
von niobe87
Und hier, wie versprochen, das letzte Bonuskapitel.
Kapitel 5 - Romantik oder Adrenalin?
Das ging ja schnell, dachte sich Draco, als er sah, wie Harry gemeinsam mit Ginny den Gemeinschaftsraum betrat.
Ein zaghaftes Lächeln wehte von Seiten Ginnys zu ihm hinüber, doch er überlegte zu lange, ob er es erwidern konnte, als das er es tat.
Harry flüsterte ihr irgendetwas ins Ohr, woraufhin sie nickte.
Mit einem kleinen Lächeln verabschiedete er sich von ihr und ging, direkt an Draco vorbei, hinauf in den Schlafsaal.
Draco musste ziemlich dämlich aussehen, denn Harry konnte ein Lachen am obersten Treppenabsatz, als er sich noch einmal umwandte, nicht unterdrücken und nickte Richtung Schlafsaal, was wohl bedeuten sollte, dass Draco ihm folgen sollte.
Er schüttelte den Kopf, um den Gesichtsausdruck, der für Harry anscheinend zum Totlachen war, loszuwerden und erhob sich langsam, um diesem hinterher zu gehen.
Auch wenn er in letzter Zeit häufiger im Gemeinschaftsraum der Löwen zu finden war, gab es noch immer von einigen Seiten zügellose und neugierige Blicke, wenn er sich innerhalb dieser Wände auch nur einen Zentimeter rührte.
Deswegen wunderte er sich im Moment auch nicht, dass nahezu halb Gryffindor auf seinen Arsch schaute, während er (extra) langsam die Treppen hinaufging.
Oben angekommen hatte er kaum Zeit die Tür zu schließen, als sein Mund auch schon von sanften Lippen eingefangen wurde.
Fast schon behutsam strichen Harrys Hände über seine Unterarme, zu seinen Schultern, über das blaue Hemd, das er trug, wobei er spürte, wie der Stoff zitternd Falten schlug.
Während Draco noch überlegte, seit wann Harry so vorsichtig und sachte küsste, fragte er sich nun, da sich dessen Hände auf seine Wangen legten und bedacht ein Stück näher an Harry zogen, was in Harry gefahren war, dass er selbst plötzlich wie eine Porzelanpuppe behandelt wurde.
Seine Lippen wurden so zart von Harrys umschlossen, dass ihm tatsächlich ein leiser Seufzer entfuhr.
Als Harry sich langsam von ihm löste und ihm einen glühenden Blick schenkte, biss Draco sich unbewusst auf die Lippen und sah ihn besorgt an.
„Was ist los?“, hauchte er, obwohl er nicht wusste, warum.
„Du hättest ein wenig netter zu Ginny sein können.“, schnurrte Harry mit einer nie gehörten Samtstimme. Es klang wie flüssige Seide.
„Ich hab zu lange überlegt.“, flüsterte Draco. Warum flüsterte er denn jetzt? Kurz räusperte er sich.
„Ihr ward schnell zurück.“, sagte er etwas lauter, aber immer noch zu leise, um seinen plötzlich beschleunigten Herzschlag zu übertönen.
Was war denn plötzlich mit ihm los? Sein Herz raste, in seinem Bauch kribbelte es, sein Atem ging seiner Meinung nach viel zu schnell und seine Stimme hatte irgendwo auf dem Weg einen gewaltigen Kratzer bekommen. Fehlte nur noch, dass er anfing zu zittern.
„Verdammt…“, fluchte er leise, als seine Knie etwas nachgaben, weil sich Harrys Hände mittlerweile ruhig über seinen Rücken stahlen.
Harrys Mundwinkel zuckten.
„Ja, wir haben alles schnell klären können. Es war gar nicht so schwer.“, sagte Harry und setzte dabei wieder diese Balsamstimme ein, so dass Draco nun zusätzlich auch noch eine Gänsehaut bekam.
„Ehm…was?“, fragte Draco, der den Faden verloren hatte.
„Ginny. Sie und ich, wir konnten diese ganze unangenehme Situation aus der Welt schaffen.“, antwortete Harry mit einem wissenden Lächeln. Dann beugte er sich nach vorn, um Dracos Hals ganz sachte mit seinen Lippen nachzufahren.
Unwillkürlich senkten sich Dracos Lider und er reckte den Kopf zur Decke, was Harry sofort ausnutzte und mit seinem Nasenrücken langsam über die entblößte Haut zu fahren, um unterhalb des Ohrläppchens federleichte Küsse zu verteilen.
