kein anständiger, fair spielender Gryffindor. Ich bin ein Slytherin, und auch wenn wir definitiv wissen, was Ehre und Anstand ist, haben wir doch so unsere ganz eigene Vorstellung davon. Ich hab's dir schon mal gesagt. Ich bin einer der Bad Boys, vor denen dich deine Eltern, deine Patentante und Lee Jordan immer wieder gewarnt haben, und von dem du dich besser fern halten solltest.“
„Oh verdammt, Pucey! Jetzt spiel hier nicht den noblen Ritter in schimmernder Rüstung sondern schnapp sie dir endlich und knutsch sie bis ihr die Luft wegbleibt. Genau das will sie doch.“, grummelte Miles Bletchley auf Katies anderer Seite und erntete damit amüsiertes Gelächter von den Sytherins im näheren Umkreis.
Auch auf Adrians Lippen erschien ein leicht spöttisches Grinsen, auch wenn er Miles hinter Katies Rücken entlang eine heftige Kopfnuss verpaßte. Oder besser, versuchte, ihm diese zu verpassen, denn Miles war schneller und entzog sich ihm amüsiert auflachend.
„Paß bloß auf, was du sagst, Miles. Sonst gehen wir zwei mal vor die Tür.“, warnte er diesen und sah schließlich Katie wieder an. „Ganz sicher?“, fragte er sie schließlich nochmal und sah sie durchdringend an, während er ihr einen Finger auf die Lippen legte und sie so an einer vorschnellen Antwort hinderte. „Überlege es dir gut. Ich habe nämlich nicht vor, halbe Sachen zu machen.“
„Und das heißt?“, fragte sie nuschelnd um seinen Finger herum.
„Das ich dich richtig will. Hochoffiziell als meine Freundin. Und nicht nur hin und wieder mal zum knutschen in versteckten Ecken, wo keiner deiner Gryffindorfreunde es mitkriegt. Ich lasse nicht mit mir spielen, Katie. Steh ehrlich zu mir oder lass es besser gleich bleiben.“, antwortete er und sah ihr fest in die Augen, bevor er den Finger wieder runter nahm. Er sah, wie sie kurz den Blick abwandte und nachdenklich zum Gryffindortisch hinüber sah. Und er konnte es nicht verhindern, dass ihm das Herz bis zum Hals schlug.
'Komm schon, Katie. Sag ja. Krieg jetzt bitte keine kalten Füße. Das hast du nun wirklich nicht nötig. Das ist dieser Scheißkerl einfach nicht wert. Immerhin hat er dich wochenlang kaum beachtet. Und deinen selbsternannten Bodyguard Jordan geht es noch weniger was an, was hier zwischen uns läuft.'
„OK“, meinte sie schließlich leise und Adrian hatte kurzfristig das Gefühl, sich verhört zu haben. „OK, ich werde hochoffiziell deine Freundin sein. Ich werde dann zwar ganz schnell eine Persona non Grata im Gryffindorturm werden, aber das werde ich wohl hinnehmen müssen, wenn ich mich wirklich mit dem Feind einlasse.“
„Nun, du kannst gerne bei uns einziehen, wenn du willst.“, meinte Miles lässig. „Wenn Marcus nächstes Jahr nicht mehr da ist, ist ein Jägerposten bei uns frei. Und wir alle wissen schließlich, dass du mit einem Besen und einem Quaffle umzugehen weißt. Und wenn du dann auch endlich einen vernünftigen Besen unter deinem hübschen Hintern hast, ...“
„Vielen Dank für das Lob.“, gab Katie spöttisch zurück und ignorierte die Bemerkung über ihren Besen und ihren Hintern gekonnt. „Ich denke aber, dass ihr euch davon am Samstag ruhig nochmal selber überzeugen solltet, wenn ich euch - und vor allem dir – die Ringe so voll knalle, dass ihr am Ende heulend vom Feld schleicht. Selbst mit einem angeblich drittklassigen Besen.“
„Also spätestens jetzt solltest du sie wirklich knutschen, Adrian.“, meinte Chris Warrington, der auf der anderen Seite des Tisches saß und bisher nur äußerst amüsiert zugehört hatte. „Mir scheint nämlich, deine neue Freundin packt langsam aber sicher der Größenwahn.“
Spöttisches Gelächter war die Antwort darauf, und Katie wollte gerade eine bissige Bemerkung zurück schießen, als Adrian den Rat seines Teamkameraden in die Tat umsetzte. Und das sehr eindrucksvoll, wie Katie schnell feststellte. Denn mit dem Kuß, den sie vor einiger Zeit vor dem Krankenflügel geteilt hatten, hatte dieser hier so rein gar nichts mehr zu tun. Es dauerte nicht lange, bis bei ihr das bewußte Denkvermögen aussetzte und sie einfach nur erwiderte, wozu Adrian sie herausforderte. Sie kriegte nicht mit, wie das anzügliche Johlen am Slytherintisch lauter wurde. Genauso wenig wie sie mitbekam, wie das Raunen am benachbarten Hufflepufftisch lauter und ungläubiger wurde. Erst als Adrian sie auf seinen Schoss und somit näher zu sich heran zog, schnappte sie keuchend nach Luft und sah ihn irritiert an.
