
von KitKat2006
Irgendwann hat jeder Spaß ein Ende. Ich habe hier das letzte Kapitel dieser Geschichte für euch und hoffe, dass euch das Ende gefällt. Es ist nicht spektakulär, aber meiner Meinung nach dennoch gut. Aber entscheiden müßt ihr letztendlich, ob meine Meinung wirklich stimmt.
Vielen Dank für eure Treue und den vielen wirklich tollen Reviews, die ich sehr vermissen werde.
Viel Spaß beim lesen.
Die nächsten Tage waren für Katie ein reines Spießroutenlaufen. Wenn sie gedacht hatte, dass die Tage schlimm waren, wo sie öffentlich mit Adrian geflirtet und geknutscht hatte, war sie komplett auf dem Holzweg. Ihr handfester Streit mit Adrian am Montag nach dem Finale war Gesprächsthema Nummer 1 in Hogwarts, was vor allem daran lag, dass in diesem Fall mit ziemlicher Sicherheit nicht der Slytherin Schuld am Chaos war, sondern die Gryffindor. Es gab viele, die es besagter Gryffindor nicht wirklich verübeln konnten, dass sie im Siegestaumel mit ihrem Kapitän, mit dem sie ja vor kurzem sogar noch zusammen war, rumgeknutscht hatte. Viele der Mädchen quer durch alle Häuser wären wohl selber gerne an ihrer Stelle gewesen, wie man an den teils neidischen teils verärgerten Blicken erkennen konnte, die Katie nachgeworfen wurden. Was aber die meisten Hogwartianer nicht verstehen konnten, war die Tatsache, dass Katie eben nicht nach dieser Chance griff, den heißbegehrten Gryffindorkapitän zurück zu bekommen, sondern stattdessen immer wieder hartnäckig versuchte, den im Augenblick bekanntesten Slytherinjäger auf den Fluren abzufangen und die Hoffnung nicht aufzugeben, irgendwann mal ein vernünftiges Gespräch mit ihm zu führen. Meist verpuffte diese Hoffnung allerdings wie die schillernden Blasen von Gold-Champagner am Morgen nach der Siegesparty. Denn statt vernünftig miteinander zu reden, brüllten sie sich dermaßen laut und farbenfroh an, dass einige jüngere Schüler oftmals mit hochroten Köpfen flüchteten.
„Fair? Fair, Katie?“, brüllte Adrian gerade vorwurfsvoll zurück, als Katie ihm in einem Korridor im vierten Stock mal wieder abgefangen hatte, um einen erneuten Versuch zu wagen, Adrian klar zu machen, dass zwischen ihr und Oliver absolut nichts mehr lief. Doch dieser Versuch schien genauso nach hinten los zu gehen, wie alle anderen vorher auch. „Verdrehe hier jetzt nicht die Tatsachen. Ich bin immer fair zu dir gewesen.“
„Lüg doch nicht rum, Adrian.“, fauchte Katie verärgert zurück. „Du hast mich ganz mies erpresst, als ich ...“
„Ich habe dich erpresst?“ Ungläubig sah Adrian sie an und ging wieder einige Schritte auf sie zu, die er vor kurzem noch zwischen sie beide gebracht hatte, in dem Bemühen, nichts unüberlegtes zu tun, dass er hinterher bereuen würde. Dieser Vorsatz war jetzt allerdings vollkommen vergessen.
„Ja, hast du.“, gab Katie grimmig zurück. „Vor ein paar Wochen in der Großen Halle. Und kurz danach vor dem Krankenflügel. Und jetzt erzähl mir nicht, dass du das nicht durchgezogen hättest, wenn ich nicht nachgegeben hätte. Du wußtest genau, dass du mich eine Weile aus dem Verkehr hättest ziehen können, und du hast es nur nicht getan, weil ich auf deine Erpressung eingegangen bin. So sieht es nämlich aus. Ich glaube nämlich absolut nicht an deine sogenannte Slytherinehre.“
„Du bist was?“, fragte Lee verblüfft dazwischen, der gerade mit Fred und George um die Ecke kam und die letzten paar Worte gehört hatte. Doch Katie sah ihn gar nicht an, sondern erdolchte Adrian weiterhin mit finsteren Blicken, als sie Lee antwortete.
