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Fanfiction

Masquerade - TrĂ€nen sind fĂŒr Weicheier

von Dr. S

Dieses grĂŒne Kraut mit den roten Beeren hing mittlerweile hinter jeder Ecke, brachte MĂ€dchen zum Kichern und Jungs zum WĂŒrgen, außer natĂŒrlich sie warteten schon ewig darauf das MĂ€dchen, das sie mochten, endlich fĂŒr sich zu gewinnen. Wenn es dann allerdings so peinlich endete wie bei Caradoc Dearborn, der Dorcas Meadowes vor der ganzen Schule einen Kuss aufdrĂŒckte, der dazu fĂŒhrte, dass das MĂ€dchen ihm kurzerhand einen alles andere als mĂ€dchenhaften Faustschlag auf die Nase gab, dann ĂŒberlegte man sich noch einmal, ob Mistelzweige der beste Weg waren, herauszufinden, wie man sexuell orientiert war.

„Sie hasst mich“, schluchzte Dearborn zum hundertsten Mal, worauf Sirius ein sehr fieses Lachen ausstieß und Remus sein Taschentuch etwas fester auf das blutĂŒberströmte Gesicht drĂŒckte, damit das nicht sehr mĂ€nnliche Wimmern gedĂ€mpft wurde.

„Sirius, mach dich nicht lustig“, mahnte Remus, der sich ganz fĂŒrsorglich neben Dearborn an die Ă€ußerste Ecke des Tisches setzen musste, damit er etwas zum Trösten hatte. James, Sirius und Peter waren ihm natĂŒrlich gefolgt, auch wenn Peter es absolut nicht mochte, wenn er sich woanders hinsetzen musste und sich dadurch sein ganzer Blick auf die Halle verĂ€nderte. James‘ Blick glitt hier hinten immer wieder zu dem grĂŒnen Kraut, das ĂŒber der großen TĂŒr hing und dazu fĂŒhrte, dass immer nur ein SchĂŒler nach dem anderen hindurch glitt.

„Aber es ist lustig!“ Sirius klammerte sich mit einer Hand an James‘ Schulter und hĂ€mmerte mit der anderen auf dem Tisch herum, TrĂ€nen in den Augen vor Lachen. „Ich meine
 Meadowes! Dorcas Meadowes! Die kriegst du doch mit einem Zwinkern rum!“

„Sirius
“ Remus schĂŒttelte empört den Kopf. „Gib mir meinen Zauberstab wieder, damit ich das heilen kann“, sagte er und deutete auf Dearborns Nase, aber Sirius schĂŒttelte den Kopf.

„Caradoc, nimm es als Zeichen ihrer Liebe“, presste er bemĂŒht ruhig hervor, nur um kurz darauf wieder in bellendes Lachen auszubrechen. James seufzte schwer auf, als er Sirius so unbeschwert sah. Vielleicht bildete er sich das auch nur ein. Er erinnerte sich unpassenderweise daran, wie er mit Sirius in einem Bett gelegen hatte und dessen Herz so widerlich schnell geschlagen hatte, ohne dass ihm ein anderer Grund als dieses MĂ€dchen oder Dearborns Haare eingefallen waren, und Letzterem schenkte Sirius gerade nicht wirklich Beachtung. Andererseits lachte er Dearborn ja aus, also schenkte er ihm all seine Aufmerksamkeit, wĂ€hrend James nur hier sitzen und als Ablage fĂŒr Sirius‘ Hand dienen konnte.

„Ihrer nicht vorhandenen Liebe?“, mischte Peter sich ein, worauf Dearborn aufschluchzte und sich an Remus‘ Schulter drĂŒckte, dessen Umhang mit TrĂ€nen und Blut einsaute. „Tschuldigung
“

„Weichei“, gluckste Sirius und James konnte nicht anders als nicken. Da halfen Dearborn auch seine tollen Haare nicht weiter. „Guck mal, wenn Frauen ‚Nein‘ sagen, dann meinen sie ‚Ja‘, Caradoc. Du musst sie einfach fester gegen die Wand pressen, damit sie versteht, dass sie es auch will“, streute Sirius genĂŒsslich noch mehr Salz in die Wunde, was Remus den Kopf schĂŒtteln ließ, wĂ€hrend er Dearborns RĂŒcken tĂ€tschelte.

