Unbreakable Truth - Kapitel 12. Der Theaterbesuch
von Sisilia D.S.
Wieder saß der Mann, der völlig in Schwarz gekleidet war, an seinem kleinen, schäbigen antiken Schreibtisch vor seinem Büchlein und schrieb etwas hinein. Draußen wurde es gerade hell und er löschte die Kerze, die er nicht mehr brauchte, er konnte genug sehen.
War eine verdammt lange Nacht. Konnte wegen der Schmerzen an der Schulter nicht schlafen. Wie gern hätte ich wenigstens einige meiner Apparaturen hier, damit ich paar Tränke brauen könnte. Wird wieder vergehen und das werde ich auch überstehen. Werde mich langsam aufmachen zu Sil. Ich glaube, ich sollte Potter die nächsten Tage noch besser im Auge behalten. Nur gut dass „ER“ mich heute nicht sehen will. Er würde nur wieder Fragen stellen … vermutlich ist es besser, wenn er davon nichts erfährt
Das war alles, was er in das Büchlein schrieb, bevor er die Feder wegstellte, das Tintenglas zuschraubte und sein Notizbuch wieder in dem Geheimfach in seinem Schreibtisch versteckte.
*****
Das Klopfen, welches sehr entfernt an ihr Ohr drang, holte sie langsam aber sicher aus ihren Träumen und schien, je wacher sie wurde, auch energischer zu werden.
Mühsam hob sie den Kopf und setzte sich, mit dem Handrücken über ihre Augen reibend, auf dem Sofa auf, auf dem sie letzte Nacht eingeschlafen war.
„Sisilia? Bist du wach?“, erkannte sie dann Harrys zögerliche Stimme.
„Komm rein, Harry!“, rief sie und gähnte erneut.
Harry grinste, als er in der Wohnzimmertür stehen blieb, und Sisilia, die sich gerade gähnend streckte, hielt mitten in der Bewegung inne.
„Was?“, fragte sie sichtlich irritiert.
„Ist gestern wohl etwas spät geworden? Hattest du Besucht?“ Sisilia sah ihn überrascht an. Hatte er etwas mitbekommen? Und wenn, dann sicherlich nicht, wer bei ihr war, denn sonst würde er nicht so ruhig und grinsend da stehen.
„Wie kommst du denn darauf?“, hakte sie nach und Harry deutete auf den Tisch, wo immer noch zwei Gläser standen, die sie gestern nicht mehr aufgeräumt hatte. Sie war schlichtweg nicht mehr dazu gekommen, da sie unbeabsichtigt auf dem Sofa eingeschlafen war. Selbst das Licht hatte die ganze Nacht gebrannt und war sogar jetzt noch an. Doch als Harry ihren Blick zum Lichtschalter bemerkte, macht er es einfach aus.
„Die zwei Gläser …“, begann sie, krampfhaft nach einer Ausrede suchend. „Es ist mir eine Motte ins Glas gefallen und ich hatte keine Lust, es auszuwaschen und hab mir stattdessen einfach ein Neues geholt“, erklärte sie dann und versuchte so nebensächlich wie möglich zu klingen.
„Ach so“, antwortete Harry nur und sie war froh, dass er es ihr abzunehmen schien, auch wenn es ihr nicht gefiel, Harry anlügen zu müssen.
„Was führt dich eigentlich zu so früher Stunde hier her? Du wolltest doch bestimmt nicht kontrollieren, ob ich die Nacht alleine verbracht habe“, scherzte sie jetzt und versuchte seine eventuellen Gedanken zu unterbrechen.
„Was? Nein“, wehrte er verlegen ab. „Hermine schickt mich. Sie hat ein ausladendes Frühstück gemacht und dabei ronmäßige Portionen aufgetischt. Jetzt haben wir viel zu viel. Kurzum, hättest du Lust mit uns zu frühstücken?“
„Frühstück? Klingt wunderbar. Ich mach nur einen kleinen Umweg über mein Bad und komme dann rüber. In Ordnung?“
„Geht klar. Dann bis gleich“, entgegnete er ihr lächelnd und verließ ihr Haus.
Sisilia brauchte noch einen Moment um richtig wach zu werden. Nachdem Snape gestern gegangen war, hatte sie die restliche Weinflasche noch geleert, während sie über das, was vorgefallen war, nachgedacht hatte. Aber vielleicht hatte sie auch gehofft, die in ihr entstandene Leere mit dem Wein aufzufüllen, was natürlich Blödsinn war, das war ihr im Grunde schon klar. Nicht mal dieser dumme Kater, der sich sonst immer in ihrer Nähe herumtrieb, war an diesem Abend aufgetaucht. Dann war sie irgendwann während des Grübelns auf ihrem Sofa eingeschlafen, und jetzt tat ihr dafür das Genick weh, weil sie krumm dagelegen hatte.
Mit etwas Gymnastik versuchte sie die Verspannung wieder zu lösen und nahm dann noch eine schnelle Dusche.
Gleich nachdem sie sich angezogen hatte machte sie sich mit Snapes Zaubertränkebuch unter dem Arm auf den Weg zu Harrys Häuschen, vor dem sie Harry und Hermine antraf, die sich in der Morgensonne unterhielten.