„Misch dich hier nicht ein, Lee. Du hast klar und deutlich gesagt, dass dich die Sache nichts mehr angeht, also halte dich gefälligst auch daran. Ich habe nämlich keine Lust, mich hier gerade mit zwei Leuten gleichzeitig zu streiten.“
„Ich geb's ungern zu, aber sie hat völlig recht.“, grummelte Adrian vor sich hin und sah im Gegensatz zu Katie doch zu Lee hinüber. „Verzieh dich, Jordan, und kümmere dich um deinen eigenen Kram.“
„Einen Scheiß werde ich tun.“, gab Lee zurück und trat mit gezücktem Zauberstab auf Adrian zu. „Ich habe mich zurück gehalten, weil ich der Meinung bin, dass Oliver inzwischen selber in der Lage ist, sich um seine holprige Beziehung mit Katie zu kümmern, aber das heißt noch lange nicht, dass ich mich nicht einmische, wenn ich erfahre, dass eine miese, kleine Schlange wie du eine meiner besten Freunde erpresst.“
„Von Freundschaft merke ich in letzter Zeit nicht viel, denn irgendwie seid ihr nie da, wenn sie meint, mich mal wieder anschreien zu müssen.“, fing Adrian an, wurde jedoch sofort von Katie unterbrochen, die ihm heftig ins Wort fiel.
„Was heißt denn hier anschreien?“, schrie sie ihn empört an und strafte sich damit im selben Moment Lügen. Allerdings ohne es überhaupt zu merken. „Alles was ich will, ist, dass du mir mal zuhörst und mich erklären läßt, was da vor unserer Kabine wirklich gelaufen ist.“
„Ich weiß, was da gelaufen ist, Katie.“, fauchte Adrian zurück. „Ich war schließlich dabei.“
„Anscheinend aber ja nicht lange genug, du gottverfluchter Sturschädel!“, fauchte sie zurück.
Eine Weile sahen sie sich so finster in die Augen, dass einige der Umstehenden sich abwandten, weil es sie unbehaglich schüttelte. Doch dann wandte Adrian sich ab und ging den Korridor entlang davon.
„Feigling!“, knurrte Katie leise vor sich hin. Allerdings nicht leise genug, dass es ihm entgehen konnte, was sie durchaus so beabsichtigt hatte.
„Jetzt hör mir mal ganz genau zu, Katie Bell.“, meinte Adrian jetzt so übertrieben gelassen und kontrolliert, dass sogar Katie es zwischenzeitlich mit der Angst zu tun bekam, als sie sah, wie er langsam wieder auf sie zukam. „Ich habe es nicht nötig, mich von dir als Feigling bezeichnen zu lassen. Ich habe im Gegensatz zu dir schließlich immer mit offenen Karten gespielt. Ich habe mit dir Showeinlagen hingelegt, als du es wolltest, habe mich an die Regeln gehalten, die du aufgestellt hast und habe mich grundsätzlich benommen, als wir miteinander alleine waren. Ich hatte oft genug die Gelegenheit, dich so richtig durchzuknutschen, dass dir hören und sehen vergeht, oder sogar noch weiter zu gehen, ohne dass du etwas dagegen hättest tun können. Das weißt du genauso gut wie ich. Sowohl als alles noch Show war, wie auch in der Zeit, wo wir – zumindest von meiner Seite aus – ernsthaft zusammen waren.“
Er stand jetzt so nahe vor Katie, dass sie seinen Atem regelrecht spüren konnte. Im Korridor um sie herum war es totenstill, denn niemand wollte ein Wort von dem verpassen, was Adrian sagte, der zum Ende hin immer leiser geworden war. Allerdings hatte seine Stimme dadurch nicht an Intensität verloren. Ganz im Gegenteil. Je leiser er wurde, desto eindringlicher wurde sein Tonfall.
„Ich hatte dich bei unseren Küssen so vollkommen unter Kontrolle, dass ich dich ohne Probleme um mehrere Kleidungsstücke hätte erleichtern können, wenn ich gewollt hätte. Ich hätte sowohl im Zaubertränkekerker als auch in den verschiedenen Geheimgängen, in die ich dich gezogen habe, um ein wenig harmlos mit dir zu knutschen, über dich herfallen und dir sonstwas antun können. Wir wissen beide, dass du mir kraftmäßig nicht gewachsen bist. Das haben wir immerhin gleich am Anfang unmissverständlich festgestellt. Niemanden hätte es überrascht, wenn ich ein wenig zu weit gegangen wäre, denn schließlich bin ich ja einer der bösen Slytherins, denen man sowas durchaus zutraut. Aber ich hab's nicht getan, Katie. Und dafür solltest du wirklich dankbar sein. Ich habe die Situationen nicht ausgenutzt, weil ich immer ganz genau wußte, was ich wollte. Das einzige Problem an dieser ganzen verfluchten Sache ist nur, dass du nicht weißt, was, oder besser gesagt, wen du eigentlich willst.“
„Ich will dich.“, entfuhr es Katie leise, bevor sie überhaupt bemerkte, dass sie geantwortet hatte. Ihr Blick war fest auf Adrian gerichtet und sie ignorierte das leise Geraune um sie herum, dass nach ihrer sehr spontanen Antwort aufkam. Adrian hielt ihren Blick noch einen Moment, wandte sich dann jedoch ab und ging.
„Ich habe wirklich Schwierigkeiten, das zu glauben, Katie.“, meinte er und an seinem Tonfall konnte man deutlich hören, dass er es leid war, mit ihr zu streiten. „Denn sobald Woody-Boy wieder anfängt, dir längere Zeit hinterher zu rennen, kippst du wieder in seine Richtung. Und mir steht nun wirklich nicht der Sinn nach einer Freundin, für die ich nur die zweite Wahl bin.“
Ein frustriertes Stöhnen entfuhr Katie, als sie sich daraufhin mit den Händen über das Gesicht fuhr und dann die Schläfen massierte, wo sich langsam aber sicher heftige Kopfschmerzen ankündigten. Als sie wieder den Korridor entlang sah, sah sie gerade noch, wie Adrian am Ende um die Ecke bog. Frustriert drehte sie sich herum und machte sich auf den Weg zu ihrer nächsten Unterrichtsstunde, wobei sie alles und jeden um sich herum ignorierte. Sie konnte nur zu gut nachempfinden, wie Adrian sich im Moment fühlte, auch wenn es völlig zu unrecht war. Denn auch sie hatte schließlich keine Lust mehr gehabt, bei Oliver nur noch zweite Wahl zu sein, was diese ganze Lawine der Ereignisse ja erst ins rollen gebracht hatte. Trotzdem nahm sie sich fest vor, nicht den gleichen Fehler wie Oliver zu machen. Sie würde hartnäckig bleiben, auch wenn es bedeuten würde, dass sie sich noch öfter mit Adrian in aller Öffentlichkeit würde streiten müssen. Ihr Ziel war schließlich jede Anstrengung und Peinlichkeit wert. Sie würde nicht aufgeben. Ganz sicher nicht.
***
Drei Tage später quälte sich Katie mehr schlecht als recht durch ihre Aufzeichnungen für Zaubertränke. Sie hatte sich fest in den Kopf gesetzt, auch ohne Adrians Hilfe ein gutes Ergebnis in den Prüfungen zu erreichen, doch das war in diesem Augenblick wohl nur ein frommer Wunsch. Mit einem verärgerten Schnauben schob sie schließlich ihre Notizen und Bücher vom Tisch und ließ den Kopf dann mit einem gequälten Seufzer auf die Tischplatte sinken. Sie hob ihn erst wieder an, als sie hörte, wie jemand ihr Buch vorsichtig wieder auf den Tisch legte. Doch als sie sah, wer da vor ihr stand, ließ sie ihn gleich darauf mit einem noch gequälteren Seufzer wieder auf die Tischplatte sinken.
„Verschwinde, Oliver.“, nuschelte sie aus einem Berg von Haaren und Kleidungsstoff hervor. „Ich habe gerade echt keinen Nerv darauf, mich mit dir zu streiten.“
„Das trifft sich gut, denn ich habe nicht vor mich mit dir zu streiten.“
„Und genau das ist der Grund, warum wir uns ständig streiten.“, brummte Katie resigniert und hob nun doch den Kopf an, um Oliver müde anzusehen. „Das mit uns wird nichts mehr, Oliver. Bitte sieh das endlich ein. Alles was für uns überhaupt noch drin ist, ist Freundschaft. Nichts mehr. Das schaffe ich einfach nicht mehr.“
Oliver fuhr sich müde seufzend mit einer Hand durch die sowieso schon wirren braunen Haare und sah Katie dann mit einem leicht traurigen Lächeln an.
„Ich weiß.“, meinte er schließlich und ließ sich neben ihr auf einem Stuhl sinken. „Das hast du in den letzten Tagen mehr als deutlich gezeigt, als du meine Anwesenheit nichtmal zur Kenntnis genommen hast, sondern stattdessen Pucey immer und überall aufgelauert hast, um ihm den Kopf wieder gerade zu rücken.“
Katie sah ihn kurz an und schüttelte dann den Kopf.
„Ich habe dich nicht ignoriert, Oliver. Du hast dich rar gemacht.“
„OK, Punkt für dich.“, gab er zu und grinste dann schief, als er vorsichtig nach ihrer Hand griff, sie kurz drückte und dann wieder los ließ. „Aber kannst du mir das ernsthaft verübeln? Es tut einfach weh zu sehen, dass er dir soviel mehr zu bedeuten scheint als ich.“
Katie nickte langsam und sah nachdenklich auf die Tischfläche, bevor sie den Blick wieder anhob, um Oliver wieder anzusehen.
„Es ist dir wirklich ernst mit ihm, stimmts?“
Wieder nickte sie und zwang sich geradezu, den Blick nicht abzuwenden. Oliver seufzte nochmal und tat genau dies schließlich. Sein Blick glitt abwesend durch den Gemeinschaftsraum, bevor er sich wieder auf sie richtete.
„Ich glaube nicht, was ich hier gerade tue.“, murmelte er leise vor sich hin und schloss die Augen kurz, um tief durchzuatmen. Katie sah ihn jetzt irritiert an, doch sie hielt den Mund, da sie beim besten Willen nicht wußte, was sie hätte sagen sollen. Stattdessen sprach Oliver jetzt leise weiter. „So wie er reagiert - und bei dem, was er so von sich gibt -, ist kaum zu übersehen, dass er es auch ernst zu meinen scheint. Auch wenn sich mir dabei jedes Mal den Magen umdreht und es mir lieber wäre, wenn er wirklich nur mit dir gespielt hätte.“
„Vielleicht.“, murmelte Katie leise vor sich hin. „Vielleicht hat er es wirklich ernst gemeint. Aber das habe ich mir wohl damit verspielt, dass ich verwirrt genug war, deinen Kuß nach dem Pokalsieg zu erwidern.“
„Verwirrt warst du wirklich.“, gab Oliver ihr recht. „Das habe ich deutlich gemerkt. Aber auch als du ihn erwidert hast, konnte man doch merken, dass du nicht wirklich ganz mit dem Herzen dabei warst. Sei mal ehrlich, du hast dabei nicht an mich gedacht, oder?“
Ein humorloses Auflachen war von Katie zu hören, als ihr das paradoxe an dieser Frage auffiel. Sie sah, wie Oliver sie verwirrt ansah und winkte ab.
„Warum ist es bloß immer der Falsche, der mir gerade diese Frage stellt?“, meinte sie schließlich unterdrückt hysterisch.
Oliver schnaubte.
„Ich denke, ich will gar nicht mehr hören.“, meinte er und verzog leicht das Gesicht. Er sah Katie einen Moment lang nachdenklich an und schien sich dann einen innerlichen Ruck zu geben. „Stehst du dazu, dass für uns Freundschaft noch möglich ist?“
Katie nickte entschlossen und ohne zu zögern.
„Natürlich stehe ich dazu. Ich habe dich doch nicht völlig aus meinem Leben geworfen, als ich Schluss gemacht habe, Oliver. Uns verbindet einfach viel zu viel, als dass da überhaupt nichts mehr sein könnte. Schon alleine auf der Quidditch-Ebene. Es wird immer irgendwie ein 'Uns' geben. Aber eben nicht mehr als Paar, sondern auf eine andere Art und Weise.“
„Quidditch“, kommentierte Oliver trocken und lachte dann leise in sich hinein. „Quidditch ist im Grunde genommen erst schuld daran, dass es mit uns nicht geklappt hat.“
„Würde ich so nicht sehen.“, gab Katie jetzt auch leicht grinsend zurück. „Ohne Quidditch hätten wir am Anfang überhaupt keine gemeinsame Basis gehabt und hätten jetzt gar nicht die Option auf Freundschaft.“
„So kann man es auch sehen.“
Leicht zögerlich stand Oliver auf, ging zwei Schritte um die Tischkante herum und gab Katie einen rein freundschaftlichen Kuß auf die Stirn.
„Vertrau mir, okay? Egal was passiert, vertrau mir einfach.“, flüsterte Oliver so leise, dass sie sich nicht sicher war, ob sie ihn überhaupt richtig verstanden hatte. Doch als sie ihn fragend ansah und den wirklich ehrlichen Ausdruck in seinen Augen sah, wußte sie, dass sie ihn richtig verstanden hatte und nickte zögernd.