„Du kriegst hoffentlich nie eine Freundin, Sirius“, murmelte er abschĂ€tzig. „Kein Wunder, dass dein einziges Date in die Hose gegangen ist. Was hast du mit Emmeline gemacht? Sie fast vergewaltigt, wie du es Caradoc rĂ€tst?“

Sirius hob abwehrend die HĂ€nde, nahm deswegen die Finger von James‘ Schulter, worauf sich die Stelle so furchtbar kalt anfĂŒhlte. Sich durch die Haare fahrend beobachtete James das trotz Blut und TrĂ€nen immer noch perfekt liegende Haar Dearborns, wĂ€hrend er aufmerksam zuhörte, wie Sirius betonte, dass sein Date sowas von langweilig gewesen war, dass er nicht einmal die Kraft gehabt hĂ€tte, Emmeline zu irgendetwas zu zwingen, dass sie sehr offensichtlich gewollt hatte. Wahrscheinlich hatte es an ihren Haaren gelegen. Emmeline Vance hatte schreckliche Haare. Blondes Stroh. Schwarzes Nest konnte blondes Stroh zwar noch schlagen, aber vielleicht
 wenn er aufhören wĂŒrde stĂ€ndig in seinen Haaren rumzuwĂŒhlen, wĂŒrde Sirius sie dann lieber anfassen wollen?

„Vielleicht sollte er sie einfach nicht gleich erwĂŒrgen“, sagte Sirius schließlich und nickte in dieser allwissenden Weise, die Remus wieder nur den Kopf schĂŒtteln ließ – wenn er damit nicht aufhörte, dann wĂŒrde er Kopfschmerzen bekommen. „Letztes Jahr bei der Weihnachtsfeier hat’s doch auch geklappt mit dem Knutschen.“

„Ich will doch aber mehr!“, schluchzte Dearborn in Remus‘ Robe. James‘ Augen weiteten sich leicht. Er hatte keine Ahnung wie Remus so ruhig bleiben konnte und einfach weiter Dearborns Matte tĂ€tschelte, anstatt ihm ebenfalls eine reinzuhauen.

„Aber wir sind noch so jung“, sagte Sirius und schlug seine Hand etwas zu fest auf James‘ RĂŒcken, worauf dem die Brille fast von der Nase rutschte. „Wir wollen noch nichts Festes. Wenn du wĂŒsstest, dass du nur noch fĂŒnf Jahre zu leben hĂ€ttest, dann wĂŒrde ich mich
 Nein, warte
 Gerade dann wĂŒrde ich nichts Festes wollen
“

James hob die Augenbrauen, musterte Sirius ĂŒber seine Brille hinweg, bevor er sie wieder hochschob, damit er den fragenden Blick aus den grauen Augen auch gut erkennen konnte.

„Was los, James? Du bist so still heute.“ Sirius klopfte ihm erneut auf die Schulter. „Nicht mal Lust zu kuscheln?“ Er schlang den Arm fester um James und wollte ihn an sich ziehen, aber James machte sich vorher los.

„Das ist unfair Caradoc gegenĂŒber, Sirius. Er hat
 Liebeskummer“, sagte James, die Arme vor der Brust verschrĂ€nkend und das erbĂ€rmliche BĂŒndel ohne MĂ€nnlichkeit betrachtend. „Vielleicht sollten wir ihm helfen?“

Sirius nahm blitzschnell die HĂ€nde von James und schaute sich beschĂ€ftigt um, wĂ€hrend Peter sich auf seinen KĂŒrbissaft stĂŒrzte und Remus Dearborn tĂ€tschelte. Die Augen verdrehend winkte James ab.

„Ich seh schon. Remus ĂŒbernimmt einfach Meadowes‘ Part und alle sind glĂŒcklich“, grummelte er, aber seine Laune besserte sich sofort, als Remus rote Flecken auf den Wangen bekam und daraufhin versuchte Dearborn etwas kumpelhafter auf den RĂŒcken zu klopfen, was den aber nur zum Husten brachte. „Sirius, hast du
“

„Ja, ich hab nachher Zeit. Was möchtest du machen?“ Sirius drehte sich augenblicklich wieder erwartungsvoll lĂ€chelnd zu ihm um und seine Augen glitzerten so faszinierend, dass James ihm gar nicht sagen wollte, was er eigentlich hatte fragen wollen.

„Ich wollte eigentlich wissen, ob du deinen Bruder gesehen hast“, sagte James und deutete hinter sich zu den Slytherins, wo kein Black anwesend war. Snape lauerte dagegen bedrohlich in den Schatten, James immer gerne eine triumphierendes Grinsen schenkend, wenn der einen Blick zu ihm warf.

„Oh
“ Sirius nickte verstehend, rĂ€usperte sich und schĂŒttelte dann den Kopf, bevor er allerdings etwas sagen konnte, kam Remus ihm zuvor.

„Was willst du denn von Sirius‘ Bruder?“, fragte er stirnrunzelnd. „Du willst ihm doch keinen Pudding an den Kopf werfen, nur weil er dich aus der KĂŒche geworfen hat, oder?“

„Äh
 An Pudding will ich nicht im Zusammenhang mit Regulus Black denken, danke“, sagte James. Sirius wagte es zu glucksen und bekam dafĂŒr James‘ Ellenbogen und Remus‘ konfusen Blick zu spĂŒren.

„Ich hab ihn vorhin gesehen“, blubberte Peter in seinen KĂŒrbissaft und stellte ihn erst weg, als alle ihn verwirrt ansahen. „Was?“

„Wo guckst du denn hin, Peter?“ James nahm Sirius das StĂŒck Toast weg, das er nach Dearborn werfen wollte.

„Avery und Rosier haben ihn sehr offensichtlich durch die Gegend getragen und ich hab es euch sehr deutlich gesagt“, schmollte Peter. „Wenn das nicht hĂ€ngen bleibt
“

„Er hĂ€ngt mit zu oft mit denen rum
“ Sirius zupfte weiter an seinem Toast herum, die Augenbrauen fest zusammen gezogen.

„Wirklich zu wollen scheint er es ja nicht, wenn sie ihn
 durch die Gegend tragen“, versuchte Remus Sirius zu beruhigen, aber mehr als ein Schnauben und Schulterzucken bekam er dafĂŒr nicht.

„Wo haben sie ihn denn hingebracht?“, wollte James neugierig wissen, wĂ€hrend Sirius Remus endlich seinen Zauberstab wiedergab, damit Dearborn aufhörte zu bluten.

„Keine Ahnung. Sie sitzen ja wieder hier“, meinte Peter und nickte nach gegenĂŒber, worauf James sich herumdrehte. TatsĂ€chlich musste Snape sein GesprĂ€ch mit Rosier unterbrechen, damit er ihm einen finsteren Blick schenken konnte. James wandte sich nachdenklich wieder ab. Wer wusste schon was Slytherins sich gegenseitig antaten, wenn sie so ein niedliches Opfer wie den kleinen Black in die Finger bekamen? Am Ende brauchte der Junge die Hilfe eines netten Gryffindors und sein Bruder war zu beschĂ€ftigt den Slytherin raushĂ€ngen zu lassen, indem er sich ĂŒber verweichlichte MĂ€nner lustig machte.

„Ich geh ihn dann mal suchen“, sagte James und stand auf, ließ sich von Sirius gegen den unteren RĂŒcken klopfen, obwohl er deswegen so komisch zittern musste. „Viel Spaß beim Heulen, Caradoc.“

„Hey, warte mal, James! Was willst du denn von Regulus Black?“, rief Remus ihm vergebens nach, weil James nur eine Hand zum Abschied hob und gemĂŒtlich pfeifend die Große Halle verließ. Sich eine dunklere Ecke suchend kramte er die Karte aus seiner Tasche und hatte Regulus so schon bald gefunden. Sirius‘ kleiner Bruder war auch gar nicht so weit von ihm weg, saß ganz alleine im Innenhof gleich vor der Großen Halle und machte wer weiß was.

James steckte die Karte wieder ein und ging schnurstracks auf die schweren TĂŒren zu, die er bereute aufgeschoben zu haben, als ein eisiger Wind und dicke Schneeflocken ihn erfassten. Zitternd blickte er auf die dĂŒnne Schicht Schnee, die sich auf den Steinboden gelegt hatte und suchte nach Regulus. Schließlich fand er das BĂŒndel aus zitterndem Mensch und Mantel ganz auf der anderen Seite sitzend.

„Black!“ Wild winkend machte James auf sich aufmerksam und bedeutete Regulus nĂ€her zu kommen, als der endlich aufgeschaut hatte. „Black, komm mal her!“ Regulus schĂŒttelte den Kopf und brachte James so dazu eine dichte Atemwolke auszustoßen. „Mach schon! Es ist eiskalt und ich hab keinen Mantel dabei!“

Regulus starrte ihn viel zu lange an. James fĂŒhlte sich schon, als wĂ€re er festgefroren, als Regulus ihn endlich nicht mehr lĂ€nger quĂ€lte und auf ihn zugestapft kam, allerdings blieb er rund fĂŒnf Meter von ihm entfernt draußen stehen. James verdrehte die Augen.

„Komm schon, ich will dich ja nicht kĂŒssen“, scherzte James und grinste, was Regulus allerdings nicht erwiderte.

„Warum stehst du dann da?“, fragte Regulus und deutete nach oben. James folgte dem behandschuhten Finger und stöhnte genervt auf, als ein Mistelzweig direkt ĂŒber ihm hing.

„Mann, den hab ich nicht gesehen. Komm schon
“ James machte ein paar Schritte nach hinten und Regulus gleichzeitig nach vorne. Es war nicht unbedingt wĂ€rmer im Korridor, aber wenigstens waren sie in Sicherheit vor Schnee und Mistelzweigen, die brachten nur UnglĂŒck. James lehnte sich neben eine SĂ€ule und bedeutete Regulus ihm zu folgen, worauf Sirius‘ Bruder sich ihm gegenĂŒber in die Ecke stellte, dabei aussehend, als hĂ€tte er etwas ausgefressen und wĂŒrde bestraft werden.

„Was willst du, Potter?“, wollte Regulus wissen und verschrĂ€nkte die Arme vor der Brust, wĂ€hrend er verstohlen zu der offenen TĂŒr der Großen Halle schaute. „Schickt Sirius dich?“

„Was? Wie kommst du auf den Scheiß?“ James‘ Lachen schien Regulus‘ Stimmung nicht gerade zu verbessern. „Nachdem wir so schöne Stunden miteinander verbracht haben, kannst du ruhig davon ausgehen, dass ich das ein oder andere Wörtchen mit dir reden möchte.“

Regulus‘ Augenbraue wanderte nach oben. Er musterte James kurz, bevor er stumm den Kopf schĂŒttelte.

„Ach, willst du bestreiten, dass es dir gefallen hat?“ James versuchte auszublenden, dass die Bilder von Regulus, der kurz davor gewesen war, sich zu ĂŒbergeben, in seinem Kopf auftauchten, und streckte die Hand aus, um lockerleicht gegen Regulus‘ Schulter zu stupsen. Mehr konnte er auch nicht tun, weil Regulus sich augenblicklich mit großen Augen dichter an die Wand drĂŒckte.

„Ich verstehe nicht“, presste er anscheinend um die Ruhe in seiner Stimme bemĂŒht hervor.

James demonstrierte ihm sein schönstes Grinsen und machte selbstbewusst einen Schritt nach vorne, lehnte sich beinahe verschwörerisch zu Regulus vor, der vergeblich versuchte nicht zu auffĂ€llig zu schlucken. „Du und ich“, begann James mit einem Zwinkern. „Da kann noch richtig was draus werden.“

Regulus‘ Stimme rutschte eine Oktave höher. „Du hast da wohl etwas falsch verstanden, Potter.“

„Nah
“ James schĂŒttelte immer noch grinsend den Kopf. „Du bist mich trösten gekommen, du hast dich von mir fĂŒttern lassen und denk nicht, ich wĂŒrde deine eindeutigen Blicke vor den Quidditch-Spielen ĂŒbersehen.“ Er rammte die Hand neben Regulus‘ Gesicht gegen die Wand, als der feige Slytherin sich einfach verdrĂŒcken wollte. „Wo wollen wir denn jetzt hin?“

„Potter, lass mich in Ruhe.“ Regulus‘ Versuch in die andere Richtung abzuhauen wurde nicht nur von der Wand erschwert, sondern auch von James‘ Reflexen, die ihm erlaubten Regulus augenblicklich einzupferchen. „Wenn ich dich beim Quidditch angesehen habe, dann weil wir in verschiedenen Mannschaften spielen. Ich muss das machen.“ Die Röte kroch langsam Regulus‘ Hals herauf und erreichte seine Wangen, als James‘ Grinsen drohte zu groß fĂŒr sein Gesicht zu werden. „Und ich wollte dich nicht trösten, sondern dir eine Strafarbeit aufdrĂŒcken. Lass mich jetzt gehen.“

„Ah, ah
 Zwing mich nicht dazu den Mistelzweig zu benutzen“, raunte James und diesmal konnte er Regulus‘ Schlucken wirklich hören. „Ich will dich ja nicht zwingen. Wir gehen es ganz langsam an
“ Die Hand auf Regulus‘ Wange zu legen schien wohl zu viel des Guten gewesen zu sein, weil Regulus sofort beide HĂ€nde gegen James‘ Brust rammte und ihn so nach hinten gegen die SĂ€ule stolpern ließ.

„Lass das, Potter! Ich bin nicht schwul!“ Regulus‘ Stimme war hoch und seine Wangen glĂŒhten so ĂŒberdeutlich, dass man das BedĂŒrfnis sich an ihnen zu wĂ€rmen nur schwer unterdrĂŒcken konnte.

„Ach?“ James‘ Grinsen wurde etwas heimtĂŒckischer. „Du bist also nicht schwul, ja?“

Regulus runzelte leicht die Stirn, schĂŒttelte aber schließlich den Kopf.

„Warum knutschst du dann mit mir?“ James schob erneut einen Arm in Regulus‘ Weg, als der an ihm vorbei wollte. „Willst du, dass ich allen davon erzĂ€hle?“

Mit großen Augen fuhr Regulus herum und starrte James entgeistert an, bevor er wieder an die Wand zurĂŒckwich. „Was
 Potter, was hast du vor? Was willst du von mir?“

„Knutschen?“ Er sagte das nur, weil Regulus dann wieder anlief wie ein Thermometer im Hochsommer. Glucksend schĂŒttelte James den Kopf. „Ich will, dass du etwas fĂŒr mich tust.“ Regulus wurde auf der Stelle wieder blass und erstarrte einfach, was James die Augen verdrehen ließ. „Krieg dich wieder ein. Ich hab dich ja auch nicht unter den Mistelzweig gelockt.“

„Du presst mich mit deinem Körper gegen eine Wand. So nah wollte ich dir niemals kommen, James Potter“, presste Regulus hervor, worauf James ihm spaßeshalber einen Finger gegen die Lippen drĂŒckte.

„Pscht, Reggie, du darfst in der Gewissheit weiterleben, dass du all diese Muskeln hier niemals berĂŒhren darfst, wenn du mir einen kleinen Gefallen tust“, sagte James mit leiser Stimme, aber so nah wie er bei Regulus stand konnte der jedes Wort verstehen. „Tust du nicht, was ich dir sage, dann musst du dir im Klaren darĂŒber sein, dass ich mich keineswegs schĂ€me dir vor der ganzen Schule an den Hintern zu grabschen. Ich werde also nicht nur rumerzĂ€hlen, dass du schwul seist, sondern auch den Beweis dafĂŒr liefern.“

„Außer?“, half Regulus ihm gleich auf die SprĂŒnge, anscheinend genauso um seinen Ruf fĂŒrchtend wie Sirius und genauso leicht zu ĂŒberzeugen.

„Snape hat etwas, das ich haben möchte“, erlĂ€uterte James und fasste Regulus an den Schultern, stellte fest, dass die zweimal so schmal wie die von Sirius zu sein schienen. „Ein Tonband. Klein, dunkel und rechteckig. Du wirst es mir besorgen. Wie du das anstellst ĂŒberlasse ich dir, aber beeil dich besser. Mein BedĂŒrfnis dich vor der ganzen Schule zu outen wĂ€chst mit jeder Sekunde.“ Er ließ die Augenbrauen hĂŒpfen und nĂ€herte sich, einfach um seinen Standpunkt zu untermauern, Regulus‘ Mund. „So schlimm fand ich es nĂ€mlich nicht dich zu kĂŒssen, Black.“ Und jetzt, wo er den warmen Atem auf seinen Lippen spĂŒren konnte, wollte er es glatt noch einmal tun. Allerdings war er bei dem leicht zittrigen Anblick, den Regulus bot, nicht darauf versessen gleich eine Faust im Gesicht zu haben, um sich dann an Remus‘ Schulter auszuheulen, wie dieses Weichei von Dearborn.

„Ich
“ Regulus atmete tief durch und deutete mit einem Nicken hinter James, worauf der ĂŒber die Schulter schaute. Sirius schenkte ihnen vom TĂŒrrahmen aus ein Winken, bevor er James bedeutete zu ihm zu kommen, allerdings wirkte er alles andere als eifersĂŒchtig. Es war schwer vorstellbar, dass Caradoc Dearborns Leid ihn derartig amĂŒsierte, sondern eher wahrscheinlich, dass es ihn einfach nicht interessierte, wessen Lippen James nahe kam.

„Ich besorge dir dein Tonband, Potter“, holte Regulus ihn aus seinen Gedanken und schob ihn weg, was nicht so leicht funktioniert hĂ€tte, wenn James nicht so abwesend gewesen wĂ€re. „DafĂŒr rĂŒckst du mir nie wieder auf die Pelle.“

„Ja, ja
“ James winkte ab und folgte Regulus, der Sirius‘ Winken ignorierte und erhobenen Hauptes an ihm vorbei in die Halle ging. „Was ist los, Tatze?“

Sirius seufzte Regulus hinterher und drehte sich James zu, deutete nach oben. „Regulus bricht Traditionen. Und da nennt man mich den VerrĂ€ter“, sagte er, wĂ€hrend James den Mistelzweig des Verderbens ĂŒber ihnen anstarrte. Er wollte ihn gerne ausnutzen. Er wollte ihn unglaublich gerne ausnutzen. Wieso mussten Sirius‘ scheiß Lippen auch so abhĂ€ngig machen?

„Wenigstens besorgt er uns das Band“, sagte James, vielleicht etwas zu offensichtlich auf Sirius‘ Mund starrend, weil dessen Mundwinkel langsam nach unten wanderten.

„Er besorgt dir das Band, Krone. Ich brauch das Ding nicht“, sagte Sirius schulterzuckend.

„Was willst du dann hier?“, wollte James stirnrunzelnd wissen.

Sirius verdrehte mit einem sehr genervten Schnauben die Augen. „Miss Lily Evans klopfte mir auf die Schulter und kreischte mir ins Ohr, dass mein Freund und mein Bruder mich eiskalt hintergehen wĂŒrden. Ich wĂŒrde dich daraufhin ja jetzt abservieren, James – ehrlich, was denkst du dir? – aber dann wĂŒrdest du ja als Arschloch vor Evans dastehen und dann wĂ€re all dieses Rumgefummel umsonst gewesen.“

„Was?“ James lugte ĂŒber Sirius‘ Schulter und bekam trotz der Tatsache, dass Lily sich genauso wie Remus damit beschĂ€ftigte Caradocs gebrochenes Herz wieder zu flicken, einen richtigen Avada Kedavra aus Lilys sonst so schönen grĂŒnen Augen geschenkt. „Ach, du Scheiße
“

„Kriegt man richtig Angst, was?“ Sirius‘ Grinsen deutete nicht ansatzweise auf Angst hin, aber wer wusste schon, was sich noch alles dahinter verbarg – vielleicht sogar Eifersucht? James bezweifelte das und dann kĂŒmmerte er sich auch lieber darum, Lilys Zorn zu besĂ€nftigen.

„Hey, wo willst du denn hin?“ Sirius packte seinen Arm, als James sich in Bewegung setzte. Fragend drehte James sich wieder zu ihm herum und folgte Sirius‘ Finger, der wieder nach oben zeigte. „Traditionen, James Potter.“

James lachte auf. „Du gibst einen Scheißdreck auf Traditionen, Sirius Black.“ Er machte sich mit einem Ruck los und schĂŒttelte mit heruntergezogenen Mundwinkeln den Kopf. „Es ist doch nur ein dĂ€mlicher Mistelzweig.“

„Ach?“ Sirius verschrĂ€nkte die Arme vor der Brust. „Du denkst, es geht hier um einen Mistelzweig?“

„Äh
 worum denn sonst?“ James zuckte ahnungslos mit den Schultern.

„Darum, dass du immer alles stehen- und liegenlĂ€sst, sobald es um Lily Evans geht. Sogar mich.“ Sirius fuhr sich mit einem Seufzen durch die Haare. „Und ich dachte schon, dass du so ĂŒberdeutlich meinen Bruder angrĂ€bst, sollte mir nur unterschwellig mitteilen
 na ja, was soll’s. Ich geh dann mal. Kannst ihr ja sagen, wir hĂ€tten Schluss gemacht, weil Regulus dich angegraben hat und ich das falsch verstanden hab. Dann kriegt sie ein schlechtes Gewissen und wird sich an deiner Schulter ausheulen.“ Sirius nickte James zu, bevor er sich umdrehte, aber diesmal hielt James ihn zurĂŒck, packte ihn dafĂŒr von hinten um die HĂŒfte herum.

„Was soll dieses Rumgezicke denn jetzt wieder?“, schnaubte er Sirius direkt ins Gesicht, als er ihn herumgedreht hatte.

„Oh, James, das ist mir viel zu nah. Ich kann dein FrĂŒhstĂŒck riechen“, sagte Sirius und drehte den Kopf zur Seite, lehnte sich leicht zurĂŒck.

James schlug ihm fĂŒr diesen Kommentar hart gegen die Brust. „Weich nicht wieder aus. Wenn du mich kĂŒssen willst, dann tu’s einfach und warte nicht extra unter einem Mistelzweig!“

So vollkommen erstarrt sah Sirius seinem Bruder merkwĂŒrdig Ă€hnlich, vor allem dann, als seine Augen sich auch noch weiteten. Allerdings brach er kurz darauf in bellendes Lachen aus, was James nicht nur dazu brachte ihn loszulassen, sondern auch einen Ă€hnlichen Rotton anzunehmen, wie er es von Regulus gewohnt war.

„Du denkst
 du
“ Sirius krĂŒmmte sich leicht und presste sich eine Hand gegen den vor Lachen schmerzenden Magen. „Zu köstlich, Krone. Du denkst, ich wĂŒrde
“ Als er sich wieder aufrichtete, wischte Sirius sich eine LachtrĂ€ne aus dem Augenwinkel, was James zur Seite schauen ließ. „Ganz sicher nicht.“

Aufschnaubend drehte James sich wieder herum und piekte mit dem Zeigefinger direkt dort, wo er geglaubt hatte, Sirius hĂ€tte ein Herz. „Dass du den ganzen Tag schon so ĂŒbertrieben gut drauf bist
 genau genommen bist du so gut drauf, seit du mich zusammen mit deinem Bruder in der KĂŒche gesehen hast. Das beweist doch nur, dass du zu ĂŒberspielen versuchst, wie du dich fĂŒhlst – nĂ€mlich scheiße.“

Sirius schĂŒttelte vehement den Kopf. „Ich fĂŒhle mich nicht
“

„Und jetzt dieses Gelaber von wegen Evans wĂ€re mir wichtiger als du. Was soll das denn? Du willst nicht, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme. Du willst nur, dass ich schnalle, was du fĂŒr mich empfindest. Aber das hab ich schon vor einer halben Ewigkeit kapiert. Wenn du nicht aufhörst so verdammt stur zu sein, dann wirst du es bitter bereuen, wenn ich irgendwann Evans‘ Hand anstatt deiner halte.“ James holte tief Luft und machte einen Schritt nach hinten, versuchte Sirius‘ starrem Blick standzuhalten, aber je lĂ€nger er keinen Ton von sich gab, desto unangenehmer wurde James dieser Ausbruch.