„Einen wunderschönen guten Morgen!“, wünschte Sisilia ihnen und fröhlich erwiderten die beiden ihren Gruß. Doch dann ging Hermines Blick neugierig an Sisilia vorbei und sie blickte auf einen Punkt hinter hier.
„Ach herrje. Was hat der kleine Kerl denn?“, fragte sie bedauernd und deutete auf den kleinen schwarzen Kater, der kaum merklich zu humpeln schien.
Sisilia wandte den Kopf und tatsächlich, das Tier schien auf einer Vorderpfote sehr vorsichtig aufzutreten. Doch sobald der Kater bemerkte, dass er beobachtet wurde, sprang er hinter einen Busch und verschwand aus ihrem Blickfeld.
„Vielleicht hatte er heute Nacht Streit mit einer Nachbarskatze oder mit einem andern Kater“, mutmaßte Harry schulterzuckend.
„Könnte gut sein“, stimmte Sisilia etwas verwundert zu.
„Essen kommen!“, erklang Rons Stimme aus dem Haus und er ging mit einer großen Pfanne voll Rührei mit Schinken und einem breiten Grinsen aus der kleinen Küche in den Wohnraum hinüber.
„Na, da scheint aber einer mächtig Hunger zu haben“, kommentierte Sisilia das Bild, welches sich ihr gerade geboten hatte.
„Der hat immer so großen Hunger“, erwiderte Hermine und verdrehte leicht die Augen, woraufhin die anderen lachend ihr und Ron ins Wohnzimmer folgten.
Der Tisch war schon für vier gedeckt und vollkommen überladen mit Essen, sodass Ron die Pfanne ganz knapp an den Rand des Tisches stellen musste.
Als Auswahl gab es Pfannkuchen, Würstchen, Bohnen, Toast, Butter, Käse, Wurst, Marmelade, Honig und sogar Schokocreme.
„Wen habt ihr denn noch alles zum Essen eingeladen?“, fragte Sil, auf den Tisch deutend.
„Niemand mehr“, erwiderte Ron und sah sie überrascht an.
Hermine verdrehte erneut die Augen und wies dann einladend auf den Tisch, worauf sie alle Platz nahmen.
„Ach ja. Bevor ich es vergesse …“, begann Sisilia, „Ich hab mir das Buch hier genauer angesehen und auch ein paar interessante Dinge gefunden. Ich weiß nicht, ob ihr das noch kennt, doch als ich noch ein Kind war, gab es etwas, das nannte man blutige Geheimtinte. Man schrieb mit einer geheimnisvollen dunkelroten Tinte, die nach einiger Zeit wieder komplett verschwand. Wieder sichtbar machen lässt sie sich nur mit einem ganz bestimmten Zauber. Nun, kurzum, ich hab’s einfach ausprobiert und tatsächlich ein paar Stellen entdeckt, die mit dieser Tinte beschriftet worden waren. Sie sind leicht zu erkennen an der dunkelroten Farbe. Ich denke ihr werdet keine Probleme haben sie zu finden“, erklärte sie, genauso, wie sie es mit Snape besprochen hatte, und reichte Harry das Buch, welches ihm Hermine aber sofort aus den Händen riss und darin zu blättern begann.
Harry hinderte sie nicht daran, sondern begann seinerseits einfach in aller Ruhe zu frühstücken, was Ron ihm gleich tat. Sil schloss sich den beiden an, schon deshalb, weil sie großen Hunger hatte.“
„Lange Nacht gewesen, gestern?“, fragte Ron mit vollem Mund und grinste.
„Nein. Bin auf dem Sofa eingeschlafen“, erklärte Sisilia, nachdem sie ihren ersten Bissen hinunter geschluckt hatte.
„Ascho“, gab der Rothaarige zurück.
Während des Frühstücks unterhielten sie sich über Gott und die Welt und ihre Themen waren durchweg belangloser Natur, als plötzlich eine alte Eule durch die offene Eingangstüre ins Wohnzimmer geflogen kam, die einen knappen warnenden Schrei ausstieß, woraufhin Ron, Harry und Hermine schnell jeder eine Schüssel oder einen Teller schnappten und in Sicherheit brachten, bevor die Eule bäuchlings mitten auf den Tisch knallte und sich nicht mehr rührte.
Als Ron Sisilias überraschten und besorgten Blick auffing, zuckte er nur mit den Schultern.
„Errol, die Eule von Mum und Dad. Sie macht das immer. Ist schon steinalt, das arme Vieh“, erklärte er, stellte den Teller mit den restlichen Pfannkuchen neben sich auf das Sofa und griff nach dem Brief, der am Bein des Tieres befestigt war.
Hermine, welche die Teller wieder zurückgestellt hatte, war schon wieder mit dem Buch beschäftigt, in das sie erneut ihre Nase steckte, während sie sich eifrig auf einem Pergament Notizen machte.
„Der ist ja für Sie?“, rief Ron überrascht aus und reichte Sisilia den Umschlag.
„Ron, sag bitte Sisilia und du und das gilt auch für Hermine, ich komme mir sonst so schrecklich alt vor“, warf sie mit einem Zwinkern ein und nahm den Brief neugierig entgegen, den sie auch gleich öffnete.
Es war erneut einer von Charlies Briefen, die sie fast jeden Tag bekam. Doch diesmal erkundigte er sich nicht nur wie es ihr ging, sondern es lagen noch zwei Eintrittskarten dabei, für ein Theaterstück am heutigen Abend, zu dem er sie eingeladen hatte.