Draco drifftete völlig weg.
Er wusste nicht, ob er immer wieder seufzen und keuchen sollte oder ob er sich vor Gänsehaut schütteln sollte.
Quälend langsam wurde ihm das Hemd aus der Hose gezogen und obwohl Harrys Fingerspitzen nur ganz zart über seine Haut strichen, hinterließen sie brennende Spuren aus Feuer, die letztendlich dafür sorgten, dass ihm eine Sicherung durchbrannte.
Er zog Harry grob zu sich und presste seine Lippen auf dessen, um den Kuss endlich zu vertiefen.
Schnell und gezielt wollte er ihm die Hose öffnen, doch seine Hände zitterten zu sehr, als das er den Knopf öffnen konnte. Also riss er lieber eine Weile an Harrys Pullover.
Doch viel hatte er davon nicht, denn Harry griff ein.
„Schluss jetzt!“, sagte er entschieden und schob ihn von sich.
Dann wandte er sich um und ging zum Fenster, um eine Weile hinauszusehen.
Reglos stand Draco an die Tür gelehnt, während sein Körper sich nur mühsam beruhigte. Zahllose Empfindungen strömten auf ihn ein, aber eine überlagerte alles.
Wut.
„Was zur…?“, brachte Draco nach einer Weile hervor, doch die Wut pumpte sich so sehr durch seinen gesamten Körper, dass seine Stimme davon erstickt wurde.
Mit schnellen Schritten ging er auf Harry zu und schob sich vor ihn.
„Sag mal, hast du sie noch alle?“, knurrte er bedrohlich. „Was sollte das denn? Erst anheizen und dann stehen lassen, oder was? Ist das eine neue Masche von dir? Willst du mich jetzt völlig in Rage bringen? Macht dich das an oder wie soll ich das verstehen?“
Seine Stimme wurde immer lauter und er konnte sie kaum kontrollieren und das Zittern, welches die ganze Zeit mitschwang, unterdrücken.
Harrys Blick, mit dem er ihn jetzt bedachte, war allerdings alles andere als streitlustig oder wütend. Er sah betrübt aus.
Genervt rollte Draco mit den Augen, war aber gleichzeitig beruhigt, dass er die nächsten Stunden nicht mit Anschreien, Schweigen und Türen schmeißen verbringen musste.
Er nahm Harrys Handgelenk und führte ihn zu seinem eigenen Bett, damit beide sich setzen konnten.
„Was ist los, Harry?“, fragte Draco, während er sanft über dessen Handgelenk streichelte.
„Ich denke…ich…ich will…also…“
„Hör auf zu stottern. Tief durchatmen und aussprechen. Du weißt, dass ich versuchen werde, es zu verstehen.“
„Also, wegen Ginny…“, setzte er an, doch weiter kam er nicht, denn sofort setzte die abgeflaute Wut wieder bei Draco ein und er sprang auf.
„Was? Was hat diese miese, kleine Schlange getan? Ich werf sie vom Astronomieturm.“, grollte er laut.
Er sah zu Harry und hörte einen kleinen, selten von Harry benutzten Laut.
Er kicherte.
„Wusste ich doch, dass du das nicht verstehen würdest.“, sagte dieser amüsiert.
Diesmal stöhnte Draco genervt.
„Nicht witzig.“, knurrte er bedrohlich und setzte sich wieder.
„Wieso fasst du nur so schwer Vertrauen zu anderen?“, fragte Harry resigniert.
„Hallo? Erziehung?“, sagte Draco. „Schon vergessen?“
„Ach ja…“, antwortete Harry und grinste.
„Also, erzählst du mir jetzt, was das eben sollte?“, startete Draco einen erneuten Versuch.
„Was genau meinst du denn?“
„Seid wann bist du so…erm…gefühlvoll?“
„Draco!?“, warnte Harry drohend. „Du kannst mir so Einiges vorwerfen. Aber nicht, dass ich nicht gefühlvoll wäre.“
„Okay, okay. Falscher Ausdruck. Warum hast du mich eben behandelt, als wäre ich so zerbrechlich wie eine Vase aus Glas?“
„Hm…wahrscheinlich, weil ich ab und zu auch mal Lust auf gefühlvolle Romantik habe.“
„Jetzt benutzt du aber den falschen Ausdruck, Harry.“
Jetzt war es an Harry genervt die Augen zu verdrehen.
„Aber woher kommt dieser Sinneswandel?“, fragte Draco irritiert.
