
von lumos
Teil 5 – Heißer geht schon nicht mehr ~ * ~ Part 2 3. Teil 2.2 ca. 3300 Wörter
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Es zeigt sich inzwischen, dass es Herbst geworden ist und so regnet es in Surrey, als Harry und ich hierher apparieren. Harry hat uns nicht direkt in den Ligusterweg gebracht, sondern an den Rand eines Waldes, der an einen Spielplatz grenzt.
„Es ist nicht weit, wir müssen nur ein paar Straßen entlang gehen“, fordert Harry mich auf ihm zu folgen, da er sich bereits in Bewegung gesetzt hat, während ich noch meinen Blick schweifen lasse.
Wir gehen wirklich nur ein paar Minuten, in denen wir an Häusern vorbeikommen, die sich bis auf die Vorgärten haargenau gleichen. *Schreckliche Gegend*, schießt mir durch den Kopf. *Hier ist ja nichts abwechslungsreich, nichts Außergewöhnliches oder Einzigartiges, sondern alles gleich in gleich!*
Schließlich halten wir vor dem Haus mit der Nummer vier und Harry betätigt die Türklingel. Es dauert nicht lange, da öffnet uns Petunia, die um einiges gealtert ist und ich muss sagen, dass sie sich nicht zu ihrem Vorteil verändert hat.
„Sie wün...“, der Rest des Satzes bleibt ihr im Hals stecken als sie erst Harry und dann mich ansieht, bis ihr ein überraschtes „Severus“ über die Lippen entfleucht.
„Ja, der bin ich und wir würden gerne hereinkommen, Tunia“, und ehe sie uns die Tür vor der Nase zuschlagen kann, ziehe ich meinen Zauberstab und halte ihn ihr direkt unter die lange Nase. Sie kreischt erschrocken auf und macht einen Satz nach hinten in den Flur hinein, als wäre sie ein verschrecktes Kaninchen und schreit schließlich schrill. „Vernon, Harry ist mit seinem ... Klüngel da!“
*Wie bitte? Klüngel! Hat die gute Petunia zu tief in die Flasche gesehen oder was für einen verqueren Gedankengang hat sie?*
Kopfschüttelnd weise ich sie mit dem Stab darauf hin weiter zurück zu gehen, so dass Harry und ich ins Haus eintreten können und Harry schließt schließlich die Tür hinter uns. Gleichzeitig kommt aus dem Wohnzimmer ein Gepolter und anschließend erscheint ein Mann, der nur dieser Vernon sein kann. Abschätzend betrachte ich ihn und bevor er zu brüllen beginnt, denn das scheint er offensichtlich vor zu haben, zische ich:
„Seien Sie still, Dursley, wenn Sie uns geben, was wir wollen, umso schneller sind wir wieder weg.“
„Ich gebe Ihnen gar nichts, mein Geld bekommen Sie nicht!“, giftet der Hausherr.
„Danke, aber ich bin reicher als Sie es sich jemals erträumen könnten. Wir wollen lediglich Harrys Besitz abholen und dann sind wir auch schon weg und Sie werden Ihren Neffen nicht wieder sehen.“
„Pfff, wir haben nichts, was ihm gehört.“
„Ach, nein? Und was ist mit der Stofffledermaus, die bei mir gelegen hat, als ich zu euch kam? Die ist sicherlich noch hier irgendwo“, erwidert Harry und wie aufs Stichwort erbleicht Petunia, bevor sie puderrot anläuft und erst Harry und anschließend Vernon verzweifelt ansieht.
„Was für eine Fledermaus, wovon redet der Junge da, Tunia Schatz?“
Petunia scheint mit sich selbst zu hadern, denn sie ringt ihre Hände, während ihr Blick zwischen uns dreien immer wieder hin und her wandert, bis es aus ihr heraus platzt.
„Na schön, ich habe diesen ganzen Schrott unten im Keller in einer Kiste aufgehoben. Wenn du das Zeug endlich hier herausschaffst, kann es uns nicht mehr um die Ohren fliegen. Es befindet sich im letzten Regal hinten links, eine braune Umzugskiste mit der Aufschrift HJP. Hol sie dir und dann verschwinde“, faucht sie aufgebracht.
