
von tini-wini84
Bereits am Nachmittag des 2. Septembers sollte ich meine neue Klasse kennen lernen. Es waren nur ungefähr 15 Schüler, wie ich am Morgen, als ich Professor Binns im Unterricht für Geschichte der Zauberei assistierte, feststellte. Bereits hier viel mir ein Mädchen namens Hermine Granger auf, die sehr viel wusste, allerdings auch eine etwas anstrengende Art hatte. Zumindest trug sie zum Fortlaufen des doch eher eintönigen Unterrichts bei. Obwohl ich ein richtiger Geschichtsfreak bin, war auch ich eher einem Traum nahe, als den Koboldaufständen im 16. Jahrhundert. Wie gerne würde ich diese Stelle übernehmen, um die Schülern wenigstens ein bisschen für die spannende Zaubereigeschichte zu begeistern. Da Professor Binns nicht einmal seinen eigenen Tod mitbekommen hatte, konnte man kaum damit rechnen, dass er von etwas anderem als seiner Stimme Notiz nahm. Außer rumzusitzen hatte ich in diesem Unterricht nicht viel zu tun. Professor Dumbledore hatte mir angeraten am Zaubereigeschichteunterricht teilzunehmen, damit ich was den Unterrichtsstoff betrifft auf dem Laufenden war und meinen eigenen Unterricht den Themen entsprechend anpassen konnte. Anfangs hielt ich das auch noch für eine gute Idee. Nach den ersten fünf Minuten jedoch, in denen bereits die Hälfte der Schüler, mich eingeschlossen, geistig abwesend war, beschloss ich meinen Unterricht am Interesse der Schüler zu orientieren. Nur so konnte man Schüler eben für ein Unterrichtsfach begeistern, zumal meine Fächer und deren Lerninhalte normalerweise nicht gerade den Interessen junger Zauberer entsprechen. So konnte zum Beispiel meine Schwester Lara bis heute nicht nachvollziehen, was ich daran so spannend fand, irgendwelche hingekritzelten Striche, wie sie es gerne nannte, zu entziffern und zu deuten.
Nach der Mittagspause trafen 15 eher unmotivierte junge Hexen und Zauberer in meinem Klassenraum ein. Ich begrüßte die Schüler freundlich. „Wie ihr bereits wisst, werde ich euch etwas über magische Symbole beibringen. Vor allem wie man sie deutet und wo wir sie heute noch finden und gebrauchen, aber auch über ihren Ursprung, der meistens in der Mythologie verschiedener Kulturen zu finden ist.“ Daraufhin lies ich zu jedem einzelnen ein kleines Pergament mit verschiedenen Zeichen und Symbolen fliegen: „Dieses Pergament zu entziffern ist eure erste Aufgabe. Ich habe hier vorne im Regal einige Nachschlagewerke in verschiedenen Sprachen.“ Die Schüler machten immer noch einen müden und eher gelangweilten Eindruck, eine Hexe meldete sich. Ich nickte ihr zu. „Werden wir auch Runen behandeln?“, fragte das Mädchen namens Hermine Granger. Ich freute mich, dass wenigstens eine begeistert war und von mir Notiz zu nehmen schien. „Ja, Runen werden wir auch behandeln. Ihr könnt natürlich für spätere Unterrichtsstunden Zaubermanns Silbentabelle, Runenübersetzungen für Fortgeschrittene oder Alte Runen leicht gemacht verwenden.“ - „Na, zum Glück habe ich mir die schon vor den Sommerferien bei Flourish und Blotts gekauft. Meine alten Exemplare waren schon so zerflättert, weil Ron meinte er müsste mit den Büchern Aufrufezauber üben“, hörte ich Hermine erleichtert zu ihrer Tischnachbarin sagen. „Macht euch an die Arbeit, ihr könnt auch gerne zu zweit oder in der Gruppe arbeiten. Wer eine Frage hat, dem werde ich gerne behilflich sein. Ihr dürft euch auch die Bücher aus dem Regal zu Hilfe nehmen, zaubert sie dann aber bitte wieder ordentlich hinein.“ Zu meinem Erstaunen machten sich wirklich alle Schüler daran die Symbole zu entziffern. Ich hatte für den Anfang recht einfache gewählt, wie z. B. das Sonnenzeichen der Buddhisten oder altägyptische Hieroglyphen. Da man sich schon im alten Ägypten mit Magie beschäftigt hatte, war es ein wichtiger Bestandteil des Unterrichts. Hier ging es jedoch nicht um die Hieroglyphen, wie wir sie heute aus Büchern kennen und die sehr vereinfacht sind, sondern um die ursprünglichen Symbole, die wirklich noch magische Bedeutung hatten.
Hier und da gab es ein paar Fragen, wenn sie mit der doch etwas eigentümlichen Nummerierung in den griechischen Symbolbüchern nicht zurecht kamen, aber im großen und ganzen war der Unterricht sehr effektiv und ich hatte das Gefühl, dass es zumindest einigen auch Freude gemacht hatte und eine Abwechslung zum anderen Unterricht war.
