
von tini-wini84
Vor dem Tod an sich hatte Harry keine Angst, schließlich war er schon ein paar Male kurz davor gewesen. Aber niemals zuvor hatte er so sehr an seinem Leben gehangen wie jetzt. Nach den vielen Verlusten, die er wegzustecken hatte, war ihm der Tod immer wie ein Erlöser vorgekommen. Doch jetzt wollte er leben. Er blieb kurz vor dem Wald stehen und öffnete einer plötzlichen Eingebung zufolge den magischen Beutel von Hagrid und nahm den Schnatz von Dumbledore heraus. Er wusste nun, was Ich öffne mich zum Schluss bedeuten sollte. Und wie er vermutet hatte, befand sich im Inneren des Schnatzes der Stein der Auferstehung, eines der Heiligtümer des Todes. Sobald Harry den magischen Stein dreimal in der Hand gedreht hatte, kamen die ihm liebsten Toten zu ihm: sein Vater James, sein Pate Sirius und seine Mutter Lily. Sie glitten strahlend als nicht ganz solide, aber auch nicht bloß transparente Geistgestalten auf Harry zu und nahmen ihn in ihre Mitte. Jetzt konnten ihm die Dementoren nichts mehr anhaben und er erkannte auch, was es bedeutete den Tod zu besiegen: Wenn man den Tod akzeptiert, dann ist er keine Bedrohung mehr. Begleitet von seinen Eltern und Sirius folgte er unter dem Tarnumhang unbemerkt zwei Deatheatern ins Innere des Waldes, die ihn zu einer Lichtung führten, an der Voldemort mit seinen Gefolgsleuten wartete. An einem Baum in der Nähe war Hagrid gefesselt, was Harry aus den Augenwinkeln heraus erkennen konnte.
Harry beschloss, sich nicht zu wehren, und verstaute deshalb seinen Zauberstab und den Tarnumhang in seinem Umhang. Dabei verlor er den Stein und damit seine stärkenden Begleiter, aber er trat unerschrocken vor und stellte sich seinem Widersacher. Hagrid schrie auf, als er Harry hinter einem Baum hervorkommen sah, wurde aber von einem Deatheater magisch zum Schweigen gebracht. Triumphierend trat Voldemort auf Harry zu und schlich um ihn wie ein Tiger um seine Beute, drehte dabei den mächtigen Zauberstab in seiner Hand. „Harry Potter. Wie schön, dass du endlich zur Vernunft gekommen bist!“ Er war sich sicher, dass diesmal nichts mehr schief laufen würde. Er würde ihn eigenhändig zur Strecke bringen, was mit dem Elderstab nun kein Problem mehr darstellen sollte. Wie in Zeitlupe hob er den Zauberstab und zielte auf Harry. Dieser sah nur noch einen grünen Lichtblitz und fiel zu Boden.
Als Harry wieder zu sich kam, lag er splitterfasernackt auf einem kalten Boden einer hohen hellen Halle. Er richtete sich auf und konnte in einer Ecke ein wimmerndes zusammengekauertes Bündel erkennen. „Du kannst nichts tun“, sagte eine ihm nur allzu bekannte Stimme und als er sich umdrehte, blickte er in die strahlend blauen Augen von Albus Dumbledore. „Bin ich tot?“, wollte Harry wissen. „Nun, ich denke nicht. Du hast es lediglich geschafft, dass der Todesfluch Voldemorts Seelenbruchteil in dir zerstört hat, nicht aber dich selbst. Es war sehr klug von dir, Harry, dich ihm kampflos entgegen zu stellen. Tom Riddle selbst hat wieder einmal fatale Fehler gemacht. Durch sein magisches Wiedergeburtsritual hat er etwas von deinem Blut und somit auch Lilys Schutzzauber in sich aufgenommen, was letztendlich bewirkt hat, dass du durch ihn ans Leben gebunden bist. Er kann dich also gar nicht töten.“ - „Was ist mit den Heiligtümern, Professor? Warum wollte Voldemort sie nicht haben?“ - „Nun ja. Er wusste nichts von ihnen, lediglich vom Elderstab, den er als mächtiges Werkzeug ansah. Tom Riddle ging davon aus, durch seine einzigartige Magie und die Herstellung der Horkruxe bereits unsterblich geworden zu sein. Sicher hätte ich dir schon von Anfang an von den Heiligtümern erzählen können, doch ich befürchtete, dass du ihnen verfallen würdest, so wie ich es einst tat, und dich nicht mehr auf die Suche nach den Horkruxen konzentrieren würdest.“ - „Deshalb haben sie es so schwierig gemacht?“ Dumbledore nickte: „Aber ich wusste, dass Miss Granger das Symbol entdecken und auch wissen würde, wie ihr zur Lösung des Rätsels kommen würdet.“ Er lächelte und zwinkerte dabei in alter Manier über seine Halbmondbrille. „Nun, Harry, ich denke es ist an der Zeit zurückzukehren.“ Mit diesen Worten verschwand der alte Magier.
