
von _Severus Black_
"Also meine Eltern sind ja schon neugierig, aber die beiden, die sind wahrscheinlich kaum zu toppen.
Naja, die Kimmkorn-Kuh macht ihnen garantiert Konkurrenz,aber so schwer es mir auch fällt, das zuzugeben, es gehört zu ihrem Job,neugierig zu sein."
Missmutig starrte Hermine in ihr Glas,das nur noch zur Hälfte mit Goldlackwasser befüllt war.
Seit ungefähr fünfzehn Minuten saßen sie jetzt schon in diesem Café, aber weder Fleur noch Tonks hatten sie angesprochen und das beunruhigte Hermine sehr.
Sie ahnte bereits, dass Ginny und sie bald in Erklärungsnot geraten würden.
Kurz blickte sie zu Ginny rüber.
Die saß ebenso schlecht gelaunt wie Hermine auf ihrem Stuhl, vor ihr der Kaffee, den sie übrigens noch nicht einmal angerührt hatte.
Aufmunternd blickte Ginny zurück, doch Hermine kannte sie zu gut, um darauf hereinzufallen.
Sie wusste, dass Ginny innerlich litt.
Zum einen, weil sie nicht wollte, das irgendjemand von ihrer Beziehung zu Harry erfuhr und zum anderen, weil sie genau wusste, das wenn es alle erfahren würden, Harry nun endlich bereit sein musste, ihr alles zu erklären.
Wer weiß, vielleicht kämen sie dann wieder zusammen?
Von alldem hatte Ginny zwar kein Wort erwähnt, doch dass sie Schuldgefühle hatte, weil sie zum Teil wollte, das es jeder erfährt, war für Hermine klar.
Sie selbst hätte wahrscheinlich nicht anders gedacht. Naja, wenn sie es sich recht überlegte, bei ihr und Ron war es auch nicht weniger kompliziert.
Harry und Ginny hatten wenigstens den Vorteil, dass sie sich über ihre Gefühle im Klaren waren, bei ihr und Ron dagegen... es hatte viele Umarmungen und Berührungen gegeben und dann natürlich auch noch diesen Kuss.
Aber seit sie am Grimmauldplatz waren, hatten sie nie mehr einen Augenblick für sich alleine gehabt.
Manchmal hatte sie das Gefühl, als würde Ron ihr bewusst aus dem Weg gehen.
Der Gedanke tat weh und Hermine hoffte inständig, dass es nicht so wäre.
Ein lautes Räuspern holte Hermine aus ihren Gedanken und in die Gegenwart zurück.
"Ä', wollt i'r beide uns nischt endlisch sagen, was los ist?" Fleur hatte anscheinend lange genug mitangesehen, wie sie missmutig in ihren Getränken rumrührten.
"I'r beide müsst und natürlisch nischts ersählen, aber manschmal kann das 'elfen. Und so, wie i'r 'ier jetzt rumsitzt, könnte man meinen, dass i'r gans dringend 'ilfe braucht. Oder se'e isch das falsch?"
Forsch sah sie Ginny und Hermine an.
Die mieden ihren Blick und starrten etwas peinlich berührt auf den Tisch. "
Ist das etwa alles so offentsichtlich?", dachte Ginny. " Ich dachte, es würde niemandem auffallen. Immerhin haben Harry und ich ja nie sonderlich viel Zeit verbracht... zumindest zu Hause nicht. Also, woher wissen die..?"
Fast schien es so, als hätte Tonks ihre Gedanken gelesen.
"Euch interessiert es wohl, woher wir unsere "Informationen " haben?",fragte sie grinsend.
Ohne den Blick von der Tischplatte zu nehmen, nickten die beiden.
"Also gut. Wir sagen es euch, aber nur unter einer Bedingung: Ihr seht uns gefälligst an. Wir wollen euch doch nichts tun, aber in letzter Zeit wart ihr immer so traurig und deshalb mussten wir diese Gelegenheit heute beim Schopf packen.
Und falls es euch interessiert: Ron und Harry werden auch gerade von Remus und Sirius bearbeitet."
Sie hatten ja wirklich vieles erwartet, aber das garantiert nicht.
Erschrocken blickten die beiden Mädchen auf. Ginny sah zum einen vorwurfsvoll aus,doch zum anderen auch ein wenig besorgt.Hermine dagegen sah die Beiden bestürzt an.
Das hieß dann ja auch, dass Tonks und Fleur auch von Ron und ihr wussten. Sie hatte es zwar geahnt, aber sie hatte sich in der letzten halben Stunde eingeredet, dass es doch eigentlich niemand bemerkt haben könnte. Anscheinend ja doch.
"Wahrscheinlich sprechen meine Augen ne andere Sprache als mein Hirn", dachte sie bitter.
"Guckt uns jetzt nicht so an", lachte Tonks. Sie schien sichtlich amüsiert.
"Keinem von euch wird der Kopf abgeschlagen. Denn ob ihr es glaubt oder nicht, wir waren selber mal in eurem Alter und wir hatten genauso wie ihr ein paar... naja,Probleme könnte man es vielleicht nennen. Allerdings haben wir das damals alles noch selber hingekriegt.
Ihr dagegen... ihr seid solche Sturköpfe, dass wir nun doch nachhelfen müssen. Und ihr werdet jetzt mal euren Mund halten und zuhören!", fügte sie beinahe schon drohend hinzu, als Ginny schon was sagen wollte.
"Danke sehr. Also, wie ich gerade eben schon gesagt habe, wir wollen euch helfen. Und um das zu tun, müsstet ihr endlich mal den Mund aufmachen."
Hermine wollte schon einwerfen, dass sie das doch gerade eben tun wollten, doch ein Blick von Tonks genügte ihr.
Fleur wurde dieses Drumherumgerede zu viel.
"'ört jetzt bitte endlisch damit auf. Tonks, du kommst ja leider nischt sur Sache, also überne'me isch das jetzt mal.
Wa'rscheinlisch wollt' i'r beide erst mal wissen, wo'er wir das wissen ...", Fleur brach ab, da sie anscheinend über ihren eigenen Satz ein wenig verwirrt war.
"War das jetzt rischtig, was isch gesagt 'abe?" Fragend sah sie die anderen an.
Tonks sagte gar nichts, warf Fleur stattdessen genervt einen Blick zu und sah dann wieder zu Ginny und Hermine.
"Zürck zum Thema", fauchte sie und klang dabei schon fast genauso wie Mrs.Weasley. Das im Moment alle unter einem Dach wohnten, bekam ihr offenbar nicht besonders gut, wie Ginny feststellte.
"Und wehe, ich werde jetzt wieder von jemandem unterbrochen. Ich schwöre, derjenige wird schneller in ein Schwein verwandelt, als dass er Valentinstag sagen kann!"
"Valentinstag? Wie kommst du jetzt bitte darauf?" Verwirrt starrte Fleur ihre Freundin an.
Hermine und Ginny dagegen fingen an zu kichern. Egal, wie unangenehm diese Situation jetzt war: Fleur und Tonks waren so unterschiedlich wie Feuer und Wasser. Ein Wunder, dass die beiden es geschafft haben, in der letzten Zeit Freundinnen zu werden!
Tonks hatte anscheinend genug. Sie blickte wütend von einem zum anderm und als die Mädchen es nicht schafften, aufzuhören zu kichern, schrie sie laut auf.
Erschrocken sahen Fleur,Hermine und Ginny sie an.
Aber nicht nur die Drei: Im ganzem Cafe war es mucksmäuschenstill geworden und alle blickten neugierig zu ihnen rüber.
"Hey Tonks, bleib mal locker. Das ist kein Grund, hier rumzuschreien! Außerdem hast du Teddy aufgeweckt." Immer noch kichern wandte sich Ginny dem Kinderwagen zu, der nah bei ihrem Tisch stand.
Sie hatte Recht: Die ganze Zeit hatte er geschlafen, doch jetzt schien er hellwach. Nach dem lauten Aufschrei seiner Mutter war das allerdings auch kein Wunder.
"Psst.... Ganz ruhig Teddy. Das war nur deine Mama, die gerade ein weing am Rad dreht. Hat sie etwa Stress mit deinem Papa? Hmm?"
"Ganz im Gegenteil", murrte Tonks beleidigt. " Bei mir und Remus läuft alles wunderbar, ganz anders als bei dir und Harry."
Kaum hatte sie es ausgesprochen, da spürte Ginny auch schon diesen leichten Kloß im Hals.
Tonks hatte Recht. Remus und sie waren glücklich verheiratet, hatten einen süßen kleinen Jungen und schon fürchterlich viele Krisen gemeistert.
Sie selbst und Harry dagegen... sie hatten es gerade mal auf 2 Monate gebracht.
Anscheinend war es einfach nicht die große Liebe.... zumindest von Harry aus nicht.
Das musste sie wohl akzeptieren. Und dabei konnte ihr niemand helfen. Weder Fleur noch Tonks. Noch nicht einmal Hermine.
Damit würde sie ganz alleine klar kommen müssen.
Ginny gab es nur ungern zu, aber diese Vorstellung tat schrecklich weh. Sie bemerkte kaum, wie ihr ein paar winzige Tränen über die Wange liefen.
"Oh Mist... Ginny, tut mir Leid, ich hab manchmal einfach keine Ahnung von gar nichts. Bitte, hör auf zu weinen. Es tut weh dich so zu sehen und dann auch noch zu wissen, dass es meine Schuld ist... bitte.... hör auf...."
Flehend sah Tonks sie an.
"Es ist nicht deine Schuld. Schuld daran bin ich alleine. Ich hab es zugelassen, das ich mich verliebt habe. Anscheinend war das ein Fehler. Es sollte wohl nicht sein", flüsterte Ginny mit erstickter Stimme.
Sie vermied es bewusst, die andern anzusehen, sondern starrte stattdessen zu Teddy, der wieder eingeschlafen war.
"Es ist lieb von euch beiden, mir und Hermine helfen zu wollen.
Aber... zumindest in meinem Falle ist es zu spät."
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