„Okay“, gab sie leise zurück.
„Gute Nacht, Katie.“
„Gute Nacht.“
Reichlich verwirrt sah sie ihm schließlich nach, da sie immer noch nicht wirklich wußte, wobei sie ihm eigentlich vertrauen sollte.
***
„Kannst du mir mal den Kürbissaftkrug rüber reichen, Alicia?“, war das erste, was Katie am nächsten Morgen von Oliver hörte, als sie sich an den Gryffindortisch setzte. Matt rückte ein wenig zur Seite und so konnte sie sich zwischen ihn und Angelina auf die Bank quetschen.
„Klar, hier.“, meinte Alicia und reichte ihrem Kapitän das gewünschte.
„Danke“, meinte dieser, schenkte sich den Becher voll und fing beim abstellen des Krugs Katies Blick ein. „Morgen, Katie. Gut geschlafen?“
„Gut, aber zu wenig.“, gab sie ehrlich zu und warf ihm ein leicht unsicheres Lächeln zu. Sie gab es nur ungern zu, aber dieser plötzliche Stimmungswechsel, den Oliver da am Vorabend im Gemeinschaftsraum an den Tag gelegt hatte, verwirrte sie ziemlich und hatte auch dafür gesorgt, dass sie lange keinen Schlaf gefunden hatte. Zu sehr war sie mit der Frage beschäftigt gewesen, bei was sie ihm vertrauen sollte. Und auch an diesem Morgen schien sich an seiner merkwürdig irritierenden Stimmung nicht viel geändert zu haben.
Oliver warf ihr ein breites Grinsen zu und hob den Krug wieder an, um ihr ebenfalls den Becher voll zu schenken.
„Und dabei konntest du ganze zwei Stunden länger schlafen, als an einem normalen Mittwoch während der Quidditchsaison, wenn wir Frühtraining haben.“
Ein Stöhnen entfuhr Katie und sie ließ gespielt frustriert den Kopf in die Hände sinken.
„Erinnere mich nicht daran, du Tyrann. Ich bin froh, dass die Zeiten endgültig vorbei sind.“
Amüsiertes Gelächter war um sie herum zu hören, dass jedoch so urplötzlich verstummte, dass Katie sich dazu veranlasst sah, verwirrt auf und sich dann um zu sehen. Ein Blick aus tiefblauen Augen traf sie so unerwartet, dass sie erst irritiert die Augen aufriss und dann die Hände in Abwehrhaltung anhob und den Blick abwandte.
„Nicht vor dem Frühstück, Adrian.“, flehte sie ihn mit gequälter Miene an. „Gib mir die Chance, wach und satt zu sein, bevor wir uns wieder völlig sinnlos streiten.“
„Ich habe nicht vor zu streiten.“, meinte Adrian jedoch zu ihrer Verblüffung, warf Matt einen kurzen Blick zu, der schulterzuckend ein wenig weiter zur Seite rutschte, woraufhin Adrian sich rittlings neben Katie auf die Bank setzte.
„Was ist das bloß in letzter Zeit, dass ich mich ständig in Situationen wiederfinde, die mir so fürchterlich bekannt vorkommen?“, murmelte sie resigniert vor sich hin und warf Oliver dabei einen langen Blick zu. Dieser zuckte lediglich mit den Schultern und wandte sich dann stumm seinem Müsli zu, während er nach einer herrenlosen Zeitung angelte, die jemand auf dem Tisch liegen gelassen hatte.
„Er hat mich gestern abgefangen und mich ziemlich in die Mangel genommen.“, setzte Adrian das Gespräch fort und nickte zu Oliver hinüber, ohne allerdings den Blick von Katie abzuwenden.
„Na, dann hat er endlich mal was vernünftiges getan.“, mischte Lee sich jetzt in das Gespräch ein, der bisher nur finster zu Adrian hinüber gestarrt hatte, als dieser sich wie selbstverständlich zu ihnen an den Gryffindortisch gesetzt hatte.