Ihr Gesichtsaudruck musste sehr merkwürdig auf die andern gewirkt haben, denn die beiden Jungs stockten mit dem Essen und sahen sie fragend an. Aber Sisilia lächelte nur, legte den Brief neben sich und beschäftigte sich wieder mit ihrem Ei.
„Echt leckeres Frühstück“, lobte sie und nahm sich gleich noch mal einen Nachschlag.
Kurz warfen sich Ron und Harry Blicke zu, doch keiner traute sich nach dem Inhalt des Briefes zu fragen und darüber war sie auch recht froh, denn es war ihr peinlich, mit Ron über das Rendezvous mit seinem Bruder zu reden. Einige Zeit saßen sie noch zusammen und unterhielten sich. Sisilia hatte das Gefühl von Harrys Freunden vollkommen akzeptiert zu werden, was ihr wirklich gut tat. Sie hatte nicht viele Freunde oder Bekannte und in England schon gar nicht. Doch dann, es war schon fast Mittagszeit, bedankte und verabschiedete sie sich herzlich mit einer Gegeneinladung und ging zurück in ihr Haus, um Charlie eine Antwort zu schreiben, in der sie seine Einladung annahm, denn Romeo und Julia hatte sie schon lange mal sehen wollen.
*****
Pünktlich um achtzehn Uhr stand sie vor dem kleinen Theater und betrachtete das alte Gebäude, das erst kürzlich mit sehr viel Liebe zum Detail renoviert worden war.
„Zeus-Theater“ stand in riesigen goldenen Lettern über dem breiten, zweiflügeligen Eingangstor. Schon jetzt gingen immer wieder Leute hinein, manche sehr elegant gekleidet, andere nur in etwas aufgepeppten Jeans und netten Oberteilen, so dass sie sich manchmal schon fast für zu elegant gekleidet hielt in ihrem geschmackvollen Sommerkleid in den Farben schwarz und violett.
Etwas aufgeregt drehte sich Sisilia um und ließ ihren Blick über den Gehweg huschen, um nach Charlie Ausschau zu halten, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte und herumfuhr.
„Entschuldige, ich hatte nicht vor dich zu erschrecken“, entschuldigte Charlie sich mit einem Lächeln. „Ich hoffe, du musstest nicht zu lange warten? Ich hab mich mit dieser doofen U-Bahn verfahren. Wenn ich einmal eine dieser Muggelerfindungen benutze ...!“
„Nicht so schlimm, ich bin auch gerade erst gekommen. Zumindest weiß ich jetzt, wozu mein Onkel sich den U-Bahn Plan oberhalb seines Knies tätowieren hat lassen“, antwortete sie mit einem Lachen und Charlie sah sie etwas verwirrt an. „Erzähl ich dir vielleicht ein andermal.“
„Ok. Dann würde ich sagen gehen wir rein oder?“, fragte er dann und Sisilia nickte, während sie den dunkelblauen Anzug betrachtete, den er trug. Das graue Hemd hatte er nicht ganz geschlossen und auf eine Krawatte dementsprechend verzichtet. Sisilia musste zugeben, dass er in seinem Outfit einen elegant verwegenen Eindruck machte und irgendwie gefiel ihr das.
Charlie reichte ihr seinen Arm, was Sisilia schmunzeln ließ, sie versuchte das jedoch in ein höfliches Lächeln zu verpacken.
Dann betraten sie das kleine Theater, das sich seinen alten Charme bis in den letzten Winkel bewahrt hatte. Der Boden und die Wände waren mit rotem Samt ausgelegt. Die Kerzenleuchter an den Wänden, in denen allerdings Glühbirnen anstatt Kerzen steckten, waren vergoldet und glänzten wie frisch poliert. Auch die Kronleuchter, die an den Decken hingen und die Glasperlen, die daran glitzerten, gaben dem hohen Raum eine edle und doch gemütliche Atmosphäre.
„Darf ich dich noch auf ein Glas Sekt einladen?“, fragte er und führte sie ohne eine Antwort abzuwarten zu der kleinen Bar, an der schon einige Menschen standen und sich auch etwas zu Trinken bestellt hatte. Die meisten hatten ein Glas Sekt in der Hand.
„Gern“, antwortete Sisilia und nahm auf einem der freien Barhocker Platz, während Charlie bestellte.
„Auf einen wunderschönen Abend“, sagte er, als sie beide die Gläser in der Hand hielten, doch als sie anstoßen wollten, hielt er noch einmal inne. „Weißt du, dass wir beide noch nicht Brüderschaft getrunken haben?“
Sisilia sah ihn überrascht an, denn sie duzten sich eigentlich schon ganz schön lange. Aber bevor sie antworten konnte, hatte er seinen Arm mit dem Glas in der Hand schon um ihren gehakt und das Glas an die Lippen gesetzt. Irgendwie perplex tat sie es ihm dann gleich und trank auch einen Schluck. Erst in dem Moment, als sie Charlies Lippen auf den ihren spürte, war ihr klar geworden, warum er das getan hatte. Bisher war es ihr immer wieder gelungen, seinem Wunsch nach einem Kuss zu entgehen, doch diesmal hatte er sie überrumpelt und sie schüttelte schmunzelnd den Kopf. Was aber nur zur Folge hatte, dass das Grinsen von Charlie noch breiter wurde.
