
von tini-wini84
Am 1. März war nun der Tag, den Ron so sehr herbeigesehnt hatte: sein 17. Geburtstag! Da er sich kurz zuvor von Lavender getrennt hatte, versprach es ein äußerst entspannter Tag zu werden. Dass seine Exfreudin nun schon seit ein paar Tagen mit verquollenen Augen umher lief und immer wenn sie ihn sah, sofort in Tränen ausbrach, störte ihn nicht. Vielmehr war er froh, diese Nervensäge endlich los zu sein.
Ron saß auf seinem Bett und packte Geschenke aus, während Harry in seinem Koffer nach der Karte des Rumtreibers suchte. Gerade hatte Ron begonnen sich den Mund mit Schokokesseln voll zu stopfen und kaute diese genüsslich. Auch seine anderen Zimmerkameraden hatten ihm bereits gratuliert und ihre Geschenke überreicht. Harry hatte endlich die Karte gefunden und wollte nun mit Ron und Ian zum Frühstück aufbrechen. Ron hatte plötzlich einen etwas komischen, leicht verklärten Gesichtsausdruck bekommen. „Wo ist sie? Ich muss zu ihr!“, gab er verwirrt von sich. „Wen meinst du? Doch nicht etwa Lavender?“, wollte Ian wissen, dem Rons dämliches Gegrinse allmählich auf den Wecker ging. „Nein, sie!“ - „Weißt du, wovon er redet?“, wandte Ians sich genervt an Harry, der jedoch nur mit den Schultern zuckte. „Keine Ahnung, was da los ist. Komm Ron, wir gehen runter zum Frühstück.“ Irgendwie hatten sie es geschafft Ron dazu zu bringen, mit ihnen in die Große Halle zu kommen, er redete dennoch dauernd wirres Zeug. Sie erhofften sich, dass Hermine wissen würde, was zu tun wäre. Sie saß bereits mit Ginny am Frühstückstisch und studierte den Tagespropheten. Ian und Harry bugsierten den immer noch verwirrten Ron auf die Holzbank. Er schien plötzlich aus seiner Starre erwacht und lächelte nun verliebt zu einem Mädchen, das ein paar Plätze weiter hinten am Gryffindortisch saß. „Da ist sie. Ich will zu ihr!“ Hermine hatte mittlerweile ihre Zeitung beiseite gelegt und sah ihre Freunde fragend an: „Was ist denn mit dem los?“ - „Keine Ahnung, er ist schon seit vorhin so komisch.“ Ron machte nun Anstalten auf das Mädchen zuzustürmen und konnte noch gerade so von Neville und Harry daran gehindert werden. An den anderen Haustischen wurde bereits heftig getuschelt und einige zeigten schon mit dem Finger auf Ron, der nun wie in Trance zu besagtem Mädchen hinüber starrte. „Wenn ich es nicht besser wüsste. Würde ich sagen, er steht unter einem sehr starken Liebeszauber“, stellte Hermine fest, „vielleicht solltet ihr besser Professor Slughorn um Hilfe bitten.“ - „Och, nöö, der wird mich sicher nicht reinlassen, nachdem ich ihn die letzten Wochen wegen dieser Erinnerung genervt habe“, stöhnte Harry. „Du musst! Oder willst du, dass Ron sich weiterhin zum Affen macht? Slughorn wird euch sicher helfen, immerhin bist du trotz allem sein Lieblingsschüler.“ Auch Ian und Ginny nickten zustimmend und so machte sich Harry direkt nach dem Frühstück auf den Weg zum Büro des Zaubertranklehrers. Er konnte Ron nur zum Mitkommen bewegen, indem er ihm versprach, dass Slughorn seine Liebe kennen würde und sicher ein Treffen arrangieren könne. Slughorn lies sie nur widerwillig in sein Büro, da er ein erneutes Kreuzverhör fürchtete. „Was kann ich für se dun, Harry?“, fragte er dennoch höflich. „Es geht um meinen Freund hier, er scheint irgendwie einen Liebestrank eingenommen zu haben.“ Der Professor wackelte nun auf Ron zu, der ständig nach jemandem Ausschau zu halten schien und immer wieder „Wo ist sie?“ fragte. „Sie ham Recht. Der glasige Blick un sein Verhalden deuden darauf hin, dass ern sehr stargen Liebesdrank zu sich genommen had. Ich werd ihm ein Gechengift verabreichen. Dann müssts eichentlich besser werden.“ Er kramte eine Flasche aus seinem Schrank und gemeinsam flößten sie Ron das Getränk ein. Wenige Sekunden später blickte dieser verwirrt um sich: „Was machen wir hier?“ Sein glasiger Blick war verschwunden und er schien wieder der alte Ron zu sein. Harry klärte ihn auf und die bedankten sich bei dem Professor: „Danke, Sie haben mir meinen Geburtstag gerettet.“ - „Was sie ham heud Geburtstach? Na, dann erlauben se mir, dass ich se noch aufn kleinen Umdrunk einlade.“ Er wackelte zu einer Anrichte hinüber und goss Met in drei Becher, von denen er dann zwei an die beiden Freunde weiter reichte. „Nun denn, Mr Weasley, auf ihre Volljährichgeit!“ Sie stießen an und Slughorn war der erste, der trank und gleich darauf umfiel. Geistesgegenwärtig holte Harry einen Bezoar, mit dem er seinem Lehrer das Leben rettete.
Keuchend lehnte Slughorn nun in seinem Stuhl, als Ron ihm ein Glas Wasser reichte. Nach ein paar Minuten hatte der Zauberer sich wieder gefangen und vernichtete mit einem Schlenker seines Zauberstabs sofort den Met. „Der muss wohl vergifded gewesen sein, seltsam. Ich dange Ihnen, Mr Potter, dass sie mir das Leben gerettet ham und dafür würd ich mich gern bei Ihnen erkenndlich zeigen. Mr Weasley, würden Se bidde schon mal vorgehn, ich würd gern mit Harry hier allein sprechen.“ Ron nickte und verließ das Büro in Richtung Gryffindorturm. Harry setzte sich auf einen Sessel. Mit dem Aufrufezauber besorgte sich Slughorn ein kleines Fläschchen, in das er nun einen silbrig-blauen Faden aus seinem Kopf heraus gleiten lies. Harry wusste, dass dies die Erinnerung war, die er für Dumbledore beschaffen sollte. „Harry, ich bin Ihnen zu großem Dank verpflichded. Nehmen Se deshalb die Erinnerung. Ich bin net stolz drauf, deswechen hab ich se auch verännert. Awer wenns Ihne im Kampf gechen den dunkle Lord helfen sollde, dann will ich se Ihnen gern gebn.“ Er war immer noch etwas angeschlagen. Dankend nahm Harry das Fläschchen mit dem wertvollen Inhalt entgegen. Er würde sofort damit zu Professor Dumbledore eilen. „Gehn Se ruhig, Harry. Ich komm schon zurechd.“
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel