
von Lilly10
Als sie am nächsten Morgen zum Unterricht ging, erwartete sie Snape bereits. Ohne Umschweife kam er sofort zur Sache:
„Dies ist Ihr letzter Tag hier, Miss Richis. Ich erachte Ihre Fähigkeiten in Okklumentik nun als ausreichend, um dem dunklen Lord Widerstand zu leisten und ihn daran zu hindern, in Ihren Geist einzudringen.“
Marianne nickte.
Sollte das ein Kompliment sein? Eigentlich wäre es angebracht, dachte sie, denn Okklumentik war sehr schwer erlernbar, überhaupt für ein junges Mädchen wie sie! Doch so wie er es ausdrückte, klang es nicht danach, als wäre er stolz auf sie.
„Packen Sie Ihre Sachen, am Nachmittag reisen wir zurück nach Hogwarts.“
Verwundert ging Marianne zurück in ihr Zimmer. Er schien es sehr eilig zu haben, diesen Ort zu verlassen.
Ob es etwas mit dem vorletzten Abend zu tun hatte? Marianne dachte nicht weiter darüber nach – auch sie war froh, endlich von ihr wegzukommen.
Ein paar Stunden später stand sie fertig gepackt an der Tür. Nur wenige Minuten später kam Snape und sie betrat nach einigen Wochen endlich wieder die Freiheit. Sie bewunderte den Schnee, der in dieser Zeit gefallen war und in der Sonne glitzerte und sog den Duft der Tannenbäume ein.
„Haben Sie diesen Ort so liebgewonnen, dass Sie hierbleiben wollen, Miss Richis?“, ertönte eine spöttische Stimme hinter ihr.
Marianne beeilte sich und ging zu ihm. Er streckte seine Arme aus und Marianne erfasste sie, so wie beim ersten Mal. Doch diesmal vermied sie es, ihm in die Augen zu sehen. Sie hielt sich an ihm fest, als der starke Zug an ihrem Körper sie von ihm reißen wollte, doch nach ein paar Sekunden war es vorbei.
Sie standen am Waldrand und Marianne konnte in der Ferne Hogwarts erkennen. Auch hier war alles in Schnee versunken und sie wollte vor Freude aufschreien. Neben Snape verbarg sie jedoch ihre Freude und folgte ihm schnell.
Gemeinsam betraten sie das Schloss.
„Professor Dumbledore möchte Sie heute Abend in seinem Büro sprechen, Miss Richis.“, sagte er und verschwand in Richtung Kerker.
Als sie den Gemeinschaftsraum von Ravenclaw betrat, rannten ihre Freundinnen auf sie zu und rissen sie fast zu Boden. Sie freuten sich sehr, sie wiederzusehen und organisierten sofort ein kleines Fest für diesen Abend. Bevor sie jedoch beginnen konnten, ging Marianne noch zu Dumbledores Büro und klopfte.
„Herein.“, ertönte sofort seine Stimme.
„Sie wollten mich sprechen, Professor?“
„Ja, komm erst mal herein … Willkommen zurück, Marianne.“
„Danke, Professor.“
„Geht es dir gut?“
„Ja, es ist alles in Ordnung. Ich bin froh, wieder hier zu sein.“
„Das glaube ich dir gerne.“, zwinkerte er. „Wie ist es dir ergangen?“
Mariannes Blick fiel auf seine rechte Hand, die vollkommen schwarz war. Es gab ihr einen Stich ins Herz, denn sie wusste nun, was das bedeutete. Sie vermied es, hinzusehen und zwang sich, dem Gespräch zu folgen.
„Ähm... gut, denke ich.“
„Das dachte ich mir.“, sagte er erfreut. „Professor Snape hat mir erzählt, dass du sehr schnell gelernt hast und er sehr zufrieden mit dir war.“
Hat er das!? Das hat er mir ja deutlich gezeigt, dachte Marianne sarkastisch.
„Marianne, ich wollte, dass du noch eines weißt.", fuhr Dumbledore fort. "Es ist mir bewusst, dass die letzte Zeit sehr schwer für dich war. Ich habe dich alleine in eine Hütte gesteckt, mit einem Professor, der sehr streng ist und für den du nicht unbedingt viel Sympathie hegst... Ich wusste das und tat es trotzdem, es lag sogar in meiner Absicht. Die Situation hat dir geholfen zu lernen, dich unter extremen Bedingungen zu schützen und deinen Geist zu verschließen – auch wenn Professor Snape dies mit Freude ausgereizt hat.“
Marianne sah ihn geschockt an.
„Sie – Sie wollten, dass Professor Snape mich so ... behandelt?!“
„Nun – ich habe es ihm nicht direkt aufgetragen, und doch muss ich zugeben, dass ich sehr wohl wusste, dass er dich nicht schonen würde.“
Marianne schlug die Augen nieder. Dumbledore hatte sie also völlig bewusst mehrere Wochen Professor Snapes Schikanen ausgesetzt.
„Ich hoffe, du verstehst die Notwendigkeit meines Handelns und nimmst es mir nicht übel.“, sagte Dumbledore mit einem leichten verschmitzten Lächeln.