Als Harry wieder zu sich kam, lag er auf dem Waldboden und alles tat ihm weh. Ohne sich zu bewegen oder die Augen zu öffnen merkte er, dass Voldemort ebenfalls gestürzt war und auch erst wieder zu Bewusstsein kam. Um sicher zu gehen, dass er Harry wirklich getötet hatte, gab Voldemort Narzissa Malfoy den Befehl den wie tot Daliegenden zu untersuchen. Sie bemerkte sofort, dass Harrys Herz noch schlug. Unter ihren Haaren verborgen erkundigte sie sich aber leise bei ihm, ob ihr Sohn Draco noch im Schloss und unversehrt sei. Harry konnte dies bejahen, woraufhin sie sich an Voldemort wand, um ihm Harrys Tod zu bestätigen.
Im Siegesrausch ließ der Dunkle Lord den tot geglaubten Harry von dem ganz in Tränen aufgelösten Hagrid zum Schloss tragen, um Harrys Leiche den restlichen Widerstandskämpfern zu präsentieren. Die Menge war entsetzt, aber nicht bereit, sich deshalb Voldemort zu unterwerfen. Widerstandsrufe durchbrachen immer wieder die Schweigezauber von Voldemort, die immer machtloser zu sein schienen. Wieder und wieder flogen von beiden Seiten her Flüche durch die Gegend.
In dem ganzen Durcheinander hatte Harry einen unbeobachteten Moment erwischt, um unter seinem Tarnumhang zu verschwinden und seinen Freunden im Kampf gegen die Deatheater beizustehen. Voldemort duellierte gerade Bill und Charlie, seine Schlange Nagini glitt unbeschützt auf dem Boden zwischen bereits gefallenen Kämpfern entlang. Ian sah seine Chance gekommen, nur womit sollte er die Schlange töten? Auf einmal sprach eine Stimme zu ihm, die er noch nie gehört hatte, ihm aber trotzdem irgendwie bekannt vorkam: „Hab keine Angst mein Sohn, ich bin bei dir. Gemeinsam werden wir es schaffen, den Dunklen Lord zu vernichten. Ich war es, der das Geheimnis um seine Macht und Unsterblichkeit zuerst entdeckt hat und du wirst nun die Aufgabe haben, das letzte verbleibende Horkrux zu zerstören.“ Ian spürte das Medaillon in seiner Hand aufleuchten, es formte sich gerade zu einem kleinen silbernen Dolch, der mit Smaragden besetzt war. Ohne lange zu überlegen stürmte Ian auf die Schlange zu und schnitt ihr mit dem Dolch den Kopf ab. Als der Dolch seine Arbeit getan hatte, verwandelte er sich wieder in das Medaillon, das aber nun völlig unversehrt war. In der einen Innenseite des Medaillons befand sich nun ein magisches Bild, von dem aus Regulus ihn stolz anlächelte, in der anderen Hälfte prangte der Schriftzug In ewiger Liebe. Dein Vater.
Voldemort ließ einen markerschütternden Schrei ertönen, als er feststellen musste, dass ein weiteres seiner Horkruxe, noch dazu seine treue Schlange Nagini, vernichtet worden war. Es tobte immer noch ein erbitterter Kampf zwischen seinen Deatheatern und den Widerstandskämpfern. Gerade hatte Molly Weasley Bellatrix Lestrange zur Strecke gebracht, nachdem diese Ginny hatte töten wollen. Um den Verlust seiner treuesten Gefährtin zu rächen, griff Voldemort nun Molly Weasley an, doch Harry schützte sie mit einem Schildzauber. Er warf seinen Tarnumhang ab und trat Voldemort gegenüber. Dieser war vollkommen Perplex über die plötzliche Auferstehung des Todgeglaubten. „Bei diesem Duell wird nur einer überleben“, rief Harry. Voldemort lachte höhnisch auf: „Und du glaubst tatsächlich das wirst du sein? Du wirst niemals gegen meine überragenden magischen Fähigkeiten und den unbesiegbaren Zauberstab ankommen, den ich jetzt besitze.“ Dagegen führte Harry auf, was Voldemort nicht verstanden und übersehen hatte: „Da wäre ich mich nicht so sicher, Tom Riddle. Keiner von deinen Zaubern hat im aktuellen Kampf lange gewirkt, weil meine Opferbereitschaft den gleichen Schutzzauber über alle Widerstandskämpfer gebracht hat wie damals der Zauber meiner Mutter. Severus Snape hat nach dem Tod meiner Eltern nie mehr dir gedient, sondern ausschließlich Albus Dumbledore. Er hat Dumbledore nicht besiegt, sondern lediglich dessen vorher erteilten eigenen Auftrag ausgeführt. Deshalb ist er nie zum Besitzer seines mächtigen Zauberstabs geworden. Draco Malfoy hat oben auf dem Turm Dumbledore entwaffnet, so ist die Macht des Elderstabs auf seinen Zauberstab übergegangen und ich selbst habe dann Draco vor einigen Wochen wiederum entwaffnet und so den Elderstab in meinen Besitz gebracht.“ - „Du lügst. Avada Kedavra!“, schrie Voldemort mit rotglühenden Augen. „Expelliarmus!“, verteidigte sich Harry. Voldemorts Todesfluch fiel auf ihn selbst zurück und er sackte tot zu Boden.
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