„Wie bist du auf die Idee mit dem Theater gekommen?“
„Ach, das ist ganz einfach. Ich kenne zwei der Darsteller, von ihnen hab ich auch die Karten bekommen. Denn eigentlich ist das Theater hier immer ausverkauft und man muss Karten mindestens ein Jahr vorher vorbestellen.“
„Wirklich? Wow. Gut, wenn man Beziehungen hat.“
„Allerdings. Und ob du es glaubst oder nicht. Die Leute, die hier spielen, machen das nur in ihrer Freizeit. Es ist sozusagen ein Hobby und einen Beruf haben sie auch noch“, erklärte er ihr. „Also erwarte keine Profis.“
„Also wenn das Stück schon für ein ganzes Jahr ausverkauft ist, kann es doch gar nicht so schlecht sein, oder?“
„Dafür spielen sie nur zwei Mal im Monat. Manchmal haben sie sogar bekannte Schauspieler, die dann Gastrollen in ihrem Stück übernehmen.“
„Dann muss es gut sein“, lachte Sisilia jetzt vergnügt und merkte, wie das Glas Sekt auf fast nüchternen Magen seine Wirkung tat. Denn sie hatte nach dem großartigen Frühstück nichts mehr gegessen, vor allem deshalb, weil Charlie sie anschließend noch zum Essen ausführen wollte.
Nachdem ein Gongzeichen ihnen ankündigte, dass es Zeit wurde, ihre Plätze einzunehmen, standen sie auf.
„Hast du die Eintrittskarten mitgebracht?“, wollte er wissen.
„Ja, hier“, antwortete sie und zog sie aus ihrer kleinen Handtasche. Zum ersten Mal warf sie einen direkten Blick darauf. „Reihe 2 Mitte?“, las sie überrascht vor und Charlie grinste erneut und reichte ihr seinen Arm, in den sie sich einhakte. Er hatte wirklich sehr kräftige Arme, auch die Muskeln seiner Unterarme waren stahlhart. Es war fast verwunderlich, wie ein Mann, der so kräftig war, so sanfte Finger haben konnte, dachte sie in dem Moment, als er mit seinen Fingerspitzen kurz über ihre Hand strich, während er ihr die Karten abnahm, um sie dem Türsteher zu zeigen. Sie erschauderte leicht, doch versuchte sie sich nichts anmerken zu lassen und blickte in den kleinen Theatersaal, dessen Anblick die Menschen sogleich in ein vergangenes Jahrhundert zu versetzen schien.
„Das ist wunderschön. Ich wusste nicht, dass es so was Herrliches hier in London gibt.“
„Ja, sehr schön“, gab Charlie zurück und erst, nachdem sie direkt zu ihm sah, wurde ihr bewusst, dass er nicht das Theater, sondern sie gemeint hatte, was ihr eine leichte Röte ins Gesicht trieb.
„Ach du“, sie gab ihm einen kleinen verlegenen Knuff und ging dann einfach weiter.
Ihre Plätze waren hervorragend. Sie konnten die ganze Bühne einsehen und es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis die Vorstellung begann.
Zwar kannte Sisilia grob die Handlung des Dramas, doch diese Schauspieler, die Bühnenbild und Inszenierung hervorragend gestaltet hatten und spielerisch mit Leben füllten, lösten so viele Emotionen in ihr aus, dass sie vollkommen in dem Stück versank.
Sie merkte nicht einmal, dass Charlie nach einiger Zeit seinen Arm um sie gelegt hatte. Im Gegenteil, als eine Stelle kam, die sehr erschütternd war, drückte sie sich sogar mehr an ihn, so als suche sie Schutz vor dem gemeinen Bösewicht da oben auf der Bühne.
Als dann die Pause kam, der Vorhang fiel und die Lichter im Saal wieder angingen, brauchte sie einen Moment, um wieder in die Wirklichkeit zu finden.
„Gefällt es dir?“
„Gefallen?“, fragte sie. „Es ist großartig. Ich habe noch nie in meinem Leben bei einem Stück so mitgelitten und mitgefiebert. Auch wenn ich weiß, wie es ausgehen wird“, erklärte sie und erst jetzt wurde ihr bewusst, dass er sie in seinem Arm hielt und sie sich an ihn gedrückt hatte.
In seinen Augen lag ein sehr zufriedener, wenn nicht gar glücklicher Glanz und Sisilia überlegte fieberhaft, wie sie aus der Situation wieder rauskam, ohne Charlie vor den Kopf zu stoßen.
„Wie lange ist Pause?“, hakte sie nach.
„Fünfzehn Minuten. Möchtest du noch mal etwas trinken gehen?“, schlug er vor, doch sie schüttelte den Kopf. Wenn sie jetzt noch ein Glas Sekt trinken würde, könnte sie vielleicht nachher etwas tun, was sie bereuen würde …
„Danke, nein. Ich denke ich sollte mal eben kurz für kleine …“, begann sie zu erklären.
„Die Nase pudern?“, erkundigte sich Charlie mit einem Grinsen.
„Ja, so kann man es auch sagen“, gab sie lächelnd zurück und stand dann auf, um auf die Toilette zu gehen.
Als sie dann dort vor dem Spiegel stand und sich ansah, schüttelte sie den Kopf. „Sil, Sil, was machst du nur“, sagte sie leise zu sich und da wurde ihr bewusst, dass sie sich jetzt schon selber den Kosenamen gab, bei dem Snape sie immer nannte.
Kurz entschlossen erneuerte sie ihr Make-up ein wenig und ging dann wieder zurück in den Saal. Charlie saß nicht an seinem Platz, sondern stand vorn an der Bühne und unterhielt sich mit einem der Darsteller. Mit dem jungen Mann, der den Romeo spielte und nicht mal so übel aussah, musste Sisilia gestehen. Sie trat zu den beiden und Charlie stellte ihr den Romeo vor, der ihr kurz die Hand gab, beiden noch viel Spaß wünschte und auch schon wieder verschwinden musste.
„Ein netter Kerl. Er ist auch ein Z …?“, sie sprach es nicht ganz aus und Charlie nickte nur.
„Wir waren zusammen auf der Schuler. Er war in Ravenclaw. Doch er war ein wahnsinnig guter Jäger in seiner Quidditch-Mannschaft. Eigentlich hatte ich immer angenommen, er würde das auch mal beruflich tun“, erklärte er und zuckte mit den Achseln.
Der zweite Akt war nicht minder emotional und ehe Sisilia begriff, was sie tat, hatte sie sich erneut an Charlie gelehnt. Als sie am Ende, nachdem sich Romeo und Julia selbst das Leben genommen hatten, die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, reichte Charlie ihr sogar sein Taschentuch.
„Vielen Dank für die Einladung, Charlie. Dieses Theaterstück war wirklich klasse und ein Erlebnis“, bedankte sie sich überschwänglich bei ihm und gab ihm sogar einen Kuss auf die Wange.
„Der Abend ist ja noch nicht zu Ende. Ich hab bei einem kleinen gemütlichen Italiener einen Tisch reserviert. Ich hoffe du hast Hunger?“
„Wie ein Wolf, ja“, bestätigte sie mit einem heftigen Nicken. „Ich hab seit heut Vormittag nichts mehr gegessen“, erzählte sie und als sie Charlies überraschten Blick sah, erzählte sie von dem späten ausgiebigen Frühstück mit Harry, Ron und Hermine.
Gemütlich schlenderten sie dann aus dem Theater und gingen langsam, sich noch über die gelungene Vorstellung unterhaltend, die Straße entlang, bogen zweimal rechts ab und blieben dann vor der Türe eines historischen Gebäudes stehen, über welchem ein großes Schild hing, das verkündete, dass sich im Kellergewölbe ein italienisches Restaurant befand.
Charlie öffnete mit einem einladenden Lächeln die schwere Bogentüre und ließ Sisilia vorgehen. Über eine, offensichtlich uralte steinerne Treppe, die in einem Linksschwung nach unten führte, gelangten sie in ein nicht sehr großes, aber mit extravagantem Charme ausgestattetes Kellergewölbe.
Das gedämpfte Licht, das nicht besonders hell brannte, verstreute einen schaurig romantischen Schein, und gepaart mit den wenigen Kerzen, die auf jedem Tisch standen, verlieh das dem Lokal ein wundervolles Ambiente.
Unter der Decke hingen Fischernetze, in denen allerlei Seetiere als Dekoration lagen und an den Wänden sowie als Raumteiler gab es rustikal wirkende Regale, die mit Artefakten, Vasen und Figuren sowie verschiedenen Weinflaschen gefüllt waren.
Ein Kellner kam auf sie zu und Charly nannte ihm seinen Namen, woraufhin der Mann sie zu einem der Tische weiter hinten im Raum führte, der ebenfalls durch ein kleines Regal von den anderen Tischen abgetrennt war, so dass Sisilia fast das Gefühl bekam, sie wären alleine in dem kleinen Restaurant.
„Es ist wunderschön hier“, flüsterte Sisilia überrascht und lächelte.
„Noch ein Geheimtipp. Die Theatergruppe kommt manchmal nach ihrem Auftritt hier her, um noch etwas zu feiern“, klärte Charlie sie auf, und nachdem sie Platz genommen hatte, setzte er sich zu ihr, so dass nur das Tischeck sie trennte.
„Magst du Rotwein?“, fragte er dann und Sisilia nickte leicht zur Antwort, da der Kellner in dem Moment wieder zu ihrem Tisch trat. So bestellte Charlie eine Flasche Rotwein und eine Flasche Wasser.
„Hast du schon etwas gefunden?“, fragte Charlie, nachdem sie einige Zeit die Speisekarten studiert hatten.
„Ich fürchte, ich kann mich nicht entscheiden. Die Tortellini Capriciosi klingen gut, aber die Pizza Frutti de Mare wäre auch interessant oder vielleicht doch eher einen Salat?“, überlegte sie laut.
„Vorschlag: Wir bestellen alle drei Sachen und lassen uns einfach extra Teller dazugeben.“
„Ist das dein Ernst?“
„Warum nicht? Ich kann mich nämlich auch nicht entscheiden“, erklärte er grinsend und tat dann, was er vorgeschlagen hatte.
Auch Sisilia musste schmunzeln. Charlie gab sich solche Mühe, er war so nett und ihr war natürlich klar, dass er das nicht nur aus Langeweile tat. Sie respektierte das und sie musste zugeben, dass sie ihn inzwischen auch wirklich sehr mochte, wenngleich sie versuchte, ihm nicht all zu viele Hoffnungen zu machen. Doch da er sich im Gegensatz zum ersten Abend mit allem zurück hielt, sah sie keinen Grund, ihm zu erklären, dass sie mehr als Freundschaft nicht wollte. Sie genoss den Abend sehr und auch Charlies Charme und Witz.“
Er war eine Aufmunterung in ihrem momentan etwas angespannten Leben und sie hatte das Gefühl, er würde sie für einige Zeit aus ihrer tristen Welt holen.
Der Kellner stellte keine Fragen oder machte irgendwelche Bemerkungen über ihre Bestellung. Scheinbar taten die Gäste hier das öfter und so ließen sich es die beiden einfach schmecken, und das war wirklich nicht schwer, denn es war ganz hervorragend.
„Ich glaub, ich kann nicht mehr“, sagte Sisilia als sie schließlich satt war und legte die Hand auf ihrem Bauch. Langsam lehnte sie sich zurück und schob ihren Teller etwas zur Seite.
„Wirklich nicht? Ich wollte dich grad fragen, ob du Lust auf einen Nachtisch hast?“, fragte er lauernd.
„Das ist jetzt gemein. Ich bringe wirklich nichts mehr runter“, gab sie zurück.
„Na gut, dann hab ich aber noch ein Eis, das ich dir ausgeben darf, gut“, erklärte er mit einem genussvollen Grinsen und Sisilia öffnete den Mund, um zu protestieren.“
Doch dann lächelte sie zurück und schüttelte den Kopf.
„Hat dir schon mal jemand gesagt, dass du es faustdick hinter den Ohren hast?“, fragte sie.
„Jaaaa“, lachte er. „Meine Freunde in Rumänien sagen das alle“, gab er freimütig zu. „Und?“
„Ok, du hast gewonnen. Doch wenn ich wegen deiner vielen Einladungen dick und fett werde, dann bist du schuld.“ Charlie stimmte in ihr ausgelassenes Lachen mit ein und legte dann seine Hand auf die ihre, während sie sich in die Augen sahen.
„Vielen Dank für den wunderschönen Abend, Charlie. Es hat gut getan, mal wieder so richtig abzuschalten.“
„Es war mir eine Ehre und wenn sich jemand bedanken sollte, dann ich“, seine Stimme klang leise, aber dennoch sehr deutlich und die Spannung, die jetzt in der Luft lag, war nicht zu übersehen.
Die Augen, in die sie blickte, braun und warm, ließen sie keine Sekunde lang los, während sie fast krampfhaft überlegte, was sie tun sollte. So entzog sie ihm sanft ihre Hand und griff nach dem Weinglas, aus dem sie einen Schluck trank.
„Sagen wir doch einfach so: Wir hatten beide einen schönen Abend“, schloss sie einen Kompromiss.
„Das hört sich gut an. Damit bin ich einverstanden“, antwortete er ihr und leerte sein Weinglas. Sein Blick wanderte über ihr Gesicht und für einen Moment auch etwas tiefer, was Sisilia einen leichten Schauer über den Rücken jagte, vor allem, weil er nicht zu verstecken versuchte, dass ihm gefiel, was er sah.
„Ich glaube, es ist gar nicht gut, wenn du zuviel Wein trinkst“, erklärte sie, auf seinen Blick eingehend.
„Wie kommst du darauf?“
„Er lässt dich auf dumme Gedanken kommen, Charlie Weasley“, antwortete sie offen und ehrlich.
„Nun, ich denke, ich brauch dazu nicht unbedingt einen Wein“, war seine Antwort, wobei das Funkeln in seinen Augen nicht weniger wurde.
„Charlie Weasley!“ Ihre Stimme klang fast wie die seiner Mutter, wenn sie ihn zurechtwies. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück, wandte den Blick aber nicht von ihr. Aus Verlegenheit sah sie jetzt auf die Uhr, die ihr zeigte, dass es schon nach elf Uhr war.
„Du drängst doch nicht etwa zum Aufbruch?“, fragte er leise und Sisilia hob den Kopf.
„Ich … oh, nein. Nicht wirklich, so spät ist es ja noch nicht. Aber vielleicht hast du Lust etwas spazieren zu gehen? Ich hab jetzt wirklich lange genug gesessen.“
„Warum nicht. Ein Spaziergang im Mondschein … zu zweit … alleine“, sagte er grinsend und Sisilia verdrehte kurz die Augen, doch konnte sie nicht anders, als gleich zu lachen und dabei Charlie leicht in die Seite zu knuffen.
Dieser winkte dem Kellner und orderte die Rechnung, während sie beide noch ihre Gläser leerten. Dann traten sie in die angenehm warme Nachtluft hinaus und sahen einen Moment lang nach oben in den dunklen Himmel. Leider konnte man in der gut beleuchteten Metropole Englands nicht viele Sterne am Firmament erkennen, was Sisilia sehr schade fand, weswegen sie einen Gedanken laut aussprach.
„Vielleicht könnten wir auch in meiner Wohngegend etwas spazieren gehen, da ist mehr Natur“, schlug sie vor und Charlie schien von der Idee begeistert zu sein, denn er nickte sofort. So apparierten sie bei der nächsten Möglichkeit und fanden sich in dem kleinen Park in der Nähe von Sisilias Haus wieder, durch den sie schlenderten.