„Tut mir leid, James“, sagte Sirius dann endlich einmal ernst und sofort James wĂŒnschte sich, dass Sirius‘ Stimme sich nicht plötzlich anfĂŒhlte, als wĂ€re sie das Löffelchen Pudding zu viel, dass zu grĂ€sslichen Magenschmerzen fĂŒhrte. „Du bist mein bester Freund. Mehr nicht.“ Sirius schluckte hart und senkte den Blick. „Wenn du das anders siehst, dann
 dann sollten wir vielleicht eine Weile auf Abstand gehen.“ Der Moment, den Sirius auf eine Antwort wartete, kam James wie eine halbe Ewigkeit vor und war trotzdem nicht lang genug, damit er die Knoten in seinem Hals herunterschlucken und eine Antwort formulieren konnte. Sirius drehte sich viel zu schnell in Richtung der Treppe und marschierte schnurstracks nach oben, anscheinend gar keinen Gedanken mehr an Unterricht verschwendend. James konnte das ansatzweise nachvollziehen.

Hastig blinzelnd richtete er sich die Brille und ging zurĂŒck in die Halle. Sein Atem ging schwer und jeder Zug schmerzte, fĂŒllte seine Brust eher mit Rasierklingen anstatt mit erfrischender Luft. Obwohl seine Schritte schnell waren konnten sie nicht ansatzweise mit den hĂ€mmernden SchlĂ€gen seines Herzes mithalten.

Zielstrebig steuerte James auf Dearborn zu und schubste ihn barsch zur Seite gegen Lily, die ihm irgendetwas sehr Fieses an den Kopf warf. James versuchte einige Momente lang tief durchzuatmen, versagte aber klĂ€glich und stieß ein leises Schluchzen auf, bevor er sich zur Seite drehte und das Gesicht kurzerhand gegen Remus‘ Schulter drĂŒckte, seine Brille achtlos auf den Tisch werfend. Er versuchte die erbĂ€rmlichen GerĂ€usche zu dĂ€mpfen, die seiner Kehle automatisch entwichen, und es war ein Wunder, dass er nicht bereits die gesamte Aufmerksamkeit der Großen Halle auf sich gezogen hatte.

„James?“ Remus legte ihm eine Hand auf den Kopf, aber James wischte sie weg, wollte nicht, dass sie sein Nest durcheinander brachten. Heiße TrĂ€nen liefen ihm unkontrolliert ĂŒber die Wangen und Remus‘ Hemd war noch ganz nass, weshalb James es ungestört zweckentfremdete, aber auch Remus‘ Hand auf seinem RĂŒcken konnte ihm nicht wirklich Trost spenden.

Er wollte Sirius nicht verlieren. Wenn er ihn eben nicht kĂŒssen durfte, dann hatte er immer noch den besten Freund auf der ganzen Welt. Wo war da nur sein Problem gewesen? Wieso hatte er nicht einfach die Klappe gehalten. Er wusste, wann Sirius Spaß machte und eben hatte er ganz sicher keinen schlechten Scherz gemacht
 Das war es wirklich nicht wert. Dann legte Evans jetzt eben die Hand auf seine Schulter und laberte irgendeine Scheiße, aber das war es nicht wert den wichtigsten Menschen in seinem Leben zu verlieren.


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Ich war völlig panisch. Meine Eltern tanzen beide sehr gut, haben mir das aber anscheinend nicht vererbt. Alle Kids hatten etwa drei Wochen Zeit, um die TĂ€nze einzuĂŒben, aber weil ich so viele andere Szenen drehen musste, blieben mir nur ganze vier Tage. Sobald ich die Schritte halbwegs kapiert hatte, kam ich völlig aus dem Takt. Zum GlĂŒck soll Harry gar kein toller TĂ€nzer sein.
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