„Ganz oder gar nicht, Kitty.“, flüsterte er jedoch, hielt ihr Gesicht in beiden Händen und verschloss ihr gleich darauf wieder den Mund mit einem weiteren hungrigen Kuß. Diesmal bekam sie deutlich mit, dass er seine Hände aufreizend langsam an ihrem Rücken entlang fahren ließ, bis sie kurz vor ihrem Po zum Stillstand kamen und sie noch näher an sich zogen. Ihre Knie rutschten rechts und links von ihm über die harte Sitzbank und ihre Arme schlangen sich scheinbar wie von selbst um seinen Nacken. Ein leises Keuchen entfuhr ihr, als Adrian mit einer Hand wieder an ihrem Rücken hoch fuhr und sie sanft aber bestimmt im Nacken faßte, damit sie ihm nicht entkommen konnte. Erst dann löste er sich von ihr und sah ihr mit einem so intensiven Blick in die Augen, dass ihr gleich mehrere Schauer über den Rücken jagten.
„Verdammt, ist dieser Kerl ein Idiot, dass er sich das hier durch die Lappen gehen läßt.“, murmelte er leise und küßte sich gleich darauf an ihrem Hals entlang bis zu ihrem Ohrläppchen empor, in das er einmal kurz und spielerisch hinein biß und dann leise lachte, als sie erschrocken aufquiekte. „Gewöhn dich dran, Kitty. Mit einem Bad Boy als Freund geht es nunmal ein bißchen rauer zu, als mit einem Schwiegermutterliebling.“
„Ich kann durchaus mit einem Bad Boy fertig werden, Pucey. Sonst hätte ich mich nie im Leben auf das hier eingelassen.“, gab sie genauso leise zurück, so dass höchstens Miles Bletchley sie verstehen konnte, den sie leise lachen hörte. Zumindest glaubte sie, dass sie das konnte, denn ganz sicher war sie sich da nicht. Was sie aber wußte, war, dass sie sich hier am Slytherintisch auf Adrians Schoss sitzenden, von dem sie gerade heftig durchgeknutscht worden war, das erste Mal seit Wochen wieder richtig wohl fühlte. Wohl und begehrenswert. Ein Gefühl, dass sie bei Oliver schon viel zu lange nicht mehr gehabt hatte. Was dieses Wohlbefinden allerdings für sie selber und ihren Status im Gryffindorturm bedeutete, konnte sie noch nicht sagen. Sie wollte auch gar nicht wirklich darüber nachdenken. Zumindest jetzt nicht. Denn jetzt wollte sie dieses Gefühl einfach noch ein Weilchen genießen, dass sie in Adrians Armen hatte. Allen Gryffindors und Slytherins zum Trotz, die vielleicht etwas gegen ihre Beziehung haben mochten. Denn die ging es – bei allem Verständnis um Häuserfeindschaft und Pokalkonkurrenz – absolut nichts an, dass sie hier gerade öffentlich mit dem Feind knutschte.
„Ich kann definitiv mit einem Bad Boy fertig werden.“, wiederholte sie noch einmal und sah ihn mit einem herausfordernden Blitzen in den Augen an. „Die viel interessantere Frage ist, ob du in der Lage bist, eine Löwin unter Kontrolle zu halten, wenn die erstmal die Krallen ausgefahren hat.“
Adrian lachte leise auf und erwiderte den Blick genauso herausfordernd.
„Oh, darüber mache ich mir nun wirklich keine Sorgen, Kitty.“, erwiderte er und gab ihr einen weiteren atemlosen Kuß.
Niemand der beiden war sich bewußt, dass nicht nur Oliver sie in diesem Moment mit Blicken regelrecht erdolchte. Auch Lee und der Rest des Gryffindorteams war von dem Verhalten ihrer Freundin und Teamkameradin regelrecht entsetzt und sie schworen sich in diesem Moment, alles zu tun, um Katie wieder auf den rechten Weg zurück zu bringen und vor diesem, in ihren Augen, manipulativen Slytherin zu bewahren.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel