
Sarah kannte nur die Richtung in die er gegangen war und hoffte, dass sie ihn finden würde und nicht irgendwann falsch abbiegen und ihn seinem Schicksal überlassen würde.
Zwar konnte sie nicht aufhören mit sich zu hadern und sich zu sagen, wie dämlich ihre Entscheidung war, aber dennoch konnte sie keinen anderen Gedanken zulassen als ihn zu finden. Und wenn sie ihn gefunden hatte, würde sie dafür sorgen, dass er in eine psychiatrische Klinik kam. Solche Menschen musste man vor sich selbst schützen. Von der restlichen Bevölkerung, die durch sie zu schaden kommen könnte, mal ganz zu schweigen.
Sarah lief durch die Straßen und landete bald in der Nähe eines zum Abriss freigegebenen Bürogebäudes. Erschöpft blieb sie stehen und sah sich um. Nichts. Kein Irrer zusehen, der glaubte er sei ein Magier. Überhaupt war niemand zu sehen und das sorgte dafür, dass Sarah sich noch unwohler fühlte als sie es sowieso schon tat. Aber sollte sie einfach wieder gehen? Sie konnte doch nicht zulassen, dass ein offensichtlich geistig kranker Mensch sein Leben beendete. Auf der anderen Seite hatte sie ja keine andere Möglichkeit, wenn sie ihn nicht fand.
Verzweifelt drehte sich um die eigene Achse und sah kurz nach oben. Für einen kurzen Augenblick glaubte sie jemanden auf dem Dach stehen zu sehen. Sie war sich nicht sicher und als sie genau hinsah, war die Gestalt verschwunden. Dennoch beschloss Sarah nachzuschauen. Besser einmal zu viel hinsehen als einmal zu wenig. Und sie wusste, dass es sie den Rest ihres Lebens verfolgen würde, wenn man ihn tot auffinden würde und sie nicht alles versucht hätte um ihn zu retten. Also schob sie ihre Angst zur Seite und suchte sich einen Weg in das baufällige Gebäude.
Bartemius stand auf dem Dach und beobachtete wie Sarah die Straße entlang eilte, dann stehen blieb und sich schließlich den Weg in das Haus suchte, auf dessen Dach er gerade stand. Zweifelnd sah er ihr nach. Er würde diese Muggel und ihre Verhaltensweisen nie verstehen. Aber gut, es gab auch Zauberer, die er nicht verstanden hatte. Diese Blutsverräter, die sich auf die Seite der Muggel und Schlammblütler gestellt hatten. Für eine Sekunde keimte Zorn in ihm auf aber schon im nächsten Moment wurde ihm bewusst, dass es keinen Sinn mehr hatte auf irgendjemanden zornig zu sein.
Er hörte wie sie sich ihm näherte und wie sie nach Luft schnappte. Anscheinend war sie gerannt. Warum war es ihr so wichtig, ihn noch zu erwischen?
„Warum bist du hier Muggelfrau?“ fragte er ohne sich zu ihr umzudrehen. Er stand an der Kante des Daches und blickte hinab auf die Lichter von London.
Irgendwie hat auch diese Welt ihre Schönheiten. -dachte er wehmütig und schaute dann hinunter auf die Straße. Er hatte sich oft überlegt wie er sterben würde und meistens wahr er davon ausgegangen, dass es im Kampf geschehen würde oder in Askaban. Und als der Dementor ihm gegenüberstand dachte er, dass es das gewesen sei. Einmal hatte er sogar an Altersschwäche gedacht. Aber niemals hätte er geglaubt, dass er es einmal nötig hätte in der Muggelwelt von einem Muggelhaus auf die Muggelstraße zu springen.
„Ich wollte dich aufhalten?“ hörte er plötzlich Sarah sagen. Im ersten Moment wusste er gar nicht was sie von ihm wollte. Er war so in seinen Gedanken versunken, dass er vergessen hatte, dass er sie etwas gefragt hatte.
Hätte er sich zu ihr umgedreht, hätte sie seinen verdutzten Gesichtsausdruck gesehen.
„Mich aufhalten?“ fragte er leise.
