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Fanfiction

Nebel ĂŒber Nurmengard - Besuche und TrĂ€nen zum neuen Jahr

von halbblutprinzessin137

Besuche und TrÀnen zum neuen Jahr


Wieder vergingen einige Jahre, in denen der Gefangene nichts weiter tun konnte als alte Erinnerungen zu durchforsten und ĂŒber sein Leben nachzudenken. Sein Leben, das so furchtbar falsch gelaufen war.

Dieser triste Gedanke, diese traurige Gewissheit begleitete den Gefangenen Tag fĂŒr Tag, ließ ihn nicht los - nicht einmal an dem einen Tag im Jahr, an dem doch eigentlich WĂ€rme und Zufriedenheit in aller Herzen herrschen sollte. Nicht einmal an Weihnachten.

Der Nebel, der den höchsten Turm von Nurmengard umfing, lichtete sich nicht, nur weil Weihnachten war. Die klamme KĂ€lte im Verließ wich nicht, nur weil Weihnachten war. Die SelbstvorwĂŒrfe in Grindelwalds Innerem verstummten nicht, nur weil Weihnachten war. Die Geister seiner Vergangenheit ließen ihn nicht plötzlich los, nur weil Weihnachten war.

Traurig rollte sich der Gefangene unter seiner dĂŒnnen Wolldecke zu einer ganz kleinen Kugel zusammen und seufzte tief.

Niemand besuchte ihn, nur weil Weihnachten war.

Dabei hatte er doch gehofft ... vielleicht ...

Vergebens.

Niedergeschlagen schloss Gellert Grindelwald die Augen und versank nach einiger Zeit in einen unruhigen Schlaf. Als er die Augen wieder aufschlug, war Weihnachten vorbei.

Und wĂ€hrend der Gefangene so auf seiner hölzernen Pritsche lag und seinen Gedanken nachhing, schlich sich allmĂ€hlich der frische Duft des neuen Jahres in die klare, kalte Winterluft. Die ersten Januartage verstrichen vollkommen ruhig und ereignislos, der Gefangene beobachtete den Tanz der blĂ€ulich weißen Schneeflocken durch den schmalen Schlitz im Mauerwerk, die Sonne schaffte es hin und wieder, einen ihrer wĂ€rmenden, wenngleich noch etwas kraftlosen Strahlen ins Innere des steinernen Verließes zu senden, und plötzlich öffnete sich mit einem leisen rostigen Quietschen die eiserne TĂŒr der Zelle.

Gellert Grindelwald wandte sich um und sah sich tatsĂ€chlich, wenn auch einige Tage spĂ€ter als gedacht, dem Einen gegenĂŒber, auf dessen Besuch er gehofft hatte.

Beinahe lautlos zog Albus Dumbledore die eiserne TĂŒr wieder hinter sich ins Schloss, ehe er die karge Zelle in wenigen Schritten durchquerte und sich neben den Gefangenen auf die hölzerne Pritsche sinken ließ. So eng saßen sie auf der armseligen Holzpritsche nebeneinander, dass das schmutzige, zerfetzte Gewand des Gefangenen und Dumbledores prĂ€chtige Robe aus weinrotem Samt sich berĂŒhrten. Keinen der beiden MĂ€nner schien es zu stören.

Albus Dumbledore sah den Gefangenen ĂŒber die GlĂ€ser seiner goldenen Halbmondbrille hinweg an und allein dieser Blick brachte mehr WĂ€rme in die Zelle als wenn Dumbledore seinen Zauberstab gezĂŒckt und ein Feuer heraufbeschworen hĂ€tte.

Er war es auch, der als erster das Wort ergriff.

„Ich hatte schon mit dem Gedanken gespielt, dir durch Fawkes irgendein kleines Weihnachtsgeschenk zukommen zu lassen. Als ich jedoch darĂŒber nachgedacht habe, was du denn brauchen könntest, bin ich zu dem Schluss gelangt, dass ein wenig Gesellschaft vielleicht das beste Geschenk von allen sein wird. Ich kann nur hoffen, dass ich damit nicht allzu falsch liege.“

Dankbar blickte der Gefangene in diese vertrauten leuchtend blauen Augen und da er seiner Stimme nicht so ganz traute, schĂŒttelte er nur stumm den Kopf und lĂ€chelte Albus an. Sein Gesicht fĂŒhlte sich dabei fĂŒrchterlich verspannt an. Er hatte schon lange nicht mehr gelĂ€chelt. Sehr lange.

