
von Dr. S
âHaltâs Maul, Malfoy!â
Draco gluckste bei diesem plötzlichen Wutausbruch, rutschte auf der TribĂŒnenbank etwas weiter nach vorne und baumelte mit den Beinen, weil er so verbergen konnte, dass er sich nicht traute herunter auf das Quidditch-Feld zu springen. Dabei könnte er sich aber auch den Knöchel brechen, oder so, und Cormac McLaggen hörte ihn ja auch so. Ach, wie hatte er es in seinem sechsten Schuljahr bisher vermisst Gryffindors zu Ă€rgern, besonders solche, die in Höchstgeschwindigkeit auf die Palme gingen.
âOh, armer McLaggen⊠SchĂ€mt sich der groĂen Aufmerksamkeit, die er bekommtâ, sĂ€uselte Draco, sich nach hinten abstĂŒtzend und das Kinn reckend. McLaggen hatte ihm den RĂŒcken zugedreht und sein magentafarbener Quidditch-Umhang flatterte im Wind. So wie er dastand könnte man ihn fast fĂŒr einen Comichelden halten, nur dass er zum GlĂŒck auf die Strumpfhosen verzichtet hatte.
âEr kommt schon nochâ, schnaubte McLaggen und nickte sich bestĂ€tigend zu. âPotter hat mir eine Wiederholung versprochen.â
âDer allmĂ€chtige AuserwĂ€hlte hat auch Zeit fĂŒr ein zweites Quidditch-Auswahlspielâ, stichelte Draco amĂŒsiert, weil er von hier hinten sogar die Zornesröte McLaggens Nacken hochsteigen sehen konnte. âDas du auch wieder versauen wirst. Gegen Weasley verloren⊠Das hĂ€ngt dir ewig nach, McLaggen. Ehrlich gesagt wĂŒrde ich deinen Namen nicht mal kennen, wenn du nicht gegen Weasley verloren hĂ€ttestâ, sagte Draco mit extra Betonung auf McLaggens Hasswort Nummer eins. Nicht, dass Draco wĂŒsste ob das âverlorenâ oder âWeasleyâ war, aber er betonte einfach beides gleich stark. Er war ja fair.
âMalfoy, halt deine Klappe, oder ich stopfe sie dirâ, knurrte McLaggen, drehte sich aber immer noch nicht um, wahrscheinlich weil er fest davon ausging, dass die Windböe, die seinen Umhang aufwirbelte, ihn so cool aussehen lassen wĂŒrde.
âMit Doxy-Eiern?â, gluckste Draco und jetzt fuhr McLaggen doch herum, verhedderte sich dabei in seinem gerade aufbauschenden Umhang und knallte kurzerhand rĂŒcklings auf den Boden. Draco lieĂ ein schallendes Lachen heraus, dass im gesamten Quidditch-Stadion widerhallte und McLaggen fast so rot wie seine Robe werden lieĂ.
âEhrlich, McLaggen, du bist köstlich!â, presste Draco zusammen mit einigen Lachern hervor. âIch wĂŒnschte, ich hĂ€tte letztes Jahr von deiner Existenz gewusst, dann hĂ€tte ich dich im KrankenflĂŒgel besuchen können. Wer weiĂ, was da noch alles passiert wĂ€re! Du machst ja von ganz alleine fĂŒrchterlich amĂŒsante Dinge⊠wie gegen TĂŒrrahmen laufen und ââ
âHalt deine versnobte Fresse, Malfoy!â, brĂŒllte McLaggen wie der Löwe, der er war, und er fĂŒgte ein Knurren hinzu, das Draco leicht nach hinten weichen lieĂ. Aber er kannte Gryffindors ja. BrĂŒllende Löwen zerfleischten dich nicht.
âOh⊠jetzt hast du meine GefĂŒhle verletztâ, seufzte Draco und presste sich theatralisch eine Hand gegen die Brust. âDabei bin ich extra nur wegen dir hier heruntergekommen. Anscheinend bin ich ja der Einzige der an dich gedacht hat.â Ein Mischmasch aus Glucksen und Prusten entwich ihm, stimmte McLaggen aber ganz und gar nicht gnĂ€dig. Stattdessen sprang der Gryffindor wieder auf die Beine, schnellte auf Draco zu, der sich dermaĂen erschreckte, dass er nach hinten zurĂŒckwich und kurzerhand von seiner Sitzbank plumpste.
Hochrot werdend lauschte er dem grölenden Lachen und musste dann auch noch in ein sehr amĂŒsiertes Gesicht schauen, als er sich auf den Ellenbogen hochstemmte. Seine Beine lagen noch auf der Bank und McLaggen stand genau zwischen ihnen, nachdem er sich mit einem Schwung hochgezogen hatte. Sein Umhang flatterte wieder im Wind und er stemmte erneut die HĂ€nde in die HĂŒften in dem Glauben, das wĂŒrde nicht bescheuert aussehen.
