
von tini-wini84
Vollgegessen verzogen sich Ron, Harry und die Zwillinge nach oben und ich wurde das Gefühl nicht los, dass sie wieder irgendetwas im Schilde führten. Ginny half wiederwillig ihrer Mutter und Fleur beim Abwasch, Arthur und Bill waren im Wohnzimmer in ein Gespräch vertieft und Charlie und ich saßen als einzige etwas verloren am großen Esstisch. „Hast du Lust mit mir einen Spaziergang zu machen? Ich könnte dir Ottery St. Catchpole zeigen. Dann können wir auch schon bald Tonks und Lupin auf dem Hügel abholen. Von dort hat man übrigens eine wunderbare Aussicht“, schlug Charlie nach ein paar Minuten des Schweigens vor, in denen er sich seine Frage zurecht gelegt zu haben schien. „Ok, das wäre schön“, erwiderte ich fröhlich und zog meinen Zauberstab heraus, um mir meinen Wintermantel, Handschuhe, Schal, Mütze und Schneestiefel herzuhexen. Dick eingemummt gingen wir nach draußen und stiefelten durch den kniehohen Schnee zum Gartentor. Beinahe wäre ich im Schnee ausgerutscht, doch Charlie fing mich gerade noch auf. „Ddddanke“, stammelte ich. „Das ist ja nochmal gut gegangen“, lachte er, „vielleicht solltest du lieber meine Hand nehmen.“ Ich glaube, bei jedem anderen hätte ich es als dumme Anmache abgetan, aber bei ihm freute ich mich sehr und ergriff seine Hand. Es hatte die ganze Nacht vorher durch geschneit und die Umgebung von Ottery St. Catchpole war in ein weißes Kleid gehüllt. Hand in Hand entfernten wir uns vom Fuchsbau und gingen den Berg hinauf. Aufgrund der Schneehöhe, war das zwar etwas schwierig, aber nach dem leckeren Essen schadete es nicht, sich etwas zu bewegen, schließlich würde Molly am Abend auch wieder einiges auffahren. Wir kamen nur langsam voran, aber so blieb uns genug Zeit uns zu unterhalten und etwas näher kennen zu lernen. „Du arbeitest also in Hogwarts als Lehrerin, is sicher ganz schön stressig, oder?“, wollte Charlie wissen. „Naja, es macht mir eigentlich Spaß. Ich interessiere mich sehr für Zaubereigeschichte und Magische Symbole, sonst hätte ich es ja auch nicht studiert. Aber als Assistentin von Professor Binns hat man nicht wirklich viel zu tun.“ - „Das versteh ich“, lachte er. „Der hat mich früher auch immer genervt. Ich glaube es wäre ihm auch nicht aufgefallen, wenn keiner zum Unterricht gekommen wäre, so vertieft ist er in seine Geschichten über Kobolde und dergleichen. Ich hab mich oft gefragt, warum er nicht selbst einschläft beim Reden. Naja, schließlich hat er ja auch seinen eigenen Tod nicht mitgekriegt.“ - „Ja, da hast du recht, er is schon ein komischer Vogel. Mittlerweile kann ich die Abneigung der Schüler für das Fach durchaus verstehen. Und du arbeitest mit Drachen, hat mir Hagrid erzählt. Er ist richtig begeistert von dir.“ - „Oh ja, das kann ich mir vorstellen. Schließlich kümmere ich mich um seine Norberta.“ Ich sah ihn verdutzt an. Während wir weiter durch den Schnee stapften, erzählte er mir die Geschichte von Hagrids Drachen und über seine Arbeit in Rumänien. „Davon hab ich natürlich auch einige Verletzungen“, er deutete auf eine große Brandnarbe auf seinem Arm. Interessiert schaute ich auf seinen muskulösen Arm. „Das wäre nichts für mich. Wolltest du schon immer mit Drachen arbeiten?