
von tini-wini84
Das Wochenende mit Charlie war viel zu schnell vorüber gegangen. Wir flogen gemeinsam nach Hogwarts, als wir uns von den anderen verabschiedet hatten. Charlie musste leider wieder zurück nach Rumänien, weshalb auch wir uns schweren Herzens schon wieder voneinander verabschieden mussten. „Im April ist die Drachenzucht erst einmal vorbei. Die neuen werden erst im August schlüpfen. Bis dahin können sie sicher eine Zeit lang auf mich verzichten. Ich werde dir so oft es geht schreiben, Liebste.“ Er schlang mich in die Arme und strich mir übers Haar. Ich hatte Tränen in den Augen. Noch bis vor kurzem hatte ich mir nicht vorstellen können, wie sehr man jemanden lieben konnte. Natürlich hatte ich an der Uni schon den ein oder anderen festen Freund gehabt, aber die Gefühle waren nie so stark gewesen wie bei Charlie. Ihm schien es genauso zu gehen. Wir verstanden uns auch ohne Worte. „Ich liebe dich!“, brachte ich schluchzend hervor, „pass auf dich auf!“ - „Und du auf dich. Ich liebe dich auch!“ Wir küssten uns innig zum Abschied, der diesmal leider länger als der letzte sein würde. Ich sah ihm noch eine Weile nach, als er in den dunkler werdenden Himmel davon flog.
Die Wochen vergingen, ich hatte viel zu tun, dennoch vermisste ich Charlie sehr. Ich hatte mich zwar des öfteren mit Dora getroffen, was mich für kurze Zeit aufgeheitert hatte, aber ich musste jede freie Minute an ihn denken. Seit Tagen hatte ich keinen Brief mehr von ihm erhalten, was eher ungewöhnlich war. Normalerweise schrieb er mindestens dreimal die Woche. Das Wetter war auch nicht mehr so schlecht, so dass die Eulen einen beschwerlicheren Weg hätten. Es war bereits Anfang März und teilweise schon sehr warm für englische Verhältnisse. Dora meinte zwar, er hätte sicher zu viel zu tun, aber ich wollte und konnte das mittlerweile nicht mehr glauben. 'Was ist los mit ihm?'
Ich beschloss zum Schulleiter zu gehen und ihn um Rat zu fragen. Da ich ihn per Patronus über mein Kommen informiert hatte, erwartete er mich bereits in seinem Büro. „Sinead, was kann ich für Sie tun?“, fragte er freundlich. Er sah müde und geschwächt aus, was seiner guten Laune jedoch keinen Abbruch zu tun schien. „Gibt es eine Möglichkeit, wie ich Charlie außer per Eule in Rumänien erreichen kann? Er hat sich schon seit neun Tagen nicht gemeldet, was normalerweise gar nicht seine Art ist.“ Dumbledore überlegte kurz: „Nun, ich gehe mal davon aus, dass Sie Molly und Arthur schon gefragt haben“, ich nickte, „Hhhhmmm. Es gibt da vielleicht eine Möglichkeit.“ Gespannt wartete ich auf seine Antwort. „Mein Freund Halbor lebt in Rumänien. Wir waren lange Zeit zusammen im Zaubergamot. Die Mitglieder kommunizieren per Portrait oder magischem Spiegel. Ich werde mal versuchen ihn zu erreichen, dann kann er vielleicht vor Ort näheres in Erfahrung bringen. Er wohnt nicht weit vom Drachenreservat entfernt.“ Er erhob sich etwas schwerfällig aufgrund seiner verletzten Hand, ging zu einem großen verzierten Schrank hinüber und kramte darin. „Ahhhh, hier ist er ja, hab ihn lange nicht benutzt.“ Ich war sehr aufgeregt, im positiven und negativen Sinne. Mir schwirrten verschiedene Gedanken durch den Kopf: 'Was, wenn ihm etwas passiert war? Wie konnten wir ihm helfen? War er noch am Leben? Oh, Gott!' Ich war einem Nervenzusammenbruch nahe. Dumbledore schien das zu spüren und versuchte mich zu beruhigen: „Es wird ihm schon nichts passiert sein. Vielleicht ist auch nur der Eule unterwegs hierher etwas passiert, weswegen der Brief nicht angekommen ist. Wir werden ja gleich sehen...“ Er rieb den Staub von einem alten goldenen Spiegel und sah hinein. Trotz seiner Zuversicht wurde ich den Gedanken nicht los, dass etwas schlimmes passiert sein musste.