Charlie streifte ein paar Mal wie aus Versehen ihre Hand und ergriff diese dann, verschränkte seine Finger mit den ihren, ohne etwas zu sagen oder sonst zu tun.
Seine Hand lag angenehm in der ihren und obwohl sie seine Kraft kannte, berührte er sie nur sanft und zart. Ein Schauer lief ihr über den Rücken, der ihr aber keineswegs unangenehm war, im Gegenteil, und so entzog sie ihm ihre Hand nicht.
Langsam gingen sie nebeneinander her und unversehens hatten sie den Park durchquert. Ohne sich dessen bewusst gewesen zu sein, hatte sie Charlie direkt vor ihr Haus geführt. Sie wusste, dass er es nicht sehen konnte und dennoch war ihr klar, dass er wissen musste, dass sie hier irgendwo wohnen würde.
Der Abend war so schön gewesen, dass sie es jetzt nicht fertig brachte, Charlie einfach so nach Hause zu schicken. So beschloss sie, ihn noch auf ein Glas Wein oder was auch immer zu sich herein zu bitten. Sie wusste jetzt ja, dass er sich auch benehmen konnte und Angst hatte sie nicht wirklich vor ihm.
„Charlie, möchtest du noch auf einen Schluck Wein mit zu mir kommen?“, fragte sie dann und blieb vor dem Gartentor stehen.
„Das würde ich sehr gerne“, antwortete er sogleich und Sisilia flüsterte ihm die Adresse zu, so dass er mit ihr das Haus betreten konnte. Charlie zeigte sich nicht sonderlich überrascht, als er mit einem Male das Gebäude sehen konnte. Im Gegenteil, galant öffnete er für sie die Gartentüre und sie gingen auf das Haus zu.
„Schön hast du es hergerichtet“, sagte er dann, es genauer betrachtend.
„Man sieht doch im Dunkeln gar nicht so viel. Nun ja … und Harry hat mir auch geholfen, die Veranda so zu gestalten war seine Idee“, erklärte sie und deutete mit dem Kopf automatisch zum Häuschen in dem Harry wohnte. Dort brannte kein Licht mehr und so nahm sie an, dass Harry wohl schon zu Bett gegangen war.
Als sie ins Wohnzimmer traten und das Licht einschalteten, hob Pidi, der auf dem Sofa gelegen hatte, den Kopf und musterte die beiden ausgiebig. In dem Augenblick, als Charlie auf ihn zuging und die Hand nach ihm ausstreckte, um ihm zu kraulen, flüchtete der Kater auf die Fensterbank, von wo aus er sie weiter beobachtete.
„Nimm das nicht persönlich, er lässt sich nicht mal von mir anfassen“, erklärte Sisilia und zog eine Flasche Wein aus dem Regal, die sie Charlie zum Öffnen reichte. „Ich hole eben zwei Gläser.“
Charlie musterte den Kater noch einen Moment, doch dann öffnete er die Flasche mit seinem Zauberstab, und als Sisilia die Gläser auf den Tisch stellte, schenkte er in beide etwas ein.
„Auf diesen wunderschönen Abend.“ Sisilia hob ihr Glas und ließ es gegen das von Charlie stoßen, wobei ein heller klingender Ton entstand.
„Und auf eine bezaubernde Frau, die diesen Abend wunderschön gemacht hat.“
„Du bist ein alter Charmeur“, lächelte Sisilia jetzt und trank dann einen Schluck. „Wie wäre es mit etwas Musik?“
„Sicher, leg einfach etwas ein.“
So geschah es auch. Sie wählte eine CD mit ein paar ruhigeren Liedern und drehte sie nicht zu laut. Als sie sich wieder umdrehte, stand Charlie neben ihr und machte eine leichte Verbeugung.
„Darf ich um diesen Tanz bitten?“, fragte er mit einem sanften Lächeln und obgleich Sisilia sich zuerst nicht so sicher war, ob das gut wäre, konnte sie diesem Blick einfach nicht widerstehen und nickte.
Charlie ergriff ihre rechte Hand und legte seine an ihre Hüfte, bevor er begann, sich im Rhythmus der Musik mit ihr zu bewegen.
„Du tanzt wirklich sehr gut“, sagte er nach einiger Zeit.
„Wenn man so geführt wird ist das nicht besonders schwierig.“, gab sie dann mit einem Lächeln zurück.
Sanft wiegten sie ihre Körper im Takt der Musik, wobei Sisilia immer darauf achtete, dass Charlie sich nicht zu eng an sie drückte. Doch ganz auf Abstand hielt sie ihn auch wieder nicht. Irgendwie genoss sie es durchaus, von seinen starken Armen gehalten zu werden, sie fühlte sich in dem Moment irgendwie … beschützt und das war ein Gefühl, das sie lange nicht mehr empfunden hatte.
Als er sich einige Male mit ihr im Kreis drehte, schloss sie die Augen und ließ sich einfach von seinen kräftigen Armen halten. Sie roch das Parfüm, das er trug und das irgendwie sehr männlich duftete.
