
von QueenOfPain
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, dachte ich nur an die bevorstehende Nachhilfestunde. Ich starrte an die dunkle Kerkerdecke empor und stellte mir vor, ihre blasse, aber wunderschöne Haut zu berühren. Doch soweit durfte ich es nicht kommen lassen. Aber ihre liebliche Art und ihre Schönheit würden es mir nicht leicht machen, meinen Gefühlen stand zuhalten.
Ich verließ mein Büro und ging zum Frühstück in die Große Halle. Ich trank nur ein wenig Kürbissaft, weil ich das Gefühl hatte, nichts essen zu können. Auch im Unterricht gab ich den Schülern die Aufgabe, Kapitel in ihren Büchern zu lesen, damit man mir meine Nervosität nicht anmerkte. Ja, ich war nervös! Aber das Gefühl ging am Ende der letzten Stunde des Tages in Übelkeit über und ich ging in mein Büro, um mich ein wenig hinzulegen.
Um halb 8 verließ ich mein Büro und ging die Kerkertreppe hoch in die Eingangshalle. Ich schaute kurz in die Große Halle und sah Hermine, wie sie mit Potter sprach. Ich ballte meine Fäuste und ging steif in den 3. Stock. Ich blieb vor der Klassenzimmertüre stehen, atmete tief ein, öffnete sie dann aber und trat in das Klassenzimmer ein. Mit einem kleinen Schlenker meines Zauberstabes entzündeten sich die schwarzen Kerzen im Raum, doch er war immer noch dunkel.
Ich gähnte und setzte mich hinter meinen Schreibtisch und legte meinen Kopf auf meine Arme. Wie würde der Raum bloß auf Hermine wirken? Sie mochte wahrscheinlich lieber farbenfrohe Räume und keinen, wie diesen. Wieso konnte ich mir keinen besseren Ort zum Lernen aussuchen? Aber welcher Raum wäre der Passende für sie?
Plötzlich klopfte es an der Türe und mein Kopf schreckte hoch. >>Herein<<, sagte ich und mein Herz raste, schlimmer als es es am Tag zuvor getan hatte.
>>Guten Abend, Professor<<, sagte Hermine, ohne mich anzusehen. Widerte sie meine Gegenwart so sehr an?
>>Setzen Sie sich doch.<< Ich deutete auf den Stuhl vor meinem Schreibtisch.
Sie blickte auf und kam dem Schreibtisch immer näher, woraufhin mein Atem immer schneller wurde und ich zu schwitzen begann. Ich kam mir vor wie ein pubertierender Teenager, der gerade vor seinem ersten Kuss stand. Meine Hände klammerten sich an der Tischkante fest und meine Arme verkrampften sich, so dass ich das Gefühl hatte, dass meine Adern bald platzen würden. Hermine bemerkte es, als sie sich setzte und schaute mich unsicher an. >>Geht es Ihnen gut, Professor?<<, fragte sie.
>>Ja, mir geht es gut<<, sagte ich theatralisch, faltete meine Hände und setzte mich aufrecht hin. >>Holen Sie ihr Buch raus – bitte.<<
Hermine gehorchte direkt und streckte ihre Hand nach ihrem Buch aus. Ich legte meine Hände auf den Tisch, damit sie sich wieder etwas entspannen konnten. Und als Hermine ihr Buch aus ihrer Tasche holte und es auf den Pult legte, berührte sie meine Hand. Ich zuckte zusammen und schaute ihr tief in die Augen. Sie hielt meinem Blick stand und ich kam ihrem Gesicht immer näher. Sie zog ihren Kopf nicht zurück und ich schloss meine Augen, beugte mich über den Tisch und küsste sie. Hermine stieß mich sofort zurück >>Geht es Ihnen noch gut?<<, schrie sie mich an.
Erschrocken darüber, was ich gerade getan hatte, wusste ich nicht was ich antworten sollte. >>Tut – tut mir Leid!<<, flüsterte ich schließlich.
Hermine nahm ihr Buch vom Pult herunter, steckte es schnell in ihre Tasche und stand auf. Ich schnellte hinter meinem Pult hervor und packte sie am Arm, um sie aufzuhalten.
>>Lassen Sie mich los!<<, schrie sie hysterisch und versuchte sich, meinem Griff zu entwenden. >>Sie sind mein Lehrer – und außerdem bin ich erst 16!<<
>>Ich weiß, wie alt Sie sind – ja und ich weiß auch, dass ich Ihr Lehrer bin<<, antwortete ich und versuchte ruhig zu bleiben. Ich schaute ihr bedeutend in die Augen.
