
von tini-wini84
Ich war noch nicht oft appariert und bevorzugte eher den Besen als Fortbewegungsmittel, es klappte jedoch erstaunlich gut. Ich sah mich um, es war vorerst schwer sich in der Dämmerung zurechtzufinden. „Lumos!“ Schließlich stellte ich fest, dass ich noch nie an diesem Ort gewesen war. „Wo sind wir?“ Auch Professor Dumbledore schien sich zuerst einmal orientieren zu müssen. Dann deutete er nach links: „Dort drüben ist es.“ Er ging mit erleuchtetem Zauberstab zügig voran. Aufgrund des Desillusionierungszaubers konnte uns keiner sehen und auch der glühende Zauberstab war für Muggelaugen unsichtbar. „Wir sind in Godric's Hollow.“ - „Dem Ort, an dem Godric Griffindor geboren wurde!“, stellte ich begeistert fest. Als Hexe mit einer Schwäche für Zaubereigeschichte war dies ein atemberaubender Moment. Ich sah, dass wir auf den Friedhof zusteuerten. An der Straßenseite entdeckte ich ein steinernes Kriegerdenkmal, das sich plötzlich in ein Standbild verwandelte, für Muggelaugen wohl unsichtbar. Es zeigte drei Menschen. Neugierig ging ich etwas näher heran, die drei Personen entpuppten sich als James, Lily und Harry Potter. Schlagartig wurde mir klar, dass an diesem Ort Harrys Eltern gestorben waren. Mir lief vor Ehrfurcht und Rührung ein Schauder über den Rücken.
Trotz seines hohen Alters und der verletzten Hand bewegte sich Albus Dumbledore flink, wahrscheinlich angetrieben durch die Erkenntnisse, die wir gleich gewinnen würden. Ich eilte ihm hinterher und wir traten durch das alte Tor auf den Friedhof. Wir gingen an einem Grab vorbei, auf dem ich im Vorbeigehen 'Kendra Dumbledore und ihre Tochter Ariana. Wo dein Schatz ist, da wird dein Herz auch sein' lesen konnte. Auch seine Familie war hier gestorben. 'Wann hatte Albus Dumbledore hier gelebt?' Das machte mich schon etwas beklommen, ich wollte den Professor aber nicht auf seine Familie ansprechen, da ich davon ausging, er würde es selbst tun, wenn es von Bedeutung für unser Vorhaben wäre. Er ging jedoch seelenruhig weiter, ich folgte ihm und wir machten ein paar Minuten später an einem verwitterten, scheinbar sehr alten Grab halt. Er zeigte darauf: „Das ist das Grab von Ignotus Peverell. Können Sie sonst noch etwas darauf erkennen?“, fragte er mich erwartungsvoll. Ich ging in die Hocke, schaute genauer hin und versuchte im Schein des Zauberstabs etwas zu erkennen. Zuerst viel mir nichts weiter auf, dann aber bemerkte ich ein kleines Symbol auf dem Grabstein, das weder zum Namen noch zu den kaum lesbaren Geburts- und Todesdaten von Ignotus zu gehören schien. 'Es sieht aus ... halt ... nein ... es ist das Symbol der Heiligtümer des Todes. Jetzt ergibt der ganze Ausflug hierher auch einen Sinn!' Ungläubig sah ich Dumbledore an. Offensichtlich war er schon einmal hier gewesen und hatte das Symbol auf Peverells Grabstein begutachtet. Er schien meine Gedanken zu erraten: „Ja, es ist das Symbol, von dem wir die ganze Zeit reden. Ich wollte mich nur vergewissern, dass mir meine alten Augen keinen Streich spielen.“ - „Also ist es wahr. Die drei Brüder sind tatsächlich die Brüder Peverell! Dies hatten wir an der Uni angesprochen, aber ich war nicht sicher, ob es die Wahrheit ist oder nur blödes Gerede. Oh Mann, das ist ja unglaublich. Warum sollte das Symbol auf seinem Grabstein sein, wenn es keine Bedeutung hätte?“ Die Gedanken in meinem Kopf überschlugen sich. Dumbledore freute sich sichtlich über meine Begeisterung und dass ich seine Erkenntnisse teilte, er sah jedoch vorsichtig um sich. „Wir sollten uns auf den Rückweg machen, es ist zu unsicher hier. Nachts treiben sich gerne auch mal Todesser in Godric's Hollow herum.“ Scheinbar hatte er damit schon Erfahrung gemacht. Leicht beklommen folgte ich ihm zurück auf die kleine Straße, auf der wir angekommen waren. Wir drehten uns im Kreis und disapparierten.
Zurück in seinem Büro konnte ich es immer noch nicht ganz glauben, was ich eben gesehen hatte und bekam vor Aufregung ganz rote Ohren, so wie immer, wenn ich der Bedeutung eines Symbols auf der Spur war. Dumbledore war sichtlich erschöpft, bedeutete mir aber mich zu setzen. „Also, Professor Kyne, was denken Sie?“ - „Wenn das Symbol auf Ignotus' Grabstein die Heiligtümer des Todes darstellt, dann heißt das, dass die Peverell Brüder tatsächlich die Besitzer der Heiligtümer des Todes waren oder sie, wie manche glauben, selbst erschaffen haben“, mutmaßte ich. „Das ist auch meine Vermutung. Die beiden anderen Brüder hießen Überlieferungen zufolge Antioch und Cadmus. Antioch war der älteste der drei Brüder und soll den Elderstab besessen haben, Cadmus wiederum hatte den Stein der Auferstehung und Ignotus den Tarnumhang.“ - „Antioch und Cadmus starben, weil sie ihre Heiligtümer nicht so gewissenhaft gebrauchten wie Ignotus“, warf ich ein. All diese Aussagen, seien es nur Vermutungen oder Fakten, waren für mich nichts neues. Eine andere Frage brannte mir auf der Zunge: „Aber, wenn es die Heiligtümer wirklich gibt, wer hat sie dann?“ - „Diese Frage, meine Liebe, kann ich Ihnen leider nicht beantworten“, gab Dumbledore erschöpft zurück, „Ich will Sie nicht hinauswerfen, aber es ist schon spät und Sie wollen sich sicher auch etwas ausruhen. Ich danke Ihnen für Ihre professionelle Hilfe. Eine gute Nacht wünsche ich Ihnen.“ Er war keinesfalls unhöflich, aber doch bestimmend und hatte eine Art sich auszudrücken, die keinen Widerspruch duldete. Ich wünschte ihm ebenfalls – wenn auch etwas enttäuscht - eine gute Nacht und verließ sein Büro.
Als ich eine Stunde später in meinem Bett lag, grübelte ich darüber nach, was ich an diesem Abend erlebt hatte. Dumbledore wusste sicher mehr über die Existenz und den Aufenthaltsort der Heiligtümer als er mir verraten wollte. 'Was bezweckt er damit? Will er sie für sich haben? Was hat er damit vor? Will er etwa damit gegen Du-weißt-schon-wen kämpfen? Nichts ist so mächtig, wie die Heiligtümer des Todes, aber ob sie uns im Kampf gegen den furchterregensten dunklen Zauberer aller Zeiten helfen, ist eine andere Sache... '
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