Als das Lied sich dem Ende zuneigte, zog er sie ruhig aber bestimmt zu sich heran, blickte ihr noch einmal in die Augen und neigte seinen Kopf zu ihr, mit der Absicht sie zu küssen. Sisilia war dies wohl bewusst, doch wich sie ihm diesmal weder aus, noch schob sie ihn von sich weg. Ihr Herz klopfte in ihrer Brust sehr schnell und sie hatte das Gefühl, ihre Wangen würden rot glühen.
Nur noch Millimeter trennten sie beide und erwartungsvoll schloss sie jetzt die Augen. Gleich würden seine Lippen Besitz von den ihren ergreifen und diesmal wollte sie es sogar.
Doch dann gab es plötzlich einen heftigen Knall, ein Blumentopf zersprang in hundert Scherben und mit einem wütenden Fauchen schoss der Kater von der Fensterbank an ihnen vorbei und durch die Katzenklappe nach draußen.
Erschrocken zuckten beide zurück und sahen dem schwarzen Stubentiger verwundert hinterher.
„Was hat den denn gebissen?“, wollte Charlie total perplex wissen.
„Vielleicht hat er draußen eine Katze gesehen“, erwiderte Sisilia leise und ging dann zum Tisch, um nach ihrem Weinglas zu greifen. Als Charlie, der ihr gefolgt war, sich hinter sie stellte, nahm sie sein Glas und drückte es ihm in die Hand. Sie konnte sich nicht erklären warum, aber sie wollte diesen Beinahe-Kuss einfach ignorieren und Charlie von einem Wiederholungsversuch abhalten.
„Ich danke dir für den wundervollen Abend, Charlie.“ Ihre Stimme klang leise aber etwas distanziert, was er sofort merkte.
„Heißt das, dass du mich jetzt rauswirfst?“
„So wie du es sagst, klingt es sehr negativ. Es ist spät und ich denke, es wird Zeit fürs Bett“, erklärte sie, und als Charlie eine Augenbraue hochzog fügte sie noch schnell einen Zusatz an.
„Jeder in seines.“
Ein leicht enttäuschtes Seufzen kam über Charlies Lippen, doch dann nickte er, leerte sein Glas und stellte es auf den Tisch.
„Sisilia? Ich möchte dir für diesen wunderschönen Abend danken. Und wegen des Eisessens werde ich mich bei dir noch melden. Das hab ich noch gut“, erklärt er schmunzelnd, strich ihr mit der Rückseite der Finger über die Wange und gab ihr blitzschnell einen Kuss, so dass sie keine Zeit mehr hatte zu reagieren.
„Schlaf gut, meine Blume“, sagte er noch und verließ dann das Haus.
Noch einen Moment lang sah sie auf die Tür, die ins Schloss gefallen war. Ihre Gefühle waren jetzt irgendwie total durcheinander. Der Abend war wirklich wunderschön gewesen und sie wusste, dass Charlie sich mehr erhoffte. Aber sie wusste nicht, was sie selber wollte. Hin und her gerissen blieb sie noch einige Zeit stehen und dachte nach, bis ihr Blick auf Pidi fiel, der wieder auf dem Sofa lag und leise vor sich hin schnurrte.
„Aber wie …“, fragte sie, woraufhin der Kater den Kopf hob und sie mit seinem unschuldigsten Blick ansah, zu dem er fähig war.
Nun schüttelte Sisilia den Kopf.
„Man könnte fast annehmen du wärst eifersüchtig.“
Pidi tat so, als hätte er sie nicht gehört oder verstanden und legte den Kopf wieder auf seine Pfoten.
„Ihr Männer seid unmöglich. Euch soll mal jemand verstehen“, seufzte sie leise auf, wandte sich um und ging auf die Stufen zu, die nach oben führten. Mit einem Wink der rechten Hand löschte sie die Lichter und stieg dann langsam die Treppe zu ihrem Schlafzimmer hinauf. Langsam streifte sie ihre Sachen ab und legt sich nur mit Slip und BH bekleidet in ihr Bett. Dass der Kater ihr gefolgt war und sie in der Tür stehend beobachtet hatte, war ihr nicht aufgefallen.
Gedankenverloren ergriff sie eines der Kopfkissen, schlang ihre Arme darum und drückte es gegen ihren Bauch.
Was für ein Abend … Als sie ihre Augen schloss, sah sie noch einmal die Bilder des Nachmittags und des Abends vor sich und auch Charlies braune Augen, in dem Moment, kurz bevor sich fast ihre Lippen getroffen hätten.
Wieder zuckte Sisilia erschrocken zusammen, als der Kater auf das Bett hüpfte, sie eine Weile eingehend musterte und sich dann zu ihren Füßen einrollte, die Augen aber weiterhin auf sie gerichtet.
Sisilia seufzte leise auf, zog die Decke über sich und schloss sogleich die Augen.
(Würde mich über eine kurze Meinung von euch freuen. Danke Eure Sisilia)
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel
Samstag, 01.07.
Freitag, 02.06.
Mittwoch, 24.05.
Manchmal ist es auch sehr schade, dass eine Figur verschwindet und im nächsten Band nicht mehr vorkommt. Dazu zählt beispielsweise Gilderoy Lockhart, den ich sehr mochte, weil er so furchtbar eitel war und ich mir einen Spaß daraus machte Leute aus dem Showbusiness mit seiner Charakterisierung zu veralbern.
Rufus Beck