von lelle
Er folgte ihm durch die dunkle Gasse. Endlich erreichten sie das Haus, welches er selbst nur zu gut kannte.
Severus Snape öffnete die Tür und ließ seinen Gast eintreten. Es war dunkel, die Gardinen waren zugezogen und es roch nach Einsamkeit. Hier hatte er fast seine gesamte Kindheit verbracht, in Angst und mit wachsendem Hass.
“Setz dich”, sagte er bestimmend und wies dem Mann einen alten Sessel zu, auf dem sich der Staub türmte.
“Ich bitte dich nochmals, Severus. Hilf uns!”, flehte der Zauberer mit Tränen in den Augen.
“Ich wüsste nicht warum ich das tun sollte, Lucius.”
Severus setzte sich ebenfalls in einen Sessel und ließ seinen Zauberstab über die Karaffe schwenken, die sich säuberte und mit Wein füllte. Zwei Gläser drehten sich kurz und schoben sich staubfrei zu den beiden Männern.
“Die Zeiten haben sich geändert”, sagte der Mann flüsternd.
“Ich weiß.” Severus nahm eines der Gläser zur Hand und betrachtete das funkelnde Rot. Beide schwiegen eine Weile und sahen einander an.
“Tu es für meine Tochter, Severus. Ich flehe dich an! Ich hatte doch keine Wahl als…”
“Keine Wahl? Du bist uns gefolgt!”
Der weißhaarige Zauberer sah Snape lange an: “Er hat dich verschont.”
“Weil er geschwächt wurde! Er wollte Lily töten! Und er hätte auch mich getötet! Der Junge konnte nur überleben, weil sein Vater für ihn starb! Das allein hat ihn gerettet! Du hast das Kind gesehen, Lucius! Die Narbe wird ihn sein Leben lang kennzeichnen! Und der Dunkle Lord wird sich bereit machen, ihn zu töten! Gefahr und Angst! Weißt du eigentlich was das bedeutet?” Verächtlich hagelten die Worte auf Lucius Malfoy nieder.
“Ich durchlebe es Tag für Tag. Seit meine Tochter…”
“Deine Tochter? Hast du auch nur einen Moment lang mal an deinen Jungen gedacht? Du hast ihn gelehrt, dass Todesser die Guten sind! Er erzählt es stolz mit seinen fünf Jahren!”
Lucius stützte sein Gesicht in seine Hände: “Was sollte ich tun? Wenn der Dunkle Lord zurückkehrt…”
Snape lehnte sich zu seinem Gast: “Wird er alle töten, die ihm nicht treu geblieben sind.”
“Du hast selbst eine Tochter, Severus.”
“Aber ich lehre sie nicht, sich den Todesser anzuschließen, wenn sie alt genug ist! Ich gehe diesen Weg, um sie zu beschützen!” Snape stand auf.
“Dann hilf mir, es auch für meine Tochter zu tun!”
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„Severus! Dieser Mann war daran beteiligt James und mich zu jagen! Nein, nein und nochmals nein! Wir selbst leben in der ständigen Angst, dass Du-weißt-schon-wer zurückkehrt! Wie sollen wir dann noch andere beschützen? Für sie lügen?“
Snape setzte sich neben seine Frau: „Wir können den Dunklen Lord davon überzeugen, dass…“
„Wie kannst du dir da so sicher sein? Es wird schwer genug sein, dass er dir vertraut! Und dann willst du Lucius gleich mit einbringen? Wie stellst du dir das vor?“
In Lilys Augen funkelten Tränen und Severus nahm ihre Hand: „Wir können nicht mehr tun, als es zu versuchen. Lucius hat ein Mädchen im gleichen Alter wie unseres. Wir könnten ihnen den Schutz bieten, den sie sonst nicht bekommen.“
„Und wenn er uns alle tötet? Dann bringt es den Kindern auch nichts! Severus, ich halte es für keine gute Idee. Und woher weißt du, dass Lucius dich nicht anlügt?“
Snape lehnte sich zurück: „Weil er seine Tochter so sehr liebt, wie ich unsere.“
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Eine Flamme stob aus dem Zauberstab von Albus Dumbledore und wickelte sich um die Handgelenke der beiden Familienväter.
„Ihr übernehmt die gegenseitige Patenschaft eurer Töchter! Sollte Unverhofftes eintreffen, sind die Mädchen durch diesen Schwur geschützt. Ihr werdet das jeweilige Kind so behandeln, als wäre es euer eigenes. Doch auch bereits jetzt wird Erziehung, Schutz und Zuwendung der Kinder immer an erster Stelle stehen. Zwischen den Mädchen wird es ab sofort eine starke Verbindung geben, die ihnen zusätzlichen Schutz gewährt. Seid ihr bereit diesen Schwur einzugehen?“
„Wir gehen den Schwur ein“, kam es von beiden Zauberern gleichzeitig.
Nochmals wickelten sich die Flammen um die Handgelenke und verschwanden.
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„Ich hoffe, dass wir das richtige getan haben, Severus. Eine Verbindung zwischen unserer Tochter und der Tochter der Malfoys. Wie willst du dem Dunklen Lord das erklären, wenn er zurückkehrt?“ Lily lag in den Armen ihres Mannes, vor ihnen stand der Kinderwagen, indem das kleine Mädchen lag.
„Die Zeit wird es mit sich bringen…“ Snape küsste seine Frau und legte schützend ihren Arm um sie.
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