
von Katie Weasley
Quietsch. Knarz. Quietsch. Knarz.
Die Federn des ausgesessenen Ledersofas protestierten mitleiderregend mit jedem Wippen, das der junge Mann auf dem Sitzmöbel vollführte. Quietsch. Er wippte hoch. Knarz. Er wippte runter. Es füllte den gesamten Raum aus.
Quietsch, Knarz. Hoch, runter.
Rechts von im raschelte von Zeit zu Zeit eine Buchseite, wenn der großgewachsene Kerl im Lehnstuhl beschloss, umzublättern. Seine Finger hinterließen schwitzige Abdrücke auf dem Papier.
Raschel. Seite zweihundertundzehn.
Links von ihm ertönte in unregelmäßigen Abständen ein leises Knacken, wenn der dickliche Junge auf der anderen Sofahälfte wieder ein Stück Fingernagel abbiss.
Knack. Er machte mit dem nächsten weiter.
Quietsch.
Knarz.
Raschel.
Knack.
Und die altmodische Uhr an der Wand dirigierte dieses Crescendo und gab den Takt an.
Tick – Tack. Beständig hielt sie die Zeit in Zaum.
Quietsch. Die schwarzen Locken hüpften schwungvoll. Flogen ein Stück in luftige Höhen. Knarz. Und sie traten ruckartig den Rückweg an. Hoch und runter, mit ihrem Besitzer.
Raschel. Umblättern bloß Tarnung. Die Silberaugen starrten Papier und Druckerschwärze an, ohne dass die Wörter einen Sinn machen würden. Gedanken ganz woanders.
Der Fuß wippte unstet und nervös auf und ab. Auf, ab.
Knack. Wie versteinert, mit Ausnahme der ständig mümmelnden Zähne. Ein Kaninchen in Schockstarre. Doch die Ohren waren gespitzt. Worauf? Abwarten. Knack.
Tick – Tack.
Uhren konnten verrückt machen. Besonders diese. Schnitt sie doch die Geräuschkulisse des nervösen Ausharrens in immer neue Scheiben. Zu einem Ergebnis kam sie nicht.
Irgendwann, nach einer schier endlosen Ewigkeit, wurde die wortlose Stille von einer kratzig heiseren Stimme durchbrochen: „Kannst du nicht stillsitzen?“
Der Angesprochene schnaubte unbeeindruckt, stellte aber dennoch das Gehopse ein. Er griff nach dem Buch, das sein Freund vorgab zu lesen und musterte die Zahl unten auf der Seite.
„Mir scheint, du hast rückwärts geblättert, Remus. Auf Seite zweihundertneun warst du vorhin schon mal.“ Er zog eine Augenbraue hoch, grinste wie von unten zu dem im Sessel sitzenden hinüber. „Was ist los? Konzentrationsprobleme?“
„Als ob du wüsstest, was Konzentration überhaupt ist.“
„Auch wieder wahr.“ Eine erstaunlich kurze und erstaunlich sachliche Antwort auf eine solche Art von Satz war das für den jungen Mr Black.
Er war nicht bei der Sache, und das Zimmer versank wieder in sekundenzerhäckselter Stille.
Sirius lehnte sich im Sofa zurück, die Haltung eine Ausgeburt an Lässigkeit, wie immer. Die Aura der Nervosität verging nicht.
Remus verzichtete jetzt auf sein Buch und starrte schlicht in die Luft, der Fuß heftiger wippend denn je.
Sirius´ Fingerspitzen begannen einen trommelnden Tanz auf dem abgewetzten Leder der Armlehne.
Peter sorgte für noch ein wenig Geknarze, als er seine Sitzhaltung änderte und die Knie unter den Körper zog.
Die Stille wurde erdrückender mit jeder Minute die verging. Irgendwann hielt Sirius es nicht mehr aus.
„Langsam könnte es aber mal-“
„Wird schon.“, sagte Peter.
Stille.
„Ernsthaft, sollten wir nicht vielleicht-“
„Nein“, sagte Remus mit Nachdruck.
„Aber was ist, wenn-“
„Wir bleiben hier.“ Gut, entschiedene Sache. Remus hatte gesprochen. Hugh. Oder so.
„Wird schon“, sagte Peter, der überhaupt nicht danach aussah. Eher so, als würde er vor Anspannung in Ohnmacht fallen, wenn hier nicht bald etwas passierte.
Und in eben diesem Moment fiel Peter wohl tatsächlich fast in Ohnmacht; zumindest quiekte er erschrocken auf und fuhr blitzschnell herum, als sich mit einem viel zu lauten Knack etwas im Zimmer materialisierte und sie alle, in äußerster Hochspannung, auf die Kanten ihrer Sitzmöbel trieb.
Ein Patronus. Ein Hirsch. Er sprang aus einem Nichts in den Raum hinein, bremste ab, warf den Kopf zurück. Und die Stimme des Vierten im Bunde ertönte, laut, sich fast überschlagend, sprühend vor Glück. „Es ist da! Ein Junge! Bewegt eure faulen Hintern auf der Stelle hierher! Es ist ein Junge!“ Und der silberne Hirsch verschwand.
Einen winzigen Moment lang waren sie alle wie erstarrt. Dann gab Sirius einen jubelnden Aufschrei von sich, stemmte sich vom Sofa hoch und in derselben Bewegung schon nach vorne; prallte fast mit Remus zusammen, der das Gleiche getan hatte, und konnte in seiner schlingernden Ausweichbewegung so gerade eben noch den Couchtisch umgehen, was ihn insgesamt gehörig aus dem Gleichgewicht brachte.
Remus packte ihn am Ärmel, einerseits um zu verhindern, dass Sirius auf den Tisch kippte, andererseits um sich in einer fließenden Bewegung an ihm vorbeizuschlängeln und auf die Tür zuzuhechten; Black, der sich jetzt seinerseits in Remus´ Hemd verkrallt hatte, im Schlepptau.
Peter war die Sache irgendwie schlauer angegangen und einfach auf der anderen Seite um den Tisch herumgerannt, den längeren, dafür aber risikofreieren Weg, und er erreichte die Tür als Erster. Mit vollem Schwung griff er sich den Türrahmen und schleuderte sich praktisch darum herum nach draußen, dicht gefolgt von Remus und Sirius, die Beiden immer noch irgendwie verheddert aber nicht weniger schnell, wie sie ihm hinterhersetzten.
Sekunden später knallte es dreimal kurz, und die Herren Moony, Wurmschwanz und Tatze waren verschwunden. Irgendwo, in einem gemütlichen Haus in Nordwales würden sie wieder auftauchen, um diesen Tag gehörig zu feiern, Krieg hin oder her.
Eine neue Generation, eine neue Hoffnung.
Ein neuer Rumtreiber.
Dieser Lord Großkotz konnte sich auf was gefasst machen.
Einzig die Uhr in dem nun verlassenen Zimmer ließ sich von nichts von alledem aus der Ruhe bringen. Beständig und unerbittlich rückte der Zeiger vor, zählte die Sekunden abwärts.
Und der Countdown lief. Auf das Ende zu, das kommen musste.
Tick. Tack.
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