
von CathyWheeler
„RAUS!“, fluchte die Hausbesitzerin aus voller Kehle, Professor Binns kam für zwei Sekunden aus dem Takt und Gilbert schenkte den beiden Frauen einen tadelnden Blick.
„Mit Vergnügen, meine Empfehlung auf Nimmerwiedersehen!“, zischte sie ihr ohne zu zögern zu. Mit größtem Genuss knallte sie die Tür zu und apparierte.
Tara ließ die Haustür mit einem ohrenbetäubenden Krachen ins Schloss fallen. Sie zerrte mit großem Einsatz an den Vorhänge von dem nun natürlich kreischendem Portrait. Wutschnaubend und mit wehendem Umhang rannte sie in die Küche. Hermine, die mit Mollys jüngstem Sohn geredet hatte, warf ihr einen äußerst eindringlich genervten Blick zu und runzelte die Stirn. Arthur blickte von seiner Zeitung auf, als sie sich grollend setzte und darauf wartete, dass Molly sie bedienen würde.
„Keinen guten Tag gehabt?“, sagte er mitfühlend zu ihr und rückte seine Brille zurecht.
Sie nickte und seufzte: „Der Tag gibt mir wirklich den Rest.“
Von der Spüle aus mischte sich Molly ein: „Du weißt, dass du heute nacht für den Orden arbeitest?“
Tara nickte schwach und grummelte: „Und er wird anscheinend nicht besser.“
Belustigt grinste Hermines rothaariger Freund.
Der Familienvater faltete den Tagespropheten zusammen und fragte interessiert: „Hattest du eigentlich Muggelkunde in der Schule?“
Sie schaute ihn für diesen abrupten Themenwechsel dankbar an und antwortete: „Nein, ich hatte Arithmantik, Alte Runen und Pflege magischer Geschöpfe.“
Man sah in Arthurs Gesicht die Begeisterung sichtbar abebben, doch seine Frau nahm den Faden wieder auf: „Und erzähl doch mehr, wir wissen wirklich nur sehr wenige Dinge über dich.“
Tara bemerkte Molly und Arthurs Blickwechsel und Hermines forsche Augen.
Sie seufzte.
„Tja, so viel gibt es da nicht zu erzählen, ich bin zwei Jahre älter als Tonks. Nach Hogwarts bin ich ab nach Frankreich und habe da meine Aurorausbildung fertig gemacht, bis ich dann das Angebot bekam, an Beauxbatons zu unterrichten und schließlich bin ich hier gelandet.“
Alle öffneten den Mund, um eine Frage zu stellen, doch Hermine war schneller: „Madame Maxime hat dich, obwohl du so jung warst, eingestellt?“
„Für die Schüler war es kein Problem.“
Hermine sah aus, als ob ihr diese Antwort nicht genügte, blieb aber still.
Molly fragte Tara: „Bist du ein Einzelkind? Was machen denn deine Eltern beruflich?“
Sie zögerte. „Ähm... meine Mutter ist Französin und arbeitet als Heilerin im St. Mungo und mein Vater... arbeitet im Ministerium.“
Arthur sah überrascht aus. „Wirklich? Im Zaubereiministerium? In welcher Abteilung denn?“
Tara schaute niemanden in die Augen und fokussierte stattdessen einen Punkt rechts von Arthurs Kopf. Sie spürte die Blicke der anderen auf sich ruhen und ihr wurde ganz flau im Magen.
„Werwolf-Fangkommando“, sagte sie mit fester Stimme, nachdem sie ihre innere Spannung nicht länger ertragen konnte.
Hermine sah aus, als ob sie das in etwas bestätigen würde und schürzte die Lippen.
Mollys besorgter Blick ließ Tara sich auch nicht besser fühlen.
Ron fragte laut: „Aber er ist kein... ihr wisst schon... Todesser?“, und schaute klamm in die Runde.
Taras Augen blitzten feurig auf und sie rechtfertigte sich empört: „Natürlich nicht! Er ist nur ein wenig... intolerant.“
Keiner antwortete.
„Was kann ich denn dafür, welche Einstellungen mein Vater hat?“
Arthur sagte mit trauriger Stimme: „Nichts. In jeder Familie gibt es Problemfälle. Nicht wahr Ron, auch bei uns?“
Molly ließ den Kochlöffel, den sie in der Hand hatte, fallen und schaute ihren Mann entgeistert an.
Ron schaute irritiert. „Wie? Seit wann bin ich ein Problemfall?“
Hermine zischte unwirsch: „Nicht du- Percy.“ Ron machte ein verdrießliches Gesicht.
Molly zückte ein Taschentuch und auch Arthur wurde ganz blass.
Langsam reichte Tara dieses Verhör und die miese Stimmung und so fragte sie zu keinem bestimmten: „Wo ist eigentlich Tonks?“
Molly schnäuzte sich und antwortete mit brechender Stimme: „Zuletzt war sie im Wohnzimmer mit Remus. Kannst du ihnen sagen, dass das Essen in einer halben Stunde fertig ist?“
Tara erhob sich und ging. Als sie ein paar Meter weiter weg war, hörte sie wie die anderen zu tuscheln begannen. Sie fühlte sich ungerecht behandelt.
Als ob sie von Tonks so viel mehr wissen. Aber natürlich würde bei dieser witzigen und netten Hexe nie jemand auf die Idee kommen, dass mit ihr etwas faul sein könnte.
Sie schlich durch den Flur, um die Portraits nicht aufzuwecken, wollte aber eigentlich zu gern das Gegenteilige tun.
Vor der Wohnzimmertür stehend seufzte sie.
Andererseits vertraue ich Tonks genauso.
Sie trat ein und sah Remus im Sessel von seinem Buch aufschauend und Tonks am Tisch schreibend. Das prasselnde Kaminfeuer unterstrich die gemütliche Atmosphäre.
Als sie sich neben Tonks auf das Sofa bequem hinsetzte und Remus grüßte, traf die Erkenntnis sie wie ein Schlag.
Wie konnte ich so dumm sein und verraten was mein Vater beruflich macht,wenn es im Ordeneinen Werwolf gibt. Was er wohl für eine Meinung über mich haben wird, wenn er es von den anderen erfährt?
Remus schaute sie nachdenklich an. „Geht es dir nicht gut?“
Tara bemühte sich nicht mehr ganz so geschockt auszusehen.
Verdammt, ich muss es ihm sagen.
Sie sammelte all ihren Mut und fragte mit verletzlicher Stimme: „Was würdest du von mir denken, wenn ich jemanden in der Familie hätte, der... Werwölfe jagt?“
Remus legte das Buch beiseite und auch Tonks legte ihre Feder nieder.
Er runzelte die Stirn. „Ich würde dich wohl beglückwünschen, was für mutige Verwandte du hast.“
Erleichtert atmete Tara aus.
Tonks fragte schließlich: „Du hattest es noch gar nicht erzählt?“
Nein, normalerweise schütte ich nicht Fremden mein Herz aus.
„Ich habe die Sache noch nie im Zusammenhang mit Remus gesehen und gerade eben hat Molly mich gefragt, welchen Beruf mein Vater hat und da habe ich an der Reaktion der anderen bemerkt-“
„Remus wird deshalb nicht schlecht von dir denken, nicht wahr?“, unterbrach Tonks sie und schaute Remus voller Vertrauen an.
„Ich sehe keinen Grund dafür und wenn, wäre ich ein Narr, schließlich ist mein bester Freund hier aufgewachsen." Dabei machte er eine Geste in Richtung der dunklen Tapeten.
Tara beruhigte sich, bedankte sich bei ihm und sagte den beiden schließlich, dass das Essen schon bald fertig sein würde.
„Ich sage Sirius am besten auch bescheid", fügte Tara noch freundlichhinzu. „Wo ist er?“
„Oberstes Stockwerk, an der Tür hängt ein Schild mit seinem Namen.“
Sie erklomm die staubigen Stufen der Treppe auf Zehenspitzen und dachte dabei über Remus nach.
Zwar ist er arm und wenn man von seinem Werwolf-Problem absieht absolut langweilig, aber er hat ein gutes Herz. Er ist wohl ein zuverlässiger Typ, genauso wie Tonks. Kein Wunder, dass die beiden zusammen rumhängen.
Habe ich ein gutes Herz?
Vor Sirius' Tür blieb sie schließlich stehen.
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