
von tini-wini84
Dass sich der Schrecken, den Du-weißt-schon-wer verbreitete, noch schlimmer werden würde, war allen bewusst. Wenn er nur erst einmal das Zaubereiministerium übernommen hatte, würde es vermutlich schon zu spät sein, etwas gegen ihn zu unternehmen. Auch wenn Harrys Zorn in den Tagen seit Charlies Unfalls nicht wieder aufgeflammt war, merkte man ihm die Anspannung an. Er wollte etwas tun, wollte sich an Voldemort rächen, für alles was er denen, die er liebte, angetan hatte und noch antun würde. Ich konnte ihn verstehen, seitdem ich das Denkmal seiner Eltern in Godric's Hollow gesehen hatte.
'Was hatte Dumbledore ihm in der Nacht erzählt?' Eine sanfte Berührung riss mich aus meinen Gedanken. Ich saß seit Stunden an Charlies Bett und wartete bis er endlich aufwachen würde. „Sinead, ich habe dich sehr vermisst. Jede einzelne Minute habe ich an dich gedacht und gehofft dich wieder zu sehen“, flüsterte Charlie leise. Ihm fehlte noch die Kraft. Trotz des Skelewachs, das die Knochen heilen sollte, würde es noch einige Zeit dauern, bis er wieder fit war. „Ich bin so froh, dass es dir gut geht, ich hatte solche Angst um dich!“, gestand ich ihm und drückte ihn liebevoll zurück in die Kissen, als er mich umarmen wollte. „Dafür haben wir später Zeit, du musst dich noch ausruhen, mein Schatz!“ Ich wich die nächsten Tage nicht von seiner Seite, lies mir das Essen nach oben bringen und schlief auf einer Liege neben Charlies Bett.
Nach einer Woche waren die Brüche, Schnitte und Brandwunden soweit verheilt, dass Charlie aufstehen und zum ersten Mal nach draußen gehen konnte. Es war mein 25. Geburtstag und es konnte kein schöneres Geschenk geben, als dass Charlie hier bei mir war und sich wieder vollkommen erholen würde. Wir gingen eine kleine Runde durch den Garten. Es war ein sonniger Frühlingstag, die Vögel zwitscherten, der Himmel war strahlend blau und beinahe wolkenlos. Es war atemberaubend schön und man konnte sich beim friedlichen Anblick der Natur kaum vorstellen, dass nahezu überall im Land Angst und Schrecken herrschten. Wir setzten uns auf eine Bank am Rande des Blumenbeetes und genossen die Frühlingssonne. Charlie drehte sich zu mir und nahm meine Hand. Instinktiv spürte ich schon was auf mich zu kommen würde. „Sinead“, begann er mit leicht zittriger Stimme, „ich liebe dich über alles! Du hast dich rührend um mich gekümmert und ich kann mir einen Tag ohne dich nicht mehr vorstellen.“ Er machte eine Pause und sah mir dabei tief in die Augen. Die warmen Sonnenstrahlen und umherfliegenden Schmetterlinge passten hervorragend zu diesem Moment des Glücks. „Mir geht es genauso, Charlie“, flüsterte ich außerstande noch mehr zu sagen. „Willst du mich heiraten?“, fragte er schließlich. Ich brachte vor Überraschung und Glück kein Wort heraus, lächelte ihn aber an und nickte. Er zog einen wunderschönen Ring aus seiner Tasche und steckte ihn mir an. Wir küssten uns lange. Um uns herum hatten wir beinahe alles vergessen. Es war mit Abstand das schönste Geburtstagsgeschenk, das ich jemals bekommen hatte.
Plötzlich ertönte ein mir mittlerweile sehr bekanntes 'Plopp' und wir sahen in die Gesichter von Fred und George. „Na, sieh mal einer an, knutschen kann er schon wieder!“, neckte Fred seinen Bruder. Charlie sah ihn angriffslustig an und küsste mich sofort noch einmal leidenschaftlich. Die Zwillinge pfiffen, hörten dann aber schlagartig auf. „Mann, ist das ein Klunker! Da haste dich aber ganz schön ins Zeug gelegt“, lobte George mit einem Blick auf meinen Ringfinger. „Ich habs ja geahnt, schon gleich als ihr euch in Dumbledores Büro gesehn habt“, grinste Fred.
Am Abend erzählten wir Molly, Arthur, Bill und Fleur von unserer Verlobung, die sich alle sehr mit uns freuten. Außerdem schickte ich Errol mit einem Brief zu Dora, in der Hoffnung, dass er den Weg dorthin schaffen würde. Meine Eltern wollte ich natürlich auch informieren. Das letzte Mal hatte ich ihnen zu Weihnachten geschrieben und danach noch kurz davon berichtet, dass Charlie und ich zusammen waren. Für eine Eule war der Weg nach Südamerika jedoch zu weit. Arthur versprach mir meinen Brief per internationaler Zauberpost am morgigen Tag im Ministerium aufzugeben.
Als alle anderen bereits ins Bett gegangen waren, machten Charlie und ich es uns auf dem Sofa vor dem Kamin gemütlich. „Sag mal, wirst du wieder zurück ins Drachenreservat gehen?“ Die Frage brannte mir schon seit Tagen auf der Zunge. Charlie sah etwas betrübt ins Feuer und antwortete mir dann: „Weißt du, die Arbeit dort hat mir immer sehr viel Spaß gemacht, aber nach dem Vorfall wird es nicht mehr dasselbe sein. Ich werde hier bleiben und mich vielleicht für eine Arbeit im Ministerium bewerben, wenn es Du-weißt-schon-wer bis dahin nicht in seiner Hand hat. Momentan muss ich noch gesund werden, danach gibt es einiges für den Orden zu tun. Außerdem bist du mir tausendmal wichtiger als die Drachen in Rumänien.“ Mit diesen Worten nahm er mich in die Arme und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Ich war erleichtert, denn ich hätte es nicht ertragen, ihn dorthin zurückgehen zu lassen. „Was ist mit dir? Die Arbeit in Hogwarts macht dir doch Spaß, oder?“, wollte er wissen. „Ja, schon. Aber am Liebsten wäre ich den ganzen Tag bei dir. Und wenn ich weiterhin dort bleibe, können wir uns nur an den Wochenenden und in den Ferien sehen. Das würde ich nicht aushalten.“ 'Professor Dumbledore würde es sicher verstehen und wer weiß wie lange er noch leben würde. Hogwarts wäre ohne ihn nicht dasselbe und ich glaube, ich würde dann auch nicht länger dort unterrichten wollen', beendete ich den Satz in meinem Kopf. „Am besten suchen wir uns ein kleines Häuschen hier in der Nähe, dann können wir immer schnell hier sein.“ - „Ja, das wäre schön!“ Gemeinsam sahen wir ins prasselnde Feuer und schmiedeten Pläne für unsere Zukunft.
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