
„Was hattet ihr denn so interessantes zu besprechen?“ fragte Barty und sah misstrauisch zwischen Dr. Robinson und Hermine hin und her.
„Frauengespräche.“ sagte Robinson und deutete Barty an sich setzen.
Zögernd folgte er der Aufforderung und setze sich neben Hermine.
„Nein ernsthaft. Wir haben von Ihnen gesprochen Bartemius und darüber wie sie sich bisher in ihrem neuen Leben eingelebt haben und, dass das alles nicht leicht für Sie sein muss.“
Barty nickte müde und sagte: „Ist es auch nicht. Jeder will irgendetwas anderes von mir.“ Er sah scheu zu Hermine und dann zu Boden.
„Damit muss ich wahrscheinlich leben.“ sagte er leise und Hermine tat es mehr als weh, den traurigen Tonfall in seiner Stimme zu hören.
„In erster Linie ist wichtig was Sie für sich wollen Bartemius. Vergessen sie einmal die Wünsche der anderen. Ihr Leben ist nicht dafür da, es allen Recht zu machen.“
„Das ist leichter gesagt als getan.“ sagte er etwas mürrisch.
Hermine strich beruhigend über seinen Arm und sagte: „Ich weiß, dass es für dich schwer ist aber, ich habe mit Dr. Robinson eben ausführlich darüber gesprochen und...es stimmt, ich erwarte viel zu viel von dir. Ich mache mir doch nur Sorgen um dich. Ich habe einfach Angst, dass du etwas dummes tun könntest und dann ins Gefängnis kommst und ich dich verliere. Ich könnte es nicht ertragen dich zu verlieren.“ sagte sie aufgewühlt.
Er zog sie fest in seine Arme und sah sie schuldbewusst an. Er wollte nicht, dass sie sich solche Sorgen machte. Zärtlich küsste er ihre Stirn und sagte: „Ich würde nie etwas tun, dass dazu führen könnte, dass wir getrennt werden.“ sagte er bestimmt.
„Und was war mit deiner Waldläufer Tour vor ein paar Wochen?“ fragte Hermine.
„Das war eine Ausnahme. Ich pass schon auf mich auf, versprochen.“
Sie hielten sich in den Armen und Anne Robinson merkte, wie sich ein seliges Lächeln auf ihrem Gesicht breitmachte. Es war schön zu sehen, dass es Menschen gab, die sich so aufrichtig liebten wie die beiden vor ihr.
„Sehen sie, dass ist genau der Grund warum ich sie beide hier haben wollte. Ich kann Bartemius erst dann richtig helfen, wenn privat bei ihm alles stimmt. Und wenn Sie beide gegenseitiges Verständnis füreinander haben. Das ist im Moment das Wichtigste. Sie beide müssen ehrlich zueinander sein.“
Etwas pikiert sahen Barty und Hermine sie an.
„Wir sind ehrlich zueinander.“ sagten sie beide gleichzeitig.
Dr. Robinson nickte und nahm sich einen Stift zur Hand.
„Ich meine nicht nur das was Sie sich sagen, sondern auch das was sie beide lieber nicht erwähnen. Da gibt es zum Beispiel Bartemius´ Tagebuch was er ihnen gegeben hat. Hermine, sie haben mir selbst gesagt, dass Sie noch nicht darin gelesen haben. Und Bartemius weiß das. Nur kennt er den Grund dafür nicht und denkt, dass es Sie nicht sonderlich interessiert.“
Schockiert sah Hermine erst Dr. Robinson und dann Barty an.
„Das denkst du nicht wirklich? Wie kommst du denn auf diese Idee? Es stimmt ich habe noch nicht darin gelesen aber nur weil...weil....“
„Weil was?“ fragte er plötzlich gereizt. „Du bist der einzige Mensch, dem ich jemals dieses Buch anvertraut habe. Da steht alles über mich drin. Von Anfang an. Ich gab es dir als ich dachte, dass ich sterben würde damit du mich besser kennen lernst und nicht nur den Killer in mir siehst. Ich habe verstanden, dass du nicht gleich nach meinem vorgetäuschten Tod darin lesen konntest. Aber inzwischen ist das fast ein Jahr her und du hast noch nicht einen Blick hinein geworfen. Ich meine....ich gebe mit diesem Buch alles von mir Preis und du? Du interessierst dich nicht dafür.“ Seine Stimme war immer trauriger geworden und Hermine wurde erst jetzt bewusst, dass er es die ganze Zeit über registriert hatte aber falsche Schlussfolgerungen gezogen hatte.
„Es interessiert mich.“ widersprach sie ihm.
„Es ist nur so, dass ich Angst vor dem habe, was ich da lesen werde. Ich weiß nicht ob ich verkraften kann zu lesen, wie du Menschen gefoltert hast, sie getötet hast und weiß Gott sonst noch getan hast. Ich liebe dich Bartemius aber ich liebe den Mann der du jetzt bist. Nicht den Mörder der für Voldemort alles getan hätte.“ sagte sie verzweifelt.
Aufgeregt sprang Barty auf.
