
von tini-wini84
Da es Charlie wieder besser ging, kehrte ich schweren Herzens nach Hogwarts zurück, um meinen Pflichten nachzukommen. Professor Dumbledore hatte mir eine Eule geschickt und um ein Gespräch gebeten. Das war ein weiterer Grund zur Schule zurückzukehren. 'Um was es wohl diesmal ging? Hatte er wohlmöglich Harry involviert?' Gespannt wartete ich vor seinem Büro bis der Wasserspeier den Weg nach oben freigab und stieg dann die Wendeltreppe hinauf. Der Schulleiter saß an seinem Schreibtisch, vor ihm lag ein offensichtlich sehr altes Buch. „Sinead, schön, dass Sie wieder da sind. Zuerst einmal möchte ich Ihnen von ganzem Herzen zu ihrer Verlobung gratulieren.“ Ich lief leicht rot an und bedankte mich. Ich nahm Platz und wartete gespannt auf das, was gleich kommen würde. Dumbledore schob mir das Buch zu. Im ersten Moment konnte ich nichts lesen. Aufgrund der Beschaffenheit des Papiers und auch der Schreibweise der Runen, die sehr alt waren, hatte ich ein paar Probleme die Seite zu entziffern. Die Überschrift an sich war schon sehr schwer zu erkennen. Es sollte wohl irgendetwas mit drei Brüdern zu tun haben. Noch konnte ich mir darauf keinen Reim machen, bis ich bei einem Zeichen plötzlich stutzig wurde. Es war komischerweise etwas besser zu erkennen als die übrigen Runen und ich war mir sicher, dass ich dieses Symbol noch in keinem meiner Runenlexika gesehen hatte. Ich überlegte kurz und sah mir das Zeichen genauer an. Es war ein Dreieck, in dessen Inneres etwas hineingezeichnet war. Da es sehr klein war, konnte ich auf Anhieb nicht allzu viel erkennen. Bei näherem hinsehen entpuppte es sich als ein Kreis und ein vertikaler Strich, die sich im Dreieck befanden. Ich stockte der Atem und mir wurde schlagartig bewusst, was das zu bedeuten hatte: Es war das Symbol der Heiligtümer des Todes!
Dumbledore hatte mir aufmerksam dabei zugesehen, wie ich versucht hatte die Runen zu entziffern und schien auf diesen Moment gewartet zu haben. „Meinen Sie, Hermine wird es erkennen?“ fragte er erwartungsvoll. Diese Frage ergab im Zusammenhang mit dem Buch überhaupt keinen Sinn. Ich klappte das Buch zu und las mit etwas Mühe den Titel. Es war die Märchensammlung von Beedle dem Barden. Das Blatt, auf dem ich zuvor das Symbol der Heiligtümer entdeckt hatte, musste dann demzufolge das Märchen von den Drei Brüdern sein. „Wieso Hermine?“, fragte ich verblüfft. Sicher war sie eine kluge Hexe und sehr begabt im Umgang mit Runen, aber das war wohl eher etwas für einen erfahrenen Symboldeuter. Dumbledore schien meine Gedanken erraten zu haben. „Nun ich dachte, da Hermine sehr bewandert im Umgang mit Runen ist, würde sie erkennen, dass das Symbol keine Rune ist.“ Ich überlegte kurz und rief mir Hermines Leistungen im Unterricht in Erinnerung. „Ja, mit Runen kennt sie sich gut aus und sie würde bestimmt merken, dass es keine Rune ist. Aber wie soll sie denn dann auf die Bedeutung des Zeichens kommen?“, fragte ich interessiert. „Nun“, er wickelte seinen Bart nachdenklich um die Finger, „ich dachte, sie würde zuerst einmal das ganze Märchen übersetzen und sich dann überlegen, was es damit auf sich hat. Sie ist schlau und wird sicher schnell erkennen, dass es nicht nur ein erfundener Text ist, sondern eine wahre Geschichte dahinter steckt.“ - „Ok, aber warum soll das ausgerechnet Hermine sein?“, fragte ich verwirrt. „Ich werde ihr in meinem Testament das Buch vermachen und hoffen, dass sie es klug gebraucht. Harry hat eine Mission zu erfüllen und ich habe ihm angeraten Hermine und Ron in sein Vorhaben einzuweihen und ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ich möchte ihm die Heiligtümer nicht einfach so überlassen, er soll sich ihrer Macht und Gefahr bewusst werden und dann überlegt handeln.“ - „Und deshalb wollen Sie sie auf einer Art Schnitzeljagd die Heiligtümer nach und nach entdecken lassen?“, ergänzte ich. „So ungefähr. Ja.“ - „Aber selbst wenn Hermine den Text entziffert, wie um Himmels Willen soll sie darauf kommen, dass das Symbol die Heiligtümer des Todes repräsentiert? Es ist in kaum einem Buch zu finden. Alles was wir über die Heiligtümer wissen, basiert auf Spekulationen und wurde von Generation zu Generation durch Suchende weitergegeben.“ - „Meine Liebe, ihre Ausführungen sind durchaus plausibel. Ich zähle darauf, dass die drei ihre Suche aus verschiedenen Gründen auch nach Godric's Hollow führen wird. Dort wird Harry sicher den Friedhof besuchen wollen, um das Grab seiner Eltern zu sehn. Uns so werden sie wohl hoffentlich auch auf das Grab von Ignotus Perverell aufmerksam“, erklärte Dumbledore. Das wurde mir allmählich zu viel und ich bezweifelte irgendwie, dass die drei all das herausfinden würden, was Dumbledore für die versteckt hatte. 'War er kurz vorm Überschnappen oder hatte es vielleicht etwas mit dem Fluch in seiner Hand zu tun?', überlegte ich, um den Grund für Dumbledores Vorgehen für mich irgendwie greifbar zu machen. Denn selbst wenn sie das Grab von Perverell finden würden, woher sollten sie dann wissen, wer er war und was er mit dem Symbol zu tun hatte? Und selbst wenn sie das wiederum herausfinden würden, wüssten sie trotzdem noch nicht, dass das Zeichen die Heiligtümer des Todes symbolisierte. Es war geradezu absurd, dass drei Teenager darauf kommen würden. Ich wurde jedoch das Gefühl nicht los, dass Dumbledore mir mal wieder nicht alles gesagt hatte, was ich ja mittlerweile von ihm gewohnt war.
Etwas enttäuscht gab ich ihm das Buch zurück und fragt: „Gibt es sonst noch etwas, bei dem ich Ihnen behilflich sein kann?“ Er öffnete eine Schublade seines Schreibtisches und lies ein Pergament daraus hervor fliegen. „Dies hier ist mein Testament, sorgen Sie bitte dafür, dass es nicht in die falschen Hände gerät und übergeben Sie es nach meinem Tod ans Ministerium, so wie es das Gesetz will.“ Er reichte es mir. Ich nahm es entgegen und sah auf die darauf geschriebenen dünnen Zeilen. „Ich werde es hüten wie meinen Augapfel“, versprach ich.
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