Harry kommt der Aufforderung seiner Tante eilig nach, während ich der Ader am Halse von Dursley meine Bewunderung zolle. Sie pulsiert wie verrückt und schwillt immer mehr an, sowie der Kopf dieses Mannes bald zu platzen scheint und da entfährt es ihm auch schon.
„PETUNIA, DU WILLST MIR DOCH NICHT SAGEN, DASS DU ALL DIE JAHRE ÜBER DIESES ABNORMALE ZEUG IN UNSEREM KELLER AUFGEHOBEN HAST!?“
„Vernon, Liebling, bitte rege dich doch nicht so auf. Sie lagen doch nur in einer Kiste und haben niemanden gestört“, versucht sie ihren Mann zu beschwichtigen und ich würde mir gerne weiterhin das Schauspiel ansehen, doch da kommt Harry schon mit einer Kiste unter dem Arm geklemmt wieder in den Flur herauf, ruft noch ein „Tschüss Tantchen und Onkelchen“ und begibt sich aus dem Haus.
Ich folge ihm und vor dem Haus kann ich mir den Kommentar nicht verkneifen, dass die Kiste nicht sonderlich groß ist.
„Nein, aber dafür ist alles drin und ein Zettel von Professor Dumbledore liegt dabei, der erklärt, dass die Gegenstände nur entnommen werden müssen und fünf Minuten danach sich in ihre ursprüngliche Größe zurück verwandeln. Ist das nicht toll!“, strahlt er mich an.
„Was möchtest du jetzt machen, ich habe ehrlich gesagt den heutigen Tag gar nicht weiter geplant. Ich dachte wir würden länger brauchen.“
„Wir werden einkaufen gehen“, bestimme ich.
„Einkaufen! Wieso das denn?“, verwirrt sieht Harry mich an.
„Weil ich nicht mehr mit ansehen kann, wie du in Hogwarts ständig mit der Uniform herum läufst und an den Wochenenden, an denen wir unterwegs sind, dich mit Dracos Kleidung sehen lässt. Es wird Zeit, dass du eigene Kleidung bekommst, die dir passt!“
Harry schnappt nach Luft und läuft verlegen rosa an. „Woher weißt du das, also mit Dracos Sachen?“
„Na hör mal, denkst du, ich kann nicht eins und eins zusammen zählen? Wenn du von dieser Schreckschraube da drin nur die abgetragenen Sachen deines Vetters bekommen hast und den Kleiderschrank meines Patensohnes plündern musst, um dich mit mir außerhalb von Hogwarts sehen zu lassen, sagt das mir, dass du keine eigenen vernünftigen Sachen hast. Und wieso ich weiß, dass du dich bei Draco bedienst, nun, ich würde sagen, dass du nicht immer die Dinge anziehen solltest, die ich ihm mal geschenkt habe.“
„Oh.“
„Na komm, ich kenne ein gutes Geschäft für junge Leute, in das Draco mich regelmäßig schleift und er kommt da nie ohne gefüllte Tüten heraus“, muntere ich ihn lächelnd auf.
*****
*Himmel, wenn ich damals gewusst hätte, dass Einkaufen mit Harry komplizierter ist als mit Draco, hätte ich das glaube ich, nie vorgeschlagen*, seufzend fahre ich mir mit der Hand über meine Augen. Draco kann Massen an Kleidung kaufen, aber er weiß auch was er will. Harry musste das aber erst noch herausfinden. Dafür sieht er aber jetzt in jedem Teil, dass er sich gekauft hat, verdammt gut aus. Es war doch recht anstrengend gewesen, hatte uns beiden aber auch viel Vergnügen bereitet. Später am Abend haben wir uns dann gemeinsam in meiner Wohnung, Harry wollte es nicht alleine machen, seiner Kiste gewidmet.
*Hier ist die Stelle ja auch schon.*
*****
Wir kommen durch den Kamin in meinen Räumen an, vom Einkaufen zwar ziemlich geschafft, aber recht zufrieden mit dem Tag, da wir sehr erfolgreich waren.
„Severus?“
„Ja“, auffordernd sehe ich Harry entgegen, der, wie es scheint, noch um passende Wörter ringt.
