
von tini-wini84
Harry hatte Voldemorts Gedanken miterlebt, während er bewusstlos gewesen war, erwachte nun mit einem unguten Gefühl. Er ärgerte sich maßlos darüber, dass er das Bild fallen gelassen hatte. Denn nun wusste Voldemort bescheid. Doch dies sollte nicht das einzige sein, was Harry verärgern würde.
Hermine und Ian standen betreten drein blickend neben seinem Bett. „Wo sind wir?“, wollte Harry wissen. „In irgendeinem Wald, weit weg von Godric's Hollow. Du-weißt-schon-wer ist aufgetaucht und wir konnten grade noch so fliehen“, teilte Ian ihm mit. „Nagini hat dich gebissen, aber ich konnte es mit Diptamessenz bereits heilen. Etwas anderes konnte ich leider nicht reparieren“, teilte Hermine ihm mit und blickte zu Boden, als sie etwas hinter ihrem Rücken hervorholte. „Dein Zauberstab. Er ist von meinem Fluch getroffen worden und wurde dadurch zerstört.“ Harry starrte sie mit aufgerissenen Augen an: „WAS??? Das kann nicht sein. Ich brauche ihn! Ohne den Zauberstab kann ich mich ihm gleich ausliefern.“ Ian versuchte ihn zu beruhigen, Hermine war weinend aus dem Zelt gelaufen. „Es war so ein Durcheinander, Harry. Wir mussten sehn, dass wir die Schlange loswerden, um dir zu helfen, da ist es eben passiert.“ - „Schon klar. Aber ihr versteht das nicht. Zwischen unseren Zauberstäben gibt es eine Verbindung. Selbst als er einen anderen Zauberstab benutzt hatte, hat meiner sich von alleine gegen ihn gewandt und ihn in die Flucht geschlagen. Ohne den Zauberstab bin ich machtlos.“ - „Ich verstehe dich ja. Aber du weißt doch, dass der Zauberstab immer nur so mächtig ist, wie der Zauberer, den er auswählt.“ Harry schüttelte den Kopf, er wollte nichts mehr davon hören. Fakt war, dass sein Zauberstab nun kaputt war und er keine Waffe gegen seinen Widersacher hatte. Seitdem Ron verschwunden war, war dies der schlimmste Tag gewesen.
Harry war immer noch sauer auf Hermine, obwohl er wusste, dass sie im Grunde nichts dafür konnte. Immerhin hatten die beiden ihn letztendlich gerettet. Gedankenverloren saß er abends vor dem Zelt und hielt Wache. Er hatte sich Ians Zauberstab ausgeliehen, um sich im Notfall verteidigen zu können. Er dachte darüber nach, was sie am Nachmittag besprochen hatten. Hermine hatte aus Bathildas Haus eine von Kimmkorns Dumbledore Biographien mitgenommen. Darin hatten sie auch das Foto des blonden Jungen gesehen und erfahren, dass es sich dabei um Gellert Grindelwald handelte, der in seiner Jugendzeit mit Albus Dumbledore befreundet gewesen war. Harry konnte nicht fassen, was alles in diesem Buch über Dumbledore stand. Er wusste zwar, dass Rita Kimmkorn gerne mal die Wahrheit verdrehte, aber es hörte sich alles so real an. Zwar hatte die Freundschaft der beiden nur zwei Monate lang gedauert und Dumbledore hatte Grindelwald später besiegt und in das nordosteuropäische Zauberergefängnis Nurmengard gebracht, aber ein Brief Dumbledores aus der damaligen Zeit belegte, dass die beiden ein gemeinsames Ziel gehabt hatten. In dem abgedruckten Brief schrieb Albus an Grindelwald, dass ihre Vorstellungen von einer neuen Weltordnung, in der magische Menschen über Muggel herrschen würden, auch eine Verantwortung bedeuten würde und für das Größere Wohl wäre. Diese Tatsachen versetzten Harry einen Stich ins Herz, denn er hätte nie gedacht, dass der freundliche weise Zauberer eine solche Äußerung von sich geben würde. Dumbledore erschien ihm jetzt nicht mehr als weiser Ratgeber, sondern als einer, der ihn allein gelassen hatte und ihm weder etwas über seine eigene Vergangenheit verraten hatte, noch darüber, wie Harry selbst vorgehen sollte.
