Umbrella Company - Status Quo
von Chuck
Chap 6
›Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.‹
Konfuzius
Die Zeit. Verlief viel zu langsam Albus’ Meinung nach. Wie bei einer Sanduhr rieselten die Minuten an ihm vorbei und nach einigen Jahren wunderte er sich, wie sich da so viel ansammeln konnte. Und dann gab es wieder diese Sekunden, die einem wie Ewigkeiten vorkommen, nur langsam vorwärts krochen und kein Ende zu nehmen schienen.
Interesselos bewegte er die Feder auf dem Papier auf und ab und füllte langsam Zeile um Zeile mit seiner unlesbaren Handschrift. Eine Reihe vor ihm, noch viel begeisterter, schnarchte Scorpius leise und friedlich in seinen Ärmel, die Stunde also viel sinnvoller nutzte als sein Zimmergenosse. Die nicht gerade wenigen Hufflepuffs, die mit den Gryffindors in Geschichte der Zauberei unterrichtet wurden, schienen sogar noch weniger interessiert zu sein und sendeten kleine Papiervögel mit Nachrichten durch die Klasse. Als dieselbe gelbe Amsel zum inzwischen fünften Mal vor Albus landete, beschloss er aufzugeben im Unterricht aufzupassen und öffnete die Nachricht, auf welche er hastig eine Antwort kritzelte, da im selben Moment die anderen entdeckt zu haben schienen, dass er nun erreichbar war und massenhaft Briefe zu ihm zu schickten. Hauptsächlich belangloses Gefasel, wie sollte es auch anders sein. “Gehen wir nachher zum See?” “Hast du nachher schon was vor?” “Willst du später was mit mir machen?” In einer gewissen Weise war er froh, dass ihn gleich so viele Mädchen fragten, so musste er mit keiner allein gehen und schickte einigen Freunden Zusagen ab, lehnte die anderen mit Hoffnung die Zahl der kommenden Leute zu verringern ab, ahnte allerdings, dass sowieso alle kommen würden.
Sein Kopf schwirrte, als sie schon kurz darauf in den freien Nachmittag entlassen wurden und er mit “Bis später” Rufen bombardiert wurde. Scorpius war inzwischen aufgewacht und packte seine Sachen zusammen, als Albus inzwischen bei der Tür und auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum war, in welchem er eine kurze Pause einlegte, da Rose auch mitkommen wollte. Langes Warten, kein Unterschied zu sehen und sie trat lächelnd aus dem Badezimmer und schnappte sich ihren Minimuff, auf dass sie sich endlich auf den Weg machen konnten.
Unterwegs gab Albus ein leicht spöttisches Hüsteln von sich, mit einem Blick auf das gepunktete Halstuch.
“Was ist?”, fragte seine Cousine mit zusammengekniffenen Augen und leicht genervtem Blick.
“Nichts… Mit diesem konservativem Look erinnerst du mich immer so an Hermine.”
“Stimmt ja gar nicht!” Aufgebraust stürmte sie aus dem Schloss, die Wiese hinunter und Albus rannte ihr lächelnd hinterher und strauchelte kurz, als er die Menge sah, die sich inzwischen am See angesammelt hatte und laut lachend entweder stand, neben- oder über mehrere Personen liegend verteilt war.
Rose, die einige Schritte rückwärts gemacht hatte, gab einen geschlagenen Laut von sich, bevor sie die Arme vor der Brust verschränkte. “Jetzt sind DIE auch schon wieder da. Der Typ stalkt mich ja richtig. Und ist das etwa James?” Albus folgte ihrem Blick zu drei kleinen Gestalten ein gutes Stück abwärts der Versammlung. Scorpius hielt seine Beine lachend ins Wasser und versuchte sich gegen den langen Arm des Kraken zu wehren, als er in seiner Spielerei mit diesem innehielt, um ihnen zu winken. Violet hatte sich einige Meter weiter mit einigen Büchern ausgebreitet und von der Ferne sah es aus, als würde sie mit der Person neben ihr… reden. “Das ist nicht James”, stellte er fest und ging mit einem aufgesetzten Grinsen zu seinen anderen Mitschülern, die ihn fröhlich empfingen und in Gespräche einzuwickeln versuchten.
“Willst du nicht sehen ob alles passt?”, fragte Rose leicht nervös und zupfte an seinem Ärmel.
“Was sollte nicht passen?” Gelassen schob er ihre Hand von sich und setze sich neben Stacy, die es sich mit zwei anderen Hufflepuffs in der Wiese bequem gemacht hatte.
“Heute beim Mittagessen hat ihr James seltsame Blicke zugeworfen und gestern hab ich sie nur einmal kurz beim Abendessen gesehen, mit einem blauen Auge und das, was man von ihren Armen gesehen hat, übersät mit Wunden.”
“Das wundert mich nicht wirklich, da wir vor zwei Tagen in eine Schlägerei verwickelt waren, in der keiner unversehrt davongekommen ist. Außerdem kannst du es wohl niemanden verübeln jemanden anzusehen, der so zugerichtet herumrennt. Wann kommt denn endlich die neue Heilerin?”, fragte er in die Runde.