„Was ist los, Harry?“
„Ich ... du ... würdest du ... also, würdest du mit mir zusammen nachsehen, was alles in der Kiste ist, die wir aus dem Ligusterweg geholt haben?“
Harry scheint diese Frage sichtlich schwer gefallen zu sein, aber nicht aus dem Grund, dass er mich nicht dabei haben will und nur aus Höflichkeit fragt, sondern eher, dass er sich meine Gesellschaft dabei wünscht und so nicke ich.
„Sicher, wenn du das möchtest. Warte einen Moment, ich versetze eben meine Möbel, so dass wir genug Platz im Raum haben“, und so schwenke ich meinen Zauberstab kurz und meine Wohnzimmermöbel schweben so zur Seite, dass ein großer freier Bereich in der Mitte des Raumes entsteht.
Harry legt seine klein gezauberten Einkaufstüten ab und entnimmt zum Schluss seiner Manteltasche die noch etwas kleiner gezauberte Kiste und stellt sie in die Mitte des frei gewordenen Bereiches, tippt sie mit seinem Zauberstab an und sie vergrößert sich wieder auf die Größe, in der sie die vergangenen Jahre verbracht hat. Er hockt sich neben sie auf den Boden und sieht mich auffordernd an, seufzend lasse ich mich neben ihm nieder. Auf dem Boden habe ich seit Jahren nicht mehr gesessen, aber was macht man nicht alles, wenn man mit solchen großen grünen Augen angesehen wird. Harry wartet solange mit dem öffnen der Kiste bis ich neben ihm sitze und dann klappt er mit leicht zitternden Händen den Deckel auf und schaut in das Innere und ein seelig zufriedenes Lächeln legt sich auf sein Gesicht, als er in die Kiste hinein greift und den ersten Gegenstand heraus nimmt. Es ist eine wirklich sehr kleine Stofffledermaus und diese sieht noch genauso aus wie vor 18 Jahren, als ich sie in diesem Geschäft für Kinder gesehen habe. Vorsichtig, als wäre sie zerbrechlich hält Harry sie in seinen Händen und scheint auf etwas zu warten und tatsächlich, allzu lange brauchen wir nicht warten, da wächst das Stofftier plötzlich auf seine eigentliche Größe an und füllt Harrys Handfläche mit ihrem Körper vollkommen aus. So als ob sie nur darauf gewartet hätte, fängt die kleine Fledermaus an mit ihren Flügeln zu schlagen und entfleucht Harrys Handfläche, doch Harry hat nicht ohne Grund fast jedes Quiditschspiel gewonnen und so kommt das Stofftier nicht weit und Harry fängt sie wieder ein und presst es mit einem Lächeln auf den Lippen an seine Brust und haucht: „Meine Sevie.“ Überrascht ziehe ich meine Augenbrauen hoch, doch lasse ich diesen Namen lieber unkommentiert.
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Harry hatte einen Moment gebraucht, bevor er das kleine Tier frei im Raum fliegen ließ, um sich dem nächsten Gegenstand zu widmen. So beförderte er einen nach dem Anderen aus der Kiste und stellte ihn an einen ausgewählten Platz im Raum und wartete, dass er sich von alleine vergrößerte, was sie immer nach kurzer Zeit taten. Ich hatte ihn die gesamte Zeit dabei beobachtet und festgestellt, dass es ihm mit jedem Gegenstand schwerer fiel seine aufwallenden Gefühle zu kontrollieren und nicht in Tränen auszubrechen bei der Erkundung seiner Vergangenheit. Die Zeit, in der er noch Eltern gehabt hatte die ihn geliebt hatten und als er dann sein Babybettchen zutage beförderte, dass Spuren von den Resten eines Zaubers aufwies, konnte Harry nicht mehr an sich halten und brach weinend zusammen. Er ließ sich an den Gitterstäben herabgleiten und verbarg sein Gesicht in den Händen die er auf seine angezogenen Beine legte und seine Schultern bebten vor geweinten Tränen und Schluchzern. Dieses Bild der tiefsten Traurigkeit ergriff auch mich und so hatte ich mich neben ihn gesetzt und ohne, dass ich darüber nachgedacht habe, in meine Arme gezogen. So nahm ich an diesem Abend Harry zum Ersten mal aus einem Impuls heraus für länger als nur wenige Minuten in den Arm. Kaum, dass Harry in meinen Armen lag, verkrallten sich seine Finger in meiner Kleidung, während mein Oberteil durch seine Tränen feucht wurde. Wir saßen für eine sehr lange Zeit so beisammen, bis Harry sich ausgeweint und soweit gefasst hatte, dass er mich mit verquollenen Augen von unten herauf ansah. Sachte hatte ich ihm seine restlichen Tränen mit dem Daumen weggewischt, ihn angelächelt und gefragt ob es wieder geht, woraufhin ich ein leichtes Nicken erhalten hatte.