Durch ein helles Leuchten wurde er plötzlich aus seinen Gedanken gerissen. Ein Patronus in Gestalt einer Hirschkuh schwebte am Zelt vorbei und bedeutete ihm mit auffordernden Blicken aus ihren großen sanften Augen zu folgen. Überzeugt davon, dass diese Gestalt keine schwarzmagische Falle sei, ließ Harry sich von ihr in den Wald führen. Als der Patronus plötzlich verschwand, suchte Harry in Panik seine Umgebung ab. Er entdeckte einen zugefrorenen Tümpel, auf dessen Grund er Gryffindors Schwert erblicken konnte. Da es auf keinen Aufrufezauber reagierte, überwand er sich trotz der klirrenden Kälte danach zu tauchen. Er zerbrach die Eisdecke mit dem Zauberspruch Diffindo und tauchte in das eiskalte Wasser ein. Sobald er das Schwert ergriffen hatte, würgte ihn das Horkrux-Medaillon und er bekam keine Luft mehr. Er versuchte sich frei zu kämpfen, doch die Kette zog sich immer fester zusammen, so dass er schon fast bewusstlos war. Plötzlich griffen zwei Hände nach ihm, zogen ihn an die Oberfläche, legten ihn auf den Waldboden und entfernten die Kette. Röchelnd lag Harry am Boden, schnappte nach Luft und zitterte vor Kälte.
Als Harry sich wieder einigermaßen erholt hatte, sah er seinen Freund Ron erschöpft mitsamt Gryffindors Schwert neben ihm liegen. Er wusste nicht ob er sich freuen oder ihn anschreien sollte. Auf der einen Seite hatte er sie vor Wochen im Stich gelassen, auf der anderen Seite war er sein bester Freund und hatte ihm soeben das Leben gerettet. „Wo kommst du denn plötzlich her?“, fragte Harry und trocknete dabei ihre Sachen mit einem Zauber. „Ich suche euch schon seit Tagen. Dann habe ich dich auf einmal im Wald herumlaufen sehn und bin dir hierher gefolgt.“ Ron hielt noch immer Gryffindors Schwert in der Hand: „Hier Harry, zerstöre endlich dieses bescheuerte Ding!“, mit diesen Worten reichte er ihm das Schwert, doch Harry lehnte ab. „Nein, ich finde du solltest es tun, schließlich hast du es auch heraus geholt.“ Sie gingen zu einem Stein hinüber, worauf Harry das Horkrux legte. Er öffnete es einer plötzlichen Erkenntnis folgend durch einen Befehl in Parsel. Ron zögerte wegen des verführerischen Geredes, das aus dem Horkrux drang einen Moment. Es spiegelte seine neidischen Gedanken über Harry und Ian und seine eigenen Minderwertigkeitsgefühle wieder. Schließlich überwand er diese und vernichtete das Horkrux.
Ian und Hermine wollten ihren Augen nicht trauen, als plötzlich ihre beiden Freunde mit dem lang gesuchten Schwert ins Zelt marschiert kamen. Hermine ging vor Wut und Enttäuschung sofort auf Ron los. „Ronald Weasleys, du Vollidiot! Du hast uns im Stich gelassen, bist einfach so abgehauen und jetzt wagst du es nach Wochen hier einfach so herein zu spazieren!“ So wurde er normalerweise nur von seiner Mutter zurecht gewiesen, konnte ihren Vorwürfen aber nichts entgegen setzen und nickte nur. Als sich seine Freundin etwas beruhigt hatte, saßen die vier zusammen und Ron erzählte von seinen Erlebnissen: Er sei sofort nach seinem Verschwinden von einer der vielen Greifertruppen gefasst worden, die jetzt überall nach flüchtigen Muggelstämmigen und nach Harry Potter suchten. Bei seiner Flucht habe er einem von ihnen den Zauberstab entwendet. Danach sei er erst einmal bei Bill und Fleur untergetaucht und habe dann wieder tagelang versucht sie zu finden. Dann sei er schließlich von einem magischen Licht aus dem Deluminator, den Dumbledore ihm vererbt hatte, zu ihnen zurück geleitet worden.
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