
von Lily Longbottom
Fragte man Bellatrix Lestrange, warum sie sich Lord Voldemort angeschlossen hatte, so war ihre Antwort stets die Selbe: „Aus Überzeugung.“
Die meisten waren von dieser Antwort sehr angetan und lobten sie wegen ihres Mutes und ihrer Einsatzbereitschaft das Hause Black so würdig zu vertreten.Ein paar Wenige allerdings stutzten und fragten sich, ob dies wirklich der Grund war, der eine solch junge und schöne Frau wie Bella, der noch alle Wege offen standen, dazu bewegt hatte sich zu den Todessern zu zählen.
Nun, sie hatte tatsächlich aus Überzeugung gehandelt: sie war nämlich überzeugt davon, dass Lord Voldemort die größte Liebe ihres Lebens war.
Wenn Bellatrix liebte, dann mit einer unvergleichbaren Leidenschaft. Dabei interessierten sie stets jene Männer, die dunkle Geheimnisse bargen. Die Anderen langweilten sie ganz schrecklich. Was zum Beispiel war an einem Mann wie Lucius Malfoy, von dem ihre Schwester Narcissa schon seit geraumer Zeit schwärmte, eigentlich besonders? Abgesehen davon, dass er eine Vorliebe hatte Muggel zu quälen, war er ziemlich eintönig.
Und Bellatrix hasste Männer, die einem offenen Buch ähnelten. Sie stand da mehr auf Typen wie Rudolphus oder Macnair, ihren Ex. Doch spätestens als dieser angefangen hatte, sie nur noch mit dem Kosenamen „Trixi“ zu rufen, hatte Macnair seinen Reiz verloren, und nachdem sie entdeckt hatte, dass Rudolphus zum Schlafen am liebsten die rosa Flauschsocken seiner Großmutter trug, flaute auch die Leidenschaft für ihn langsam ab.
Voldemort hingegen war von Kopf bis Fuß ein unergründliches Geheimnis. Von Treffen zu Treffen nahm er immer mehr Platz in ihren Gedanken und Sehnsüchten ein. Keine Frage, er war sehr speziell: einen Mann wie ihn gab es sicher nirgendwo auf der Welt. Und wahrscheinlich machte genau das ihn so unglaublich begehrenswert.Bei den regelmäßigen Todesser- Treffen sog sie jedes Wort, das aus seinem lippenlosen Mund kam, gierig auf und fieberte nahezu jenem Moment entgegen, an dem er seine scharlachroten Augen durch die Todesser schar schweifen ließ, in der Hoffnung sie würden wenigstens für einen kurzen Augenblick an ihren eigenen hängen bleiben.
Doch meistens wurde sie enttäuscht, mit der Zeit bekam sie sogar das Gefühl, dass er sie überhaupt nicht wahrnahm und sie für ihn nur eine von vielen namenlosen Todessern war, die bereit waren ihr Leben für ihn zu opfern.
Das machte sie mit der Zeit immer unglücklicher, denn ihre Liebe zu ihm wurde immer stärker und Bellatrix immer verzweifelter.
Also tat sie das einzige, was ihr in ihrer Situation sinnvoll erschien; sie schrieb Lord Voldemort einen Liebesbrief:
An den dunkelsten aller Lords,
Schon seit dem Tag, an dem ich Euch das erste Mal sah, merkte ich wie das Feuer der Liebe sich in mir entzündete und diese Liebe wird von Tag zu Tag immer stärker.
Das Gefühl, das mich in mächtigen Wogen überkommt, wenn ich Eure Lordschaft auch nur ansehe ist schwer zu beschreiben. Es ist das mächtigste Gefühl, das ich je verspürt habe und es scheint sowohl meinen Körper als auch Geist vollkommen eingenommen zu haben, sodass ich mich nicht mehr davon befreien kann, selbst wenn ich es wollte.
Ich habe das Gefühl, dass keiner diese Liebe versteht, weil abgesehen von mir niemand in der Lage ist, mit einer solchen Leidenschaft zu lieben. Wahrscheinlich ist dieser Brief sogar sinnlos, aber ich habe das Gefühl dass ich sterben müsste, wenn ich das Gefühl dieser unendlichen Liebe weiterhin unterdrücken würde.