“Redet ihr von dieser seltsamen Neuen? Wie heißt sie noch gleich?” Stacy beachtete Albus nicht großartig, sondern gab ihm nur einen flüchtigen Kuss und lehnte sich zu Rose, die hastig zu reden anfing.
“Violet Ballantyne. Ehrlich, sie hat noch nie ein Wort mit mir geredet, ich sag euch-”
“Ja mir ist auch aufgefallen, dass sie nicht ganz normal ist. Was war denn eigentlich vor zwei Tagen, Albus?”, unterbrach Stacy die Braunhaarige und wandte sich nun ihrem Freund zu, der nun ein wenig bleich im Gesicht und einem wackeligen Lächeln nach einer Ausrede suchte.
“Nun… Ich war auf dem Rückweg zum Schloss und hab gesehen wie Violet und Malfoy an ein paar Slytherins geraten sind. Da hab ich ihnen geholfen und ja… so hat das geendet.” Er deutete mit einer umfassenden Geste an sich herab und Stacy schmiss sich ihm zugleich mit einem schmachtendem “OH” um den Hals und bedeckte seine Wange mit Küssen, bis er sie ein wenig fortschob. “Ich sage mal lieber den anderen Hallo. Bis später!”
Hastig stand Albus auf und ging im Eilschritt zu Scorpius, der inzwischen alleine am See saß und durch ein Buch mit feinen Zeichnungen von Pflanzen blätterte.
“Wo ist Lila und wer war vorhin bei euch?”, fragte er und setzte sich neben ihn.
“Mir geht’s auch gut, danke der Nachfrage, und dir?”
“Fabelhaft. Also?”
“Als sie dich gesehen hat, ist sie mit Professor Talan hineingegangen. Der wollte sowieso schnell wieder weg, als die ganzen Schüler angerückt sind.”
“Talan? Ihr habt doch kein Arithmantik belegt. Woher kennt ihr ihn?”
“LILA hat ihn gestern getroffen. Hat ihr geholfen den Weg zur Großen Halle zu finden. Sie scheinen sich ganz gut zu verstehen, im Gegensatz zu James zumindest.”
“James? Potter?”
“Hm, ja. Nach ihrem gemeinsamen Ausflug gestern scheint sie ihn noch weniger leiden zu können als es ohnehin schon der Fall war. Scheint, als ob sie keinen von euch mehr leiden könnte.” Scorpius warf ihm einen bedeutungsvollen und nicht wenig vorwurfsvollen Blick zu. “Hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber du bist ein ziemliches Arschloch. Hin und wieder zumindest.”
Zerknirscht fuhr sich Albus durchs Haar. “Also so neu ist das nun auch nicht. Und was hat sie denn auch erwartet? Dass ich mich vor versammelter Mannschaft zum Affen mache? Und was für ein Ausflug?”
Scorpius zuckte nur kurz mit den Achseln. “Hat nicht viel erzählt. James hat sie anscheinend in irgendeinen Geheimgang gezerrt und dort sind sie aneinander geraten. Frag sie doch selber. Vielleicht redet sie noch mit dir.”
“Vielen Dank auch.” Mit zusammengebissenen Zähnen drehte sich Albus um und sah James, der sich gemeinsam mit Louis gerade zu der großen Gruppe gesellte. War ja klar, dass die beiden früher oder später auftauchen würden, vor allem, da keiner von ihnen im Moment eine Freundin hatte. Nicht, dass einer der beiden je eine langfristige Beziehung geführt hätte oder danach suchen würde. Jedes Mal aufs neue staunte Albus über die Mädchen, die nach einigen Tagen, hin und wieder auch mal Wochen, in Tränen ausbrachen, als könnten sie nicht fassen, dass ihnen dasselbe wie allen anderen davor angetan wurde. Sitzen gelassen oder betrogen zu werden, verspottet und danach genauso naiv wie vorher, wenn sie was mit dem nächsten Arschloch anfingen. Albus musste ehrlich sagen, obwohl er nicht mit der Lebensweise seines Bruders einverstanden war, dass er hin und wieder doch gern die nicht gänzlich unlustigen Szenen beobachtete. Da er im Moment sowieso nichts gegen die sinnlosen Spielereien von James mit Lila machen konnte, nicht vor versammelter Mannschaft, beschloss er sich einen ruhigen Nachmittag am See zu gönnen und schlenderte langsam wieder zu Rose, Stacy und den anderen zurück.
Die restliche Zeit war nichts zum Erzählen, eine Reihe langweiliger Aktionen, die kurzzeitiges Gelächter hervorriefen und ohne jeglichen Sinn waren, sprich, ein Tag wie jeder andere. Nach dem Abendessen verzog sich Albus schneller als ein Billywig auf Speed auf sein Dach durch den Raum der Wünsche und starrte über die Atmen beraubende Landschaft, die das Schloss umgab.
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