
von safranblüte
Die Gleichgültigkeit, die ihr so perfekt, so angenehm vorgekommen war, war einfach verschwunden.
Einfach so, ohne irgendeine Vorwarnung, war sie wieder in das kalte Becken aus Verzweiflung, Trauer, Angst und Schmerz hineingeworfen worden. Viel zu schnell war alles gegangen. Und jetzt bereute sie es.
Sie hatte ihm nachgegeben. Mehr als das, sie hatte mitgemacht. Sie hatte es gewollt.
Doch jetzt hätte sie sich am liebsten schon wieder übergeben. Am liebsten hätte sie mit ihren Nägeln ihren ganzen Körper zerkratzt, auf sich selbst eingedroschen, sich selbst bestraft für diesen unaussprechlichen Fehler.
Voldemort sagte nichts, doch sie wusste genau, dass er jeden einzelnen ihrer Gedanken mitanhörte.
Er beobachtete sie auch, sie spürte seinen Blick wie tausend Nadeln auf ihrer Haut.
Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus und drehte sich zu ihm um.
Sie hatte erwartet ein spöttisches Grinsen auf seinem Gesicht zu sehen oder sonst irgendeinen herablassenden, gemeinen Ausdruck.
Doch es war ganz anders, sie sah nämlich gar nichts. Er schien sie einerseits zwar anzusehen, andererseits jedoch durch sie hindurchzusehen. Als er bemerkte, dass Hermine sich ihm zugewandt hatte, verzog er seine Lippen zu einem seltsamen Lächeln. Einem echten Lächeln.
Das machte Hermine wütend. Sie wusste nicht wieso, doch es wäre für sie leichter gewesen, wenn er ihr eine Gemeinheit ins Gesicht geworfen hätte oder sie spöttisch angegrinst hätte. Doch was er tat, war noch viel schlimmer, er verspottete sie mit seinem gestelzten Lächeln. Er genoss seinen Triumph und liess sie das genau merken.
Wie in Rage ging Hermine auf ihn los, sie dachte nicht daran was das Ganze für Konsequenzen haben würde, sie wollte ihm einfach nur wehtun.
Rasend vor Wut schlug sie mit den Fäusten auf seine Brust und schrie ihm jedes einzelne Schimpfwort ins Gesicht, das sie je gehört hatte.
Voldemort war völlig überrascht. Zuerst erstarrte er einen Moment, und Hermine labte sich an dem Genuss, ungehindert auf ihn einzuschlagen. Dieses Mal hatte sie gewonnen.
Doch dann blitzten seine Augen gefährlich auf und er drehte die junge Frau blitzschnell und mühelos auf den Rücken.
Ihre Handgelenke umklammerte er mit einen gnadenlose Griff. Wütend sah er auf sie hinab. Erst war Hermine aufgebracht darüber, dass er sie schon wieder besiegt hatte. Doch dann bemerkte sie seine vor Wut flackernden Augen. Sie hatte ihn also tatsächlich aus dem Konzept gebracht.
"Was fällt dir ein!" schrie er sie an.
Und dieses Mal war sie es, die ein unschuldiges Lächeln auf ihrem Gesicht erscheinen liess.
Wieder überraschte sie ihn, doch sogleich nutzte er seine Chance und küsste sie.
Damit hatte sie nicht gerechnet. Angewidert drehte sie ihren Kopf weg. Er hörte sofort auf, sie zu küssen, seufzte übertrieben und meinte:
"Ich dachte, du wärest endlich zur Vernunft gekommen."
"Das bin ich." zischte sie.
Er liess sie los, drehte sich auf den Rücken.
Eine Weile lang schwiegen beide. Hermine überlegte sich, ob sie aufstehen und davonlaufen sollte. Doch wohin? Also blieb sie liegen.
"Du hast es doch genossen?"
Hermine war sich nicht sicher, ob das eine Frage oder eine Feststellung war, trotzdem flüsterte sie:
"Nein."
"Lüg nicht. Du kannst mich nicht anlügen, das solltest du wissen."
Natürlich wusste sie es, trotzdem würde sie die Wahrheit nie zugeben.
"Ich werde es niemals freiwillig tun, das solltest du wissen."
Jetzt lachte er böse auf.
"Vorhin hast du es doch freiwillig getan, oder nicht?"
"Ach freiwillig nennst du das.", höhnte sie, " ich bin deine Gefangene. Du hättest es doch so oder so getan, ob ich nun um mich geschlagen oder mitgespielt hätte, das ist doch ganz egal."
Er antwortete nicht.
"Wieso machst du das?"
Sie hauchte die Worte nur, es war nicht mehr als ein Flüstern im Wind, doch er hatte sie verstanden, das wusste sie.
Als er für ihre Meinung zu lange nicht geantwortete hatte, sagte sie:
"Sag es mir. Du weisst doch ganz genau, was ich meine. Ich will wissen, was für ein krankes Spielchen du hier mit mir spielst."
Anstatt zu antworten sprang er auf, zog sich mit einem Wink seines Zauberstabs an und verliess in rasantem Tempo das Zimmer.
Wie vom Blitz getroffen blieb Hermine auf dem Bett liegen.
Was war denn jetzt los? Wieso sprang er plötzlich wie von der Tarantel gestochen auf und rannte davon?
Irgendetwas stimmte hier nicht.
Und sie wusste noch immer nicht, was er eigentlich spielte. Sie konnte sich ganz einfach nicht vorstellen, was er noch von ihr wollte.
Er hatte sie vergewaltigt, er hatte sie gefoltert, und schlussendlich hatte er sie sogar dazu gebracht, sich ihm beinahe an den Hals zu werfen und sie damit maximal gedemütigt.
Was konnte er jetzt noch von ihr wollen? "Alles" hatte er gesagt.
Alles. Er hatte ihr Leben in seiner Hand, Liliana und somit alles was ihr momentan noch lieb und teuer war, ihren Körper, und jetzt hatte er es auch noch geschafft ihre Seele und ihren Verstand zu manipulieren.
Er hatte doch alles.
Und da kam Hermine plötzlich eine sehr verrückter und doch sehr logischer Gedanke.
Sie stand auf, zog sich ebenfalls an und verliess das Zimmer.
Die grosse Anzahl von Türen irritierte sie immer noch, doch glücklicherweise fand sie die Bibliothek ziemlich schnell wieder.
Ihre Vermutung war richtig gewesen.
Voldemort sass auf dem Sofa inmitten der Bibliothek und blickte konzentriert in ein Buch.
Doch sie sah, dass er nicht wirklich las. Er hatte nicht aufgeblickt als sie den Raum betreten hatte, seine Augen jedoch zuckten zu nervös über die Buchstaben.
Langsam schritt sie auf ihn zu und liess sich neben ihn auf das Sofa fallen.
Sie nahm ihm das Buch aus den Händen, liess es achtlos zu Boden fallen, schlang die Arme um seinen Hals und zog ihn in einen stürmischen Kuss.
TBC
danke für all eure komis! sie sind echt die beste motivation^^ was hermine wohl mit dieser aktion jetzt bezweckt? will sie einfach den spiess umdrehen oder???
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