
von safranblüte
Sie hatte ihre Augen noch immer geschlossen.
Sie hörte wie neben ihr ein leises "Plopp" ertönte. Also war der Todesser gegangen.
Hermine öffnete langsam ihre Augen. Wie schade dass sie doch nicht gestorben war. Wie schön es wäre, wenn sie sich nur mittels ihrer Gedanken umbringen könnte..
Der Raum in dem sie sich befand war kleiner als der vorherige, doch nicht weniger düster und beklemmend.
Und ausserdem war es ein Schlafzimmer.
Was Hermines Inneres zu Eis gefrieren liess und ihre Gedanken in einen tiefen Abgrund dunkelster Befürchtungen und Ängste zog.
"Gefällt es dir?"
Sie hatte ihn nicht kommen hören. Aber natürlich konnte ein Lord Voldemort lautlos apparieren.
Er stand hinter ihr.
"Steh auf."
Hermine gehorchte ihm nicht.
"Du kannst mich mal."
Ein Schmerz wie von Tausend glühenden Nadeln durchfuhr sie. Als der dunkle Lord nach ein paar Minuten aufhörte sie zu foltern, sagte er:
"Dein freches Mundwerk hat ich immer fasziniert. Selbst in den hoffnungslosesten Situationen kannst du nicht einfach gehorchen. Immer musst du dich widersetzen. Aber ich werde dir Gehorsam lehren, keine Sorge..."
Hermine sagte nichts mehr, doch ihr Blick sprach Bände. Langsam rappelte sie sich vom Boden auf und fixierte die Augen ihres Gegenübers.
Voldemort Gesichtszüge drückten für einen ganz kurzen Moment Verwunderung über die Direktheit seiner Gefangenen aus, doch sofort verwandelten sie sich wieder in die übliche gefühlslose Maske.
"Wieso bin ich hier? Und wieso bin ich noch am Leben? Ich habe keinen Nutzen mehr für dich. Harry ist doch tot, oder? Genauso wie Dumbledore. Also, was willst du denn noch von mir?"
Ihre Frage schien ihn zu amüsieren.
Er wandte sich von ihr ab und ging ein paar Schritte im Zimmer auf und ab.
"Ich will alles. Du bist eine aussergewöhnliche Person, selbst wenn du ein Schlammblut bist. Und du warst Potters beste Freundin. Er hat dich sehr geliebt, weisst du das eigentlich?"
Die Erwähnung von Harrys Namen schien Hermines Herz zusammenzuschnüren. Doch sie blieb standhaft und schaute starr geradeaus.
"Egal, du hast Recht, er ist tot. Doch dieser Junge hat mir sehr viel Ärger gemacht. Sein Tod war schon sehr befriedigend. Aber ich denke dir wehzutun und dabei zu wissen dass Potter sich deswegen im Grabe umdreht wird auch sehr gut sein..."
Hermine begann zu zittern. Sie wollte es nicht, doch ihr von den Folterflüchen der Todesser geschwächter Körper gehorchte ihr nicht mehr.
"Du bist sehr schön. Selbst ich habe gewisse Bedürfnisse, weisst du. Und jetzt wo ich nicht mehr viel mehr zu tun habe als zu warten dass meine Diener den Rest eurer lächerlichen Truppe auslöschen, kann ich ein bisschen Unterhaltung gut gebrauchen. Wir werden viel Spass miteinander haben..."
Hermine hätte sich am liebsten übergeben. Bei der blossen Vorstellung drehte sich ihr der Magen um.
"Lieber sterbe ich." stiess sie hervor.
Jetzt lachte Voldemort. Ein bösartiges, kaltes Lachen.
"Das kann ich mir fast vorstellen. Dummes Mädchen, denkst du wirklich ich mache es dir so leicht?"
Er schwenkte seinen Zauberstab und Hermine befand sich plötzlich in einem Kerker. Schon wollte sie ihn fragen, was das Ganze sollte, doch dann bemerkte sie plötzlich die kleine, zusammengekauerte Person in einer Ecke der Zelle.
"Liliana..." flüsterte Hermine und rannte zu ihrer kleinen Schwester hin.
"Liliana, bitte sprich mit mir." Hermines Stimme war nun entgegen all ihrer Vorsätze tränenerstickt. Dieses Schwein hatte ihr kleine Schwester entführt. Was ihr wohl schon alles angetan worden war?
"Du verdammter Mistkerl!" schrie sie ihn an. Sie hatte alle Beherrschung verloren und stürzte sich auf ihn, die Fäuste geballt. Alles was sie wollte war ihm wehzutun.
Voldemort packte sie an den Handgelenken und drehte sie blitzschnell herum. Dann schlang er seine Arme von hinten um sie und flüsterte ihr ins Ohr.
"Sie ist süss, deine Schwester. Kommt ganz nach dir. Das finden übrigens einige meiner Todesser auch. Die würden gern ein paar Stunden mit ihr allein verbringen. Und wenn du tot bist...werde ich keine Verwendung mehr für sie haben. Dann denke ich spricht nichts dagegen dass zum Beispiel Lucius ein, zwei Stündchen mit ihr verbringen kann."
Die Tränen rannen nur so über Hermines Wangen und alles was sie denken konnte war: Nein, nein, nein...
"Bitte..."
"Was bitte?"
Sie riss sich zusammen und sprach mit einigermasssen klarer Stimme:
"Sie ist erst zehn. Bitte lass sie gehen. Bitte."
Er lachte nur. Seine Lippen hauchten einen Kuss auf ihren Hals und wanderten dann bis zu ihrem Ohr.
"Was habe ich davon?" flüsterte er.
"Ich...ich tue alles. Alles, aber bitte lass sie frei."
Wieder lachte er und mit vor Begierde schwerer Stimme meinte er:
"Deal."
Er liess Hermine los und sie fiel wie ein nasser Sack auf den Boden. Ihr Körper war bei dem Anblick der nun wimmernden kleinen Gestalt völlig kraftlos geworden.
Voldemort schwenkte seinen Stab einen weiteres Mal und Liliana war verschwunden."
Schockiert starrte Hermine den Zauberer an.
"Wo ist sie? Was hast du mit ihr gemacht!"
Er schenkte ihr nur einen abschätzigen Blick.
"Sie ist zu Hause. Das kannst du mir glauben oder nicht."
Hermine sah ihn an und entschied sich ihm zu glauben.
Was blieb ihr denn sonst übrig? Und ausserdem hielt der dunkle Lord sich an Deals, denn meistens war er es ja, der die Bedingungen aufstellte...
Sie apparierten wieder zurück in das düstere Schlafzimmer. Ein verkrüppelter Hauself stand bereit.
"Geh mit ihm und mach dich ein wenig frisch. Danach werden wir einen Teil deines Versprechens einlösen. Und denk jetzt nicht du könntest dich mir weiterhin widersetzen. Die Schwester ist in Sicherheit doch ich brauche nur mit den Fingern zu schnippen und sie wacht in Lucius Malfoys Gewalt wieder auf."
Mit diesen Worten verschwand er.
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