Zwei Tage später tauchten wir erneut in die Welt der Symbole ein und es versprach eine äußerst interessante Stunde zu werden. Vor allem zwischen Mythologie, Symbolen und dem Ursprung vieler Wörter gab es einen Zusammenhang. Vieles hatte seinen Ursprung in der griechischen und keltischen Mythologie oder der Kultur der Majas. „Also, heute wollen wir uns mit dem Wort Animagus näher beschäftigen.“ Kaum hatte ich den Satz beendet, war auch schon Hermines Hand in die Luft geschnellt. Ich nickte ihr zu. „Ein Animagus ist ein eine magische Person, die sich in ein Tier verwandeln kann. Sie nimmt immer die selbe Tiergestalt an. Zu welchem Tier sie werden kann, hängt von ihrer Persönlichkeit ab und ist nicht frei wählbar. Wer die als sehr schwierig geltende Animagus-Verwandlung beherrscht, kann willentlich und ohne Zauberstab aus seiner menschlichen in seine tierische Gestalt wechseln und zurück. Allerdings sind Animagi zaubereigesetzlich dazu verpflichtet, sich und ihre Tiergestalt beim Zaubereiministerium registrieren zu lassen.“ - „Gut Hermine, danke“, ich wandte mich nun der ganzen Klasse zu, „Das Wort Animagus besteht aus dem lateinischen Wort für Zauberer, also magus, und animal. Die Fähigkeit sich in ein Tier zu verwandeln findet man in vielen alten Legenden. Ich möchte, dass ihr euch in Gruppen aufteilt und in den jeweiligen Büchern nachseht, was in den einzelnen Kulturen über Animagi zu finden ist.“ Ich verteilte die Bücher an die Gruppen und ging durch den Raum, während die Schüler geschäftig in den Büchern blätterten. Nach etwa zwanzig Minuten Suche begannen wir mit der Besprechung. „Was habt ihr in der keltischen Mythologie über Animagi gefunden?“, fragte ich die zuständige Gruppe. „In der keltischen Mythologie ist vor allem die Verwandlung in Hirsche, Wildschweine, Schwäne, Adler und Raben beschrieben.“ - „Richtig. Was habt ihr im Bezug auf die Kultur der Ureinwohner Amerikas herausgefunden?“, fragte ich die nächste Gruppe. „Ähhm, also, die Schamanen haben sich oft in Tiere, vor allem Vögel, verwandelt. Wir haben hier auch eine Totemfigur gefunden, die als Adlermann bezeichnet wird.“ Er zeigte das Bild in der Klasse herum. „Super. Wie sieht es mit der griechischen Mythologie aus?“ Hermine meldete sich: „Einer der ersten Zauberer, der die Fähigkeit besaß sich in Tiere zu verwandeln, war Proteus. Er war ein Diener von Poseidon, dem Gott der Meere. Proteus hatte ein besonderes Talent, da er in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft blicken konnte, weshalb er oft um Voraussagungen gebeten wurde. Um den vielen Menschen zu entkommen, konnte er sich schnell in eine Vielzahl von Tieren oder gar schreckliche Kreaturen verwandeln.“ - „Gut. Etwas, das sich verändert ist protean, also vielgestaltig. Bei dem Wort Proteus müsste es eigentlich bei einigen klingeln.“ Gespannt wartete ich, ob sich noch jemand außer Hermine meldete. Da dies nicht der Fall war, nahm ich sie erneut dran. „Also, daher kommt unser Proteus-Zauber. Alle gleichartigen Gegenstände, Tätowierungen oder ähnliches, die mit dem sehr schwierigen Proteus-Zauber belegt sind, ahmen sich gegenseitig nach. Das heißt, wird einer der Gegenstände in irgendeiner Art verändert, so verändern sich alle anderen in gleicher Weise. Es spiegelt also die ursprüngliche Fähigkeit von Proteus, sich in verschiedene Tiere zu verwandeln, wieder.“ Die anderen Schüler waren sprachlos. „In der Tat. 100 Punkte für Griffindor!“, lobte ich sie. Es war in Hogwarts nicht nur wichtig, Zauber zu lernen, man musste sie auch anwenden und ihren Ursprung kennen. „Es gibt auch Sagen, in denen die Fähigkeiten von Animagi vorkommen. Kennst ihr welche?“ Nun meldete sich außer Hermine glücklicherweise noch ein weiterer Schüler. „Mr Zabini.“ - „In der Arthus-Sage verwandelt Merlin Arthus in verschiedene Tiere, um ihm die unterschiedlichen Eigenschaften der Tiere beizubringen.“ - „Sehr richtig. 50 Punkte für Slyhterin.“ Zabini blickte etwas gekränkt drein, da er nur 50 Punkte und nicht wie Hermine 100 kassiert hatte. Es bestand jedoch ein großer Unterschied darin sein Wissen nur aussprechen oder auch anwenden zu können. „So, dann haben wir noch eine letzte Gruppe: Nordische Mythologie, was habt ihr dort zu Animagi gefunden?“ Eine Schülerin antwortete: „In der skandinavischen Mythologie gibt es einen Gott namens Odin, er ist ein Eroberer und verwandelt sich oft in Tiere. Auch der griechische Gott Zeus tut das in vielen Legenden.“ Da es soeben geklingelt hatte, bedankte ich mich noch schnell bei den Schülern für die gute Mitarbeit und gönnte mir dann einen Tee.
Die Wochen vergingen mit weiteren sehr produktiven Stunden, in denen vor allem Hermine wortführend war. Aber auch andere Schüler teilten mir nach meinen Unterricht mit, dass es ihnen Spaß mache und ob ich nicht den Unterricht von Professor Binns übernehmen könne. So gingen wir dazu über nicht nur Symbole zu behandeln, sondern in deren Zusammenhang auch die Geschichte etwas mehr zu beleuchten.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel