
von tini-wini84
Ian und Marla waren nun schon seit zwei Wochen in England, sie hatten eine kleine Wohnung in London gemietet. Er konnte sich nur schwer an das andere Wetter gewöhnen, hier regnete es einfach zu oft.
Am 1. September machten sie sich auf zum Bahnhof Kingscross, wo Ian mit dem Zug nach Hogwarts fahren würde. Irgendwie war das alles sehr aufregend und anders hier. Er hoffte an der Schule schnell Freunde zu finden und auch etwas mehr über seinen Vater zu erfahren. Seine Schulbücher und alles was er sonst so brauchte (die Unterrichtsmaterialien waren doch ein bisschen anders als auf seiner alten Schule, denn dort hatten sie Kessel aus Messing haben müssen und in England welche aus Zinn. A.d.R.) hatten sie schon letzte Woche in der Winkelgasse besorgt. Durch die Erzählungen seiner Mutter hatte er eine schöne belebte Einkaufsstraße mit vielen verschiedenen Zauberergeschäften erwartet. Es war aber eher ausgestorben, alle hetzten durch die Gegend und sahen sich immer wieder ängstlich um, viele Geschäfte waren geschlossen worden. Alles in allem wirkte die Winkelgasse eher düster und trostlos, nicht so schillernd und magisch wie sie auch seine Grandma beschrieben hatte. Das war schon komisch. Ian fragte sich, ob dies wohl etwas mit diesem schwarzen Magier zu tun hatte, von dem ihm Grandma erzählt hatte.
Da Marla damals selbst nach Hogwarts gegangen war, wusste sie auch wie man zum Gleis 9 ¾ kam. Darüber war Ian sehr froh, denn er kam sich an dem ihm fremden Ort eher verloren vor. Man konnte auch nicht erkennen, wer von den vielen Menschen ein Zauberer war oder nicht, denn alle trugen Muggelkleidung. Sobald sie durch die Barriere getreten waren, änderte sich dies schlagartig, denn viele Schüler hatten bereits ihre Schulkleidung angelegt. Ian staunte über die alte rote Dampflock, die aus einer anderen Zeit zu sein schien. „Hach, ist das schön, wieder hier zu sein!“, bemerkte Marla mit glitzernden Augen. Ja, genauso war es damals gewesen, als sie zum ersten Mal nach Hogwarts fuhr, nur dass sie jünger als ihr Sohn gewesen war, aber sie war sicher nicht weniger aufgeregt gewesen. „Am besten suchen wir dir schonmal einen Platz im Zug, denn es kann ziemlich voll werden, und dann musst du dich in irgendein Abteil mit rein quetschen.“ Ian wurde von seiner Mutter am Arm zum Zug gezogen. Sie betraten den Hogwarts Express und hatten auch schon gleich ein leeres Abteil in der Mitte des Zuges gefunden, in das sie Ians Schulkoffer bugsierten. „So, mein Schatz, pass auf dich auf und schick öfter mal eine Eule wie es dir so geht. Ja?“ - „Klar, Mum mach ich.“ Irgendwie war ihm das schon etwas unangenehm als sechszehnjähriger von seiner Mum in den Zug gebracht und dort verabschiedet zu werden. Er umarmte sie kurz und sie küsste ihn auf die Wange. „Bis bald, mein Großer.“ Sie lächelte ihm zu und verlies das Abteil, trat auf den Gang und lief, tief in Gedanken, Richtung Tür. Sie war sehr stolz auf Ian, hatte jedoch auch irgendwie ein schlechtes Gewissen ihn ins Ungewisse gehen zu lassen, da sie nicht wusste, wie sich die Situation entwickeln würde. Dumbledore hatte versichert, er wäre in Hogwarts sicher, aber es würde bestimmt auch genauso wie damals schwarzmagisch gesinnte Schüler, deren Eltern Anhänger von Du-weißt-schon-wem waren, in Hogwarts geben, die nur allzu gerne ihren Meister rächen würden. Aus diesem Grund hatte Marla den Schulleiter gebeten, Ians zweiten Vornamen zu verschweigen (den übrigens noch nicht mal Ian selbst kannte. A.d.R.), um eventuellen Attacken vorzubeugen. Sie hatte ihrem Sohn auch nicht gesagt, welchen Job sie hatte, nur dass sie im Ministerium arbeiten würde. Nun, so ganz falsch war dies ja nicht, aber sie arbeitete keinesfalls für das Ministerium.
Im Zug hatte Ian es sich bequem gemacht und schaute sich das Treiben in und um den Zug herum voller Neugier an. Gerade hatte er eine ältere Frau mit einem äußerst seltsamen Hut erblickt, die wohl ihren Enkel zum Zug brachte. Der Junge schien etwa in seinem Alter zu sein und machte ein mürrisches Gesicht als er von ihr zurechtgewiesen wurde. Sie drückte ihm noch eine Pflanze in die Hand und verabschiedete sich von ihm. Gerade in diesem Moment wurde seine Abteiltür aufgeschoben, wobei er kurz erschrocken zusammen zuckte, und ein rothaariger, sommersprossiger Junge betrat das Abteil mit einer winzigen Eule auf dem Arm. „Is hier noch frei?“ fragte dieser soeben. „Klar, ich bin allein hier.“ Der andere Junge sah Ian an: „Du bist doch bestimmt schon 16, oder? Aber ich hab dich noch nie in Hogwarts gesehen.“ - „Das liegt daran, dass ich bis vor kurzem noch in Amerika gelebt habe und erst jetzt mit meiner Mutter nach London gezogen bin. Heute ist sozusagen mein erster Schultag“, erwiderte Ian. Der Rothaarige zwinkerte ihm zu: „Na, dann bin ich mal gespannt, wo dich der sprechende Hut hin steckt. Ich bin übrigens Ron Weasley“, stellte er sich vor. „Ich heiße Ian O'Connor. Weasley? Den Namen hab ich schonmal die letzten Tage gehört.“ - „Ach, dann warst du sicher in der Winkelgasse und bist an dem Scherzartikelladen meiner Brüder vorbeigekommen. Weasleys Zauberhafte Zauberscherze.“ - „Ich denke schon. War das der kunterbunte und wild dekorierte Laden?“- „Genau der!“, sagte Ron mit einem Grinsen. In diesem Moment wurde die Tür erneut aufgeschoben und ein hübsches Mädchen mit brauner Lockenmähne steckte den Kopf herein: „Ach, hier bist du, Ron! Ich such dich schon die ganze Zeit. Wir sollen doch auf die Erstklässler aufpassen. Crabbe und Goyle haben schon wieder einige drangsaliert.“ Ron verdrehte die Augen: „Ja, Hermine. Ich werd ja wohl noch meine Sachen hier abstellen dürfen“, und fragte dann zu Ian gewand: „Kannst du vielleicht ein bisschen auf Pig aufpassen? Hermine und ich sind nämlich Vertrauensschüler und müssen im Zug patroullieren.“ - „Klar, gerne.“ Die junge Hexe war mittlerweile wieder auf den Gang hinaus getreten und rief zu jemandem auf dem Gang: „Neville, Luna, Harry, hier ist noch Platz!“ Ron eilte hinter ihr her und drei weitere Jugendliche betraten das Abteil. Ein hellblondes Mädchen mit seltsamen Radieschenohrringen setzte sich neben ihn und sah ihn gespannt an. „Dich kenne ich nicht“, sagte sie mit einer verträumten melodischen Stimme und musterte ihn neugierig. Ian war das ganze äußerst unangenehm, rang sich aber doch dazu durch sich bei diesen komischen Leuten vorzustellen: „Ich bin Ian O'Connor und erst kürzlich aus Amerika hierher gezogen.“ - „Oh, wie schön. Ich bin Luna Lovegood“, stellte sie sich nun vor und kramte dann ein Heft aus ihrer Tasche, das sie falsch herum las. Auch die beiden Jungen hatten mittlerweile im Abteil Platz genommen und stellten sich nun ebenfalls vor, während sich der Zug schon in Bewegung setzte. „Ich bin Neville Longbottom“, sagte der Junge, den er vorhin auf dem Bahnsteig beobachtet hatte, „Und das hier“, er zeigte auf den anderen Jungen, „ist Harry Potter.“ - „Freut mich euch kennen zu lernen!“ Ian schüttelte mit beiden die Hand. „Wir sind übrigens im 6. Jahr in Gryffindor, genauso wie Ron und Hermine, und Luna hier ist im 5. Jahr in Ravenclaw“, berichtete Neville. Ian freute sich über die nette Gesellschaft in seinem Abteil und unterhielt sich mit Neville über Quidditch. Dabei bemerkte er jedoch, dass den anderen Jungen etwas zu bedrücken schien, da dieser nur traurig aus dem Fenster schaute.
Plötzlich klopfte es am Abteil und eine Horde jüngerer Mädchen stürmte herein. Eine davon sah Harry an und klimperte dabei unablässig mit ihren Wimpern. „Harry, möchtest du nicht lieber mit in unser Abteil kommen? Was willst du denn bei denen hier? Die sind doch unter deinem Niveau“, fragte sie mit arrogantem und abschätzigem Unterton in Richtung Neville und Luna. Harry hatte noch bis eben still aus dem Fenster gesehen und die Mädchen zuerst zu ignorieren versucht, doch jetzt platzte ihm allmählich der Kragen. Schon vorhin am Bahnsteig waren ihm die Tuscheleien, die vielen heldenverehrenden oder auch abschätzigen Blicke vieler Mitschüler auf die Nerven gegangen, aber damit überspannte diese dumme Ziege nun wirklich den Bogen. „Erstens sind das hier meine Freunde, zweitens bin ich gerne mit ihnen zusammen und drittens verschwindet!“ Den letzten Teil des Satzes hatte er geradezu herausgebrüllt. Die Hexen erschraken und stürmten schleunigst aus dem Abteil.
„Mann, Harry, denen hast dus aber gegeben!“, lachte Neville vergnügt. Auch Ian konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, wollte aber wissen, was das Mädchen gemeint hatte und fragte Harry vorsichtig danach, jederzeit einen erneuten Wutausbruch fürchtend. Daraufhin erzählten Neville und Harry ihm davon, was sich vor den Sommerferien im Zaubereiministerium abgespielt hatte und was seitdem über Harry in den Zeitungen stand. Ian fand die Geschichte äußerst interessant und konnte Harrys Wut durchaus nachvollziehen: „Kann ich gut verstehn, an meiner alten Schule wurde ich immer etwas schief angeschaut und manchmal gehänselt, wegen meiner rötlichen Haare. Gerede hinter dem Rücken anderer kann ich auf den Tod nicht ausstehn.“ Bei dem Wort 'Tod' hatte sich Harrys Miene etwas verdunkelt. Da meldete Luna sich zu Wort: „Mein Dad glaubt dir und wird demnächst einen Artikel im Klitterer bringen“, bemerkte sie und setzte nun eine äußerst seltsame silbern schimmernde Brille auf, die aber wunderbar zu ihren Ohrringen passte.
Wenig später gesellten sich Ron und Hermine zu ihnen und berichteten von Malfoys ungewöhnlichem Verhalten. „Es muss was damit zu tun haben“, bemerkte Hermine leise. Ian war wieder in ein Gespräch mit Neville und Luna in ihre Lektüre vertieft, so dass die drei Freunde fast ungestört diskutieren konnten, was Malfoy wohl im Schilde führte.
Kurze Zeit später verließen sie schon wieder das Abteil, nachdem per Eule Einladungen für Neville und Harry hereingebracht worden waren und Hermine und Ron weiter ihren Verpflichtungen nachkommen mussten. Nun war Ian mit dieser seltsamen Luna alleine, die ihn jedoch nicht wirklich zu bemerken schien. Er freute sich, dass er bereits auf der Hinfahrt ein paar nette Leute kennen gelernt hatte, lehnte sich zurück und schloss müde die Augen, um den Rest der Fahrt noch ein kleines bisschen zu dösen.
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