„Wieso Sinneswandel? Ich war schon immer so.“
Draco lachte laut los. So laut, dass es ihm selbst in den Ohren klingelte. Er musste sich den Bauch halten, um nicht zu platzen.
Etwas, was Harry scheinbar in Rage brachte.
„Harry…Harry…Sekunde…ich habs gleich.“, sagte Draco und bemühte sich das Lachen aus seinem Gesicht zu verbannen. Eine Sache, die er nur schaffte, weil er sich schmerzhaft auf die Unterlippe biss.
„Tut mir Leid.“, sagte er etwas kleinlaut. „Aber du und Romantik?“
Eine kurze Pause trat ein.
„Nicht, dass es mich stört.“, warf Draco ein, damit Harry nicht dachte, er würde ihn absichtlich verletzen wollen. „Bitte denk das nicht. Ich liebe diese…diesen…dieses Ding, was wir hier durchziehen, keine Frage. Aber ich hatte bisher nicht den Eindruck, als würde es noch etwas anderes für dich geben, als den ultimativen Kick.“
Immer noch sprach Harry nicht. Er sah nicht verletzt aus, auch nicht enttäuscht oder wütend. Eher nachdenklich.
„Du hast mir eben einfach eine neue, liebenswürdige Facette von dir gezeigt.“, versuchte Draco Harry aus seinen Gedanken loszureißen.
„Du fandest es also gut?“, fragte der Gryffindor plötzlich und schien aus seinen Gedanken aufzutauchen.
„Natürlich. Das war…hm…Es gibt, glaube ich, kein Wort, dass es annähernd beschreiben würde. Mich würde, wie gesagt, nur das Warum interessieren.“
Harry zuckte mit den Schultern.
„Keine Ahnung. Ich glaube, ich brauche eine Pause von diesen ganzen Adrenalinstößen.“
„Du willst damit aufhören?“, fragte Draco überrascht.
„Natürlich nicht.“, protestierte Harry lautstark. „Ab und zu vielleicht, nur mal wir zwei, ohne Schüler oder Lehrer im Rücken, ohne den Riesenspion, nur wir zwei und ein riesiges Bett, ohne diesen Kick.“
„Du meinst mit Kerzen, Massageöl und Kuscheltieren.“
Harry warf ein Kissen nach ihm, woraufhin er sich wegduckte und lachte.
„Mensch, kitschiger geht es wohl nicht, oder?“, sagte Harry gequält.
„Das war ein Witz, Schatz. Natürlich können wir das bei Gelegenheit mal einrichten.“, sagte Draco nun etwas ernster. „Nur du und ich, ein riesiges Bett. Und dann zeige ich dir mal, wie du deinen Kick auch ohne Kick bekommen kannst.“
„Zeig es mir jetzt.“
Wieder war es flüssige Seide, die Draco entgegenkam.
Ohne groß nachzudenken setzte er sich in einer fließenden Bewegung auf Harrys Schoß.
„Na schön. Ich gebe dir gerne einen kleinen Vorgeschmack. Allerdings haben wir nicht viel Zeit. Wir haben heute auch noch Unterricht.“, sagte Draco leise.
Er nahm Harrys Gesicht in seine Hände und strich mit seinen Fingerspitzen ganz sanft über dessen Wangen.
Beide konnten den Blick nicht voneinander lösen.
Liebevoll und doch etwas berauscht von dieser knisternden Stimmung, die sie umgab, sah er in Harrys verdammt grüne Augen und ließ seine Hände an den Seiten seines Gesichts weiter hinab fahren.
Dann legte er sie an seinen Hals und drückte ihn vorsichtig, aber bestimmt näher zu sich heran, um seine Lippen ganz sanft auf seine zu legen und sie nur ganz leicht zu berühren.
Automatisch schloss er die Augen und ließ sich fallen, in eine Situation, die er so mit Harry noch nie erlebt hatte. Natürlich hatte er dabei die Zeit im Hinterkopf und er wusste, wenn sie heute nicht noch eine Strafarbeit bekommen wollten, dass sie sich bereits jetzt schon beeilen mussten.
Doch Harry sorgte dafür, dass es Draco etwas leichter viel, ihr Tun zu unterbrechen.
Er ergriff in sekundenschnelle Besitz von seinen Lippen, leckte gierig darüber und legte seine Hände fest um seinen Rücken, um Draco mit sich nach unten auf das Bett zu ziehen.