Hochachtungsvoll
Eure (verzweifelte)
Dienerin Bellatrix Lestrange
***
Wütend schmiss Voldemort den Brief, den er soeben bekommen, hatte bei Seite. Er hatte schon seit Ewigkeiten keinen Brief mehr erhalten, und jetzt wo er endlich mal einen bekam, war in nahezu jedem Satz von dem Wort „Liebe“ die Rede. Irgendwie war es der Verfasserin, dieser Bellatrix Lestrange, gelungen seinen wunden Punkt herauszufinden, denn er konnte mit diesem Begriff rein gar nichts anfangen.
Nie im Leben hätte er es zugegeben, aber dass die Bedeutung dieses Wortes, von dem so oft Gebrauch gemacht wurde, für ihn im Dunkeln lag, quälte ihn ganz fürchterlich. Auf der Suche nach dessen Bedeutung hatte er schon zahlreiche Wörterbücher durchforstet und stundenlang vor sich hinsinniert. Doch es hatte alles nichts geholfen, das Einzige, was er erfahren hatte war, dass dieses Wort für keine Sache, sondern für ein Gefühl stand. Doch dieses Wissen brachte ihn einfach nicht weiter. Fahrig richtete er seine scharlachroten Augen wieder auf das Stück Pergament in seiner Hand. Diese Worte verwirrten ihn, denn sie ergaben einfach keinen Sinn. Unweigerlich spürte er das alt vertraute Gefühl der Wut und des Hasses in sich hochkommen. Hass- ja das war das einzige Gefühl, das er kannte. Er war sich sogar sicher, dass er der einzige auf der Welt war, der den Hass in solchen Maßen empfinden konnte.
Wieder fiel sein Blick auf den Brief und genau in diesem Moment fiel ihm ein Sprichwort ein, das er wohl einmal vor langer Zeit in seinem Hinterkopf abgespeichert hatte: „Liebe und Hass liegen nah beieinander“ Das war es, was ihm die ganze Zeit gefehlt hatte! Das war der Schlüssel zum Ganzen! Erregt fixierte er wieder die Worte auf dem Pergament. Wenn man nun das Wort Liebe mit dem Wort Hass austauschte, so ergaben diese Zeilen auf einmal einen Sinn.(A:an dieser Stelle macht es evtl. Sinn den Brief nochmal zu lesen und das Wort Liebe dabei mit Hass auszutauschen)
Triumphierend lachte er auf. Hass -es war doch so einfach gewesen. Und dieser Hass, den Bellatrix ihm gegenüber hegte, war anscheinend immens. Mit einem Schlenker seines Zauberstabs ließ er das Pergament in smaragdgrünen Flammen aufgehen – so wie schon vieles zuvor, das seinen Nutzen verwirkt hatte.
Voldemorts Mund verzog sich zu einem bösen Grinsen. Als nächstes würde er sich um diese Bellatrix kümmern.
Wenige Minuten nachdem Voldemort befohlen hatte Bellatrix zu holen, erschien sie auch schon an der Tür. Sie war bleich, hatte langes schwarzes Haar, und kam ihm nur vage bekannt vor. „Eure Lordschaft“, murmelte sie und küsste sogleich seine Füße. „Steh auf“, zischte Voldemort. In ihren Augen erkannte er, die ihm gewohnte Unterwürfigkeit…und noch etwas, was er allerdings nicht so recht zuordnen konnte.
„Ich habe deinen Brief erhalten, Bellatrix“, begann Voldemort. „Er war wirklich sehr aufschlussreich.Ich glaube sogar, was unsere Gefühle angeht sind wir sehr ähnlich. Deswegen sehe ich allein dich in der Lage als meine Beraterin und treueste Todesserin zu fungieren.Von nun an wirst du über meinen Todessern und somit genau unter mir stehen.“
Bellatrix schwelgte im Glück.Sie konnte ja nicht wissen, dass das einzige Gefühl, das Voldemort empfinden konnte, das Gefühl in dem er seine größte Stärke sah, der Hass war.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.