
von RoseWeasly
Ich löste meinen Griff um seinen Hals, während er sich kurz räusperte. Sie zog uns mit ihrem vorwurfsvollen Blick praktisch aus.
Warum muss ausgerecht DIE JETZT hereinplatzen?
Jenny reagierte ziemlich kühl und meinte nur an Andy gewandt: „Andy, wir müssen reden. Auf der Stelle. Es ist dringend.“
So einfach, beherrschend in einem Befehlston gesagt. Er wird doch jetzt nicht auf sie hören, oder? Was will sie eigentlich. Warum bildet sie sich ein, Andy irgendetwas vorschreiben zu können?
Andy biss sich auf die Unterlippe und schien verzweifelt zu überlegen. „Andy, du gehst jetzt doch nicht?“, fragte ich ihn leise. Kurz darauf stand er wortlos auf und ging mit Jenny hinauf zum Jungenschlafsaal und ließ mich alleine sitzen.
Die Schmetterlinge verpufften, mein ganzes Blut floss schlagartig aus meinem Kopf, ich starrte nur an die Stelle, an der er gesessen war, bis sich meine Augen mit Tränen füllten.
Warum hat er auf sie gehört? Warum ist er mitgegangen? Wieso lässt er mich hier alleine?
Ein Gefühl, das ich seit einigen Wochen nicht mehr verspürt hatte, kam ich mir hoch, das Gefühl ein Außenseiter zu sein. Heiße Tränen liefen mir herunter und tropften auf meinen Umhang. Einige Erstklässler kamen durch das Loch in den Gemeinschaftsraum. Durch den kalten Luftstoß bekam ich eine Gänsehaut auf den Armen.
Mir schien, als ob mein Traum zerplatz wäre. Doch ich durfte es keinem zeigen, keine Anzeichen von Schwäche zugeben, das würde Jenny nur ausnutzen.
Hélène, beruhig dich. Tu so als wäre nichts gewesen.
Ich wischte mir kurzerhand die Reste meiner Tränen aus dem Gesicht und erhob mich dann langsam. Gefühllos begab ich mich in den Mädchenschlafsaal und warf mich auf mein Bett. Auf einmal kam die Müdigkeit über mich. Mein ganzer Körper fühlte sich schlapp, mir fielen die Augen zu und ich fiel in einen leichten unruhigen Schlaf.
Ich taumle allein durch einen dunklen endlosen Korridor. Etwas bedrückt mich. Ich suche etwas, kann es aber nicht finden. Ich höre eine Stimme hinter mir, die nach mir ruft: „Hélène, was machst du da? Wo läufst du hin. Bleib stehen!“ Ich will nicht stehen bleiben und stolpere immer weiter. Mein Kopf ist voller Nebel, trotzdem wird die Stimme immer deutlicher, sie kommt näher. Plötzlich legt sich eine Hand auf meine Schulter.
Augenblicklich erwache ich schweratmend aus meinen Traum, Alice` Hand auf meiner Schulter. Ihre Stimme beruhigte mich: „Hélène, wieso schläfst du jetzt? Ich kann nicht glauben, dass du so fertig bist. Wir haben in zehn Minuten wieder Unterricht.“
Ich blinzelte verwirrt. Lily und Alice wussten beide, dass irgendetwas nicht stimmte. „Sweetie, alles klar mit dir?“
Ich nickte nur. Ich wollte es jenem Augeblick ihnen nicht erzählen, ich konnte auch nicht. Es lag an Beauxbatons, wo ich keine Freunde hatte, und nicht gewohnt war irgendetwas jemanden zu erzählen, geschweige denn meine Probleme.
Die beiden glaubten mir und wir gingen in den Kerker. Wie würde ich reagieren, wenn ich Andy sah und warum hatte er nach mir gefragt?
Ich ließ mich auf einen Stuhl sacken und sah Lily beim Zutatenauspacken zu. Die ganze Stunde arbeitete ich so gut wie gar nicht, sondern schaute Lily beim Schnippeln und Rühren zu.
Zum Glück belegt Andy nicht diesen Kurs. Ich glaube ich lasse mich für Verteidigung gegen die dunklen Künste krank schreiben, dann muss ich ihm nicht begegnen.
Gedacht, getan. Die nächste Stunde verbrachte ich also im Mädchenschlafsaal. Eine kurze Zeit lang spielte ich mit dem Gedanken, mich mit Alkohol ein bisschen aufzuheitern, verwarf den Gedanken aber schnell, schließlich hatte ich noch Astronomie.
Ich schwänze eine ganze Stunde nur wegen einem Jungen oder eher einem Mann. Was ist los mir dir? Bist du jetzt auch schon so eine Tussi wie die aus Beauxbatons?
Ich nutzte die Zeit um meinen Koffer komplett zu entleeren und meine Sachen in die Schränke einzuräumen. Zeitig ging ich dann zu Astronomie los und traf Lily und Alice im Turm. „Hey, geht's dir wieder besser?“
In der Stunde langweilte ich mich zu Tode, obwohl mich dieses Fach eigentlich interessierte, doch ich wurde ständig von lästigen Gedanken abgelenkt, kam dadurch nicht mit und verstand dann kaum die Hälfte des Unterrichtstoffes.
Wie schaffe ich es von Astronomie eine Freistunde zu verbringen, in die Große Halle zu kommen, dort zu essen und danach zurück zum Gemeinschaftsraum zu kommen ohne Andy über den Weg zu laufen?
Ich hoffte auf gut Glück. Den Weg bis zur Großen Halle meisterte ich hervorragend. Ich sichtete ihn als ich zur Tür hineinkam. Er saß recht weit drinnen. Entweder bemerkte er mich nicht, oder er ignorierte mich erfolgreich.
Es ist mir egal!
Ich versuchte es mir einzureden. Lily und Alice kamen zu mir und setzten sich. Ich fragte wie Pflege magischer Geschöpfe abgelaufen war. „Ich musste mit Potter in einer Gruppe arbeiten und irgendwelche Insekten für die nächste Stunde vorbereiten. Weißt du was das komische daran war? Ich fand ihn nett und fast nicht nervig.“
„Ähm, war das ironisch gemeint?“, fragte ich verwirrt. Lily hatte bei Themen wie Potter manchmal einen seltsamen Humor.
„Nein, es war nicht ironisch gemeint. Ich fand ihn wirklich okay. Er hat sich Mühe gegeben und wir waren sogar als erstes fertig.“
Den ganzen Freitagabend wurde ich Andy ignoriert, der bei Jenny, Matt und ein paar anderen saß und ich sich anscheinend köstlich amüsierte.
Was hat die Bitch mit ihm gemacht? Gibt es irgendwelche Gehirnwäschezauber? Also scheint morgen ins Wasser zu fallen.
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