Verlangend küssten sie sich, bevor Draco sich löste.
"Schluss jetzt!", sagte er schneidend, wie zuvor Harry und stand auf.
"Hey!", protestierte Harry, doch Draco schnitt ihm das Wort ab.
"Jetzt siehst du, wie es mir vorhin ging."
Schmollend setzte Harry sich auf.
"Das ist nicht fair.", brummte er.
"Komm schon. Wir müssen los. McGonnagal wird uns noch viel schlimmer bestrafen, als Snape, wenn wir uns jetzt nicht beeilen."
Mit einem gefauchten "Na schön!", erhob Harry sich und ließ sich von Draco mitziehen.
Auf dem Weg zum Klassenzimmer für Verwandlung sprachen die beiden über das, was eben geschehen war.
"Draco?"
"Hm?"
"Also, das eben...das war..."
Harry wusste nicht, wie er es beschreiben sollte.
Es war so völlig anders und berauschender gewesen, als alles, was bisher getan hatten. Harry fühlte sich wie erschlagen von seiner eigenen Stimmung, dass er es fast nicht aushielt.
Er liebte den Kick, das war völlig klar. Er brauchte das Adrenalin, dass ihre kleinen Abenteuer mit sich brachten. Wenn sie sich durch die Kanäle von Hogwarts zappten oder jederzeit in einem Klassenzimmer erwischt werden könnten. Wenn sie sich in halsbrecherische Aktionen begaben oder wenn es gefährlich wurde.
Schon allein, als Harry in diesem Moment daran dachte, erregte es ihn ungemein.
Und dennoch, das heute war...Es war mindestens genauso berauschend wie ein richtiger Adrenalinkick gewesen. Nur ohne dieses ganze Drumherum.
Harry war sich durchaus im Klaren, dass ihn "Romantik" auf Dauer nicht befriedigen würde. Dazu brauchte er den Kick viel zu sehr. Und doch, glaubte er, wenn sie nicht bald mal ein wenig runterkamen, von ihrer ständigen Suche nach dem perfekten Abgang, dass er dann vor lauter Verzweiflung zusammenbrechen würde.
Es gab Zeiten, wie beispielsweise heute morgen, als seine Freunde mit im Gemeinschaftsraum waren, in denen er diese ganzen angestauten Gefühle, das Adrenalin und die Leidenschaft nicht mehr länger halten zu glauben konnte.
Er hatte Angst daran zu zerbrechen, Liebe, Wut, Verzweiflung, Erregung und Sinnlichkeit immer wieder neu mit Adrenalin zu mischen und es einfach so hinzunehmen.
"Wie ich bereits sagte, ", holte Draco ihn plötzlich aus seinen Gedanken, "es gibt kaum ein Wort, dass es beschreiben könnte. Es war einfach schön. Mal was Anderes."
Harry nickte.
"Ich hab Angst, Draco.", sprach er aus, was in seinem Kopf derzeit vorging.
Draco stoppte und sah ihn ungläubig und besorgt an. Er fasste um sein Handgelenk und zwang Harry somit stehen zu bleiben.
"Wovor?", fragte er.
"Davor, irgendwann an unserer Adrenalinhascherei kaputt zu gehen."
"Adrenalinhascherei?" Dracos Mundwinkel zuckten und Harry war dankbar, dass Draco sich soweit unter Kontrolle hatte, dass er jetzt nicht loslachte.
"Ich meine, dass mich das Alles irgendwann überrennt und ich ganz tief fallen werde, wenn wir so weiter machen."
Daraufhin schwiegen beide.
Harry wusste, dass Draco nun dachte, dass er jetzt vielleicht alles aufgeben wollte, was sie taten.
"Wenn du keine Lust mehr hast...", setzte der Slytherin bedrückt an und bestätigte Harrys Gedanken, also unterbrach er ihn schnell.
"Natürlich habe ich Lust. Hör auf, zu denken, dass ich das hier aufgebe. Ich will nur wissen, ob du mich immer noch genauso sehr liebst, wenn ich mal zusammenbreche."
"Was ist das denn für eine bescheuerte Frage?", antwortete Draco daraufhin einigermaßen beruhigt und nahm Harrys Gesicht in seine Hände. "Ich werde dich immer lieben, egal, was ist. Und wenn du fällst, dann fange ich dich auf."
Kurz sahen sie sich noch in die Augen, bevor sie in einen langen, gefühlvollen Kuss verfielen und Harry wusste, dass dies allein genügte, um Draco zu danken.
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