„Aber ich bin dieser Mann. Er ist ein Teil von mir. Du kannst uns nicht voneinander trennen. Wenn du den Mörder nicht willst, kannst du auch nicht den Teil haben den du liebst. Es ist ein und dieselbe Person. Abgesehen davon, was glaubst du eigentlich was in diesem Buch drin steht? Alphabetisch geordnete Foltermethoden? Wofür hältst du mich eigentlich? Für einen Perversen, der haarklein aufschreibt wie er seine Opfer zurichtet, und sich dann hinterher darauf einen runterholt? Ich war sechs oder sieben als ich angefangen hatte Tagebuch zuführen.“
Bartemius war inzwischen aufgesprungen und stürmte verärgert durch den Raum, bis er schließlich wieder an seinem Fensterplatz stehen blieb und nach draußen sah.
Hermine hatte das dringende Bedürfnis sich erklären zu wollen und war gerade dabei aufzustehen als Dr. Robinson sie davon abhielt.
„Du weißt, dass ich nicht so über dich denke. Aber ich weiß was du für ein Mensch warst. Und es fällt mir nun mal schwer damit umzugehen. Aber das ändert nichts an meinen Gefühlen für dich.“ sagte sie verzweifelt.
Barty nickte nur etwas bockig, was Hermine von ihm aber schon gewöhnt war und was ihr sagte, dass er sich wieder einkriegen würde.
„Sie konnten mit sechs Jahren schon schreiben?“ fragte Dr. Robinson verwundert.
Bartemius lächelte bitter.
„Mein Vater war in solchen Dingen sehr...nennen wir es mal “eigen“. Er wollte einen kleinen Vorzeigesohn, der besser war als alle anderen Kinder.“
Er schüttelte den Kopf und schnaubte wütend.
„Eigentlich wollte er überhaupt kein Kind aber....na ja, er hatte halt das große Pech doch eins zu bekommen. Aber dafür musste es ihm dann wenigstens Ansehen und Bewunderung einbringen. Ich musste immer überall der Beste sein. Auf der anderen Seite, durfte ich nicht besser sein als er. Ich durfte nur seine Meinung haben, musste alles gut finden was er für mich plante, die Freunde haben, die er für mich als richtig empfand. Wenn er mich anderen Leuten vorstellte und ihnen erzählte was sein toller Sohn alles konnte, dann wollte er, dass die Leute auf ihn stolz waren und nicht auf mich. Ich war immer nur dazu da, sein Selbstwertgefühl aufzubessern. Er wollte keinen Sohn, er wollte eine Kopie von sich selbst. Welcher Vater nennt seinen Sohn, wie sich selbst und hängt nur ein “jr.“ ran? Das sagt doch schon alles oder?“
Barty war so verärgert, dass er überhaupt nicht mitbekam, wie viel er von sich preisgab.
Und weder Hermine noch Dr. Robinson dachten im Traum daran ihn zu unterbrechen.
„Mein Gott wie ich diesen Mann hasse. Er ist tot und ich hasse ihn noch immer. Er hat mich nie wirklich als sein Kind betrachtet. Ich war ihm völlig egal. Er hat mich nach Askaban geschickt. Welcher Vater tut so etwas? Wer schickt sein Kind in diese Hölle? Ich hatte ihn angefleht es nicht zu tun? Nur einmal in meinem Leben habe ich ihn um etwas gebeten. Er wusste nicht ob ich schuldig war oder nicht. Und selbst wenn er es gewusst hätte....Jeder würde sein Kind beschützen, ganz egal was es getan hat. Aber ihm war sein Ruf viel zu wichtig! Selbst wenn er gewusst hätte, dass ich unschuldig wäre, hätte er mich in diese Hölle geschickt. Nur damit ihm keiner nachsagen könnte, dass er mich bevorzugt hätte. Das muss man sich mal vorstellen, sein eigenes Kind nach Askaban zu schicken. Haben sie schon mal von Askaban gehört Dr. Robinson?“ fragte er plötzlich und sah sie herausfordernd an.
„Nicht viel. Nur das es ein Gefängnis für Zauberer ist.“ sagte sie etwas zögernd.
„Mhhh, ein Gefängnis für Zauberer. Nette Umschreibung, klingt gleich viel menschlicher oder Hermine?“ fragte er ruhig.
Hermine nickte leicht und blickte zu Boden.
„Ja, ja das tut es.“
Dr. Robinson hatte das ungute Gefühl, dass man ihr die Haftbedingungen in Askaban absichtlich verschwiegen hatte.
„Ich war nur knapp ein Jahr dort und fast tot als meine Mutter mich dort rausholte. Sie hat ihr Leben gegeben um mich zu retten. Das ist alles seine Schuld. Nur seinetwegen musste sie so grausam sterben. Und das alles nur weil sie wollte, dass ihr Sohn frei ist. Stattdessen hat dieser Typ mich zu Hause gefangen gehalten. Ich habe ein Gefängnis gegen ein anderes eingetauscht. Wenn Voldemort nicht gewesen wäre, dann würde ich vermutlich noch immer in diesem Haus vor mich hinvegetieren. Ich bin so froh, dass ich diesen Mistkerl töten durfte. Glaubt mir, ich zehre jeden einzelnen Tag davon.“ sagte er voller Genugtuung und weder Hermine noch Dr. Robinson konnten es ihm wirklich verübeln.
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