„Misch dich da nicht ein, Lee.“, meinte Oliver jedoch zur Verblüffung aller und nahm den Blick nicht von der Zeitung. „Das ist eine Sache, die die Zwei unter sich ausmachen müssen.“
„Was soll das denn jetzt schon wieder heißen?“, warf Lee irritiert ein, doch was er sonst noch sagte, blendete Katie rigoros aus, da sie viel zu sehr damit beschäftigt war, zwischen Oliver und Adrian hin und her zu sehen, die sich beide keines Blickes würdigten, aber dennoch so nahe beieinander saßen, dass sie sich nach normalen Maßstäben definitiv nicht ignorieren konnten.
„Was, zur Hölle, ist hier los?“, fragte sie Adrian schließlich.
„Ich denke, das habe ich gerade gesagt.“, antwortete Adrian ihr und warf ihr ein kleines Lächeln zu, dass sie wieder leicht an den Adrian erinnerte, in den sie sich so unerwartet verliebt hatte. „Er hat mich gestern abgefangen und in die Mangel genommen.“
„Und das heißt?“, hakte Katie gedehnt nach, da sie ihm nicht ganz folgen konnte.
„Das heißt, dass er mir klipp und klar gesagt hat, was da vor eurer Kabine vorgefallen ist.“, erklärte Adrian und grinste jetzt leicht verschmitzt. „Scheinbar hast du wirklich recht gehabt. Ich glaube nämlich beim besten Willen nicht, dass er einen Grund hat, mich anzulügen und zu behaupten, dass du ihm eine mächtige Ohrfeige verpaßt hast, kaum dass er von dir abgelasseb hat.“
„So, glaubst du das?“, wiederholte Katie irritiert und warf eine kurzen Blick zu Oliver hinüber, der kurz von seiner Zeitung aufsah, ihren Blick mit unleserlicher Miene erwiderte und sich dann wieder darin vertiefte.
'Er hat gelogen. Es gab nie eine Ohrfeige. Oliver hat Adrian glatt angelogen und sich damit komplett aus dem Rennen geschossen.', ging es Katie verwirrt durch den Kopf. 'War es das, wobei ich ihm vertrauen sollte? Aber warum hat er das getan?'
„Wann hat er das gesagt?“, fragte sie Adrian die Frage in leicht abgewandelter Form, da ihr gerade ein völlig verrückter Gedanke kam.
„Kurz nach dem Abendessen, auf halbem Weg zur Bibliothek.“, antwortete Adrian ohne lange zu zögern, woraufhin Katie die Augen schloss und zittrig durchatmete.
'Er hat erst mit Adrian gesprochen und dann mit mir. Das ist vollkommener Wahnsinn. Ich kann nicht glauben, dass er das getan hat.'
Langsam öffnete sie die Augen. Ihr Blick ging wieder zu Oliver hinüber, der sie über den Rand der Zeitung kurz ansah und sich dann wieder dahinter verzog. Außerdem bemerkte sie aus den Augenwinkeln, wie sie von ihren Teamkameraden ziemlich irritiert angesehen wurde und als sie genauer hinsah, bemerkte sie auch, dass eine ziemlich große Anzahl weiterer Gryffindors und auch Ravenclaws vom Nachbartisch zu ihnen hinüber sah. Nicht alle sonderlich freundlich, denn Lee sah aus, als würde er gleich platzen, und auch Fred und George machten nicht gerade begeisterte Gesichter. Aber doch sahen alle mit einer gesunden Portion Neugier zu. Neugier, die auch sie inzwischen ziemlich im Griff hatte, weshalb sie Adrian jetzt wieder fragend ansah. Dieser hielt den Blick noch einen Moment, bevor er weiter sprach.
„Es kostet mich jetzt wirklich gewaltige Überwindung, das hier in der Höhle des Löwen zuzugeben, aber ich war definitiv eifersüchtig.“, meinte er schließlich, woraufhin aufgeregtes Geraune einsetzte. Doch er ließ Katie nicht aus den Augen und diese hielt den Blick, während er eine Hand anhob und ihr wie beiläufig eine Haarsträhne hinter ein Ohr zurück strich. Sein Lächeln wurde breiter, als er bemerkte, wie Katie bei dieser Geste tief die Luft einsog. „Ich habe nämlich nie gelogen, Katie.“, fuhr er leise fort. „Ich will dich definitiv ganz. 'Gar nicht' ist nichtmal eine wage Option. Aber was ich definitiv überhaupt nicht will, ist, dich mit ihm zu teilen oder immer mit dem Gedanken zu leben, dass du mich jeden Moment wieder aus deinem Leben kicken wirst, sobald er dir wieder das kleinste bißchen Hoffnung auf eine funktionierende Beziehung gibt.“
Ein leichtes Rascheln und Knistern war von jenseits des Tisches zu hören, doch Katie interessierte in diesem Moment das Schicksal der armen Zeitung in Olivers Händen herzlich wenig.
