
von tini-wini84
Im Morgengrauen konnte man von Hagrids Hütte, die von den fliehenden Todessern in Brand gesteckt worden war, immer noch Rauch aufsteigen sehen. In der Zwischenzeit hatte man Dumbledores Leichnam vor dem Astronomieturm fortschaffen lassen. Minerva McGonagall war nun die neue Schulleiterin von Hogwarts und hatte uns Lehrer für den Vormittag zu sich bestellt um über weitere Schritte zu beraten.
In der Nacht waren auch Arthur, Molly und Fleur von Charlie benachrichtigt worden und direkt in den Krankenflügel gekommen. Seitdem war Fleur nicht von Bills Seite gewichen. Er hatte schwere Bisswunden im Gesicht und es war nicht ganz sicher, was noch mit ihm passieren würde. Auch wir anderen hatten uns um Bills Krankenbett versammelt. „Da Greyback nicht verwandelt war, als er ihn gebissen hat, wird er wohl kein echter Werwolf werden. Ich denke er wird lediglich ein paar wölfische Eigenschaften entwickeln“, erklärte Lupin gerade. Trotz den geschwollenen Augen und ihrem verweinten Gesicht brachte Molly bei diesen Worten doch ein kleines Lächeln zustande. Derweil betupfte Madame Pomfrey Bills Wunden immer wieder mit einer stark riechenden Tinktur.
Gerade ging die Tür auf und Harry trat von Ginny begleitet in das Zimmer. Er sah sehr mitgenommen aus, war jedoch unverletzt. Mittlerweile waren alle Kämpfer im Krankenflügel versammelt. Ginny buchsierte Harry auf einen Stuhl und er blickte ins Leere, begann aber nach einer Weile zu sprechen: „Snape wars“, brachte er mit vor Zorn funkelnden Augen hervor und erzählte uns dann was genau im Turm passiert war. In seinem Gesicht konnte man erkennen, dass er mit sich rang und offensichtlich zwischen Zorn, Trauer und Selbstvorwürfen hin und her schwankte. Alle starrten ihn fassungslos an. „Aber wir dachten, er will die Todesser im Turm angreifen und haben ihn deswegen durchgelassen“, seufzte Tonks schuldbewusst, als Harry geendet hatte. „Euch trifft keine Schuld, ihr konntet ja nicht wissen, dass Dumbledore und ich auf dem Turm waren“, entgegnete er erschöpft.
Also hatte ich recht gehabt, Dumbledore war am gestrigen Abend mit Harry unterwegs gewesen. 'Was hatten sie bloß gemacht und wo waren sie gewesen?' Ich war mir sicher, dass Harry uns das nicht erzählen würde oder durfte. Obwohl Dumbledore mir gesagt hatte, dass er bald sterben würde, war ich entsetzt darüber auf welche Art und Weise es passiert war. Von draußen erklang ein schöner und gleichzeitig trauriger Vogelgesang, der irgendwie Trost spendete. So lauschten wir alle dem Gesang des Phönix.
„Ich darf Sie, liebe Lehrer, und dich, Harry, bitten mich in das Büro des Schulleiters zu begleiten“, unterbrach Minerva die Stille, nachdem Fawkes aufgehört hatte zu singen. Bei dem Wort 'Schulleiter' verzog sie schmerzlich ihr Gesicht. Da Gefühlsausbrüche sowieso nicht ihre Art waren, wirkte sie sehr gefasst und ging uns allen voran durch die Zimmertür. In Dumbledores Büro angekommen, beschwor sie für jeden einen Stuhl herauf und lies Dumbledores Stuhl bewusst unbesetzt, was ich für eine sehr schöne Geste hielt. „Nun, aufgrund der Ereignisse der letzten Nacht, ist es zu überlegen, ob wir die Schule nicht besser schließen sollten“, begann sie. Wir sahen uns alle entgeistert an und schüttelten mehr oder weniger gleichzeitig die Köpfe. „Ich finde, wir sollten die Schule so lange geöffnet lassen, wie noch Schüler zu uns kommen wollen“, meldete sich Professor Sprout und die Kollegen pflichteten ihr bei. „Letztendlich werden ja wohl die Schulräte darüber entscheiden, wie es mit Hogwarts im nächsten Schuljahr weitergehen wird“, meldete sich Professor Slughorn mit betroffener Stimme zu Wort. Man merkte allen Kollegen an, dass auch sie die Schule geöffnet lassen wollten. „Aber wie gehen wir jetzt vor? Aufgrund der Ereignisse der letzten Nacht, werden viele Eltern ihre Kinder sofort abholen kommen und wir werden die Schule dieses Jahr sowieso vorzeitig schließen müssen. Wir werden am besten bald den Hogwartsexpress bestellen.“