„Ich denke, du hast den anderen Schülern nun etwas voraus: Du hast ein paar intensive Wochen mit Professor Snape erlebt und hast nun verstanden, dass du ihn nicht fürchten musst.“
Marianne grinste innerlich, denn Dumbledore hatte keine Ahnung, wie intensiv ein Abend tatsächlich gewesen war. Sie ließ sich nichts anmerken und nickte.
„Es freut mich, dass du mir verzeihst.“, sagte er schelmisch. „Du kannst nun gehen!“
Damit entließ sie Dumbledore und sie konnte zu ihren Freundinnen zurückkehren, die bereits mit der Party auf sie warteten. Es wurde ein schönes und lustiges Fest und sie ging erst sehr spät ins Bett.
Am nächsten Tag wurde sie wach, als sie ein eigenartiges Scharren hörte. Als sie sich in ihrem Bett aufsetzte, bemerkte sie eine Eule am Fenster, die wie verrückt versuchte, auf sich aufmerksam zu machen. Marianne beeilte sich, aufzustehen du nahm ihr den Brief ab. Sie öffnete ihn sofort und erkannte Sirius‘ krakelige Schrift. Er beschwerte sich auf liebevolle Art, dass sie ihn noch nicht besucht hatte, nachdem sie doch schon gestern Nachmittag wiedergekommen war.
Marianne freute sich über den Brief und nach der Schule machte sie sich auf schnellstem Weg zum Grimmauld Platz. Sie war froh, endlich wieder hier zu stehen und klopfte an die Tür. Nach einer herzlichen Begrüßung von Remus und Sirius zogen sie sie ins Wohnzimmer und machten es sich gemütlich.
„Nun erzähl schon, wie ist es dir ergangen?“, fragte Remus.
„Wenn Schniefelus dir etwas zuleide getan hat, dann...“, kam es von Sirius.
„Nein, hat er nicht. Jedenfalls nicht mehr als sonst.“, erwiderte Marianne schnell.
„Hat er dir Punkte abgezogen?“
„Nur zwei Mal.“, sagte sie grinsend.
„Gut, das will ich ihm auch geraten haben!“, sagte Sirius knurrend.
„Sirius, nun lass doch Marianne erzählen und lass Snape mal da raus.“, sagte Remus, doch er bekam nur einen finsteren Blick als Antwort.
Marianne grinste, scheinbar hatte sich bei den beiden nichts verändert, seit sie weg gewesen war.
„Wie ist es dir denn in Okklumentik ergangen?“, fragte Remus.
„Naja, am Anfang wars wirklich schwierig. Snape ist immer wieder in meine Gedanken eingedrungen und hat einige Erinnerungen gesehen, die ich lieber für mich behalten hätte. Er hat es mir nicht leicht gemacht, aber nach ein paar Wochen hatte ich es langsam heraußen.“
„Ich hoffe, du hast dir nichts von ihm gefallen lassen!“, schaltete sich Sirius ein.
„Aber natürlich nicht.“, gab Marianne zurück. „Oh, diese Geschichte wird dir gefallen, Sirius.“, sagte sie, um weitere Fragen zu vermeiden.
„Eines Tages hat er mich die Schulfächer abgeprüft, und ich war wohl nicht gut genug. Daher hat er gesagt, er wird den anderen Lehrern Bescheid sagen, dass ich in ihren Fächern schlecht war.“
„Und was hast du darauf gesagt?“, fragte Sirius.
Als Marianne daran dachte, was sie geantwortet hatte, konnte sie sich nicht mehr zurückhalten und begann laut zu lachen. Die Tränen rannen ihr über die Wangen und auch Sirius und Remus mussten mitlachen.
„Na los, jetzt sag schon! Was hast du zu ihm gesagt?“, drängte Sirius.
„Ich hab ihn gefragt, ob er meinem Zaubertranklehrer Snape schon davon berichtet hat...“, sagte Marianne und Sirius bellte laut auf.
„Ha ha!“, lachte er, „Ich hätte einiges gegeben, um dabei sein Gesicht sehen zu können!“, rief Sirius mit Tränen in den Augen.
„Hast du Ärger bekommen?“, fragte Remus grinsend.
„Nein, aber er hat gesagt, er kann sich vorstellen, dass mir Snape dafür noch Punkte abziehen wird.“, sagte Marianne, sich die Tränen abwischend.
„Das hast du wirklich gut gemacht, könnte glatt von mir sein!“, sagte Sirius anerkennend und klopfte ihr zufrieden auf die Schulter.
Sie musste noch einige weitere Anekdoten aus den letzten Wochen erzählen, doch sie vermied es, diesen einen Abend zu erwähnen, an dem alles irgendwie außer Kontrolle geraten war. Als es bereits stockdunkel draußen war, stand Marianne auf um sich zu verabschieden.
„Wir freuen uns, dass du wieder da bist.“, sagte Remus nach einer Umarmung.
„Nun kann Sirius endlich wieder ruhig schlafen. Jeden Tag musste ich mir seine Drohungen anhören, was er mit Snape nicht alles anstellen würde, wenn er dich unfair behandelt.“ Marianne grinste.
Es war süß von Sirius, so besorgt um sie zu sein und sie war froh, dass sie nicht erwähnt hatte, wie oft Snape sie angefahren hatte.
Wenn Du Lob, Anmerkungen, Kritik etc. über dieses Kapitel loswerden möchtest, kannst Du einen Kommentar verfassen.
Zurück zur Übersicht - Weiter zum nächsten Kapitel