„Oliver und ich sind nur noch Freunde. Nicht mehr und nicht weniger.“, erwiderte Katie genauso leise und hielt dem Blick weiterhin stand. „Das haben wir gestern Abend ein für alle Mal geklärt.“
„Und was sind dann wir?“
Sie schüttelte den Kopf, bevor sie ihn ratlos ansah.
„Es kommt darauf an, was du willst, Adrian.“, antwortete sie ihm und gab ihm ein ehrliches Lächeln. „Ich habe dir zwei Tage vor dem Quidditchfinale an eurem Tisch drüben gesagt, dass ich bereit dazu bin, mich mit allem was ich habe auf einen Slytherin einzulassen. Und dazu stehe ich auch heute noch.“
Adrian lächelte zufrieden, schob eine Hand in ihre Haare und zog sie langsam zu sich heran.
„Na, dann scheinen wir ja beide das gleiche zu wollen.“, flüsterte er kaum hörbar.
Katie lief trotzdem ein leichter Schauer über den Rücken, denn in seiner Stimme schwang ein Unterton mit, der ziemlich viele Versprechungen in sich barg. Doch im nächsten Moment waren da nur noch seine Lippen, die sich sanft auf ihre legten. Einen Kuß wie diesen hatte sie von ihm bisher noch nie bekommen. Es war kein Feuer in ihm, keine Leidenschaft, die sie atemlos machte. Dafür war er viel zu ruhig und zurückhaltend. Stattdessen spürte sie zum ersten Mal, wie er sich ihr völlig öffnete und ihr zeigte, dass er sie nicht nur herausforderte, reizte und provozierte, sondern dass er tatsächlich tiefe und ehrliche Gefühle für sie hatte. Als sie sich schließlich wieder von ihm löste, hielt sie die Augen noch für einen kleinen Moment geschlossen und fuhr sich langsam mit der Zunge über die Lippen, die gerade noch von seinen so sanft liebkost worden waren.
„Ganz oder gar nicht, Katie.“, flüsterte er kaum hörbar.
Langsam öffnete sie die Augen und sah ihn verträumt lächelnd an.
„Ganz“, antwortete sie flüsternd. „Ohne wenn und aber.“
„Wie schön, dass wir das geklärt haben.“, mischte Oliver sich jetzt ein, und als Katie aufsah, sah sie, wie er Adrian fest ansah, der diesen Blick ebenso fest zurückgab. Allerdings konnte sie in diesem Moment keinen Hass in den Blicken der beiden erkennen, der sonst immer mehr oder weniger deutlich darin gelegen hatte, wenn sich ihre Blicke in den vergangenen Tagen und Wochen begegnet waren. Stattdessen lag etwas herausforderndes in Olivers Blick und etwas überzeugend entschlossenes in Adrians.
„Vergiss nicht, was ich dir gestern gesagt habe, Pucey.“, warnte Oliver ihn jetzt leise und unmissverständlich drohend. „Wenn du irgendwas tust, was sie nicht will oder was sie unglücklich macht, ist kein Versteck der Welt sicher genug, als das ich dich nicht finden und zu Schlangengulasch verarbeiten würde. Ist das klar?“
„Glasklar, Wood.“, gab Adrian zurück und nickte, brach aber auch bei dieser deutlichen Drohung den Blickkontakt nicht ab. „Auch wenn es unnötig ist, das zu erwähnen, den ich habe nicht vor, ihr weh oder etwas gegen ihren Willen zu tun. Das habe ich bisher nicht und das werde ich auch in Zukunft nicht. Ich brauche keine Drohungen, um mich an diese Regel zu halten.“
Einige atemlose Sekunden hielt der Blickkontakt zwischen den beiden noch an, doch dann wandte Oliver sich nickend wieder seiner Zeitung zu. Adrian stand jedoch auf und sah Katie leicht bedauernd an.
„Ich fürchte, ich werde dich jetzt allerdings kurzfristig wieder verlassen müssen, Kitty-Darling.“, meinte er und grinste sie leicht amüsiert an. „So wie ich das sehe, warten meine Leute nämlich auf einen aktuellen Lagebericht.“
„Scheint so.“, gab Katie ihm recht, als sie einen schnellen Blick zum Slytherintisch warf und feststellte, dass sie von dort mit skeptischen Blicken bedacht wurden. „Mach Miles und Chris klar, dass sie mich nicht mehr mit Blicken erdolchen müssen.“
Adrian lachte und gab ihr nochmal einen schnellen Kuß, bevor er sich auf den Weg machte.