Sarah nickte zaghaft und sagte: „Ich hatte Angst, dass du dir...na ja....ich meine du hast so seltsam geklungen. Eigentlich klingst du seltsam seit ich dich kenne aber....ich hatte Angst, dass du dir etwas antust. Und wenn ich dich hier so sehe, denke ich, dass meine Annahme richtig war.“
Er hörte die Angst in ihrer Stimme, konnte sich aber nicht erklären warum sie Angst hatte. Immerhin bedrohte er sie nicht. Und selbst als er das getan hatte, hatte sie weitaus weniger ängstlich geklungen.
„Warum interessiert dich das? Du bist ein Muggel. Muggel interessieren sich nicht für Zauberer und deren Wohlbefinden.“ sagte er sachlich und ohne jeden Vorwurf in der Stimme.
„Warum mich das interessiert? Ich kann doch nicht einfach so zuschauen, wie du dein Leben hier beendest.“ meinte sie empört.
„Wenn du mir nicht gefolgt wärst, müsstest du auch nicht zuschauen.“ Seine Antwort war logisch, keine Frage. Aber dennoch wollte Sarah nicht verstehen, wie einem Menschen sein Leben so egal sein konnte.
„Ich weiß, dass es schlimme Dinge gibt und das man nicht jedes Problem lösen kann. Aber man kann lernen damit zu leben. Bitte komm von der Kante weg. Bitte.“ flehte sie ihn an.
Bartemius blickte weiter nach unten. Diese Frau wusste nicht wovon sie sprach. Sie hatte keine Ahnung davon wie er sich fühlte und was es bedeutete, der letzte Überlebende zwischen Feinden zu sein.
„Meine gesamte Welt wurde vernichtet. Wer bist du, dass du mir sagen kannst, dass ich damit leben soll. Du weißt gar nichts Muggel. Nichts!“ schrie er plötzlich und drehte sich zu ihr um. Erschrocken wich Sarah einen Schritt zurück. Sie hatte noch nie in ihrem Leben einen Menschen gesehen, der so verzweifelt ausgesehen hatte wie Bartemius in diesem Moment.
„Vielleicht weiß ich wirklich nichts über deinen Schmerz. Und wahrscheinlich hast du Recht und es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen aber lass mich doch wenigstens versuchen dir zu helfen. Wir können doch in Ruhe darüber reden. Ich koche auch was für dich. Im Gegenzug solltest du mir versprechen, dass du mich oder meine Familie nicht wieder bedrohst. Und wenn du dann morgen immer noch springen möchtest, werde ich dich nicht aufhalten.“ Ich lass dich einfach einweisen, du dämlicher Idiot. -schickte sie in Gedanken hinterher.
Bartemius sah sie an als hätte sie denn Verstand verloren.
„Du willst für mich kochen? Ich will mein Leben beenden und du denkst mich mit einem Essen davon abhalten zu können? Du musst ja sehr überzeugt von deinen Kochkünsten sein.“ sagte er kopfschüttelnd. Sarah wusste nicht so recht was sie antworten sollte. Eigentlich wollte sie ihn erst mal von diesem Dach bekommen, zu sich locken und dann die Polizei rufen.
„Na ja, irgendetwas muss man doch gut können.“ sagte sie lächelnd und reichte ihm ihre Hand. Zu ihrer Verwunderung ergriff er sie auch sofort, rührte sich aber sonst keinen Millimeter von der Stelle.
„Es war ziemlich dumm von dir mir deine Hand zu reichen. Traue niemals einem schwarzen Magier.“ Er zog sie näher an sich heran, so das sie unweigerlich hinunter in den Abgrund blicken musste, wo nichts weiter wartete als harter Beton, der bereit war ihr Leben auszulöschen.
„Es war auch dumm von dir hier her zu kommen. Ich könnte dich jetzt mit in den Tod reißen. Da hätte mein Ende sogar noch einen Sinn. Und es gibt nichts was du dagegen tun könntest.“ Sarah schluckte und sie spürte wie ihr Herz zu rasen begann.
„Aber du wirst es nicht tun. Jemand der nach einem Sinn in seinen Handlungen sucht, tut so etwas nicht.“ beharrte sie und hoffte, dass sie damit Recht hätte.
„Und da würdest du dein Leben drauf verwetten? Du bist wirklich......“ Er beendete seinen Satz nicht, sondern löste sich ein Stück von ihr und trat dann vollständig von Rand des Daches zurück. Er ließ ihre Hand los und ging zurück zu Treppe.
„Ich hoffe, dass du wirklich so gut kochst.“ sagte er und verschwand im Haus.
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