„Danke, Severus, dass ... dass du da bist. Ich ... ich glaube, dass ich nun gehen sollte, es ist schon spät. Kann ich meine Sachen hier lassen und morgen erst wieder klein zaubern damit sie in die Kiste passen?“, war von ihm zaghaft gekommen.
„Natürlich, komm morgen einfach nach dem Unterricht her. Jetzt solltest du dich aber hinlegen und ausruhen. Wir sehen uns morgen zum Mittagessen und nun schlaf gut, Harry.“
Auch Harry hatte mir eine gute Nacht gewünscht, sich erhoben, mir einen Kuss auf die Wange gehaucht und anschließend meine Räume verlassen.
Noch einen Schluck aus dem Glas trinkend blättere ich mit der anderen Hand die Seiten weiter um und bleibe an einem anderen Wochenendeintrag hängen: `Wien´.
Ja, das war ein interessantes Wochenende mit Stadtrundfahrt in einem Fiaker, einer Tour durch den Prater und einer dazugehörigen Fahrt auf dem Riesenrad. Es ist faszinierend wie hoch einen das Gefährt bringt und was für einen fantastischen Ausblick man dadurch auf Wien erhält. Harry war sogar so verrückt, dass gesamte Gefährt für Samstagabend und Nacht zu mieten, so dass wir in einer Gondel, die sich langsam auf und ab bewegte, zu Abend speisten und der blutroten Sonne dabei zusahen, wie sie die äußeren Gebäude Wiens erst noch erhellte und dann am Firmament verschwand und Platz für eine wunderschöne sternenklare Nacht machte. Dieser Abend war unbeschreiblich schön. Am Sonntag aßen wir uns mehr oder weniger durch die halbe Speisekarte des `Tichys´, wobei wir immer bei der Eiskugel des Anderen kosteten. Ich muss gestehen, dass ich so einen Eishochgenuss noch nie auf meiner Zunge verspürt hatte. Besonders das Marillenknödeleis war eine Sünde wert und ich ließ mir glatt drei Dutzend davon zum mitnehmen in eine Kühlbox einpacken. Durch einen kleinen Zauber war es auch kein Problem, dass wir erst zum Abendbrot wieder in Hogwarts ankamen und ich Twinka dann erst meine Schätze zum aufbewahren übergab.
Wien war eine tolle Stadt gewesen und Harry schien Städtetouren, genauso wie ich, mit kulturellem Zusammenhang, zu mögen, denn wenige Seiten weiter, sprich das übernächste Wochenende, waren wir wieder unterwegs. Auch wieder in einer Stadt, in der ich zwar bereits einmal war, aber nur wegen der Zaubertranktagungen, so dass ich von der kulturellen Pracht nichts hatte ansehen können.
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„Wo geht es dieses Mal hin, Harry?“
Harry schmunzelt und ich kann mir durchaus vorstellen wieso, denn wohin er mich verschleppt, frage ich jedes mal, wenn Draco Harry meinen Koffer übergibt und ich erhalte auch immer dieselbe Antwort.
„Lass dich überraschen. Bist du bereit fürs apparieren?“
Ich nicke, Harry ergreift meinen Arm und schon spüre ich das obligatorische Ziehen einer Apparation und tauche in der Empfangshalle einer recht eindrucksvoll ausgestatteten Hotelhalle wieder auf. Um mich zu orientieren und zu erfahren, wo wir gelandet sind schaue ich mich um, während ich Harry zum Empfangstresen folge.