âOh, haltâs Maul und hilf mir auf, McLaggenâ, presste Draco beschĂ€mt hervor und streckte die Hand aus.
âAch, kannst du das nicht alleine? Wie eine Schildkröte auf dem RĂŒckenâ, gluckste McLaggen. âWahrscheinlich kannst du morgens nicht mal alleine deine Krawatte binden.â
âDass du das nicht kannst seh ich tĂ€glichâ, schnaubte Draco. âJetzt hilf mir auf.â
âWas krieg ich dafĂŒr?â, versuchte McLaggen einen auf Slytherin zu machen.
âIch zeig dir den Windsorknoten?â, schlug Draco augenrollend vor.
âIch kann meine Krawatte bindenâ, schnaubte McLaggen.
âIch sagte bereits, dass du es nicht kannstâ, gab Draco genervt zurĂŒck. âUnd komm mir nicht so. Ich kann auch alleine aufstehenâŠâ Er wollte die Beine von der Bank schwingen, aber McLaggen packte ihn an den Knöcheln und presste seine Beine auf die Bank. âOh, du bist so ein Arschloch, McLaggen. Lass mich los. Das kostet dich Hauspunkte.â
McLaggen gluckste. âAls ob ich mich fĂŒr die Hauspunkte interessiere. Potter verliert sie eh alle und kriegt am Ende des Schuljahres wieder fĂŒnfhundert, weil er einen Wurm in der Toilette tötetâ, sagte er, setzte sich genau zwischen Dracos Beine und grinste ihn mit so einem widerwĂ€rtigen arroganten Gesichtsausdruck an, dass Draco ihn am liebsten angespuckt hĂ€tte.
âEs war ein Basilisk, du Vollidiot. Kriegst du eigentlich mal irgendwas mit oder strĂ€ubt sich dein Erbsenhirn dagegen?â, zischte Draco, einige erfolglose Versuche unternehmend seine Beine freizubekommen und vielleicht auch noch in McLaggens Fresse.
âIm Gegensatz zu dir bin ich nicht so Potter-obsessivâ, antwortete McLaggen grinsend.
Draco schnaubte entnervt auf. âJa, aber du wartest hier seit zwei Stunden auf ihn, nicht ich!â
âAch, und was machst du dann hier, Fangirl?â, provozierte McLaggen ihn, den Griff um Dracos Knöchel verstĂ€rkend und ihn an Ort und Stelle haltend.
âWie gesagt, ich bin deinetwegen hierâ, sagte Draco ohne groĂ zu ĂŒberlegen und durfte sich dafĂŒr noch so ein dĂ€mliches Grinsen antun.
âDann bist du mein Fangirl?â, gluckste McLaggen.
Draco verdrehte die Augen. âJa, ich hab ein Poster von dir im Schlafsaal hĂ€ngen. Deswegen weiĂ ich so genau, dass du deine Krawatte nicht vernĂŒnftig binden kannstâ, spottete er und dafĂŒr, dass er wehrlos am Boden lag, klang er noch sehr von sich selbst ĂŒberzeugt. Aber gut, McLaggen wĂŒrde ihn schon irgendwann gehen lassen. Es konnte ja nicht irgendwie ansatzweise toll sein mit diesem triumphierenden, machtbesessenen Blick ĂŒber einem hilflosen Slytherin zu thronen. Draco seufzte innerlich auf. McLaggen wĂŒrde ihn wohl so schnell nicht mehr gehen lassenâŠ
âIch wusste ja, dass du ein obsessiver Stalker bistâ, gluckste McLaggen.
âMerlin, es ist ja schön, dass du das Wort âobsessivâ kennst, aber Stalker sind generell obsessiv, also war das vollkommen ĂŒberflĂŒssigâ, haute Draco kalt raus, was McLaggen tatsĂ€chlich schmollen lieĂ. âOh, jetzt schmoll nicht und lass mich gehen!â Als McLaggen den Kopf schĂŒttelte streckte Draco den Arm aus und bekam die grĂ€ssliche Quidditch-Robe zu fassen. âDu lĂ€sst mich sofort gehen oder ââ
âOder dein Vater flĂŒchtet aus Askaban um mich dann darein zu werfen?â, fuhr McLaggen ihm dazwischen.
