
von safranblüte
Seit Stunden starrte sie an die Decke. Jedenfalls erschien es ihr so. Wahrscheinlich waren es in Wirklichkeit bloss wenige Minuten gewesen. Doch jede Sekunde in seiner Gegenwart erschien ihr wie eine Stunde voller Qualen.
Seltsam, dass es so still war. Er schwieg. Seit dem letzten Satz, "es ist vorbei"...
Bei dem Gedanken begannen Hermines Augen schon wieder zu brennen. Und langsam erwachte ihr Körper wieder aus dem ohnmachtsähnlichen Zustand, den er während des Geschehnisses der letzten halben Stunde angenommen hatte.
Sie begann wieder zu zittern. Ihr war kalt und gleichzeitig schien sie innerlich zu verglühen. Ihr Unterleib schickte Wellen von stichartigen Schmerzen durch ihren ganzen Körper.
Sie drehte ihren Kopf und erblickte Voldemort. Er schlief nicht aber er schien irgendwelchen dreckigen, bösen Gedanken nachzuhängen. Sein Gesicht war vollkommen entspannt und seine Augen so tot wie damals als sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte. Ob er immer so aussah nachdem er etwas Böses getan hatte? War es das einzige was ihn zufrieden sein liess?
Ihr wurde übel. Schnell stand sie auf und rannte auf gut Glück zu der Tür, von der sie sicher war dass sie nicht durch sie das Zimmer betreten hatte.
Und Hermine hatte Glück. Sie hatte das Badezimmer des dunklen Lords gefunden. Hinter sich hörte sie Voldemorts aufgebrachte Stimme "Was machst du da?" rufen. Doch sie beachtete ihn nicht.
Sie stürzte zur Toilette und übergab sich.
Nachdem sie sich wieder einigermassen beruhigt und ihren Mund ausgewaschen hatte, sah sie sich im Spiegel an. Sie erschrak als sie ihr Abbild erblickte. Die junge Frau im Spiegel war totenblass, hatte wirres Haar und ihre Augen schienen tiefe Abgründe zu sein.
In diesem Moment begann Hermines Selbstsicherheit gehörig zu brökeln. Sie hatte gedacht sie könnte sich Voldemort widersetzen, und schliesslich einen vielleicht grauenhaften aber immerhin würdevollen Tod sterben.
Doch alles war viel schlimmer als sie es sich jemals vorgestellt hatte. Das was dieses widerliche Monster mit ihr machte war grausamer als ihre schlimmsten Albträume. Denn er zerstörte nicht nur ihren Körper. Er zerstörte vor allem ihre Seele. Und das würde sie nicht lange aushalten.
"Du solltest mir nicht einfach so davonrennen." Hörte sie plötzlich eine Stimme neben sich.
Er stand im Türrahmen und sah sie mit seinem toten Blick an. Wie lange er wohl schon dastand und sie beobachtete? Wahrscheinlich hatte er jeden einzelnen ihren Gedanken mitgehört.
"Töte mich."
Er sah fast ein bisschen verwundert aus.
"Was?"
"Du hast doch gehabt was du wolltest. Töte mich jetzt einfach."
Er lachte. Ja, lachte wirklich. Es klang furchtbar falsch. Nicht so wie ein Lachen klingen sollte.
"Du denkst doch nicht wirklich das war alles was ich wollte."
Es war keine Frage. Es war eine Feststellung.
Hermine verlor die Beherrschung. Ihr Unterleib pochte noch immer vor Schmerz und sie hätte am liebsten mit blossen Fäusten auf den Mann vor ihr eingeschlagen.
"Was willst du dann, verdammt! Du wolltest mir wehtun und glaub mir, das hast du geschafft. Weisst du ja selbst gut genug, nicht wahr, das war es doch, was du so genossen hast! Du hast alle Leute getötet die mir wichtig waren. Du hast mein Leben zerstört und mich auch. Was willst du denn noch von mir?" schrie sie.
Sie hatte gedacht sie könnte ihn damit ärgern. Aber er lächelte nur.
"Ich sagte doch schon einmal, dass ich alles will. Dich will."
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