
von kikimaus
Zwei Jahre nach Voldemorts Tod: Neville war soeben zum neuen Lehrer für Kräuterkunde ernannt worden und befand sich zur Zeit mit Schulleiterin McGonagall in Ihrem Büro. Sei es, weil sie für Neville noch einige Unterlagen holen musste, oder weil sie in Ihrer Funktion als Schulleiterin an eine andere „Baustelle“ berufen wurde: Sie musste das Schulleiterbüro für kurze Zeit verlassen…
„Sie warten hier.“ Mit diesen Worten ging McGonagall aus dem Schulleiterzimmer und ließ Neville allein zurück.
„Hallo Longbottom.“
Ein leichtes Frösteln überkam Neville. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen drehte er sich um…die Stimme kam ihm irgendwie bekannt vor…
„Na, Longbottom? Wie geht es Ihnen? Beehren Sie uns ehemalige Schulleiter auch mal mit Ihrem Besuch?“
Ein Schauer lief Neville über den Rücken. Diese Stimme…zuletzt hatte er sie vor zwei Jahren gehört, und noch immer flößte sie ihm Angst ein…
Ahnungsvoll schweifte sein Blick über die Schulleiterportraits… Wo kam die Stimme bloß her? Alle Portraits waren verschwunden oder schliefen…alle…bis auf eines…eines, das ihn mit seinen schwarzen Augen durchdringend ansah…
„Professor Snape?“
„Schön, dass Sie sich noch an meinen Namen erinnern. Ich habe ja allerhand über Sie reden hören, Longbottom…Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet Sie meinen Tod rächen würden…“, meinte Snape so nachlässig wie möglich.
„Was?!“ fragt Neville einigermaßen verwirrt.
„Na, immerhin haben Sie die Schlange getötet, die mich ins Jenseits befördert hat.“
Neville lächelte verlegen. „Na ja, wenn Sie es so sehen…“
„Ach übrigens… Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Ernennung zum…Lehrer für Kräuterkunde…“
Mittlerweile waren einige Portraits nach und nach wieder eingetrudelt. Jedes von ihnen wusste wohl, dass die beiden eine besondere, wenn auch sehr merkwürdige Beziehung zueinander hatten…und lauschte gespannt.
„Danke.“ Neville war überrascht. Da kam doch sicher noch etwas hinterher… Und tatsächlich…
„Ihre Schüler können sich wirklich glücklich schätzen, Longbottom…ich bin sicher, sie werden auf der ganzen Welt keinen geduldigeren Lehrer finden…was meinen Sie?“ fragte Snape und sah ihn dabei sehr seltsam von der Seite an.
Neville wurde rot. „Na ja…“
„Sei's drum! Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Mr. Longbottom, oh Verzeihung… Professor…Longbottom.“
Noch immer hielt Neville einen gebührenden Sicherheitsabstand zu Snape…
„Na kommen Sie schon her“, sagte Snape mit ungewohnt sanfter Stimme, „ ich beiß Sie schon nicht…ich werde nur gebissen, “ nahm Snape den Faden wieder auf. „Ich habe gehört, Sie haben das Viech damals erledigt…“
„Na ja…“
„Und die Umstände, unter denen es passiert ist...“ fuhr Snape ungerührt fort, „wirklich erstaunlich…“
Neville traute seinen Ohren kaum…
„…Ich hatte ja keine Ahnung, welches Potential in Ihnen schlummert.“
Nevilles Gesicht hatte inzwischen die Farbe einer reifen Tomate angenommen, und seine Knie zitterten…aber trotzdem rang er sich zu einer Antwort durch: „Für mich war es auch erstaunlich…ich hab gar nicht groß nachgedacht…ich hab's einfach getan…es geschah ganz automatisch.“
„Ja, so ist das eben. Manche Dinge passieren einfach. Man kann sich gar nicht dagegen wehren.“
Darauf wusste Neville nichts zu sagen, er konnte Snape nur im Stillen Recht geben. Er war ĂĽberrascht von der Wendung, die Ihre Unterhaltung genommen hatte.