„Mach ich. Aber nur wenn du im Gegenzug dafür sorgst, dass dein Privat-Bodyguard bei unserem nächsten Treffen weiß, dass ich nicht mehr der Feind bin.“
Jetzt lachte auch Katie und warf Lee einen raschen Blick zu, der immer noch mit einer Mischung aus Entgeisterung, Unglaube und Mordlust zwischen ihr, Adrian und Oliver hin und her sah. Etwas, worin er von Fred, George, Alicia und Angelina nach Kräften unterstützt wurde.
„Das war es?“, fragte Lee schließlich und sah Oliver völlig entgeistert an. „Du gibst einfach so kampflos auf und überlässt dieser Flachpfeife das Feld? Das kann doch nicht dein Ernst sein!“
„Ich habe nicht kampflos aufgegeben, Lee.“, gab Oliver zurück und sah Lee jetzt an. „Manchmal ist es nur halt besser, zu kapitulieren, wenn man merkt, dass man sowieso keine Chance hat, zu gewinnen, um damit zumindest noch einen kleinen Teil dessen zu retten, um das man mal gekämpft hat. Glaub nicht, dass mir das hier leicht fällt. Ich habe mich nicht umsonst in meine Zeitung vergraben, als die beiden ihre Versöhnungsszene hier aufgeführt haben, aber es ist mir definitiv lieber, nur noch mit Katie befreundet zu sein und sie glücklich zu sehen, statt sie in eine Beziehung zu zwingen, die sie unglücklich macht oder noch schlimmer, sie völlig zu verlieren.“
„Du bist vollkommen irre.“, erwiderte Lee jedoch und sah ihn weiterhin entgeistert an.
„Nein“, meinte Oliver jedoch und sah Katie dabei fest in die Augen. „Ich bin nur jemand, der verliebt genug ist, um seine Traumfrau gehen zu lassen, damit diese ihr Glück findet.“
Und diese Worte schafften es endgültig, dass Katie den Kampf gegen ihre Gefühle verlor, die an diesem Morgen regelrecht Achterbahn fuhren, seitdem Adrian am Gryffindortisch aufgetaucht war.
„Ich werde nicht gehen, Oliver.“, antwortete sie leicht erstickt und wischte sich mit einem verlegenen Lächeln die Tränen weg, die ihr über die Wange liefen, während sie mit der anderen über den Tisch hinweg nach seiner Hand griff, um sie fest zu drücken. „Das verspreche ich dir.“
„Ich nagele dich drauf fest.“, gab er leise zurück.
Katie nickte, blinzelte noch ein paar Mal gegen ihre Tränen an und ließ danach den Blick quer durch die Große Halle zum Slytherintisch schweifen. Sie brauchte nicht lange, um Adrians Blick einzufangen. Er grinste ihr breit zu und sie grinste ebenso breit zurück. In diesem Moment hatte sie definitiv kein mulmiges Gefühl mehr im Magen, denn sie hatte das erste Mal seit Ewigkeiten wieder das Gefühl, dass in ihrem Leben alles völlig richtig lief, auch wenn sie ziemlich unkonventionelle Wege hatte einschlagen müssen, um dieses Ziel zu erreichen.
Als sie den Blick schließlich wieder von Adrian abwandte, erinnerte sie sich an Matt, der immer noch neben ihr saß und die ganze Zeit über kein einziges Wort gesagt hatte. Sie schubste ihn unter dem Tisch leicht mit dem Fuß an, woraufhin er sie fragend ansah.
„Danke“, flüsterte sie so leise, dass nur er es hören konnte.
„Keine Ursache. Immer wieder gerne.“, gab er ebenso leise zurück und lächelte sie freundschaftlich an.
Katie lächelte zurück und warf auch David auf der anderen Seite des Tisches ein dankbares Lächeln zu, dass dieser ehrlich erwiderte. Letztendlich hatte sie es schließlich nur diesen Beiden und ihrer völlig verrückten Idee zu verdanken, dass sich ihr Liebesleben wieder in eins verwandelt hatte, mit dem sie zufrieden sein konnte. Und dafür würde sie ihnen immer dankbar sein.
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