Eine Weile blickten sie einander nur in stummem EinverstÀndnis an. Dann durchbrach Dumbledore die Stille mit leiser, aber ernster Stimme.

„Die Frage mag vielleicht töricht oder gar wie bittere HĂ€me klingen, aber sei versichert, dass ich sie vollkommen ehrlich meine - Wie geht es dir, Gellert?“

Einen langen Moment schien der Angesprochene um Worte verlegen. Er wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Als er schließlich doch antwortete, klang er wie ein hilfloser Schuljunge und nicht wie der eloquente Herrscher von einst, der mit einer einzigen Rede Hunderte in seinen Bann geschlagen und von seinen Idealen ĂŒberzeugt hatte.

„Na ja ... schlecht ... Ich meine, wie sonst soll es mir hier schon gehen? ... Es ist immer so still ... so einsam ... so drĂŒckend ... einfach unertrĂ€glich ... Aber“, seine Stimme zitterte, „das ist schließlich die Strafe, von der du denkst, dass ich sie verdient habe ... von der ich langsam auch denke, dass ich sie vielleicht verdient habe ...“

Hastig wischte sich der Gefangene mit dem Ärmel seines zerschlissenen Gewandes die Augen, damit Albus seine TrĂ€nen nicht sah.

Und obwohl Albus Dumbledore die TrĂ€nen durchaus gesehen hatte, ließ er keinen einzigen Ton dazu verlauten. Stattdessen legte er tröstend einen Arm um Gellerts Schultern und sagte: „Ja, ich muss zugeben, das ist tatsĂ€chlich die Strafe, die ich fĂŒr am heilsamsten hielt und halte. Und trotzdem tut es mir gleichzeitig in der Seele weh zu sehen, wie sehr du darunter leidest, Gellert. Ich hoffe, du kannst mir das glauben.“

Wieder schwiegen sie eine ganze Weile lang.

Endlich ließ der Gefangene den Arm sinken und hörte auf, sein Gesicht zu verbergen.

Albus Dumbledore war wohl der Auffassung, er mĂŒsse Gellert Grindelwald ein wenig aufmuntern und von seinem Kummer ablenken, denn er meinte: „Irgendein weiser Mensch hat einst gesagt, dass selbst das grĂ¶ĂŸte Elend ein klein wenig leichter und ertrĂ€glicher scheint, wenn es einem gelingt, irgendetwas Positives darin zu finden. Ich möchte nicht so tun, als ob es besonders viel Positives wĂ€re, was mir zur Einsamkeit einfĂ€llt, aber zwei Dinge sind es doch: Die wenigen Momente, in denen man Gesellschaft hat, erlebt man bewusster als etwas unheimlich Kostbares und nimmt viel mehr davon mit. Und: Wenn man allein ist und niemanden um sich hat, so kann einen wenigstens niemand aus der Ruhe bringen oder verletzen ...“

Trotz der feuchten TrĂ€nenspuren auf dem Antlitz des Gefangenen zuckte es kaum merklich um seine Mundwinkel, als er einwarf: „Als ob irgendjemand es schaffen wĂŒrde, dich aus der Ruhe zu bringen, Albus ...“

„Oh, du ĂŒberschĂ€tzt mich, Gellert. Ich fĂŒrchte, viel öfter wirke ich gelassen als dass ich wirklich gelassen bin. Erst vor ein paar Tagen hat ein ErstklĂ€ssler, wenngleich ein sehr bemerkenswerter, es mit einer einfachen neugierigen Frage geschafft, mich innerlich ziemlich aus der Ruhe zu bringen, wie ich zu meiner Schande gestehen muss.“

Zufrieden nahm Albus Dumbledore zur Kenntnis, dass es ihm tatsĂ€chlich gelungen war, Gellert fĂŒrs Erste von seinem Kummer abzulenken. Dumbledore schmunzelte angesichts der Mischung aus Neugier, Belustigung und UnglĂ€ubigkeit in der Stimme des Gefangenen.

„Wie das? Was hat er dich gefragt?“



Na, was meint ihr? Was hat wer gefragt? Auf welche Szene will ich hinaus? ;)

So oder so, im nÀchsten Kapitel erfahrt ihr es!

Wie immer hoffe ich, dass dieses Kapitel nach eurem Geschmack war und euch gut gefallen hat.

Alles Liebe,
eure halbblutprinzessin137


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