Harry hatte die ganze Zeit etwas abwesend auf seinem Stuhl gesessen, jetzt erhob er sich jedoch und richtete seine Worte direkt an die neue Schulleiterin: „Sie wollen die Schüler nicht einmal an seiner Beerdigung teilnehmen lassen? Dumbledore hat so viel für Hogwarts und seine Schüler getan, dann sollten wir ihm wenigstens alle an seiner Beerdigung die letzte Ehre erweisen.“ Hagrid, der immer noch verquollene Augen vom Weinen hatte, klopfte Harry anerkennend auf die Schulter: „Er hat Recht, Dumbledore hätt's so gewollt.“ Nun ergriff wieder Professor McGonagall das Wort: „Sein Wunsch war es in Hogwarts bestattet zu werden und diesen Wunsch werden wir ihm, sofern es das Ministerium befürwortet, auch erfüllen. Ich sehe es natürlich sehr gerne, wenn die hier verbleibenden Schüler am Begräbnis teilnehmen, aber wir können die Eltern unter besagten Umständen nicht davon abhalten, ihre Kinder vor Schuljahresende nach Hause zu holen, Mr. Potter.“ Ich konnte verstehen, dass Harry es nicht begreifen konnte oder wollte, dass einige Eltern ihre Kinder abholen würden und diese nicht an Dumbledores Beerdigung teilnehmen würden. „Sie hat Recht, Harry, aber ich denke, dass bestimmt viele Schüler hier bleiben werden. Dumbledore war bei allen beliebt“, äußerte ich. „Zur Beerdigung kann jeder bleiben, aber ich kann die Eltern, die ihre Kinder abholen wollen, nicht daran hindern. Wie es danach mit Hogwarts weitergeht, überlassen wir der Entscheidung der Schulräte“, entschied Minerva und die Kollegen nickten übereinstimmend. „Ich bin ihnen sehr dankbar, dass Sie mir Morgen bei den Vorbereitungen für die Beerdigung helfen, liebe Kollegen.“ Die anderen Lehrer waren aufgestanden und verließen nacheinander den Raum. Währenddessen wandte sich Minerva an Harry: „Mr Potter, ich bitte Sie, noch einen kurzen Moment hier zu bleiben und mir zu schildern, wo Sie in der Nacht mit Dumbledore waren und was sie zu erledigen hatten. Es könnte von äußerster Wichtigkeit sein.“ Harry sah ihr fest in die Augen: „Es tut mir leid, Professor McGonagall, aber das war eine Sache zwischen Professor Dumbledore und mir. Er hat mich darum gebeten, mit niemandem darüber zu sprechen.“ Minerva blieb sehr gefasst und nickte: „Nun gut, Mr. Potter. Dann schlage ich vor, dass Sie sich jetzt in ihr Bett begeben und sich ausruhen. Der Minister wird jeden Moment hier sein.“
Zusammen mit Harry verließ ich den Raum. Genauso wie ich, konnte er sich jetzt nicht einfach schlafen legen und wir gingen gemeinsam zum Krankenflügel.
Trotz der allgemein betrübten Stimmung gab es auch erfreuliches. Viele Eltern hatten sich auf Wunsch ihrer Kinder dazu bereit erklärt, sie erst nach der Beerdigung abzuholen. Natürlich waren alle Prüfungen für dieses Schuljahr abgesagt worden. In den letzten Tagen waren schon einige Trauergäste angereist und im Schloss untergebracht worden, sogar eine Delegation des Ministeriums mitsamt dem Minister, des weiteren mehrere uralte Zauberer, die wie ich von Minerva erfahren hatte, Mitglieder des Zaubergamots und langjährige Freunde Dumbledores waren.
Diejenigen, die im Kampf verletzt worden waren, hatten sich schon wieder erholt. Bill würde natürlich die schrecklichen Narben im Gesicht zurück behalten, hatte ansonsten glücklicherweise aber nur eine Vorliebe für blutiges Fleisch entwickelt. Fleur wurde mittlerweile von allen Weasleys als zukünftige Schwiegertochter akzeptiert, da sie durch ihre Sorge um Bill bewiesen hatte, dass sie seiner würdig war. Die beiden wollten mit ihrer Hochzeit noch warten, bis Bills Narben etwas besser verheilt sein würden.
Zu Dumbledores Beerdigung schien die ganze Zaubererwelt gekommen zu sein. Wir hatten uns alle am großen See versammelt, um dem beliebtesten Schulleiter, den Hogwarts jemals hatte, die Ehre zu erweisen. Obwohl die Rede des Ministeriumszauberers Dumbledores wahres Persönlichkeit nur in kleinen Nuancen beschrieb, war es vor allem durch den Gesang der Wassermenschen und den Tribut der Zentauren eine außerordentlich schöne und würdevolle Feier. Nun ruhte er in einem weißen Marmorsarg an dem Ort, den er so sehr geliebt hatte.
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