„Bonjour, Monsieurs“, begrüßt uns der Hotelangestellte und erklärt mit seiner freundlichen Anrede schon mal die Frage in welchem Land wir uns befinden.
„Guten Tag, Monsier“, erwidert Harry und ein Strahlen breitet sich auf dem Gesicht von Claude, wie es auf seinem Namensschild steht, aus.
„Ahh, Sie müssen Monsier Potter sein. Wir haben alles schon vorbereitet.“ Er tippt kurz mit seinem Zauberstab an eine Tafel hinter sich und ein Schlüssel erscheint. „Pierre“, winkt er einen Pagen herbei, der zu uns geflitzt kommt, diesem überreicht er den Schlüssel und sie wechseln ein paar Worte auf Französisch miteinander, dann wendet er sich wieder uns zu.
„Wenn sie dies hier bitte unterschreiben wollen, danach bringt Pierre Sie auf Ihre Suite.“ Harry nickt, unterschreibt das Anmeldeformular und dann folgen wir anschließend Pierre, der uns zuerst in einen Fahrstuhl führt. Dieser hält im 15. Stock und wenige Meter benötigen wir, da stehen wir schon vor unserer Suite, in die er uns einlässt.
Ich bin von dem Anblick, der sich mir bietet, so ergriffen, dass ich mitten im Raum stehen bleibe und gar nicht registriere wie Harry den Pagen verabschiedet und die Räume begutachtet.
„Ja, hier können wir das Wochenende verbringen. In welchem Zimmer möchtest du schlafen, Severus?“
*Zimmer! Mehrzahl?*
„Wie Zimmer?“, frage ich überrascht.
„Na Zimmer, die Suite verfügt neben diesem Wohnraum über zwei Schlafzimmer und ein großes Badezimmer.“ So schaue ich mir auch die anderen Räume an und entscheide mich für das rechte Zimmer, in dem dann Harry meinen Koffer vergrößert.
„Ich dachte mir, da wir beide noch nicht zu Abend gegessen haben, können wir auf der Dachterrasse, die zu dieser Suite gehört, zu Abend essen und anschließend machen wir noch einen Sparziergang durch Paris und lassen die Stadt bei Nacht auf uns wirken. Morgen früh ziehen wir dann wieder los und du solltest dir etwas Praktisches anziehen, womit du allerdings auch etwas hermachst. Also bitte nicht deine Lehrerrobe.“
„Was hast du gegen meine Roben?“
„An sich nichts, solange du sie in Hogwarts belässt.“
Ich muss schmunzeln.
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Severus hob seinen Blick und ließ ihn zum Kamin schweifen. Oh ja, ich hatte bei dem Kommentar gar nicht anders gekonnt und so hatte ich am Abend eine elegante Hose und ein feines Hemd unter einem guten Umhang angezogen und wir waren, wie Harry es gewollt hatte, nach einem guten Essen durch die Stadt geschlendert. Bei diesem Essen wartete Harry mit allen romantischen Mitteln auf, die ihm zur Verfügung standen und zum Abschluss gab es einen Mondscheinspaziergang durch das nächtliche Paris. Diese Stadt bei Nacht war schon eine eindrucksvolle Kulisse und so waren wir noch einige Zeit unterwegs gewesen.
Ich richte meinen Blick wieder auf das Buch, überspringe wenige Seiten und lese dann weiter.
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„Und, mache ich in dieser Robe etwas her?“, frage ich Harry, der im Wohnraum auf mich wartet.
„Hmm, der Schnitt sieht mir verdächtig nach deiner typischen Robe aus, aber der Stoff ist definitiv wertvoller und er steht dir. Du siehst für unser vormittägliches Programm gut aus.“
„So, was haben wir denn vor?“
„Wirst du schon sehen. Kommst du?“
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Das nächste Geplänkel brauche ich nicht noch mal lesen und so überspringe ich einige Zeilen.