Sogar die Portraits merkten, dass hier ein besonderes Gespräch stattfand.
„Wie fühlt man sich denn so als Held?“ fragte Snape wie beiläufig.
„Ich bin kein Held“ antwortete Neville heftig.
Snape unterdrückte ein Lächeln. „Das sind die wahren Helden: die von sich selbst behaupten, sie wären keine.“
Diese einfachen Worte verfehlten ihre Wirkung nicht: Tausend Gedanken strömten auf Neville ein…dieser Mann hatte ihn gerade als Helden bezeichnet…der Mann, der Neville nie besonders gemocht hatte, ja, ihn immer als Niete oder Versager hingestellt hatte…der nie ein Blatt vor den Mund genommen hatte, wenn er seine Meinung über seinen „unfähigsten Schüler“ geäußert hatte…dieser Mann, der immer gnadenlos ehrlich zu Neville gewesen war, hatte ihn gelobt, wenn auch nur indirekt…doch schon das war etwas Besonders… Neville war es, als würde in ihm eine Verwandlung vorgehen, mit einem Mal schien alle Unsicherheit und Schüchternheit von ihm abzufallen, als würde er die Erlebnisse der Vergangenheit plötzlich klarer sehen…
„Haben die anderen Sie nicht darauf angesprochen?“ riss Snape ihn aus seinen Gedanken, „Ausgerechnet den Lehrer, dem Sie am meisten gehasst haben…?“
„Na ja…gefragt haben die schon…“
„Was haben Sie denen denn gesagt?“
„Die Wahrheit natürlich.“
„Und die wäre?“
„Ich hab Sie nie gehasst. Ich hatte immer nur Angst vor Ihnen - das ist nicht dasselbe.“
„Nein, das ist es nicht… ich nehme an, Sie haben jetzt keine Angst mehr vor mir.“
Neville gab sich einen Ruck „Na ja…ein bißchen unheimlich sind Sie mir immer noch, aber Angst habe ich keine mehr vor Ihnen.“
Snapes Lippen kräuselten sich. „So, so…“ meinte er langsam. Diese Offenheit in Nevilles Antwort hatte eine bemerkenswerte Auswirkung auf Snape…Er fing an, den jungen Mann zu bewundern…Was ihn natürlich nicht daran hinderte...
„Ich nehme an, dass Ihr Irrwicht jetzt eine andere Gestalt hat“, neckte Snape ihn.
Die Retourkutsche kam prompt; Neville lernte wirklich schnell. „Ja, leider.“ Und auf Snapes verwunderten Gesichtausdruck hin fuhr er fort „Die Klamotten meiner Oma standen Ihnen wirklich gut…“
Snape glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. Der Junge hatte vielleicht Nerven! Snape lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
„…Besser als ihr jedenfalls“, fügte Neville rasch hinzu.
Snapes sauersüßes Lächeln wandelte sich zusehends in ein mühevoll unterdrückten Grinsen, und auch Neville… - das Eis war gebrochen…wer hätte das geglaubt…noch vor einer halben Stunde…
„Was machen Sie da?!“
Neville zuckte zusammen. Er hatte McGonagall gar nicht bemerkt, die eben hereingekommen war.
„Was tun Sie da?!“ wiederholte McGonagall und blickte nervös auf Snapes Portrait…
„Ich hab mich nur n bißchen…Nein, nicht!“ wehrte Neville ab, als McGonagall Anstalten machte, dass Bild herumzudrehen. „Bitte…“ In seinem Blick lag etwas Flehendes.
Verwundert lieĂź McGonagall das Portrait los.
„Macht sie das öfter?“ fragte Neville Snape im Flüsterton, als McGonagall das Zimmer verlassen hatte.
„Sie versucht es immer wieder. Aber zum Glück habe ich ein paar…Verbündete hier. Und so wie es aussieht, habe ich seit heute einen Verbündeten mehr.“
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.