Nach dem zweiten Versuch schien es geklappt zu haben. Der Schulleiter unterhielt sich in einer mir fremden und unverständlichen Sprache mit einem Mann. Ich wartete gespannt und voller Angst um meinen Geliebten. Nach ein paar Minuten, die mir jedoch wie Tage vorgekommen waren, wandte sich der Schulleiter wieder an mich und seine Miene lies nichts Gutes erahnen: „Halbor weiß nichts genaues, aber es hat wohl einen Angriff auf das Drachenreservat gegeben.“ Er machte eine Pause, in der er mir väterlich den Arm auf die Schulter legte, während ich ihn weiterhin sprachlos und entgeistert ansah. Dann fuhr er fort: „Er erkundigt sich, was genau passiert ist und wie es Charlie und den anderen geht. Solange können wir nur warten. Wollen Sie auf ihr Zimmer gehen und ich rufe Sie, wenn ich etwas neues höre oder möchten Sie lieber hier bleiben?“ Seine letzen Worte hörte ich nur noch aus weiter Ferne, dann wurde mir schwarz vor Augen.
Ich erwachte in einem Zimmer, das ich zuvor noch nie gesehen hatte. Ich konnte mich nicht daran erinnern, warum ich hier war und wie ich hierher gekommen war. Ich sah mich aufgeregt um. Plötzlich spürte ich wie eine sanfte kleine Hand über meinen Arm strich. Ich blickte auf und sah in Doras Augen. „Was ist passiert? Wo bin ich?“, wollte ich wissen. „Beruhige dich. Du bist auf der Krankenstation in Hogwarts. Dumbledore hat mich gerufen.“ Sie strich mir beruhigend mit der rechten Hand über den Kopf und hielt meine Hand mit ihrer anderen. Plötzlich fiel es mir wieder ein: „Charlie! Was ist mit Charlie?“, schrie ich sie entsetzt an. Sie blickte etwas traurig drein, sagte aber nichts. „Sags mir, sofort!“ Ich wollte mich losreißen und aus dem Bett springen, als plötzlich Albus Dumbledore den Raum betrat. Seine Miene war wieder einmal unergründlich. Ich wusste, ich würde es nicht aushalten, wenn Charlie tot wäre und mir liefen heiße Tränen über die Wangen. Die Blumenvase neben meinem Bett zerbarst in tausend Scherben. Wer nicht wusste, das ich eine Hexe war, musste wohl an ein schlechtes Omen denken. Tatsächlich war es schon als Kind so gewesen, dass ich, wenn ich traurig und verzweifelt war, mit den Gedanken Gegenstände zerspringen lassen konnte. Es erschien mir unendlich lange, wie in Zeitlupe, bis der Schulleiter an mein Bett getreten war und zu reden begann: „Sinead, er lebt!“
Mir fielen ganze Steinbrüche vom Herzen. „An dem Anschlag waren wohl Todesser beteiligt. Das Reservat wurde schon kurz vor Weihnachten von Voldemort persönlich besucht, weil er sehr an Drachen interessiert ist. Da man ihm jedoch nicht helfen wollte, musste er sich der Drachen mit Gewalt bemächtigen. Einige Wärter sind bei dem Versuch die Todesser abzuwehren leider getötet worden. Charlie wurde verletzt, als ein Drache fliehen wollte. Er hat ein gebrochenes Bein, zwei gebrochene Rippen, mehrere Brandwunden und Schnitte, ist aber außer Lebensgefahr. Halbor hat mir versichert, dass er persönlich dafür sorgen wird, dass er so schnell es geht nach Hause kommt. Sie entschuldigen mich, ich muss Arthur und Molly informieren.“ Mit diesen Worten zückte er einen Zauberstab und sandte einen Patronus in den Griffindor-Gemeinschaftsraum und einen zum Fuchsbau.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel