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Fanfiction

Irgendwas bleibt - Irgendwas bleibt

von KitKat2006

Sag mir, daß dieser Ort hier sicher ist,

und alles Gute steht hier still.

Und dass das Wort, das du mir heute gibst,

morgen noch genauso gilt.


Ginny war glücklich - zumindest für den Moment. Harry war hier, bei ihr. Er war sicher und nicht irgendwo fern von ihr auf irgendeiner geheimnisvollen Mission mit Hermine und Ron, an dessen Ende auf jeden Fall der gefährlichste Schwarzmagier stand, den es zur Zeit gab. Dass er nicht vor der Wahl stand, zu töten oder getötet zu werden. Sie pfiff drauf, was es am Ende für ihre Welt bedeuten würde, wenn Harry niemals an diesen Punkt gelangen würde. Eine Welt in Angst mit ihm war tausendmal besser als eine Welt in Frieden ohne ihn. Was würde sie nicht darum geben, mit zu gehen, wenn Harry, Ron und Hermine aufbrachen. Einfach nur, um nicht starr vor Angst um ihn zurück bleiben zu müssen.

Diese Welt ist schnell

und hat verlernt, beständig zu sein.

Denn Versuchungen setzen ihre Frist.

Doch bitte schwör, dass wenn ich wiederkomm,

alles noch beim Alten ist.


Musik, Blumen, feiernde Menschen, schöne Kleider, unzählige Kerzen. Alles verschwamm um Harry herum zu einem großen, leicht verwirbelten Nebel. Er sah nur Ginny, mit der er langsam über die Tanzfläche schwebte. Er hatte keine Ahnung, wie sie ihn dazu bekommen hatte, mit ihr zu tanzen, denn es gab für ihn nichts schlimmeres als tanzen. Aber er hatte das merkwürdige Gefühl, dass sie ihn heute sogar dazu bekommen hätte, nackt in dem kleinen Champagnerbrunnen vor dem Zelt zu baden, wenn sie es von ihm verlangt hätte. Tanzen, Nacktbaden, die Welt aus den Angeln heben. Alles würde er tun, wenn es nur bedeuten würde, dass dieses wundervolle Mädchen in seinen Armen sicher war.

Sicher in einer Welt, die immer unsicherer wurde, je länger er untätig blieb. Er konnte nur hoffen, dass sie auch noch sicher war, wenn er gehen mußte, um seine Pflicht zu erledigen - und dass sie auf ihn warten würde, wenn er wiederkam.

Falls er wiederkam.

Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit,

in einer Welt, in der nichts sicher scheint.

Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas das bleibt


Ginny spürte, wie er den Halt um sie herum festigte und sie noch näher an sich ran zog. Sie sah, wie er ihr mit undeutbarer Miene in die Augen sah, und wünschte sich so sehr, dass er die Maske fallen ließ und sie für einen Moment, nur einen einzigen, winzigen Moment, vollständig in seine Seele blicken ließ.

Er war so verschlossen, seit er hier im Fuchsbau angekommen war, so ernst und innerlich angespannt. Sie wußte, dass er, trotz der äußeren Ruhe, innerlich wahnsinnig vor Angst sein mußte, bei dem, was ihm unweigerlich bevor stand. Wenn sie ihm nur irgendwie helfen konnte, diese Angst zu mindern.

Einem spontanen Einfall folgend löste sie schließlich den Verschluß des dünnen, silbernen Armkettchens um ihr linkes Handgelenk und legte es ihm um. Es war nicht leicht - sein Handgelenk war wesentlich kräftiger als ihres -, aber am Ende hatte sie doch Erfolg. Mit einem Lächeln sah sie wieder hoch und traf direkt auf den intensiven Blick seiner grünen Augen.

Er erwiderte ihr Lächeln und sie wußte, dass er verstanden hatte, was sie mit dieser Geste ausdrücken wollte.

Gib mir einfach nur 'n bisschen Halt,

und wieg mich einfach nur in Sicherheit.

Hol mich aus dieser schnellen Zeit,

nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.

Gib mir was, irgendwas, das bleibt.


Ungewohnt fühlte das Armkettchen sich an seinem Handgelenk an, aber definitiv nicht unangenehm. Er spürte die Wärme, die es von ihrem Körper aufgenommen hatte und jetzt an ihn abgab.

Als würde ein Teil ihrer Selbst in ihn übergehen, bei ihm bleiben, bereit, ihm Halt geben, wenn er ihn am nötigsten brauchte. Zu einem Zeitpunkt, den er in weiter Ferne erhoffte, aber andererseits doch herbei sehnte. Um diese schwere Pflicht endlich zu erfüllen. Um die Bürde abzulegen, die ihm seit Kindesbeinen an aufgeladen worden war, abzulegen.