âWage es nicht auch nur ein Wort ĂŒber meinen Vater zu verlieren!â, schnauzte Draco und beförderte McLaggen mit einem krĂ€ftigen Ruck von der Bank, bereute das, weil der Kerl verdammt schwer war und mit voller Wucht auf ihm landete. Allerdings war er so perplex, dass Draco ihn auf den RĂŒcken rollen konnte und ihm seinen Zauberstab gegen die Kehle drĂŒckte.
âDein Vater sieht aus wie deine Mutterâ, sagte McLaggen eiskalt und mit einem Grinsen, dass Draco ihm am liebsten aus der arroganten Fresse geprĂŒgelt hĂ€tte.
âDu verdammterâŠâ Draco holte mit dem Zauberstab aus, was ein Fehler war, denn McLaggen packte seinen Arm, warf ihn herum und presste ihn auf den Boden. âOh, Mann! Lass mich los!â, schnauzte Draco, strampelte wild mit den Beinen und versuchte in Richtung seines Zauberstabes zu rutschen, der ihm aus der Hand gefallen und unter die Bank gerollt war.
âWas, Malfoy?â McLaggen packte ihn am Kragen und zog ihn etwas höher, lehnte sich gleichzeitig vor, sodass Draco den Kopf zur Seite drehen musste, damit McLaggens Nase ihm nicht ein Auge ausstach. âDenkst du hier hört dich irgendjemand schreien, wenn ich dir die Eingeweide rausreiĂe?â
âUnd was willst du mit denen dann tun? Sie fressen? So wie du die Nierenpastete beim Mittagessen in dich reinstopfst?â, gab Draco zischend zurĂŒck, die Augen zu schmalen Schlitzen verengend und trotzdem auf McLaggens fixiert. So dunkel, so braun, so⊠âArgh, geh runter von mir, du verdammter Bastard!â Draco versuchte wie wild sich freizustrampeln, bevor er Cormacs Augen noch toll zu finden begann. Moment. Er wĂŒrde auch schön bei McLaggen bleiben, sonst bildete der sich noch ein, dass die ganze Schule seinen Vornamen kannte.
âDu⊠Malfoy, hör⊠auf!â Mit einem krĂ€ftigen Ruck rammte Cormac Dracos Schultern wieder auf den Boden und so nah wie seine Lippen waren, war Draco der Vorname scheiĂegal. âHör⊠damit lieber auch aufâ, presste Cormac ziemlich verwirrt hervor, als Draco sich vorlehnte, die HĂ€nde in der so perfekt sitzenden Quidditch-Robe vergrabend.
âWusstest du, dass Magenta niemanden so gut steht wie dir?â, hauchte Draco und bekam dafĂŒr dieses wunderbar arrogante Grinsen zu sehen.
âJaah, seh ich auch so. Es passt zu meinen Haarenâ, sagte Cormac nickend, lieĂ sich jetzt sogar ohne viel Widerstand nĂ€herziehen. Draco spĂŒrte schon fast Cormacs hinreiĂendes LĂ€cheln auf seinen Lippen, als sich jemand neben ihnen rĂ€usperte. Etwas enttĂ€uscht musste Draco seinen Traum-Gryffindor gehen lassen, der seine faszinierende Augen an jemand anderen verschenkte und Dracos Herz so erkalten lieĂ.
âStör ich, McLaggen?â
Draco drehte den Kopf und starrte geschockt Potter an, der etwas rosa um die Nase seine Brille richtete. âAch, duâŠâ Draco schaute zurĂŒck zu McLaggen, der ihn ebenfalls anschaute, und schubste ihn quiekend von sich herunter. Blitzschnell richtete er sich auf, dankbar dafĂŒr, dass Cormac so viel gröĂer war als er, weil er ihn jetzt als Versteck benutzen konnte, um Potters Blick nicht ausgesetzt zu sein.
âDu bist viel zu spĂ€t, Potter!â, schnaubte Cormac, als hĂ€tte er alle Schmetterlinge auf Draco alleine abgeschoben. âIch warte schon ewig!â
âAnscheinend hast du dich ja gut beschĂ€ftigtâ, gluckste Potter, bevor er sich rĂ€usperte. âĂh, ja⊠Also⊠unter den UmstĂ€nden sag ich dir lieber gleich ab.â
âWas?!â, blaffte Cormac. âUnter welchen UmstĂ€nden?! HĂ€?â Oh, so verzweifelt klingend weckte er in Draco das BedĂŒrfnis ihm auf die Schulter zu klopfen. Eine sehr schöne, breite Schulter. Draco stieĂ ein leises Seufzen aus, was Potter wohl zum Lachen brachte. Aber gut, der hatte auch von nichts irgendeine Ahnung.
âĂhm, weiĂt du, wir mĂŒssen uns die Duschen teilen und da wollen wir lieber niemanden⊠der, Ă€hm⊠so jemanden ebenâ, bewies Potter, dass er ein total intoleranter Bastard war. âAuĂerdem ist Ron HĂŒter und dabei bleibt es. Lass dich von Malfoy trösten.â
Ja, das war eine gute Idee. Draco lĂ€chelte, als Cormac sich umdrehte, aber der schien das gar nicht gut zu finden. Von diesem Anblick drehten Dracos Eingeweide sich und er wollte schon wieder seufzen â diesmal aber eher deprimiert.
âIch bin nicht so einer, Potterâ, rechtfertigte Cormac sich und fuhr wieder herum. âJetzt weiĂ ich, was hier lĂ€uft! Du hast Malfoy auf mich angesetzt, damit du deinem Freund den Platz im Team geben kannst!â
âWas?!â Potter hob abwehrend die HĂ€nde. âPack deine Arroganz wieder ein, McLaggen. Es ist auch nicht so, als wĂ€re Malfoy schwer zu bekommen.â
âHeyâŠâ Draco verschrĂ€nkte schnaubend die Arme vor der Brust.
âDu musst es ja wissenâ, sagte Cormac eingeschnappt.
âHey!â Draco schĂŒttelte unglĂ€ubig den Kopf. âGryffindorsâŠâ
âĂh, wie auch immer.â Abwehrend die HĂ€nde hebend machte Potter ein paar Schritte zurĂŒck. Anscheinend verabschiedete sein Mut sich nĂ€mlich bei Cormacs Blick. Konnte man ansatzweise nachvollziehen⊠âDer Platz ist besetzt und der einzige Grund fĂŒr diese⊠Pseudo-Veranstaltung war, dass du dann hoffentlich endlich deine Klappe hĂ€ltst, McLaggen! Lass sie doch Malfoy stopfen.â
âPotter, jetzt komm runter von deinem hohen Rossâ, fauchte Draco, Cormac zur Seite schubsend. âWir sind umgefallen. Nichts weiter. Als ob ich einen dĂ€mlichen Gryffindor auch nur in die NĂ€he meiner Hose lassen wĂŒrde.â
âHaha.â Mit diesem sehr gekĂŒnstelten Lachen drehte Cormac sich um und blickte finster auf Draco herab. âEben sah es aber so aus, als wĂŒrdest du mich sehr gerne ââ Draco presste ihm eine Hand auf den Mund.
âMcLaggen, verdammt! Bild dir nichts darauf ein, dass du zu blöd bist dein Gleichgewicht zu halten!â Oh, bitte, bild dir nichts auf diesen bescheuerten Satz ein⊠Draco widerstand der Versuchung sich an Cormac zu klammern und sich bis auf die Knochen zu blamieren. Obwohl⊠eigentlich hatte er seine WĂŒrde ja schon verloren. Warum also nicht. Nein, er wĂŒrde nicht. Niemals.
âDu hast mich runtergezogen, Malfoy! Du wolltest mich kĂŒssen!â, gab Cormac zurĂŒck. Potter fĂŒhlte sich unbeobachtet und stahl sich klammheimlich davon. Jedenfalls hĂ€tte er das gekonnt, wenn Draco ihn nicht hassen wĂŒrde.
âPotter will sich verziehenâ, sagte er eiskalt und beobachtete, wie der Traum seiner zukĂŒnftigen NĂ€chte sich auf den AbsĂ€tzen umdrehte, damit er dem dĂ€mlichen Potter hinterher schweben konnte. Draco seufzte schwer auf und hob ungesehen eine Hand zum Abschied. âLeb wohl, CormacâŠâ
Das hatte er wohl etwas zu laut ausgesprochen, denn Cormac drehte sich noch einmal um, starrte Draco einen Moment an und hastete dann auf ihn zu. Seine HĂ€nde steckten noch in den HĂŒter-Handschuhen, als sie Dracos Gesicht umfassten und nĂ€herzogen, damit Cormac ihn kĂŒssen konnte. Einfach so. Draco war zu ĂŒberrascht und die BerĂŒhrung zu kurz, um sie zu erwidern.
âBleiben wir bei âauf Wiedersehenââ, sagte er und stupste Draco gegen die Nase, bevor er breit grinste. âIch weiĂ, dass du es willst. Das war nur ein Vorgeschmack.â
âDu bist so eingebildetâ, presste Draco schwer atmend hervor und errötete zum GlĂŒck erst, als Cormac sich wieder daran machte Potter zu verfolgen. Oh, aber Draco hatte diese ungewöhnlich groĂe Arroganz wirklich schwer getroffen und davon wĂŒrde er sich so schnell nicht mehr erholenâŠ
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