>>Lassen Sie mich einfach los, okay?<<
Ich lockerte meinen Griff und ließ sie los. Ihr Blick war voller Hass und Abneigung und sie rannte aus dem Klassenzimmer.
>>Es tut mir Leid!<<, rief ich ihr hinterher.
Hermine schlug die Türe hinter sich zu und ließ mich im Klassenzimmer alleine stehen. Wieso musste ich es dazu kommen lassen? Wieso konnte ich nicht einfach nur ihre Anwesenheit genießen? Wieso wollte ich mehr? Ich hasste mich für das, was ich tat!
Ein Klopfen riss mich aus meinen Gedanken >>Herein!<<, rief ich und versuchte mich zu sammeln.
Die Türe ging langsam auf und ein buschiger Haarschopf erschien. Hermine kam langsam ins Klassenzimmer, schloss die Türe und lächelte verlegen. Mein Herz raste wieder wie verrückt und ich ging auf sie zu.
Als wir uns beide gegenüberstanden streckte ich meine Arme nach ihr aus und nahm sie in den Arm. >>Es tut mir wirklich Leid<<, sagte ich leise.
>>Es braucht Ihnen nicht Leid zu tun<<, antwortete sie, legte ebenfalls ihre Arme um mich und drückte mich sanft.
Ich streichelte behutsam über ihre Haare und neigte meinen Kopf langsam zu ihr runter. Der angenehme Duft ihrer Haare stieg mir wieder in die Nase und ich lächelte. Dieses Mal gelang es mir. Ich lächelte!
Ich nahm ihren Kopf sanft in meine Hände und küsste sie. Ein Feuerwerk entfachte in mir und dieser Kuss fühlte sich nun echt an. Real. Minuten vergingen. Minuten des Glücks und Hermine wehrte sich nicht. Meine Hände streichelten sanft ihren Körper. Dieser Kuss sollte nie enden. Niemals.
Nach einer Ewigkeit lösten sich ihre Lippen von meinen und sie schaute mir tief in die Augen. >>Seit wann haben Sie diese Gefühle für mich?<<, fragte sie.
>>Seit dem Moment, als ich dich das erste Mal sah<<, antwortete ich und dieses Mal gab ich ihr eine ehrliche Antwort auf ihre Frage.
>>Aber – wieso hast du mir immer das Gefühl gegeben, dass du mich hasst?<<
>>Ich habe dich nie gehasst. Ich war so, weil ich dir mein wahres Ich nicht offenbaren wollte.<< Ich sah sie entschuldigend an. >>Ich offenbare niemandem mein wahres Ich, außer Dir – von nun an.<<
Hermine lächelte. >>Ich bekam gegen Ende des dritten Schuljahres Gefühle für dich, als du dich schützend vor Harry, Ron und mich warfst, als Lupin uns angreifen wollte.<<
>>Ich hätte mir nie verziehen, wenn dir etwas passiert wäre<<, antwortete ich und streichelte über ihre Wange.
>>Sehen wir uns morgen wieder? Außerhalb des Unterrichtes meine ich?<<, fragte sie.
>>Gerne. Ich möchte jede freie Minute mit dir verbringen<<, antwortete ich und küsste sie auf die Stirn.
Sie lächelte >>Gut. Dann bis morgen. Ich freue mich.<<
>>Ich mich auch. Pass auf dich auf. Ich – ich liebe dich<<, sagte ich und versuchte in die letzten drei Worte mein ganzes Gefühl zu fassen.
>>Ich dich auch.<< Hermine schaute mich noch einmal kurz zufrieden an und verließ dann das Klassenzimmer. Ich schaute ihr hinterher und konnte mein Glück einfach noch nicht fassen.
Konnte das wirklich wahr sein? Konnte dies wirklich alles an diesem einen Abend passiert sein? Habe ich ihre Lippen auf den meinen nur eingebildet? Oder habe ich mir ihre ganze Nähe nur eingebildet? Nein... Es war die Realität. Ich spürte immer noch ein angenehmes Kribbeln auf meinen Lippen und ich trug ihren Duft an mir.
>>Lilly?<<, flüsterte ich in die Stille hinein >>Es tut mir Leid, aber ich habe mein Herz an jemand anderen verloren.<<
Das Klassenzimmer kam mir plötzlich viel zu dunkel und zu beengend vor und ich verließ den Raum.
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