“ - „Nein, aber ich hatte immer schon eine Vorliebe für gefährliche Dinge und magische Tiere. Ich war zu Schulzeiten ein guter Sucher und Quidditch-Kapitän von Griffindor. Man hatte mir ein Angebot für die Nationalmannschaft gemacht, aber ich entschied mich dann doch dafür nach Rumänien zu gehen. Ich hatte keine Lust auf die vielen Groupies und das ständige Autogrammschreiben. Als Quidditch-Spieler steht man zu sehr in der Öffentlichkeit und das mag ich nicht so. Außerdem hast du dann wenig Zeit für Familie und Freunde.“ Ich fand ihn sehr sympathisch, es war einfach schön sich mit ihm zu unterhalten. „Ich weiß was du meinst. Wenn man ständig unterwegs ist, kann das ganz schön nerven. Mein Dad ist Botschafter und deswegen waren wir auch immer unterwegs. Ich hab es immer bereut, dass ich nicht wie ihr nach Hogwarts gehen konnte.“ Wir waren bereits oben auf dem Hügel angekommen, als Charlie sich mir zudrehte und mir tief in die Augen sah: „Ja, schade, sonst hätte ich dich schon viel früher kennen gelernt.“ Sein Blick sagte mehr als tausend Worte. Wir standen einfach nur da oben auf dem Hügel, um uns herum nichts als Schnee, und sahen uns schweigend an. Dieser schöne Moment schien eine halbe Ewigkeit zu dauern. Ich hatte alles um uns herum schon fast vergessen. Ich sehnte mich danach, dass wir uns küssten.
Plötzlich hörte ich ein lautes 'Plopp' und erschrak mich fürchterlich. Auch Charlie schien sich zu wundern was passiert war. Es war bereits etwas dunkler geworden, so dass wir im ersten Moment nichts sehen konnten. Dann kamen zwei Gestalten auf uns zugelaufen, ich umklammerte in der Manteltasche meinen Zauberstab, bereit zur Verteidigung. „Wer ist da?“, rief Charlie. „Wir sinds, Tonks und Lupin“, antwortete eine tiefe Männerstimme, „und du bist mein Freund Charlie, von dessen Familie wir zum Weihnachtsessen eingeladen wurden. Oder hast du etwa den Weihnachtsmann erwartet?“ Wir entspannten uns ein wenig. In der Dämmerung sah ich einen etwas schäbig gekleideten Mann mit zerzausten grau-braunen Haaren und eine junge hübsche Frau auf uns zugehen. Zur Begrüßung schüttelten wir uns die Hände und machten uns dann auf den Rückweg zum Fuchsbau. Ich ging neben Tonks, Lupin und Charlie plauderten munter miteinander. „Tut mir leid, dass wir euch eben gestört haben. Ich hab Remus gesagt, dass er euch nicht so erschrecken soll. Du weißt ja, Männer haben keinerlei Gespür dafür, wann sie besser ihre Klappe halten sollten“, flüsterte Tonks. Zum Glück konnte sie im Dunkeln nicht sehen, dass ich knallrot im Gesicht war. Mir war es schon etwas peinlich, da es wohl offensichtlich gewesen war, dass Charlie und ich nicht nur da oben gestanden hatten um auf die beiden zu warten. Tonks hatte wohl mein betretenes Schweigen richtig interpretiert und versprach mir mit einer freundschaftlichen Berührung meines Armes: „Keine Angst, ich verrate es niemandem.“ Auch darauf konnte ich nichts antworten, so innerlich angespannt war ich; warum wusste ich eigentlich gar nicht, wir hatten ja nichts schlimmes getan. Tonks akzeptierte mein Schweigen und ging neben mir her durch den Garten, den wir mittlerweile erreicht hatten. Lupin und Charlie waren bereits an der Tür und dabei ihre Stiefel auszuziehen. Nacheinander betraten wir das Haus.