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Wir kommen mit der hiesigen Variante des Fahrenden Ritters vor einem großen verfallenen Fabrikgebäude an. *Was wollen wir denn hier?*, geht es mir durch den Kopf, doch Harry scheint der Meinung zu sein, dass wir richtig sind, da er direkt auf den Eingang zusteuert.
„Kommst du?“, fragt er da auch schon und ich setze mich in Bewegung. Als ich den Eingang passiere, bin ich ziemlich überrascht und es fällt mir wieder ein, dass ich ursprünglich an diesem Wochenende in Paris hatte sein wollen, doch dann kam mir Harry dazwischen.
„Harry, wir können da nicht rein gehen. Wir sind nicht angemeldet.“
„Doch können wir. Ich habe uns angemeldet, gleich nachdem ich den Artikel über die Tränkemesse in „Tränke heute“ gelesen habe, die bei dir rumfliegt.“
„Sie fliegt nicht bei mir rum, meine Fachzeitschriften liegen alle nach Erscheinungstag geordnet an ihrem Platz“, grolle ich.
„Na, komm schon“, meint Harry lediglich, ergreift meine Hand und schleift mich zum Empfang, an dem wir tatsächlich unsere Namensschilder und Eintrittsgenehmigungen erhalten und anschließend gehen wir in die auf drei Ebenen verteilte Messe für Tränkemeister, für welche die es werden wollen und für Tränkebraufans.
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Kopfschüttelnd blicke ich auf. Ich hätte nie damit gerechnet, dass Harry mich auf eine Messe schleppt, auf der nur über Tränke, ihre Zutaten und neue Entwicklungen gefachsimpelt wird und es Verkaufsstände für Produkte gibt, die alles mit Zaubertränke brauen zu tun haben. Fünf Stunden waren wir geblieben, bis uns beiden die Mägen geknurrt hatten. Dann waren wir in einem Restaurant essen gewesen und hatten uns den Louvre angesehen. Der war so riesig und interessant, dass dann auch schon der restliche Tag vergangen war. Am nächsten Tag waren wir nochmals für drei Stunden auf der Messe und hatten danach erneut die Stadt erkundet. Doch leider war die Zeit viel zu schnell vergangen, so dass wir nicht alles gesehen hatten, was wir uns ursprünglich vorgenommen hatten.
Harrys Kommentar dazu war lediglich, als wir unsere Taschen packten: „Macht nichts, kommen wir nächstes Jahr eben wieder her.“
Ich hatte darauf geschwiegen, denn nächstes Jahr würde Harry diese Aussage garantiert nicht in die Tat umsetzen wollen.
Das Wochenende darauf waren wir in Venedig gewesen. Ich schlage großzügig die Seiten um und schließlich lande ich auf der Seite eines ziemlich frischen Eintrages. Ich habe ihn letztes Wochenende ins Buch übertragen. Harry und ich waren am Samstag in London auf dem Weihnachtsmarkt der Muggle gewesen und es war ein interessanter Tag in der Hinsicht gewesen, was Muggle so alles für Kram zum Kaufen anboten. Da war vieles in grellen bunten Farben und völlig kitschig gewesen, die völlige Reizüberflutung, aber dennoch ein schöner Tag.
Noch viel mehr hatten wir während der vergangenen Wochen unternommen und währenddessen lernten wir uns tiefer kennen. Ich erfuhr so viel über die Person Harry, die hinter der Fassade des heldenhaften Harry James Potters steckte und auch ich ließ Harry Einblick in meine Persönlichkeit haben, wobei ich einen ganz bestimmten Teil vorsorglich ausließ. Wir hatten viele Wochenendtrips unternommen, die alle auf ihre Art einzigartig waren, doch wenn ich mich entscheiden müsste, was mir am Besten gefällt, so würde ich sagen, dass mir irgendwie die Stunden am liebsten waren, in denen wir einfach nur zusammen waren. In denen wir uns unterhielten, aßen, Schach spielten oder an Tränken brauten.
Ich merke wie müde ich doch bin und spreche einen Tempuszauber aus und entschließe mich, nachdem er mir zwei Uhr nachts anzeigt, doch ins Bett zu gehen. Auch wenn ich es ungern zugebe, aber ich werde auch nicht jünger und brauche eine gewisse Anzahl an Stunden Schlaf.
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