Um einfach nur mit ihr zusammen zu sein, mit ihr zu tanzen, solange sie es wollten.

Auch wenn die Welt den Verstand verliert,

das hier bleibt unberührt.

Nichts passiert.


Aufruhr am Zelteingang. Musik, die abbricht. Anweisungen, die knapp aber doch eindringlich in die Menge gerufen wurden. Schreie. Chaos. Flucht. Panik.

Von einem Moment auf den anderen wurde er aus seiner Traumwelt gerissen. Ginny stolperte rückwärts, entglitt seinen Armen und ging in der rennenden Menge unter.

Alles stürmte zum Zelteingang, doch er hatte nur ein Ziel: Ginny wiederfinden. Um jeden Preis. Sicher zu stellen, dass es ihr gut ging, dass sie sicher war und dass ihr nichts weiter passieren würde. Doch so sehr er sich auch bemühte, sie blieb verschwunden. Verschluckt von einer in Panik fliehenden Hochzeitsgesellschaft.

Wo Hermine so urplötzlich herkam, wußte er nicht, aber er war froh, dass sie da war. Zumindest um sie brauchte er sich nicht mehr zu sorgen. Wenn er jetzt nur noch Ron und Ginny finden würde, wäre seine Welt wieder halbwegs in Ordnung.

Er spürte eine Hand um sein Handgelenk - Ginnys Armkettchen wurde schmerzhaft in seine Haut gedrückt - aber er ließ sich willig mitziehen, als er erkannte, dass es Hermine war, die ihn aus der Menge heraus zog. Sekunden später war auch Ron da, und schließlich handelten sie wieder wie immer. Als ein eingespieltes Team.

Hermine stellte die Weichen und sie alle folgten der neuen Route ins Ungewisse.

Er hoffte nur, dass Ginny sicher sein würde, wenn der Aufruhr sich gelegt hatte.

Er hoffte.

Und betete.

Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit,

in einer Welt in der nichts sicher scheint.

Gib mir in dieser schnellen Zeit, irgendwas das bleibt.

Gib mir einfach nur 'n bisschen Halt,

und wieg mich einfach nur in Sicherheit.


Mitgerissen von einer Woge aus Stoff und Körpern, übertönt von einem Konzert aus Schreien, polternden Schritten und umkippenden Tischen und Stühlen, versuchte Ginny krampfhaft, gegen den Strom zu schwimmen. Zurück zu Harry. Zurück zu ihrem sicheren Hafen. Zu dem einen Menschen, von dem sie sicher war, dass sie ohne ihn nicht würde weiterleben können - und den sie unweigerlich zu verlieren drohte.

Eine eiskalte Panik hatte sie ergriffen. Dies war der Moment. Der Moment wo er sie zurück lassen und aufbrechen würde zu seiner Mission, die ihn mit größter Wahrscheinlichkeit das Leben kosten würde. Denn welche Chancen hatte er schon gegen einen vollkommen Wahnsinnigen? Nicht die geringste, selbst wenn er alles geben würde.

Sie würde ihn verlieren, er würde sich für den Frieden opfern und sie alleine zurück lassen. Und davon mußte sie ihn abhalten.

Sie pfiff auf den Frieden der magischen Welt. Die Welt konnte von ihr aus zum Teufel gehen. Alles was sie wollte war er.

Sie sah ihn in dem Moment, als Hermine nach seinem und Rons Arm griff. Sekundenbruchteile später waren sie alle drei verschwunden.

Weinend sank sie zu Boden.

Hol mich aus dieser schnellen Zeit,

nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.

Gib mir was, irgendwas, das bleibt.


Sichernd sah er sich in der neuen Umgebung um. Die Mission hatte begonnen. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Leben oder sterben, das waren jetzt seine Optionen, und er würde ganz bestimmt nicht kampflos untergehen, wenn sein Schicksal "Sterben" hieß. Denn es gab einen verdammt guten Grund, um den winzigen Prozentsatz zu kämpfen, der für ihn "Leben" bedeutete.

Sein Blick fiel auf das dünne, silberne Armkettchen um sein Handgelenk, dass so merkwürdig fehl am Platz wirkte, aber gleichzeitig definitiv dahin gehörte.

Er sah Ron und Hermine entschlossen an.

"Auf geht's, Leute. Packen wir's an. Umso schneller sind wir wieder zu Hause."


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