Nachdem sich endlich alle begrüßt hatten, nahmen wir am Tisch Platz und begannen zu essen. Mit so vielen Leuten hatte ich, außer in Hogwarts, noch nie zusammen gegessen. Obwohl es sehr lecker schmeckte, hatte ich keinen richtigen Appetit. In meinen Gedanken war ich immer noch mit Charlie auf dem Hügel und träumte davon, was wohl passiert wäre, wenn Tonks und Lupin nicht dazwischengefunkt hätten. 'Eigentlich habe ich mich vom ersten Augenblick an in ihn verliebt', stellte ich fest. Dabei musste ich wohl einen so seeligen Gesichtsausdruck gehabt haben, dass George es ausnutzte, mich auf den Arm zu nehmen: „Na, Sinead, träumst du vom Weihnachtsmann?“ - „Nee, George. Eher von einem rothaarigen Reiter auf einem rumänischen Drachen!“, mischte sich Fred ein. Die Gespräche verstummten schlagartig und Charlie warf seinen Brüdern einen Blick zu, mit dem er am liebsten Feuer gespuckt hätte. Insgeheim freute mich das, denn es bedeutete, dass ich Charlie wohl alles andere als egal war. „Ach kommt, Kinder“, versuchte Arthur die Situation zu retten, allerdings ohne Erfolg. „Du bist ja sowieso nur neidisch, George“, funkelte Ginny ihren Bruder böse an. „Auf dich? Nie im Leben, schließlich stehe ich nicht so auf Brillenträger mit Blitznarbe. Nichts für ungut, Harry“, lachte Georg und der andere Zwilling stimmte mit ein. Nun hatten es die beiden geschafft nicht nur Charlie und mich bloß zu stellen, sondern auch ihre Schwester und Harry. Aus den Augenwinkeln sah ich Rons triumphierendes Lächeln, das irgendwie auszusagen schien 'Ich habs doch gewusst. Ginny und Harry'. Georgs letzter Kommentar hatte die Aufmerksamkeit glücklicherweise von Charlie und mir abgelenkt und war nun auf Harry und Ginny übergesprungen. Harry saß äußerst unzufrieden auf seinem Stuhl und wäre wohl am liebsten im Erdboden versunken. 'Da haben wir echt was gemeinsam', dachte ich mir. „Nun ist es aber genug mit dem Kindergarten. Lasst eure Geschwister und unsere Gäste in Frieden und kümmert euch gefälligst um eure eigenen Angelegenheiten“, schalt Molly die Zwillinge. Die hielten daraufhin zwar ihren Mund, verständigten sich aber weiterhin nonverbal während dem Essen.
Ich war noch in keinem Moment, seitdem ich im Fuchsbau angekommen war, so froh gewesen alleine zu sein. Nach dem Essen hatten sich die anderen Erwachsenen ins Wohnzimmer verzogen und die Kids waren nach oben gegangen. Ich hatte mich alleine in Percys Zimmer geschlichen um in Ruhe nachdenken zu können. Meine Mission auf Harry aufzupassen, war mir inzwischen mehr als egal. Ich hatte genug mit mir selbst und meinen Gefühlen zu tun. Die Sticheleien der Zwillinge hatten mich schon verunsichert. Auf der anderen Seite waren sie auch für ihr loses Mundwerk bekannt und dafür, dass sie immer wieder Unfug im Sinn hatten. Auch wenn ich Severus' Ansichten normalerweise nicht teilte, musste ich ihm doch darin recht geben, dass das größte Talent der Zwillinge darin bestand, Unruhe zu stiften. Auch wenn sie es, wie ich glaubte, keinesfalls böse meinten. Ich war ihnen auch nicht richtig böse, sie hatten ja nichts schlimmes getan. Mich ärgerte es nur, dass sie gemerkt hatten, dass zwischen Charlie und mir etwas war, was wir selbst noch nicht so ganz begriffen hatten.
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